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Freunde, Burgen und Erinnerungen-16


D´s Schorndorfer Burgschloss


(Donnerstag, 11. April 2024) Um das Eis zu verdauen und das Kirschwasser abzubauen, laufen wir noch etwas durch Schorndorf. Über Moser- und Archivstraße gelangen wir schon bald zum Burgschloss, einer viereckigen Festungsanlage aus der Zeit der Renaissance (15. / 16. Jhdt.), mit je einem trutzigen Rundturm an jeder Ecke.

Im Rahmen der Remstalgartenschau 2019, der ersten Gartenschau in Deutschland, die in sechzehn Städten und Gemeinden stattfand, hat man den Park ums Schloss ganz schön herausgeputzt. Eigentlich ein Platz zum Verweilen, aber das griechische Event mit Freunden und der anschließende Besuch beim Italiener zeigt Wirkung.

Knoblauch, Tsatsiki, Bifteki, Zucchini, Kichererbsen auf der einen Seite und Cappuccino, Kirschwasser, Vanille- und Schokoladeneis auf der anderen Seite stehen sich in mir irgendwie feindlich gegenüber. Alles in mir schreit nach einem „stillen Örtchen“, nicht nur laut, sondern vor allem schnell. In solchen Momenten wird einem klar, wie klein wir eigentlich sind, wenn es nirgendwo eine Toilette gibt. So völlig ohne Privatsphäre. Wo bleibt da die menschliche Würde?

Unterwegs hatten wir es ja mit einigen Toiletten zu tun. Sauber waren da nur die Bezahl-Toiletten entlang der Autobahn und die Toiletten im Zoo und in den Restaurants. Und hier? Bis runter zum Karlsplatz schaffe ich das auf keinen Fall. Außerdem waren die Toiletten vorm Schorndorfer Bahnhof schon vor 50 Jahren so versifft, dass man da auf keinen Fall hin wollte. Andere kenne ich nicht.

Aber Glück gehabt. Seit 2021 gibt es hier im Schlosspark eine brandneue behindertengerechte und makellos saubere Toilette. Diese Einrichtung ist nicht nur auf höchste Sauberkeit ausgelegt, sondern verfügt auch über eine spezielle Einheit, in denen Suchtkranke ihre gebrauchten Spritzen sicher ablegen können, ohne Gefahr für andere oder die Umwelt.

Gut, die Toilette kostet 50 Cent, dafür hebt sie sich aber deutlich ab von allen andern. Für mich ist sie die sauberste und fortschrittlichste Toilette, die ich je gesehen habe. So was hätte ich allenfalls in Japan, aber niemals in Deutschland erwartet.

Abschied


Erleichtert setzen wir unseren Schorndorf-Rundgang fort, gehen noch gemeinsam zum Künkelin-Parkhaus und fahren dann so gegen dreiviertel vier wieder nach Hause.

Damit ist unser Burgen-und-frühere-Freunde-treff-Fährtle eigentlich abgeschlossen, wäre da nicht rechts in die Rosenstraße – schräg gegenüber vom Bahnhof – „Connys Imbisständle“, an dem wir grad vorbeifahren.

Nun ist so ein Imbiss-Ständle eigentlich nichts Besonderes, es erinnert mich aber – so im Rückblick – an eine wesentlich einfachere und unbeschwertere Zeit. Wie oft habe ich damals, vor über 50 Jahren, als ich noch Lehrling beim Bosch in Waiblingen war, abends den Bahn- oder Postbus nach Welzheim sausen lassen, weil mir die Pommes bei Conny, also die mit der selbstgemachten Mayonnaise, einfach wichtiger waren als alles andere. Ich hab jetzt wieder ganz genau deren Geschmack im Mund und ich sehe die spitze Papiertüte, aus der ich versuchte, die Pommes heraus zu stochern ohne komplett verschmiert zu sein. Da kommt irgendwie ein Glücksgefühl auf.

Gleichzeitig wird man aber auch wehmütig. Man wird sich bewusst, wie viel Zeit inzwischen vergangen ist und wie sehr sich die Dinge im Laufe der Jahre verändert haben. Was ist seither nicht alles passiert? Studium, Fernreisen, unzählige Umzüge, Hochzeit, ja sogar Silberhochzeit, aber auch Übergang in den Ruhestand und der Verlust von Eltern und anderen nahestehenden Personen. Wäre all das auch genauso gekommen, wäre ich damals nach der Arbeit gleich nach Hause gefahren, so ganz ohne Pommes?

Jetzt aber genug der Sentimentalität. Ich denk lieber an die Glücksmomente in den mehr als 30 Jahren „Fährtle“ – und das immer mit der gleichen Beifahrerin!

Da sind wir wieder beim Fährtle. Ich bin ja schon öfter aus dem Schwäbischen Richtung Mering gefahren, aber auf dieser Strecke wie heute, noch nie. Erst geht es aus Schorndorf über die Göppinger Straße raus nach Oberberken, Holzhausen, Uhingen, Hattenhofen und Zell am Aichelberg und dann am Aichelberg endlich wieder auf der gewohnten Route, die A 8 Richtung München.

Um 18:00 Uhr kommen wir zu Hause an. Das war wieder mal eine perfekte Kombination aus Kultur, Geschichte, landschaftlicher Schönheit, Freundschaften und Emotionen – ein weiteres unvergessliches Fährtle mit unserem feuerroten Panda.


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