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MOSKAU – TOMILINO – ST. – PETERSBURG

Christ-Erlöser-Kathedrale


Als wir aus der Metro-Station hochkommen, erschlägt uns der Anblick der prächtigen Храм Христа́ Спаси́теля (Christ-Erlöser-Kathedrale). Bisher haben wir die Kirche ja nur von der Ferne gesehen.

Die Christ-Erlöser-Kathedrale ist an ihrer Spitze 103 Meter hoch. Die fünf goldenen Kuppeln sollen Jesus Christus (in der Mitte) und drum herum die vier Apostel Markus, Matthäus, Lukas und Johannes symbolisieren.

Anlass für den Bau der Kathedrale war der Sieg Russlands über Napoleon Bonaparte. Grundsteinlegung war am 10.September 1839. Leider wurde die Kathedrale während der Zeit Stalins 1931 (kaum hundert Jahre später) wieder zerstört.

1992 wurde auf Erlass des damaligen Präsidenten Борис Ельцин (Boris Jelzin) eine Stiftung eingerichtet, die Geld für einen Wiederaufbau sammelte – und tatsächlich: Am orthodoxen Weihnachtsfest (7. Januar 1995) war Grundsteinlegung und am 31. Dezember 1999, dem 2000. Geburtstag Christis konnte die neue Kathedrale erstmals wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Die Kathedrale ist nicht nur das zentrale Gotteshaus der Russisch-Orthodoxen Kirche, sondern auch das größte russisch-orthodoxe Kirchenbauwerk überhaupt – weltweit. Hier werden die Weihnachts- und Ostermessen vom Patriarchen persönlich gehalten. Dann sind auch immer hochrangige russische Politiker wie beispielsweise Putin zugegen.

Der Innenraum der Kathedrale ist gewaltig. 10000 Menschen sollen hier Platz finden – stehend allerdings, denn Sitzbänke gibt es nicht. Für mich ein Mangel. Aus meiner Sicht ein weiteres Manko ist, dass man hier nicht fotografieren darf. So ist es mir unmöglich, mich auch im Nachhinein an Details der Ausstattung zu erinnern – was ich schade finde.

Im Untergeschoss der Kirche gibt’s dann noch mal eine Kirche. Zum Andenken an das bis 1839 an dieser Stelle bestehende Frauenkloster hat man eine zweite Kirche, die Преображенская церковь (die Christi-Verklärungs-Kirche) vollständig in die Christ-Erlöser-Kathedrale integriert. Bei der Original-Christ-Erlöser-Kathedrale von 1839 gab es diese „Kirche im Keller“ natürlich nicht.

Neben der Verklärungskirche gibt es im Keller auch noch ein Museum, das Besuchern die Geschichte der Kathedrale erläutern soll.

Vom Kirchenvorplatz aus – endlich kann ich wieder fotografieren – hat man dann einen wundervollen Blick auf die Moskwa und den dahinter liegenden Kreml. ­

Geht man um die Kathedrale herum, entdeckt man u. a. zwei Denkmäler. Das erste zeigt zwei Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche, die auf einer zerbrochenen Weltkugel stehen. Beide Kirchenvertreter halten ein Band in der Hand, das offensichtlich die Wiederbereinigung der Kirchen in Russland und dem Rest der Welt darstellen soll.

Das andere Denkmal zeigt Zar Alexander II., der als der große Reformer in die russische Geschichte einging.

Boulevardring zwischen Kropotkinskaja und Gogol-Denkmal


Nach dem Besuch der Kathedrale setzen wir unseren Weg in Höhe der Metro-Station Кропоткинская (Kropotkinskaja) fort. Der Weg führt durch eine Grünanlage, die zum sogenannten Boulevardring gehört. Der Boulevardring ist eine Kette von zehn Grünanlagen, die – mit Ausnahme des Südens, wo die Moskwa fließt – das historische Moskau, dort, wo früher die Befestigungsmauer der sogenannten weißen Stadt stand, ringförmig umgibt.

Nach etwa 250 Metern kommen stehen wir vorm Scholochow-Denkmal. Михаил Александрович Шолохов (Michail Alexandrowitsch Scholochow) war ein russischer Schriftsteller, der für das Werk Der stille Don, 1965 den Literatur-Nobelpreis erhielt. Zu Recht? Ich weiß es nicht Die FAZ jedenfalls schrieb dazu, dass „Der stille Don“ ein Plagiat sei und die „ganze Angelegenheit“ ein Projekt des Sowjetischen Geheimdiensts.

