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MOSKAU – TOMILINO – ST. – PETERSBURG

Mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach St. Petersburg


Heute sind wir schon um halb sieben beim Frühstück. Noch kein Mensch ist da und wir haben die volle Auswahl. Das IBIS in Moskau hat uns sehr gefallen. Wir waren bereits etliche Male in IBIS-Hotels und wurden noch nie enttäuscht. Da kann man sich offenbar auch im Ausland darauf verlassen. Man weiß, was man bekommt.

Gegen dreiviertel acht kommen Alena und Simon, um Punkt 8:00 Uhr ist das Taxi da. Zum letzten Mal fahren wir über die große Moskwa-Brücke, zum letzten Mal sehen wir die Basilius-Kathedrale, und zum letzten Mal sehen wir zwei von Stalins Zuckerbäckerbauten, das Hilton Moscow Leningradskaya und links dahinter das Haus am Roten Tor.

Die Taxi-Fahrt verlief schneller, als gedacht. Für die rund acht Kilometer durch die Innenstadt hat unser Chauffeur 500 und ein paar zerquetschte Rubel verlangt, knapp neun Euro. Zum Vergleich, ein halber Liter Bier im Hotel kostet 390 Rubel, also 6,60 Euro.

Es ist halb neun. Unser Zug 758 Ежд (Ежд heißt, dass er täglich fährt) geht erst in einer Stunde und der Zugang zum Bahnsteig bleibt bis eine halbe Stunde vor Abfahrt geschlossen.

Aber besser warten, als nachher den Anschluss verlieren. Zum Warten gibt es im Leningrader Bahnhof, so heißt der Bahnhof in Moskau, in dem die Züge nach St. Petersburg abfahren, riesige Wartesäle. Eine immer wiederkehrende Durchsage betont, wie wahnsinnig umweltfreundlich der Сапсан (Sapsan, was so viel bedeutet wie Wanderfalke) ist, mit dem wir nachher fahren werden. Weiter wird immer wieder darauf hingewiesen, dass man auf das Leben der anderen Fahrgäste und speziell auf das der Kinder achten sollte.

Um 9:00 Uhr können wir zum Bahnsteig. Unser Gepäck wird geröntgt wie am Flughafen und kurz vor dem Zug gibt’s dann – am Bahnsteig – auch noch ´ne Passkontrolle.

Wir fahren mit dem russischen Hochgeschwindigkeitszug. Der Zug basiert auf dem deutschen ICE 3, ist etwas breiter als der und wird von Siemens gebaut. Der Zug ist voll bis zum letzten Platz. Ohne Reservierung geht da gar nichts. Wir haben im Wagen drei einen Viererplatz mit Tischchen.

Bis St. Petersburg sind es rund 680 Kilometer, das ist so viel wie von Mering nach Paris. In weniger als vier Stunden (genau in drei Stunden 46 Minuten) sollen wir dort sein. Mit zwei Zwischenhalten, einem in Бологое (Bologoe) und einem in Окуловка (Okulowka).

Obwohl wir ständig zwischen 200 und 250 km/h fahren sollen (so die Anzeige), merkt man von dieser Geschwindigkeit nichts.

Immer wieder wird an den Tischchen irgendetwas serviert. Wie die Bestellung aufgegeben wird, habe ich nicht herausbekommen. Aber in einer Speisekarte, die rumliegt, lese ich, dass man im russischen Hochgeschwindigkeitszug bei den Горячие блюда (den warmen Gerichten) auch Nürnberger Würstchen mit Kartoffeln „Palason“ bestellen kann. Was „Palason“ allerdings bedeutet, weiß ich nicht.

Nürnberger Würstchen passen für mich genauso in einen russischen Zug wie das als новинка (Neuheit) angebotene Sprite mit вкус огурец (Gurkengeschmack).

Während wir uns langsam St. Petersburg nähern (noch 24 Minuten) und draußen die russische Taiga vorbeirauscht, schaffen es Susanne und ich endlich, das im Flug nach Moskau noch unlösbar erscheinende Sudoku aus der Augsburger Sonntagszeitung zu lösen. Offenbar macht Reisen mit der Bahn die Gehirnzellen aktiv.

Ankunft in St. Petersburg


Nach 680 Kilometer Fahrt laufen wir auf die Minute genau im Moskauer Bahnhof von St. Petersburg ein. Als der Sekundenzeiger an der Bahnsteigs-Uhr oben „klick“ macht, gehen die Türen auf. Da könnte sich die Deutsche Bahn mal was von abschneiden.

