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MOSKAU – TOMILINO – ST. – PETERSBURG

Spaziergang in den Sonnenuntergang


Wohl genährt, können wir zu neuen Taten schreiten – denken wir. Als wir den Prospect Richtung Westen gehen, steht die Sonne so tief, dass man absolut überhaupt nichts mehr sieht. Man tastet sich nur durch ein Menschengewühl.

Abendliche Rundfahrt durch die Kanäle St. Petersburgs


Gegen halb acht sind wir an der Moika. Hier soll in einer halben Stunde eine Abendrundfahrt durch die Kanäle von St. Petersburg starten. Warum nicht?

Zunächst werden wir auch auf das Boot gelotst, dann müssen wir aber wieder runter, weil irgendein Arbeiter die Stühle zusammen stapelt, den Teppich beiseite rollt und mit einem Kanister in den Maschinenraum geht. Dann erzählt man uns, dass das Boot später nur als Übergang zu einem zweiten Boot dienen soll, das noch kommt. Dann gehen wir eben auf das neue Boot. Aber auch dort werden wir wieder runter gescheucht. Ich blick´s nicht mehr. Schlussendlich ist dann um kurz nach halb neun dann doch noch ein Boot losgefahren.

Eremitage-Brücke


Wir fahren auf den Moika an unserem Haus vorbei und dann links in den Reka Zimnyaya kanavka und dann unter der Eremitage-Brücke in die Neva.

Das Licht ist um diese Zeit, wir haben 20:40 Uhr, der blanke Wahnsinn!

Sommergarten


Wir fahren die Neva rund einen Kilometer hoch, unter der Troizki-Brücke durch bis rechts rein in die Fontanka, an der rechts der Sommergarten liegt.

Tschischik-Pyschik


Am Ende des Sommergartens, direkt hinter der Brücke rechts, gibt es unmittelbar unterhalb der Michaelsburg die kleinste und wohl am häufigsten gestohlene Skulptur von ganz St. Petersburg, einen elf Zentimeter großen Erlenzeisig. Und zu diesem Erlenzeisig gibt es ein Lied, das übersetzt in etwa so geht:

Hey, Katja, Katja! Hey, Katerina,
Oh, ja du bist ja ja ja Ballerina!
Wenn du nach Hause gehst –
Du lachst ja, ja, über mich!Usw. usw.

Tschischik-Pyschik
Чижик-пыжик, где ты был?
На Фонтанке водку пил!
Выпил рюмку, выпил две –
Зашумело в голове!

Эй, Катя, Катя! Эй, Катерина,
Ах, да ты какая, да-да, балерина!
Ты когда идешь домой –
Ты смеешься, да-да, надо мной!

и т.д, и т.д

Tschischik-Pyschik, wo warst du?
Ich habe Wodka getrunken am Ufer der Fontanka.
Erst ein Gläschen, dann ein zweites —
Und jetzt brummt mir der Schädel.

Hey, Katja, Katja! Hey, Katerina,
Oh, ja du bist ja ja ja Ballerina!
Wenn du nach Hause gehst –
Du lachst ja, ja, über mich!

usw. usw.

Wer oder was ist dieser „Tschischik-Pyschik“? Dazu gibt es eine Legende: Die Jura-Studenten in der Fontanka 6, nicht weit von der Brücke, trugen gelb-grüne Uniformen, genau wie der Erlenzeisig, auf Russisch Чижик (gesprochen „Tschischik“) und Mützen aus dem Fell junger Rentiere, auf Russisch Пыжик (gesprochen „Pyschik“). Logisch, dass die Studenten diesen Spitznamen erhielten.

Anitschkow-Brücke


Nach etwa einem weiteren Kilometer sind wir an der Anitschkow-Brücke. Sie ist Teil des Nevski-Prospects, der Hauptstraße vom Moskauer Bahnhof bis zum Admiralspalast. Weltweit bekannt dürfte die Brücke vor allem wegen der Skulpturengruppe der vier „Rossbändiger“ sein.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke durch deutschen Artilleriebeschuss erheblich beschädigt. Die St. Petersburger waren aber clever genug, die „Rossbändiger“ im Vorfeld im Garten des Anitschow-Palastes zu vergraben, sodass sie unbeschädigt blieben (im Übrigen haben die St. Petersburger im Zweiten Weltkrieg sehr viele ihrer Kunstschätze vergraben, sodass sie den Krieg unbeschädigt überstanden).

