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MOSKAU – TOMILINO – ST. – PETERSBURG

Moskau bei Nacht


Eigentlich wollte der Taxifahrer ja erst um Mitternacht zur nächtlichen Stadtrundfahrt durch Moskau starten, da dies aber so gar nicht unsere Zeit ist und es um elf doch auch schon recht dunkel ist, haben wir ihn (über Alena) „überreden“ lassen, die Fahrt doch schon um elf zu starten, und Алексей (Alexeji) steht tatsächlich – nach einigen Verzögerungen – um elf vorm Hotel. Alexej ist der Fahrer, der uns gestern auch schon vom Flughafen abgeholt hat. Ich weiß nicht, wie es kam, aber irgendwie haben Alena und er gestern schon die Nachtfahrt für heute „ausgekartelt“.

Zunächst kennen wir uns noch aus. Wir fahren die ул. Пятницкая (Pytnitskaya Straße) hoch, das ist die, an der wir heute früh auch am Adam- und Eva-Brunnen vorbeigingen Richtung Basilius-Kathedrale. An der Kreuzung ул. Пятницкая /Кадашевская Наб. (Pytnitskaya-/Kadashevskaya Straße) steht die Ampel auf Rot. Hier haben Simon und Alena heute früh bei der Bank auf der linken Seite Geld abhoben, was mit der ganz normalen Maestro Karte beispielsweise in Russland ganz problemlos geht.

Noch 16 Sekunden Rot, zeigt die Ampel an, und Alexej Gasfuß wir schon ganz ungeduldig. Jetzt geht es so richtig mit ihm durch, denn Alexej war, so hat er Alena erzählt, bevor er Taxifahrer wurde, Hubschrauberpilot beim Militär.

Wir überqueren den keinen Seitenarm der Moskwa und nach einmal links und einmal rechts stehen wir auf der großen Moskwa Brücke, von der aus ich heute früh meine Panoramaaufnahme gemacht habe. Alexej macht die Warnblinker an und bleibt mitten auf der großen Moskwa-Brücke stehen, schließlich soll ich den besten Standort für meine Aufnahmen haben. Rechts drüben sehen wir hinter der Kreml-Mauer den 81 Meter hohen Glockenturm „Iwan der Große“, der die Palastbauten weit überragt.

Nachdem wir wieder eingestiegen sind, geht’s in einer 270°-Kehre runter zur nördlichen Uferstraße der Moskwa. Von hier aus hat man einen noch besseren Blick auf den Kreml-Palast auf der Moskwa-Nord- und die Christ-Erlöser-Kirche auf der Moskwa-Süd-Seite.

Nach nur wenigen Metern geht’s rechts weg. Wir kommen an Памятник князю Владимиру (der Statue von Prinz Vladimir) vorbei. Wladimir I. Swjatoslawitsch oder auch Wladimir der Große (960-1015) hat in Russland u. a. die Christianisierung vorangebracht. Von der russisch-orthodoxen Kirche wird er wie ein Heiliger verehrt.

In der Ул. Моховая (Mokhovaya Straße) ein weiterer Stopp. Blickt man nach Süden, schaut man direkt auf die Fassade der Манеж (Manege). Anfang des 19. Jahrhunderts war die Manege eine Paradehalle der russischen Offiziersreitschule. Seit 1957 ist sie eine der größten Hallen Moskaus für Ausstellungen und Kunstmessen. Am 14. März 2004 ist die Manege abgebrannt. Welch ein Zufall, dass der Brand ausgerechnet am Abend Präsidentschaftswahlen ausbrach. Ein Jahr später, wurde sie nach einer umfassenden Rekonstruktion aber wieder eröffnet.

Dreht man sich um 180°, sieht man im Norden die Duma, wo wir heute früh schon zu Fuß vorbeigegangen sind. Entfernt man sich aber weiter von der Straße, kommt man zu einem Pferdebrunnen des Bildhauers Зураб Константинович Церетели (Surab Zereteli) und dahinter sieht man dann den Romanowsky Obelisken, der zur Erinnerung an den 300. Jahrestag der Herrschaft Hauses Romanow in Moskau hier aufgestellt wurde.

Das Gebäude, das sich beim Rückweg zum Taxi so golden schimmernd in Szene setzt, ist lediglich ein Hotel, nämlich das Гостиница Националь (das Hotel National).

