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MOSKAU – TOMILINO – ST. – PETERSBURG

Bolschoi-Theater


Wir haben ja noch ein so großes Programm vor uns und gehen weiter, rechts die ТеатральнЫй Пр-д (Theater-Allee)  runter. Und dort steht nach 400 Metern rechts mein „griechischer Tempel“ aus der Lego-Abteilung des Spielzeugladens. Es ist das Bolschoi-Theater. Die ganze Zeit fragt mich Alena schon, ob ich ihr einen 100-Rubel-Schein habe. „Wozu?“ „Frag nicht, gib ihn einfach!“

Und jetzt seh ich´s auch. Das Большой театр (Bolschoi-Theater) ziert die Vorderseite des 100-Rubel-Scheins und natürlich ist es ein Muss, diese Tatsache auch fotografisch festzuhalten.

Bolschoi ist das russische Wort für „groß“ und groß ist das Theater hauptsächlich bzgl. seiner Bekanntheit. Wenn ich an Bolschoi-Theater denke, fallen mir in erster Linie Peter Tschaikowski (Nussknacker, Schwanensee u.a.) und Nikolai Rimski-Korsakow (Sinfonie es-Moll/e-Moll op.1ein, die hier große Erfolge feierten.

Duma


Grade mal 100 Meter nach dem Bolschoi-Theater, dort, wo die Straße eine leichte Linkskurve macht, ist die Дума (Duma), das Unterhaus der russischen Bundesversammlung.

Zwölf Uhr mittags. So langsam knurrt der Magen und nach sechs Kilometern Marsch könnten die Füße ein kleines Päuschen sehr gut vertragen.

Beim Chinesen


Bei einem Chinesen in der Twerskaya-Straße essen wir zu Mittag. Hier in der Gegend wollen wir uns später dann auch mit Alenas Mutter Olga treffen. Das Sitzen tut richtig gut und das Essen ist super lecker.

Eine dreiviertel Stunde später treffen wir Olga. Mann, ist das ein Hallo, so als ob wir uns schon Jahre nicht gesehen hätten, dabei hat sie uns erst gestern, zusammen mit Alena vom Flughafen abgeholt. Dann geht’s auch schon weiter. Schlag auf Schlag. Alena und Simon wollen uns nun den Platz zeigen, an dem sie sich vor drei Jahren kennenlernten und wo alles begann – ein Hostel in der Nähe der Metro-Station Чеховская (Tschechowskaja). Bis dorthin ist es etwa ´ne viertel Stunde zu Fuß. Da sind wir als Eltern und Schwiegereltern natürlich sehr interessiert.

Yury-Dolgoruki-Denkmal und Feinkostladen Jelissejew


Auf dem Weg zum Hostel kommen wir am Denkmal von Юрий Долгорукий (Yury Dolgoruki) vorbei, das relativ versteckt hinter drei Torbögen steht. Der Legende nach soll Juri Dolgoruki (1090-1157) befohlen haben, im Land der Wjatitschen eine hölzerne Stadt zu errichten und sie nach dem Fluss zu benennen, an dem sie entstand – Moskau. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird Moskau 1147. Das könnte also sein. Allerdings habe ich von diesem Mann noch nie zuvor jemals etwas gehört.

Ich bin grad so am Vor-mich-hin-schlendern, als uns Olga rechts rein in einen Laden zerrt. Der Елисеевский магазин (Feinkostladen Jelissejew) soll angeblich einer der renommiertesten, ältesten und edelsten Feinkostläden Moskaus sein. Er wurde um 1901 eröffnet. Als Standort haben die Brüder Jelissejew ganz bewusst die Twerskaja-Straße gewählt, die schon damals zu den nobelsten Adressen der Stadt zählte. Auch heute noch gehört der Laden zu den angesehensten Supermärkten in ganz Moskau. Die Büste im Kaufhaus zeigt Grigori Grigorjewitsch Jelissejew (1865–1949).

Bier


Direkt gegenüber des Hostels, in dem sich Simon und Alena 2014 kennenlernten, gibt es eine Craft Station, in der „Hunderte“ verschiedene Biere angeboten werden. Wenn das keine Gelegenheit ist, das Jubiläum gebührend zu feiern!

Nachdem ich zwei alkoholfreie Biere getrunken hab, fragt mich Alena, ob es geschmeckt habe. Ich sage: „Nein“. „Was willst du dann?“ „Ein echtes Weizen!“ Alena: „Dann wirst du ja noch unertragbarer!“ Genau das ist der Humor und auch die Sprache (mit ihren kleinen, aber treffenden „Wortschöpfungen“), die ich an Alena so mag.