Als die Brücke wieder aufgebaut wurde, hat man sich entschieden – als Mahnmal gegen den Krieg – bei einem Figurensockel die Kriegsschäden nicht zu beseitigen, worauf eine Inschrift hinweist.

Militärmedizinische Akademie und Dreifaltigkeits-Kathedrale


Zwei Kilometer weiter fahren wir an der Militärmedizinische Akademie S. M. Kirow vorbei, wo in erster Linie Truppen- und Marineärzte ausgebildet werden.

Einen weiteren Kilometer weiter kommen wir an die Dreifaltigkeitskathedrale, die aufgrund dessen, dass sie für das Ismailowskij-Regiment errichtet wurde, auch Троицкий собор (Ismailowskij-Kathedrale) genannt wird. Mit ihrer blauen, mit goldenen Sternen übersäten Kuppel gehört sie zu den markantesten Bauwerken St. Petersburgs.

Nach der Oktoberrevolution wurde sie geplündert und 1938 als Kirche endgültig geschlossen. Lange war sie daraufhin ein Lagerhaus des Postministeriums. Erst 1990 wurde das Gebäude der russisch-orthodoxen Kirche wieder zurückgegeben. Nach einem verheerenden Brand (2006) und anschließenden Restaurierungsarbeiten wurde die Kirche 2010 wieder eröffnet.

Nikolaus-Marine-Kathedrale


Nach einer Fußgängerbrücke über die Fontanka, muss das Boot erheblich manövrieren, um die Kurve in den Krjukow-Kanal zu kriegen, der gleich nach der Fußgängerbrücke – unter der Fontanka-Ufer-Straße – rechtwinklig abgeht. Der Kanal führt nach 500 Metern an einer türkis-weißen Kirche mit fünf goldenen Kuppeln vorbei, der Николо-Богоявленский Морской Собор (Nikolaus-Marine-Kathedrale), welche nach dem Schutzpatron der Seeleute, Nikolaus von Myra, benannt ist.

Isaak-Kathedrale und Kaufhaus „Esders & Sheyfals


An der Петербургский художник (Kunstgalerie), wo wir wieder rechts in die Moika einbiegen (das ist der Fluss, an dem wir gestartet sind und an dem wir auch wohnen), geht es wieder durch eine extrem niedrige Brücke. Nachdem wir die geschafft haben, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Jetzt schippern wir nur noch knapp zwei Kilometer auf der Moika entlang.

Linker Hand sehen wir – jetzt beleuchtet – die Kuppel der Isaak-Kathedrale und knapp zehn Minuten später das ehemalige Kaufhaus „Esders & Sheyfals“, in dem ab 1906 konfektionierte Damen- und Herrenbekleidung verkauft wurde. Heute heißt das Kaufhaus profan „Au pont rouge“ (An der Roten Brücke).

Kühlschrankmagnete und Glühwein


Nach etwas mehr als einer Stunde kommen wir durchgefroren (Mann, ist das kalt geworden) wieder an der Bootsanlegestelle vorm Taleon Imperial Hotel an. Beim Aussteigen wartet schon ein Händler mit seinem Bauchladen. Mittels der Fotos, die zu Beginn der Tour geschossen wurden, wurden Kühlschrankmagnete hergestellt, die gar nicht mal schlecht aussehen und auch nicht teuer sind. Wann hatten wir schon mal ein Foto, auf dem wir alle vier passabel drauf sind?

Ich frier mir einen ab. Wie gut, dass gleich am Straßenrand ein Kombi steht, der hinter der Heckklappe eine Art „Rollende Kaffeemaschine“ eingebaut hat. Hier gibt es nicht nur COFFEE, wie in Englisch zu lesen ist, sondern auch kyrillischen „ГЛИНТВЕЙН“, was so gar keinen Sinn macht, das man aber – wenn man sich bemüht – etwa „Glintveyn“ ausspricht. Glühwein in St. Petersburg! Im August! Das hat auch nicht jeder. Natürlich gönnen wir uns jeder einen Becher, mit Strohhalm! 200 Rubel pro Becher (3,40 €), das ist uns der Spaß wert. Und der Glühwein schmeckt wirklich ausgesprochen lecker und – er wärmt durch.

Nach einem – wieder mal – wunderschönen Tag, gehen wir fröhlich nach Hause zu unserem Appartement am (von hier aus gesehen) rechten Ufer der Moika.


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