Unser erster Eindruck von St. Petersburg ist ein übertrieben chaotischer, ein hektischer, sodass wir erst mal Speed rausnehmen und die 534 anderen Passagiere (538 passen in den Zug) vorbeilassen.

Mit dem Uber zur Unterkunft


Inzwischen sind die meisten weg, sodass man auch in der Bahnhofshalle etwas Luft hat. Am Bahnhofsvorplatz, wir stehen direkt vor dem Obelisken Городу-Герою Ленинграду (Hero City Leningrad) dann ein Gewusel von Menschen und ein Durcheinander von Autos. Wer will dieses Durcheinander entwirren? Wie soll da jemals ein Taxi oder Uber durchkommen?

Aber auch hier schafft es Alena wieder, Struktur reinzubringen. Wie? Mit dem Handy ordert sie offenbar einen „Uber“. „Uber“ ist ein Unternehmen, welches den gelben Taxis mit Privatfahrzeugen Konkorrenz macht. Junge Leute in vielen Städten der Welt bevorzugen immer mehr diese Transportmöglichkeit. Sie ist einfach deutlich billiger als ein Taxi. Die versicherungsrechtlichen Folgen – im Falle eines Unfalls – wollen wir jetzt einfach mal ausblenden.

Alena erfährt, dass unser „Uber“ ein weißer VW mit der Nummer 105 im Kennzeichen sei. Er stünde ganz vorne in der Гончарная ул. (Goncharnaya ul.).

Und da ist er auch. Keine zwei Minuten später sitzen wir im Auto. „Moika 30“ ist die Ansage und es geht los. Einmal ums Carré herum und dann schnurstracks die Невский просп. (Nevski Ave.) runter bis kurz hinterm Singer-Haus und dann kurz vor der Мойка (Moika) rechts.

Moika 30 ist die allerbeste St. Petersburger Adresse, nur 150 Meter Luftlinie von der Eremitage entfernt. Kein Wunder, dass Kempinski sein 5-Sterne-Hotel auch hier platziert hat, gerade mal 100 Meter links von uns in Moika 22. Wenn Kempinski also in seiner Werbung schreibt: „IM HERZEN DER KULTURHAUPTSTADT RUSSLANDS“, dann können wir in unserem Quartier den Herzschlag also sicher auch noch hören. Zum gleichen Preis! Nur dass wir zu viert und für drei Tage genau so viel zahlen, wie der Kempinski-Gast alleine für einen Tag.

Das hat Simon perfekt gemacht, indem er unser Quartier bei Airbnb gebucht hat. Bei Airbnb vermieten private Anbieter unter Vermittlung von Airbnb ihr Zuhause oder einen Teil davon. Das ist deutlich günstiger als im Hotel zu wohnen.

Unsere Unterkunft


Über ein schmiedeeisernes Tor, an dem wir einen vorher vereinbarten Code eingeben müssen, geht’s zunächst in einen Hinterhof und dort durch eine Seitentür in diesen Aufzug. Einmal (bei der Ankunft) bin ich mitgefahren, dann nie mehr wieder. Wir haben später vorgezogen, die 105 Stufen in den fünften Stock (Erdgeschoss ist in Russland der erste Stock) zu Fuß zu gehen.

Die Wohnung selbst hat uns dann überrascht. 100 Quadratmeter groß, drei Zimmer, Küche, Bad und alles picobello in Schuss, mit einem geschnitzten Walrosszahn (da kann man geteilter Meinung sein) und einer Bibliothek.

Die Vermieterin hat bereits auf uns gewartet. Gott sei Dank haben wir Alena dabei, die die Verhandlungen für uns führt. Die Vermieterin wundert sich, dass die „Touristin“ Alena so perfekt Russisch spricht, mit Akzent zwar, wie die Vermieterin bemerkt, aber sonst perfekt. Komisch, das ist nun schon die Zweite.

Nachdem wir geduscht und uns eingerichtet haben, wollen wir noch etwas sehen von St. Petersburg. Warum nicht gleich zur Blutskirche, deren goldene Kuppeln man nur 500 Meter entfernt von unserem Schlafzimmerfenster aus sieht?

Natürlich erkunden wir auch St- Petersburg zu Fuß, getreu Johann Wolfgang Goethes Motto „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“

 


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