Wir fahren einmal um den Kreml herum und halten auf einem großen gepflasterten Platz südlich der Basilius-Kathedrale. Alexej kennt da nichts. Er macht einfach die Warnblinker an und dann hat er offenbar Parkrecht. Uns kann das nur Recht sein. Bei Nacht sieht die Basilius-Kathedrale auch nicht uninteressant aus und jetzt kann ich – als Lehrer – auch gleich nachfragen, ob ihr den Bericht von heute früh auch aufmerksam gelesen habt. Welche Kathedrale ist im Bild vorne zu sehen?Richtig! Es ist die westliche Kirche, die Kirche des Einzugs in Jerusalem, was man an den schraubenlinienförmig nach links oben verlaufenden roten und grünen Quadraten unschwer erkennt.

Dann gehen wir hoch auf den Roten Platz. Die Blumenpracht vorm Kaufhaus GUM ist bei Nacht leider nicht zu sehen. Aber auch die Ansicht mit den beleuchteten Gebäudekanten ist für mich nicht ohne Reiz.

Erneut besteigen wir das Taxi und erneut kommen wir am Monument von Prinz Vladimir vorbei. Wir sind also einmal komplett um den Kreml herumgefahren. Über die Уи. Воздвиженка (Vozdvizhenka St.) und die Новый Арбат (New Arbat Ave.) geht’s dann über die Moskwa und dann den Кутузовский проспект (Kutusow-Prospect) etwa sieben/acht Kilometer nach Westen, einmal in einer 180°-Kehre durch einen Tunnel unter dem Kutusow-Prospect hindurch, bis zum östlichen Ende des Парк Победы (des Siegesparks) bei der gleichnamigen Metro-Station.

Der Siegespark wurde 1995 zum 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs errichtet. Für Russen, die hier jedes Jahr am 9. Mai eine große Feier abhalten, ist er von großer Bedeutung, erinnert er doch an den Sieg Russlands über Nazi-Deutschland. Genau hier soll es auch gewesen sein, wo Napoleon auch auf die Übergabe der Stadtschlüssel von Moskau gewartet habe. Dabei hätte ihm klar sein müssen, dass die Moskauer ihre Stadt lieber niederbrennen, als dass sie sie dem Feind überlassen.

Mitten im Park gibt es eine 142 m hohe Dreieck-Säule mit der griechischen Götti Nike an der Spitze. Leider sehe ich sie aber nirgendwo. Den Karten nach müsste irgendwo rechts neben der russisch orthodoxen Kirche Храм Святого Великомученика Георгия Победоносца на Поклонной Горе sein, die man schwach grünlich leuchtend im rechten Bild rechts im Hintergrund sieht. Zu meiner Entschuldigung muss ich aber sagen, dass der Park so groß ist, dass es durchaus erlaubt ist, mitten in der Nacht (es ist inzwischen halb eins) die 750 m entfernte Säule auch mal nicht zu sehen.

Wir fahren weiter ins Herz der Москва-Сити (Moskau-City). Hier entstehen seit 1992 gewaltige, architektonisch z. T. sehr spektakuläre Hochhäuser. Das höchste davon ist der eigentlich aus zwei Gebäuden bestehende Komplex Федерация (Federazija, zu Deutsch: Föderation). Das höhere davon, auch Восток (Wostok) genannt, hat 95 Stockwerke und ist mit 374 Metern Höhe das (zumindest bis jetzt) höchste Gebäude Europas. (Wenn ich mich nicht sehr irre, ist es das hellste Gebäude im linken Bild in Bildmitte).

Es ist schon gewaltig, aber mit meiner Kamera komme ich (aus der Hand) inzwischen an meine Grenzen. Man müsste mal tagsüber hierherkommen, aber leider haben wir nicht so viel Zeit. Hier ist für mich nichts mehr rauszuholen. Wir fahren weiter.

Unterwegs kommen wir am Denkmal des russischen Dichters Владимир Маяковский (Wladimir Majakowski) vorbei. Hier machen wir unseren letzten Stopp. Majakowski, ein Anhänger Lenins, muss in Russland aber bekannt gewesen sein. Durch seine provokante Art und sein Engagement für die revolutionäre Bewegung geriet er aber oft in Misskredit.

Auf dem Nach-Hause-Weg kommen wir dann noch an einem weiteren der sieben Zuckerbäckerbauten vorbei, dem Жилой дом на Кудринской площади (Wohnhaus am Kudrinskaya Platz). Das Gebäude wurde zwischen 1948 und 1954 erbaut, ist mit insgesamt 24 Stockwerken 156 m hoch und bietet Platz für 450 Wohnungen.

Um kurz vor zwei kommen wir im Hotel an. Das war ein langer Tag. Und was wir alles gesehen haben von Moskau, das sehen andere in einer ganzen Woche nicht. Das Taxi bringt die beiden Jungen zu deren Bleibe und wir Alten fallen todmüde aber glücklich ins Bett.

 


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