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MOSKAU – TOMILINO – ST. – PETERSBURG

Isaak-Kathedrale


Die Isaak-Kathedrale ist einer der größten sakralen Kuppelbauten der Welt. Sie wurde in den Jahren 1810 bis 1858 erbaut und sollte die Position Russlands als neue europäische Großmacht zum Ausdruck bringen. Kennzeichnend sind die massiven Säulen aus rotem Granit mit ihren bronzenen Abschlüssen oben und unten, welche im Zweiten Weltkrieg unter dem deutschen Artilleriebeschuss erheblich zu leiden hatten.

Bedeutend sind auch die vier großen Giebelreliefs und die drei großen Bronze-Türen. Das westliche Giebelrelief zeigt die Begegnung des Heiligen Isaak von Dalmatien (Geburtsjahr unbekannt-383) mit Kaiser Theodosios (347-395), wobei Kaiser Theodosios interessanterweise die Gesichtszüge Alexander I. trägt. Die westliche Tür ist den Aposteln Petrus und Paulus gewidmet.

Senatsplatz


Wir gehen auf dem Senat Square Richtung Neva weiter bis zum Senatsplatz. Das prächtige gelb-weiße Gebäude ist das Senatsgebäude.

Gegenüber steht ein von Katharina der Großen in Auftrag gegebenes und 1782 errichtetes Reiterstandbild, das Peter den Großen zeigt. Unter den Hufen des Pferdes wird – als Symbol des Verrats – eine Schlange zertreten. Warum sich frisch verheiratete Paare ausgerechnet hier gerne fotografieren lassen, ist mir ein Rätsel. Was man beim Anblick des Denkmals gar nicht weiter beachtet, ist der Sockel. 1780 war es eine technische Meisterleistung, einen derart schweren Stein (die Rede ist von 2000 Tonnen) überhaupt bewegen zu können.

Seit Alexander Puschkins Gedicht Медный всадник (Der eherne Reiter, 1883) ist das Denkmal auch unter diesem Namen bekannt. In Russland muss jedes Kind das Gedicht in der Schule lernen, so wie wir seinerzeit „Schillers Glocke“ oder den „Erlkönig“. Im „Ehernen Reiter“ geht es um einen Mann, der seine Braut beim Neva-Hochwasser verlor. Dafür gab er Peter I. die Schuld, weil dieser St. Petersburg – seiner Meinung nach – am falschen Ort bauen ließ. Der Mann verfluchte Peter I. an eben diesem Denkmal, woraufhin das Reiterstandbild lebendig wurde und den Mann bis in den Wahnsinn verfolgte.

Entlang der Neva


Wir gehen runter an die Neva, wo man auf einem Ponton Karten kaufen kann für eine Bootsfahrt zu Peterhof. Dort wollen wir morgen hin. Derweil Alena – mal wieder – für uns ansteht (Danke, danke, danke) fotografiere ich die gegenüberliegende Seite der Neva.

Von links nach rechts sieht man: mit den Säulen ein Gebäude der Russischen Akademie der Wissenschaften, mit der grünen Fassade und dem Turm die Kunstkammer, daneben eine der beiden Rostralsäulen, die so benannt sind, weil sie (symbolisch?) mit den Bugspitzen von Schiffen feindlicher Flotten geschmückt sind. In Bildmitte sieht man – mit der langen, goldenen Turmspitze – die Peter und Pauls Kathedrale und ganz rechts die Troizki-Brücke (Brücke der Dreifaltigkeit).

Der Zar als Zimmermann


Nachdem Alena mit den Schiffskarten für morgen zurückkommt, schlendern wir die Neva entlang Richtung Troizki-Brücke. Unterwegs sehen wir ein Denkmal, das Zar Peter I. als Schiffszimmermann zeigt (wer kennt nicht Zar und Zimmermann von Albert Lortzing?). Peter I. soll tatsächlich unter dem Namen Peter Michailow als einfacher Zimmermann bei einer Werft gearbeitet und die Kunst des Schiffsbaus erlernt haben.

