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MOSKAU – TOMILINO – ST. – PETERSBURG

Frühstück – die Zweite


Nachdem es heute mit dem Nach-Hause-Kommen sehr früh geworden ist, haben wir uns erlaubt, etwas länger zu schlafen. Ein Fehler, denn beim Frühstück ist es auch heute wieder mehr als voll, zwar nicht mehr so chaotisch wie gestern, aber für mich immer noch zu voll. Vielleicht müssten wir zu einer anderen Zeit kommen, aber heute ging´s einfach nicht anders. Etwas Schlaf brauchen wir schließlich auch.

Mit der Metro zu den Sperlingsbergen


Auf dem Weg zu Alena und Simon kommen wir an einem blauen Postkasten vorbei, so können wir gleich die ersten Postkarten einwerfen.

Was mir hier auffällt in Moskau: Die kontrollieren alles am Anfang und dann hast du deine Ruhe. So auch an der Metro. Einmal durchs Drehkreuz am Eingang und dann war´s das. Dann kannst du für deine 35 Rubel fahren, solange du willst. Du darfst nur nicht raus aus dem Drehkreuz. Auch bei Bussen ist übrigens vorne neben dem Fahrer ein Drehkreuz.

Wir sind anscheinend in der orangefarbenen Linie 6 in der Metro-Station Третьяко́вская (Tretjakowskaja) und wollen in der roten Linie 1 zur Metro-Station Университе́т (Universitet). Also gehen wir mal wieder SmartChip-gesteuert durch die Einlassschranken, die Rolltreppen runter in die Metro. In der Metro-Station Парк Культу́ры (Park Kultury) steigen wir um. Susanne ist von der Musik so begeistert, dass sie nicht umhin kommt, auch etwas in den Gitarrenkoffer zu werfen.

Die Metro ist an diesem Morgen gut gefüllt. Wir fahren auf der Linie 1 bis zur Station Воробьёвы Го́ры (Worobjowy Gory), eine oberirdische Metro-Station in einer verglasten Brücke, die – ganz nebenbei – die höchstgelegene U-Bahnstation der Welt sein soll.

In der Ferne hinter dem Wald sieht man einen Turm, der – so Alena – zur Universität gehöre. In der Metro-Station sind viele Hinweise auf die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft 2018. Natürlich habe ich dort auch Susanne mit dem Maskottchen, dem Wolf Zabivaka, fotografiert. Zabivaka heißt übrigens „kleiner Torschütze“ oder „der einen Treffer erzielt“.

Die Metro-Station ist – wie gesagt – voll verglast. Ich geh so vor mich hin, als Susanne plötzlich ruft: „Vorsicht Glastür“! Ich hau die Bremse ein. Im Jahr 2000 bin ich in Kroatien voll gegen eine Glastür gelaufen und hab mich mächtig angestoßen. Insofern bin ich ein „gebranntes Kind“. Das hat Susanne fies ausgenutzt, wo es hier am Ausgang gar keine Glastüren gibt. Susanne und Alena lachen sich tot. Ich selbst finde das nicht witzig.

In den Sperlingsbergen


Wir gehen zunächst an der Moskwa entlang und dann links durch einen Laubwald mächtig hoch. Nach 12 Minuten sind wir auf der Смотровая площадь, der Aussichtsplattform auf den Sperlingsbergen. Der Platz ist gerammelt voll und doch geht es sehr, sehr diszipliniert zu. Jeder hat die Chance, sein Panorama-Foto von oder sein Selfie vor dieser Kulisse zu schießen. Jetzt bin ich dran.

Scroll-Panorama: Blick von den Sperlingsbergen auf Moskau

80 Meter über der Moskwa hat man einen fantastischen Blick über ganz Moskau. Man sieht links Moskau-City mit dem (derzeit) höchsten Gebäude Europas, dem 374 m hohen Восток (Wostok), wenn man sucht, überall die Stalins´schen Zuckerbäckerbauten, die rot-weißen Kamine des Kraftwerks am Berezhkovskaya-Damm, diverse goldene Kuppeln und ganz rechts das Luzhniki-Olympiastadion. Kein Wunder, dass die Aussichtsplattform Sperlingsberge in ganz Moskau zu den wohl populärsten Locations für Motorradtreffen oder Hochzeitsfotos zählt. Apropos Hochzeit: Man kann (oder konnte) dazu auch in den 255 Meter hohen spiralförmigen Turm an rechten Rand von Moskau-City. Früher hieß der nämlich mal „Московский дворец бракосочетания“ (Hochzeitspalast), dann „City Palace“ und heute „Evolution“.