Das Denkmal zeigt Scholochow in einem Boot sitzend und in Gegenrichtung schwimmende, verängstigte Pferde. Erschaffen hat das Denkmal, das am 24. Mai 2007 enthüllt wurde, Александр Рукавишников (Alexander Rukavishnikov).

Am Ende der Grünanlage, wir sind jetzt immerhin schon siebeneinhalb Kilometer gegangen seit wir heute früh im Hotel gestartet sind, machen wir eine Rast und blicken auf die Statue von Никола́й Васи́льевич Го́голь (Nilolai Wassiljewitsch Gogol). Gogol war ein russischer Schriftsteller ukrainischer Herkunft. Er lebte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und starb schon recht früh, weil er es mit dem Fasten wohl übertrieb. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die Roman-Trilogie „Die toten Seelen“, die er wegen seines frühen Tods aber nicht vollenden konnte.

Spaziergang durch die Fußgängerzone „Alter Arbat“


Nach der wohlverdienten Pause geht’s weiter auf die wohl berühmteste Flaniermeile Moskaus, die Арбат (Arbat). Hier gibt es Maler, Gaukler und andere Straßenkünstler, die zwischen den kleinen Cafés und Restaurants auftreten und sich dem Publikum präsentieren. Die Musik, die hier gespielt wird, sind allesamt uralte Schinken aus meiner Sturm-und-Drang-Zeit, Stücke aus den 60er und 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das ist so voll nach meinem Geschmack. Hier könnte ich noch stundenlang bleiben.

Museum der optischen Illusionen


Aber Alena drängt weiter. Sie will uns etwas ganz Spezielles zeigen: Etwa auf der Hälfte der Arbat gibt es rechts in einer Seitenstraße das das Музей Оптических Иллюзий (Museum für optische Illusionen). Das muss ich sehen. Vor speziell gemalten Wänden kann man, entsprechend fotografiert, optische Illusionen erzeugen.

Hier könnte man als Fotograf stundenlang experimentieren, aber inzwischen ist es schon halb sieben. Ein langer Tag! Seit neuneinhalb Stunden gehen wir nun schon durch Moskau, nur unterbrochen von kleinen Pausen beim Chinesen und in der Kneipe mit den „Hundert“ verschiedenen Bieren. Wir sind so was von platt und wollen wenigstens für ein paar Stunden ins Hotel und uns frisch machen, denn die nächste Herausforderung steht schon bereit: Alena hat einen Taxifahrer beordert, der uns in knapp 5 Stunden „Moskau bei Nacht“ zeigen möchte.

Auf dem Weg Richtung Metro nehmen wir – ziemlich geschafft – auch noch den Rest von Moskaus schönster Flaniermeile mit. Auf drei Vierteln, etwa 500 Meter nach dem Museum, sieht man rechter Hand ein Denkmal, das den russischen Dichter Александр Пу́шкин (Alexander Puschkin) und seine Frau Наталия Николаевна Пушкина-Ланска (Natalja Nikolajewna Puschkina-Lanskaja) zeigt…

… und gegenüber wieder einen stalinistischen „Zuckerbäckerbau“: das Gebäude des russischen Außenministeriums. Das Besondere daran: Anfangs fehlte die Spitze. Das hat Stalin anscheinend so sauer gemacht, dass die Arbeiter in Tag- und Nachtschicht arbeiten mussten, sodass vier Wochen später die Spitze stand.

Mit der Metro nach Hause


Zurück zum Hotel nehmen wir die Metro. Billiger und einfach geht das nicht. Eine Fahrt, egal wie lang, kostet 35 Rubel (60 Cent). Da lauf ich doch keinen Meter mehr, und bis zum Hotel wäre es immerhin nochmal fünf Kilometer! Olga verabschiedet sich auch und fährt nach Hause.

Wir nehmen die Metro bis zur Station Павелецкая (Paweletskaya) und müssen dann auch noch mal 700 Meter gehen. In Moskau sind die Distanzen einfach etwas größer. Im Hotel angekommen wird erst mal geduscht und dann liege ich wie ein Käfer auf dem Rücken auf dem Bett und schaue fern. Zum Glück gibt’s ARD und ZDF. Egal, was läuft, einfach etwas runterfahren.


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