Weiter rechts nochmal „der eherne Reiter“ und dahinter die Isaak-Kathedrale mit der goldenen Kuppel, die auch „Gottes Tintenfass“ genannt wird.

Wassili Insel – die Hochzeitsinsel?


Wir gehen über die Troizki-Brücke bis zur östlichsten Spitze von Wassili Insel. Hier landen wir in einem Gewimmel von Brautpaaren, deren Hochzeitsgästen und Fotografen, welche offenbar glauben, die Neva und die Peter-und-Pauls-Kathedrale seien der ideale Hintergrund für das Hochzeitsfoto. Dazu positioniert man Tauben ins Bild, die meines Erachtens auch schon mal bessere Zeiten gesehen haben.

Dreht man sich um 180°, blickt man auf das Gebäude der Börse.

An der breitesten Stelle der Neva liegt ein Restaurant-Schiff, das zum Flying-Dutchman-Komplex gehört, welches hier vier Restaurants betreibt.

St. Petersburg-Panorama


Vom nördlichen Neva-Ufer aus hat einen wunderschönen Blick auf das Palastufer der anderen Seite der Neva u.a. mit den Fassaden der Eremitage-Gebäude.

Scroll-Panorama: Blick auf das Südufer der Neva und St. Petersburg

Hier ein paar Highlights (unvollständig): Links sieht man den 350 Meter langen Sandstrand auf der Südseite der Haseninsel, hinter dem Ausflugsdampfer den Neuen-Michaels-Palast, rechts daneben den Vladimir-Palast mit der Blutskirche dahinter, vier Häuser weiter rechts das Eremitage-Theater (mintgrün mit acht weißen Säulen), die Große (alte) Eremitage (sehr breit, sandsteinfarben, direkt rechts neben dem schmalen Haus mit den sechs Fenstern im ersten Stock und dem großen Bogen im Erdgeschoss), weiter rechts (links neben der goldenen Kuppel) die Kleine Eremitage (das mintgrüne Gebäude mit den acht weißen Säulen), dann der Winterpalast (türkisgrün mit russischer Fahne auf dem Dach), gelb das Admiralsgebäude mit der goldenen Spitze, daneben eine rote Rostral-Säule, die Isaak-Kathedrale und ganz rechts die Börse.

Haseninsel mit Naryschkin-Bastion und Peter-und-Paul-Kathedrale


Über eine kleine Brücke gehen wir auf die sog. Haseninsel mit der Peter-und-Paul-Festung, die Stelle, an der am 16. Mai 1703 St. Petersburg gegründet wurde. Peter der Große wollte – nachdem er die Schweden besiegt hatte – von hier aus den neugewonnenen Zugang zur Ostsee sichern. Hier hat also alles angefangen mit St. Petersburg.

Im südlichen Teil der Festung liegt die Naryschkin-Bastion. Hier wird Seitdem 18 Jahrhundert täglich um 12:00 Uhr eine Kanone abgefeuert – ein Highlight für viele Touristen. Wenn ihr euch fragt, was der „Union Jack“ auf einer russischen Bastion zu suchen hat, dann kann ich euch sagen, die Flagge stellt nicht den Union Jack dar, die Flagge ist die Flagge der russischen Marine.

Wir sitzen jetzt unterhalb der Peter-und-Paul-Kathedrale, trinken Kaffee aus Pappbechern, essen Eis und lauschen dem Glockenspiel. Die Peter-und-Paul-Kathedrale war übrigens die erste Kathedrale Russlands mit einem Glockenspiel, einem spielbaren (!) Glockenspiel, einem sogenannten Carillon. Leider wurde das von Peter I. angeschaffte Glockenspiel 1756 zerstört, als der Turm nach einem Blitzschlag abbrannte. Heute besteht das Carillon in der Peter-und-Paul-Kathedrale aus 51 Glocken mit Gewichten zwischen zehn Kilogramm und drei Tonnen. Damit lässt sich ein Tonumfang von vier Oktaven bewältigen.