Die Lomonossow-Universität


Jetzt sehen wir eine von Stalins Zuckerbäckerbauten mal direkt aus der Nähe. Schon gewaltig, auf welche Art und Weise die Sowjetunion in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts ihre Vormachtstellung in der Welt symbolisieren wollte.  235 Meter Höhe ist ja auch nicht Nichts. Rein können wir allerdings nicht – für Touristen ist die Lomonossow-Universität nicht zugänglich.

Aber zu sehen gibt´s wohl eh nichts, weil hier wohl weniger unterrichtet als vielmehr gewohnt wird. Die Studenten sollen das  aber gar nicht gut finden, weil es in den Wohnungen wohl sehr laut und sehr hell sei. Im Park vor der Universität wird häufig gefeiert und wenn man sich mit Ohropax vom Lärm abgeschottet hat, dann blenden einen die Scheinwerfer, die das Gebäude die ganze Nacht anstrahlen.

Es ist auch schon wieder zwölf und der Magen knurrt. Simon sagt, dass er bei der Metro-Station Университе́т (Uniwersitet) ein Restaurant kennt. Also nehmen wir das doch. Aber der Weg zieht sich, vor allem, wenn ich alle paar Meter stehen bleiben muss und den Zuckerbäckerbau aus einer andere Perspektive ablichten muss.

Auch eine andere Sache ist zu beachten: Die oftmals acht- oder zehnspurigen Straßen, die Moskau durchziehen. Da hast Du als Fußgänger keine Chance – nicht bei dem Fahrstil der Russen. Aus diesem Grund gibt es die переходы (Perekhody = Fußgänger-Unterführungen). Die taugen (wegen der Wahnsinns-Akustik) nicht nur Straßenmusikern als Show-Bühne, sondern sorgen auch dafür, dass du in Moskau lebend eine Straße überqueren kannst. Aber was machen Behinderte oder Mütter mit Kinderwagen? Für sie sind die Unterführungen absolut nicht geeignet, denn Aufzüge gibt es nicht, genauso wenig wie in den Metro-Stationen. Da haben die Russen wohl gespart. Nicht gespart haben sie an der Reinigung. Die Perekhody  sind – im Gegensatz zu den Unterführungen in München oder Augsburg – unwahrscheinlich sauber. Nirgendwo Graffiti, nirgendwo riecht es nach Urin, nirgendwo ist Dreck oder auch nur ein Papierschnippselchen.

Buffalo´s


Bis zum Buffalo’s dauert´s trotzdem fast eine Stunde. Susanne bestellt sich nen Chicken-Gemüse Salat und ich nen Mango Burger, super scharf. Alena nimmt einen Pfannkuchen mit Salat drin und Simon isst irgendwelche Nuggets. Da schmeckt alles super gut. Nicht umsonst hat das Buffalo´s bei einem russischen Bewertungsportal 9,1 von 10 Punkten.

Heute ist es in Moskau (im Gegensatz zu der ünlichen Meinung, in Russland sei es immer Winter) wahnsinnig heiß und so habe ich auch meine Fotojacke über den Stuhl gehängt. Das tu ich eigentlich nie, denn in meiner Fotojacke ist alles: Ersatz-Akkus, Ersatz-Speicherkarten, Ersatz-Geld und – mein Reisepass (mit dem Visum und der Einwanderungs-Bestätigung!).

Beim Gehen habe ich die Fotojacke glatt vergessen. Da ich vor großen Spaziergängen – und ein solcher steht sicher wieder an – vorsorglich noch zur Toilette gehe, habe ich Glück. Ein Kellner rennt mir nach und gibt mir dort das wertvolle Stück. Mann, das wär was geworden! Zum Glück bewahre ich aber Geldbeutel, Personalausweis und Kreditkarte immer in einer verschlossenen Hosentasche auf. Eine Kopie des Reisepasses und des Visums habe ich im Hotel, aber die Einwanderungs-Bestätigung, die wäre weg gewesen. Dabei hat Alena nach der Ankunft noch gesagt: „Dieses Papier auf gar keinen Fall verlieren!“


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