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Erholung im Schönbusch-Park Teil 1


Picknick zwischen See und Sphingen


Um halb eins kommen wir schließlich im Schönbuschpark an. Die ursprüngliche Zeitplanung mit dem „1,3-Faktor für Fährtle“ hat also wieder mal erstaunlich gut gepasst. Was wieder mal typisch ist: Dienstag, Wochentag, da ist kein Mensch hier. „Katzabärle“ steht mutterseelenallein auf dem großen Parkplatz. Drei Stunden habe ich für den Park eingeplant, schließlich wollen wir uns hier erholen, um für die restlichen 190 km bis Kleinmaischeid einigermaßen frisch zu sein. 190 km, warum so viel? Nun, ich habe bewusst den Weg über die die A 45 gewählt. Das ist zwar rund 40 Kilometer länger als die Route über Frankfurt, zeitlich gibt es aber kaum einen Unterschied – dafür ist die A 45 deutlich entspannter zu fahren und erfahrungsgemäß mit weniger Stress verbunden als das im dichten Verkehr im Ballungsraum um Frankfurt herum der Fall ist.

So, der Panda ist abgeschlossen und dicht. Zielstrebig marschiere ich los, weil ich – warum auch immer – der Meinung bin, dass wenn wir von der Emanuel-Joseph-von-Herigoyen-Straße her reingekommen sind, dass es dann genau gegenüber dann zum Park gehen muss. Aber da habe ich mich aber wohl geirrt.  Wir stochern dann eine Weile rum, bis ich dann zwei Gärtner fragen kann. Die meinen: „Vor zur Straße und dann rechts.“ Nach 300 Metern sind wir dann am Eingang zum Park. Die Toiletten hinterm Fahrradparkplatz sind zwar offen, im Außenbereich des Restaurants ist aber total tote Hose. Der Kiosk ist auch zu. Werktag halt.

Wir gehen am nordwestlichen Ufer des Schönbuschsees den Weg entlang, weil an dessen Ende die historische Rote Brücke mit dem vier Sphinxen sein soll (dass der korrekte Plural von Sphinx tatsächlich Sphingen lautet, habe ich erst erfahren, als ich Wochen später den Reisebericht geschrieben habe). Doch bis zu den Wächterfiguren kommen wir aber gar nicht, denn nach 600 Metern (Wir sind immerhin schon eine ½ Stunde im Park) schreit ein Bänkchen geradezu nach einer Picknick-Pause. Auf der Parkbank richten wir dann unser mitgebrachtes Festmahl an: Hackfleischküchle, Tomaten, Gurken und das mitgenommene Wasser, eben alles, was man für eine ordentliche Reisebrotzeit braucht.

Zwischen uralten Bäumen, mit Blick auf Schönbuschsee und die Nilgänse – man erkennt sie übrigens deutlich an ihren roten Beinen und dem charakteristischen rotbraunen Fleck um die Augen – schmeckt das einfache Essen oft besser als das in manch teurem Restaurant.

So da sitzend stellen wir fest: Der Schönbusch-Park ist weit mehr als nur ein schöner Park. Seine Geschichte beginnt bereits 1775, als Friedrich Karl Joseph von Erthal das ehemalige Wildgehege verwandeln ließ in eine völlig neue Parklandschaft. Statt der damals üblichen schnurgeraden Alleen und streng geometrischen Barockgärten entstand hier – nach englischem Vorbild – einer der ersten Landschaftsparks auf dem europäischen Festland: Geschwungene Wege, kleine Seen, sanfte Hügel und locker verteilte Pavillons. Alles sollte so aussehen, als ob es die Natur selbst geschaffen hätte. Mit so einem Park konnte der Kurfürst schon Staat machen. Später wurde die Anlage durch Gartenkünstler wie Friedrich Ludwig von Sckell dann noch weiterentwickelt und zu dem klassischen Landschaftspark geformt, der er heute ist. Wie wir uns gedanklich so in die Welt von vor 250 Jahren zurückversetzen, fliegen hinter uns Störche vorbei. Susanne, die ein Riesenfan von Störchen ist, ist selig.

Man glaubt nicht, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man entspannt ist. Eine halbe Stunde haben wir inzwischen schon hier gesessen. Dann gehen wir weiter. 200 Meter weiter sind wir an der Roten Brücke. Sie wurde 1789/90 als bewusst gesetzter Blickfang aus rotem Sandstein errichtet und gehörte ursprünglich zur damaligen Darmstädter Chaussee. Als in den 1930er-Jahren die Straße neu gebaut wurde, nahm man die Brücke Stein für Stein auseinander und setzte sie 50 Meter weiter südlich an ihrem heutigen Standort wieder zusammen. Der ursprüngliche Platz war bewusst so gewählt, dass man einerseits über den See blicken konnte und andererseits die Brücke mit ihren vier Sphingen (nicht Sphinxen!) an jeder Ecke selbst zum Blickfang wurde.

Die Sphingen hier haben keinen tieferen Sinn. Aber da Sphingen (Mann, ist das ein ungewohntes Wort) bereits seit der Antike als Wächterinnen wichtiger Orte galten, hat man sie Ende des 18. Jahrhunderts hier eben auch aufgestellt, damit sie die Rote Brücke bewachen.

300 Meter weiter kommen wir zum Schloss Schönbusch, kein prunkvolles Residenzschloss, sondern eher ein elegantes Gartenschloss im klassizistischen Stil mit Blick auf den See. Der Platz für das Zehn-Zimmer-Häuschen wurde bewusst so gelegt, dass man freien Blick hatte zum drei Kilometer nordöstlich gelegenen mächtigen Renaissance-Schloss Johannisburg am Main-Knie.


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