Momentan spielt jemand „Ich bete an die Macht der Liebe“, ein Lied, das meine Großeltern Anfang der 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts von den Donkosaken auf Schallplatte hatten. Das hat sich damals so eingebrannt, dass ich es gleich wiedererkannt habe. Heute wird das Lied , das vom in St. Petersburg wirkenden ukrainischen Komponisten Дмитрий Степанович Бортнянский (Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski, 1751–1825) stammt, oft auch beim „Großen Zapfenstreich“, dem höchsten militärischen Zeremoniell der Bundeswehr zur Ehrung wichtiger Persönlichkeiten gespielt.

Nebelkrähen und andere „Vögel“


Auffallend sind die im Park einherschreitenden Nebelkrähen. In Deutschland habe ich Nebelkrähen noch nie gesehen.

Ganz andere „Vögel“ findet man auf der kleinen Wiese kurz vor der Johannesbrücke am äußersten östlichen Rand der Haseninsel.

Der Glückshase


Am Ende der Johannesbrücke sitzt rechts unten in der Neva auf einer Gruppe von Holzpflöcken ein kleiner Hase. Schafft man es, eine Münze so zu werfen, dass sie auf einem der Holzpflöcke liegen bleibt, hat man einen Wunsch frei. Alena hat es (natürlich) geschafft! Wenn sie ein Ziel hat, dann gibt sie nicht auf, bis sie es erreicht hat. Deshalb hoffen wir sehr, dass ihr Wunsch in Erfüllung geht.

Panzerkreuzer „Aurora“


Die „Aurora“ liegt heute als Museumsschiff vor der Marineschule Нахимов (Nachimow) in einem Seitenarm der Neva. „Berühmtheit“ hat der Panzerkreuzer erlangt, weil er angeblich mit einem Schuss (manche Quellen sprechen von einem Platzpatronenschuss, andere von einem tatsächlichen Beschuss des Winterpalastes) den Sturm der Bolschewiki auf den Palast und damit die Oktoberrevolution ausgelöst haben soll.

Die „Aurora“ wurde 1903 in Dienst gestellt und war weltweit unterwegs. Im Herbst 1941 wurde sie bei einem deutschen Luftangriff so schwer beschädigt, dass sie sank. 1944 wurde sie gehoben und zwischen 1945 und 1947 wieder instandgesetzt. Es folgten weitere umfangreiche Restaurierungsarbeiten – zuletzt zwischen 2014 und 2016. Erst seit Juli 2016 ist die „Aurora“ wieder zu besichtigen, auch die Kanone, aus der am 25. Oktober 1917 der „bedeutungsschwangere“ Schuss abgefeuert wurde.

Restaurant „Grizzly“


Nachdem wir heute auch schon wieder siebeneinhalb Stunden auf den Beinen sind, haben wir einfach keinen Bock mehr. Alena ruft ein „Uber“ und schon eine dreiviertel Stunde später sitzen wir im fünfeinhalb Kilometer entfernten „Grizzly“ im Nevski Prospect 96.

Die Fahrt mit dem Uber hat jetzt bis zum Restaurant gerade mal 204 Rubel (3,47 €) gekostet – für alle für zusammen. Ich bestell mir ein alkoholfreies Bier und einen großen Burger, das ist, was sie hauptsächlich anbieten: Burger in allen Variationen.

Ich hab mir ja einen PAKET-Burger bestellt, Alena meint aber eher, das sei ein ракет-Burger – man achte auf den kleinen Unterschied bei den kyrillischen Buchstaben. Ich habe also kein Paket bestellt, sondern eine Rakete, ein Geschoss. Jetzt weiß ich auch, warum der Burger so scharf ist. Aber ich liebe scharf.

Die bestellten Essen kommen im Gegensatz zum „Il Patio“ gestern gleichzeitig und alles ist richtig gut. Ich hab nicht gewusst, wie gut Burger schmecken können, nachdem ich in Deutschland nur die „Pappen“ von McDonalds kannte. Mann, war das lecker!


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