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MOSKAU – TOMILINO – ST. – PETERSBURG

Frühstück im „Zwei Stäbchen“


Irgendwie sind wir in der in Moika 30 schon richtig zu Hause. Im Hof die Katzen und nach draußen die schmiedeeiserne Tür.

Zum Frühstücken gehen wir in der Newski Ave. ins ДВе Валочки (Dve palochki), was „Zwei Stäbchen“ bedeutet. Dort gibt es Завтрак (Frühstück) von 8:00 bis 13:00 Uhr. Zum Aufwachen gibt’s dort warme Waschlappen, so wie man das manchmal aus Fliegern kennt. Aber auch die Art und Weise, wie Alena bestellt, erinnert mich an ein Flugzeug, nämlich daran, wie die Stewardessen vor dem Flug die Rettungswege erklären.

Da wir überhaupt kein Russisch können, ist es immer wieder lustig, wie Alena die Bestellung aufnimmt. Wir deuten auf irgendein Gericht der Karte und Alena speichert das. Kommt dann der Kellner, geht‘s los: Alena deutet auf Susanne und meint „СырНики С вишнёвый – уда“ (Sirniki mit Kirschen dorthin), dann deutet sie auf Simon „Французский Сэндвич – туда“ (das englische Frühstück dorthin). Jetzt bin ich dran: „Бифштёкс С яйцом – туда“ (das Beefsteak mit Ei dorthin) und zuletzt sie selbst „Английский завтрак – тдля меня“ (das englische Frühstück für mich). Wieder ein Wort gelernt: туда = tuda, heißt also „dorthin“. Ohne Alena würden wir wahrscheinlich irgendeinen Krampf bestellen, irgendeinen Mango-Saft mit Gurke oder so was (Insider-Joke: Das gibt’s in Russland wirklich)!

Geschmacklich ist das Essen hier wirklich hervorragend. Mengenmäßig hätte ich allerdings auch das Doppelte vertragen können. Aber wenigstens sah´s zum Fotografieren sehr übersichtlich aus.

Doppeltoilette mit zwei Toilettenschüsseln


Vorm Gehen entdecken wir noch eine weitere Besonderheit im „Zwei Stäbchen“ – hinter dieser Tür: In den Klo-Kabinen stehen sich jeweils zwei Kloschüsseln so gegenüber, dass man sich beim Geschäft von Angesicht zu Angesicht unterhalten kann.

Eine Mutter-Kind-Toilette? Ein Traum für Frauen, die mit ihrer Freundin viel zu bequatschen haben? Oder einfach nur ´ne Herausforderung für einen Fotografen, der nicht weiß, wie er mit 24 Millimeter Brennweite eine Doppeltoilette mit zwei Toilettenschüsseln auf ein Querformat-Bild bringen soll?

Die Modellbauausstellung Petroskaya Akvatoria


Nach dem wirklich außergewöhnlichen Frühstück führt uns Alena in den sechsten Stock eines Geschäftshauses oberhalb der Metro-Station Адмиралтейская (Admiralteiskaja). Hier kann man auf einer 500 Quadratmeter großen Modellanlage St. Petersburg zur Gründerzeit bewundern – im Maßstab 1:87. Man sieht alle wichtigen Palast- und Park-Ensembles, Festungen, Gebäude und Vorstädte.

Das Markanteste an dieser Anlage sind neben den 25.000 Modell-Menschen, den 1000 Gebäuden, den mehr als 1000 Kutschen und Wagen und über 100 Schiffen die 20.000 Liter echten Wassers, welche die Neva und den Finnischen Meerbusen darstellen. Zur Erinnerung an Peter den Großen, der St. Petersburg als die Maritime Hauptstadt Russlands sah, heißt die Ausstellung Петровская Акватория (übersetzt etwa: Wasserwelt Peters des Großen).

Die Anlage wurde von den St. Petersburgern Александр Рубин (Alexander Rubin) und Игорь Равич (Igor Ravich) unter Mithilfe von 200 Experten in nur eineinhalb Jahren erstellt und am 4. September 2014 eröffnet. Sie zeigt die wichtigsten Gebäude, welche im 18. Jahrhundert an den Ufern der Neva und am Finnischen Meerbusen errichtet wurden. Die Anlage zeigt die Admiralität, die deutsche Siedlung, die Peter-und-Paul-Festung, Vasilevsky Insel, Neu-Holland und die berühmten Vororte der Hauptstadt: Peterhof, Kronstadt und Oranien. Neben den architektonischen Besonderheiten zeigt die Anlage aber auch das Leben der Bürger in dieser Zeit. Man sieht, wie Schiffe gebaut wurden und vieles andere mehr.

Deutsche Siedlung


Wir beginnen die Ausstellung bei der deutschen Siedlung. Dort haben aber nicht nur Deutsche gewohnt, sondern alle Ausländer. Früher hießen einfach alle Ausländer bei den Russen немецкий (nemetskiy = der Deutsche [einer] oder немцы = nemsti [mehrere]). Das Wort hat den gleichen Ursprung wie das Wort немой (nemoy = stumm). Und weil die Ausländer sich in Russisch nicht artikulieren konnten, hießen sie einfach немцы.

Alle 25.000 Figuren haben passende Kostüme, alle Fahrzeuge bewegen sich, Kutschen, Pferdewagen, Schiffe. Drückt man irgendwelche Knöpfe, werden Szenen aktiviert. Wie das aussehen kann, zeigt ein kleiner YouTube-Film. Die Anlage ist so gewaltig, dass man sie einfach nicht beschreiben kann. Auch die Bilder können die grandiose Wirkung auf den Zuschauer nicht annähernd wiedergeben.

Oranienbaum


Peterhof


Wassili Insel


Neu-Holland


Während die Aristokratie feiert, wird Neu-Holland von einer Sturmflut heimgesucht. Hier nur im Modell, aber am 31. Dezember 1824 gab es tatsächlich ein Sturmhochwasser in Sankt Petersburg. Damals kamen über 10.000 Menschen ums Leben.

Cafeteria


So wunderschön die Ausstellung war, so anstrengend war sie auch. Im Anschluss daran sind wir im gleichen Haus ein Stockwerk tiefer in eine Cafeteria. Wir nehmen drei Cappuccino, einen Tee, drei пирожки (piroschki), einen Muffin, Fanta, ein Wasser. Das Angebot dort ist so preisgünstig, dass mir die Frau an der Theke auf einen 500-Rubel-Schein (8,50 €) nicht rausgeben konnte. „Notgedrungen“ mussten wir dann auch noch eine Mohnschnecke nehmen.

Die Piroschki gehören ab heute zu meinen absoluten Lieblings-Snacks. In einen Teig aus Dickmilch, saurer Sahne, Eiern, Backpulver und Salz kommen kleingeschnittene, hartgekochte Eier und Frühlingszwiebeln. Die Piroschki werden dann in einer Pfanne mit Öl goldbraun ausgebacken. Lecker! Ach was, super-lecker!

Nachdem wir nun gestärkt sind, geht die Stadtführung weiter. Direkt am Haus, in dem die Ausstellung Wasserwelt Peters des Großen ist, geht’s rechts weiter in der МАЛАЯ Морская ул. (Malaya Morskaya Str.) bis zur Исаак Катедраль (Isaak-Kathedrale).


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