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MOSKAU – TOMILINO – ST. – PETERSBURG

Tomilino


Tomilino ist eine mittelgroße Stadt mit etwa 30.000 Einwohnern und liegt rund 30 km südöstlich von Moskau. Offiziell gegründet wurde die Stadt im Jahre 1894 von einem Kaufmann namens Tomilin, daher auch der Name.

Richtig leben kam nach Tomilino aber erst, als sich in der Hälfte des 20. Jahrhunderts einige große Staatsunternehmen hier ansiedelten (z.B. NPP Zvezda, das bekannt ist für die Raumanzüge für russische Kosmonauten und Schleudersitze oder das bedeutende Moskauer Hubschrauber-Werk „Mil Helikopter“). Seit dem ist Tomilino bekannt als Kompetenz-Zentrum für Wissenschaft, Entwicklung- und Produktion.

In Tomilino gibt es auch mehrere Gymnasien, eine Sportschule, eine Musikschule, eine Internatsschule, eine sanitäre Schule und ein kreatives Kinderhaus.

Das hätte ich aber niemals im Leben erfahren, hätte Simon kurz vor seiner Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn nicht zufällig in Moskau Alena getroffen, die er im vergangenen Jahr geheiratet hat. Und jetzt sind wir hier. Der Zug fährt weiter und wir machen die ersten Schritte in die Heimatstadt unserer Schwiegertochter, die wir uns gar nicht mehr wegdenken können.

Direkt bei der Bahnstation steht ein Puschkin-Denkmal. Welchen Bezug Puschkin aber ausgerechnet zu Tomilino hat, ist mir nicht bekannt. Vielleicht ist er ja auch mal Transsibirische Eisenbahn gefahren. Zumindest aber wurde er in der gleichen Kirche getauft wie Olga. Irgendwas steckt da doch dahinter …

Sekundarschule


Als Erstes zeigt uns Alena die Sekundarschule, an der Alenas Mutter unterrichtet hat und an der Alenas Großmutter 15 Jahre lang Direktorin war.

Märchenwald


Anschließend gehen wir zum Märchenpark, der erst vor Kurzem entstand.

Hier sieht man u.a. Figuren aus Puschkins Märchen „Das Märchen vom Zaren Saltan“, so auch beispielsweise die Zarin, so wie sie 1967 im gleichnamigen Film von Лариса Голубкина (Larisa Golubkina) dargestellt wurde, und das singende, goldene Nüsse knackende Eichhörnchen aus dem gleichen Märchen. Für russische Kinder ein Klassiker, so wie für uns Hänsel und Gretel, Schneewittchen oder Dornröschen.

Ein paar Meter weiter treffen wir Миша (Mischa), den Bären aus Маша и Медведь (Mascha und der Bär), einer Computeranimations-Serie, die in Russland jedes Kind kennt und von der es auf YouTube sogar eine deutsche Synchronfassung gibt.

Am äußersten Ende des Parks sehen wir ein Denkmal für Белка и Стрелка (Belka und Strelka), zwei Weltraum-Hunde aus dem 2010 erschienenen russischen Animationsfilm Belka und Strelka.

Hintergrund für diesen Film ist ein reales Ereignis, das 57 Jahre zurückliegt. Damals, 19. August 1960, wurden tatsächlich – zusammen mit zwei Ratten, 50 Mäusen und etlichen Fliegen – zwei russische Hunde mit Спутник 5 (Sputnik 5) in den Weltraum geschossen. Die Hunde hatten Glück, dass sie das Experiment überlebten. Hündin Лайка (Laika), die man drei Jahre zuvor ins Weltall schoss, hatte dieses Glück nicht. Bei ihr war eine Rückkehr von vornherein gar nicht vorgesehen, sie sollte so oder so im Weltraum verglühen. Wie man heute weiß, starb die Hündin aber bereits während des Flugs an Überhitzung und Stress. Ein für mich gar nicht so schönes „Märchen“.

