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MOSKAU – TOMILINO – ST. – PETERSBURG

Zur Blutskirche

Der erste Eindruck von St. Petersburg war ein chaotischer. Auch jetzt, wo wir aus dem Haus heraus sind und spazieren gehen gibt es nur Hektik, Chaos und Stress. Insbesondere die 400 Meter am Ньюский проспект (Newski Prospect). Ein Gewusel wie im Ameisenhaufen.

Am Канал Грибоедова (Griboyedov Kanal) geht’s dann links zur Kirche, die man schon aus der Ferne sieht. Bis zum Opernhaus etwa ist die Straße zugeparkt, dass man fast nicht durchkommt, danach ist die Straße für Autos gesperrt. Dort steht dann ein Marktstand neben dem anderen. Hier werden Matroschken, Tücher, Militärmützen und allerlei nutzloser Kram für Touristen angeboten.

Zur Kasse für die Kirche muss man einmal rechts um die Blutskirche herum, dort wo Straßenkünstler auftreten. Alena besteht darauf, dass wir da unbedingt rein müssen, obwohl vor der Kasse parallel mehrere Schlangen stehen. Aber wenn Alena sich etwas in den Kopf gesetzt hat, zieht sie´s durch. Geduldig steht sie in der Schlange, derweil wir einem weltentrückten Sitar-Spieler zuhören.

Endlich hat Alena die Karten und wir dürfen rein, sofern wir keinen Kaugummi im Mund haben, wie ein Hinweisschild am Eingang eindringlich mahnt.

 Blutskirche


Die Blutskirche (auch Auferstehungskirche oder Erlöserkirche) erinnert stark an die Basilius-Kathedrale in Moskau. Sie ist die einzige Kirche in St. Petersburg, die nicht im Stil griechischer oder römischer Tempel erbaut wurde. Sie wurde von Alexander III. in Auftrag gegeben, nachdem dessen Vater Alexander II. zwei Jahre zuvor an dieser Stelle einem Attentat zum Opfer gefallen war.

Die Hintergründe des Attentats: Die vernichtende Niederlage im Krimkrieg 1856 (damals war Alexanders Vater Nikolaj I. noch Zar) zeigte aller Welt die Rückständigkeit Russlands. Angesichts dieser Tatsache leitete Alexander II. einen großen Systemwechsel ein. U. a. auch die Abschaffung der Leibeigenschaft, die Alexander gegen den Willen der Aristokratie durchsetzte. Die Bauern konnten nun (wenn auch begrenzt) selbstbestimmt wirtschaften. Vor allem in studentischen Kreisen wurden die Reformen aber als nicht weitreichend und nicht schnell genug umgesetzt angesehen. Sie gingen aufs Land, um die мужики (Bauern) für ihre revolutionären Ansichten zu begeistern. Als das nicht fruchtete, sahen sie nur noch einen Weg, die Ermordung des Zaren.

Etliche Anschläge wurden daraufhin auf Alexander II. verübt. Keiner führte zum „Erfolg“. Gewarnt von neuen Attentatsplänen nahm Alexander II. am 13. März 1881 im Anschluss an eine Truppenparade eine andere Route. Dann plötzlich eine Explosion, der Student Николай Рысаков (Nikolai Ryssakow) hatte eine mit Dynamit gefüllte Dose gegen den Schlitten des Zaren geworfen. Der Schlitten wurde zerstört, der Zar blieb unverletzt. Laut Henri Troyat soll der Zar den überwältigten Angreifer wie einen Schulbuben zur Rede gestellt haben. „Hast du die Bombe geworfen?“ Als Ryssakow den Zar unversehrt sah, soll er geantwortet haben: „Sie sollten Gott nicht zu früh danken!“ Kurze Zeit später warf der Student Игнатий Гриневицкий (Ignatij Grinewitzkij) eine zweite Bombe. Der Student starb sofort. Aufgrund seiner massiven Beinverletzungen verstarb der Zar kurze Zeit nach dem Anschlag im Winterpalast.

Nach dem Tod des Zaren wurden viele Mitglieder der Народная воля (Narodnaja wolja = Volkes Wille) verhaftet und fünf Attentäter zum Tode durch Erhängen verurteilt, darunter auch eine junge Adlige София Перовская (Sofija Perowskaja). Sie war die erste Frau, die in Russland wegen eines politischen Vergehens gehenkt wurde.