Auf dem Weg zu Olga


Wir gehen wieder zurück zum Bahnhof und dann durch eine Unterführung auf die andere Seite Tomilinos. Der Weg zu Olga – wo wir heute zum Essen eingeladen sind – zieht sich. Mir fallen die gelb-grünen Bordsteine auf und Susanne ein Baumpilz, der wie ein Abbild von Finn, dem kleinen Delfin aussieht.

Nach rund einen Kilometer überqueren wir die große Гаршина ул. (Garshina Straße) und sind noch immer nicht da. In Höhe des Lebensmittelmarkts Magnet wird an einer Tafel (mit Portraitfotos) an die Teilnehmer des zweiten Weltkriegs erinnert. Etliche davon sind Verwandte von Alena und Olga. Das macht betroffen, vor allem, weil die Kriegsteilnehmer plötzlich ein Gesicht haben.

Genau gegenüber liegt das Werkstor der НПП Звезда (NPP Swesda). Von Swesda hatte ich bereits oben geschrieben. Юрий Гагарин (Juri Gagarin), wäre niemals der erste Mensch im All geworden, hätte er nicht einen hier gefertigten Anzug aus der „SK-1“-Serie gehabt.

Wir gehen und gehen und gehen. Ich glaube, ich habe schon Plattfüße. Russland soll ja das größte Land der Erde sein, habe ich mal gelesen, unendlich groß. Dass diese Unendlichkeit aber schon in mittleren Städten beginnt, das ist mir neu. Gefühlt sind wir schon drei oder fünf Kilometer gegangen – und das ohne Überlebensanzug. Nachdem wir – neben vielen anderen wichtigen Orten aus Alenas Jugend – auch noch deren Kindergarten und ihr Gymnasium besucht haben …

… kommen wir endlich zu der Siedlung, in der Olga wohnt. Olga ist uns inzwischen entgegengekommen und Nastja verabschiedet sich (aber nicht wegen Olga!).

Zu Gast bei Olga


Wir restlichen fünf, Susanne, Olga, Alena, Simon und ich fahren, eingequetscht in einen engen Aufzug in die oberen Etagen. Wie in Russland üblich, heißt es – sobald man eine Wohnung betritt – Straßenschuhe ausziehen und sich mit Hausschlappen bewaffnen.

Olga hat das Essen schon bereitgestellt – auch das ist in Russland üblich – in der Küche. In Russland macht man übrigens alles, was mit Essen zusammenhängt, in der Küche: Kochen, Essen, Abwaschen.

Als Vorspeise gibt es gefüllte Auberginenröllchen mit Walnüssen und Mayonnaise und als Hauptgericht einen überbackenen Gemüse-Fleisch-Topf. Dazu hat Olga das Fleisch, das Gemüse und das getrocknete Obst (Pflaumen, Aprikosen, Karotten, Kartoffeln) sowie Gewürze in ein Steingut-Töpfchen gegeben, mit etwas Wasser übergossen und in den Backofen gestellt. Der Rest passiert dann fast von selbst. Kurz vor dem Anrichten wird das Ganze mit Käse überbacken. Mann, ist das lecker!

Als Beilage gibt es griechischen Salat. Dazu hat uns Olga extra noch alkoholfreies Weizen besorgt. Wir sind überwältigt. Und wann hat man schon mal das Erlebnis, in einem russischen Privathaushalt zu speisen? Das ist etwas ganz anderes als im Restaurant und viel, viel authentischer.

Wir müssen uns aber etwas zurückhalten, denn nach dem Essen bei Olga sind wir zum Essen bei Alenas Großmutter eingeladen. Und da kommt – so hat mir Simon erzählt, der das schon mal erleben durfte – Großes auf uns zu.

Inzwischen ist auch пончик (Ponchik) aufgewacht, Olgas Schottische Faltohrkatze. Irgendwie erinnert mich Ponchik stark an Garfield, obwohl er gar nicht orange ist.

Danach ist Alenas Vergangenheit an der Reihe: Fotoalben von der Geburt, über Kindergarten und ihre Zeit beim Großvater im Dorf. Gegen halb zwei ist das Essen bei Olga beendet, wir müssen ja noch zur Großmutter nach Малаховка (Malahowka). Malahowka entstand um 1900 herum als typische Datschensiedlung wohlhabender Moskauer.


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