Aber zurück zur Kirche: Die im Ikonenstil gehaltenen „Gemälde“ im Innern der Kirche sind fast allesamt Mosaike.

Ein brauner Baldachin, der aus speziellen Steinen aus dem Ural und dem Altai-Gebirge gefertigt wurde, markiert die Stelle, an der Zar Alexander II. am 13. März 1881 bei einem Attentat zu Tode kam.

Die Mosaike selbst kann ich im Einzelnen nicht zuordnen, sie sprechen aber für sich selbst.

Kasaner Kathedrale


Nachdem wir die Blutskirche besucht haben, gehen wir zur Казанский собор (Kasaner Kathedrale) und was fällt auf? Die Kasaner Kathedrale ist wieder eine typische russische Kirche, die in ihrer Bauart an griechische oder römische Tempel erinnert.

Die Kathedrale wurde 1801 von Kaiser Paul I., einem Sohn von Katharina der Großen, in Auftrag gegeben. Angeblich war er nach einem Besuch im Petersdom in Rom von diesem so fasziniert, dass er etwas Ähnliches in St. Petersburg auch haben wollte.

Bevor wir in die Kathedrale gehen, kommen wir direkt vor der Kathedrale an einem Denkmal für Fürst Михаил Илларионович Кутузов-Смоленский (Michail Illarionowitsch Kutusow-Smolenski) vorbei. Kutusow-Smolenski war Generalfeldmarschall der russischen Armee und wird in Russland als Held des Vaterländischen Krieges gegen Napoleon Bonaparte verehrt.

Die Kathedrale ist nach einer Ikone benannt, der Казанская Богоматерь (Gottesmutter von Kasan). Diese Ikone war angeblich 1579 in Kasan gefunden worden. Seitdem verehrt man diese Ikone, welche Maria und das Jesuskind zeigt, als wundertätig. Zwischendurch war die Ikone weg, 2001 ist sie aber wieder hierhergekommen.

Und so können die Menschen heute wieder „stundenlang“ anstehen, um die Ikone (vorne zwischen den zwei grünen Säulen links) zu küssen. Die „Gottesmutter von Kasan“ war Schutzheilige der Romanow-Dynastie und zählt in der russisch-orthodoxen Kirche zu den meistverehrten Ikonen überhaupt.

Abendessen im Il Patio


Nachdem wir den Dom besucht haben, gehen wir (aufgrund der guten Erfahrungen in Moskau) im Newski Prospect 30 im St. Petersburger „Il Patio“ essen. Das war ein Fehler!

Das Essen ist mittelmäßig und von einem Service kann ich gar nichts erkennen. Es dauert ewig, bis die Getränke kommen und die einzelnen Speisen kommen noch später. Obwohl wir gemeinsam essen wollten, kommt alles zeitversetzt. Das macht aber nichts, denn die, die bereits Essen haben, können eh nicht anfangen, es gibt ja kein Besteck. Man hat das Gefühl, dass Gäste dem Service lästig sind. Jedenfalls ist die Kellnerin so was von indisponiert, dass ich am liebsten aufgestanden und gegangen wäre. Einen schlechteren Service habe ich noch nirgendwo erlebt.

Vielleicht hätten wir zuvor bei Tripadvisor vorbeischauen sollen. Dort sehen es viele Gäste ähnlich wie ich. Dabei war das Il Patio in Moskau (gleiche Kette) wirklich super. Tja, man darf sich allein vom Namen offenbar nicht täuschen lassen. Der Gipfel war dann aber, dass mir die Bedienung beim Rausgeben Geld unterschlagen hat (zwar nur 30 Rubel = 50 Cent, aber immerhin). So etwas ist mir im meinem ganzen Leben noch nicht vorgekommen. Leider kann ich kein Russisch, sonst hätte ich mich gewehrt.

Es versteht sich von selbst, dass ich da kein Trinkgeld gegeben hab, was auch gleich jeder sehen soll, denn das „Geldmäppchen“ liegt (neben der zerknüllten Rechnung und ohne auch nur eine Kopeke drin) offen auf dem Tisch. Ich bin stinkesauer.


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