Die Zeit verfliegt nur so. Eineinhalb Stunden sind wir hier schon gesessen, haben uns unterhalten und miteinander gelacht. Das ist gelebte deutsch-russische Freundschaft. Es war einfach nur herrlich!

Jetzt aufstehen und erneut wieder die Füße quälen? Das muss nicht sein! Aber – es gibt ja auch noch die Metro, und die haben wir bisher noch gar nicht gesehen. Dabei soll sie absolut sehenswert sein. Also, warum nicht zur Metro? Die nächsten Stationen sind Чеховская (Tschechowskaja) und Пушкинская (Puschkinskaja). Alena eilt uns voran zur Station Puschkinskaja, die sei für unsere Zwecke die geeignetere. Wir müssen´s wohl glauben. Ohne unsere „Stadtführerin“ Alena wären wir ohnehin aufgeschmissen und hätten nie so viel von Moskau gesehen, wie in den vergangenen Stunden.

Metro


Die Московский метрополитен (Moskauer Metro) wurde 1935 eröffnet und gehört zu den U-Bahnen mit den meisten Nutzern weltweit (in Moskau fahren jährlich etwa 2,4 Milliarden Menschen mit der U-Bahn, in München zum Vergleich gerade mal 400 Millionen).

Betrachtet man das Streckennetz der Moskauer Metro, so sieht dieses im Wesentlichen nicht anders aus als das Streckennetz vieler anderer Streckennetze: Bunte Linien kreuz und quer. Was aber anders ist, ist die Linie 5, die im Plan als brauner Kreis ausgewiesen ist und alle anderen Linien miteinander verbindet. Zu dieser Ringlinie gibt es eine nette Anekdote. Als die Ingenieure Stalin ihre Pläne vorstellten und um Akzeptanz fragten, soll Stalin wortlos seine Kaffeetasse auf die Pläne gestellt haben. Der Kaffee schwappte über und hinterließ einen braunen Ring. Die Idee zur Ringlinie war geboren. Sicher eine Legende, aber –  wie ich finde –  eine nette.

Bevor wir zusteigen können, besorgt Alena erst mal eine Fahrkarte: Es gibt ein Universalticket, mit dem man sowohl die Metro als auch Busse benutzen kann. Das kostet 35 Rubel, also ungefähr 60 Cent. Es gibt aber auch eine SmartCard, mit der man rund um die Uhr fahren kann. Die kostet etwa drei Euro.

Zu den Bahnsteigen kommt man, indem man mit dem Strichcode der Fahrkarte bzw. mit dem Chip der SmartCard eine der Zugangssperren öffnet.

Die U-Bahn-Tunnel liegen unendlich tief unter der Erde. Aus diesem Grund sind die Rolltreppen auch extrem lang. Die Rolltreppe der 84 Meter unter der Oberfläche liegenden Station Парк Побе́ды (Park des Sieges) soll – glaubt man den Angaben – 740 Stufen haben und 126 m lang sein. Wer sich jetzt noch an den Mathe-Unterricht und die Sinus-Funktion erinnert, kann mit arcsin (84/126) leicht ausrechnen, wie steil diese Rolltreppe ist: 41,8°. Die Rolltreppen gehen nicht nur extrem weit runter und sind extrem steil, nein, sie sind auch extrem schnell. Für ältere Leute eine Herausforderung und für gebrechliche Personen überhaupt nicht nutzbar. Die haben dann „Pech“ gehabt, genauso wie Rollstuhlfahrer oder Frauen mit Kinderwägen auch. Aufzüge gibt es nicht!

Die Stationen sind teilweise prunkvoll ausgestattet, mit Kronleuchtern und all so „Schnickschnack“. Was allerdings fehlt, sind Abfalleimer. Die hat man nach verheerenden Attentaten 1977, 2004 und 2010 auf allen Bahnsteigen und Stationen entfernt. Trotzdem ist es hier piccobello sauber.

Die Züge kommen im Minutentakt (teilweise noch kürzer getaktet). Die Türen gehen automatisch auf, also nicht so wie bei uns mit Knöpfchen drücken und warten. Dann geht es auch schon los. Die Züge sind wahnsinnig schnell. Die Moskauer U-Bahn gilt als die schnellste der Welt (bis zu 100 km/h).

Wir fahren zunächst bis Кузнецкий Мост (Kusnezki Most) und steigen dann um in die Linie 1 bis Кропоткинская (Kropotkinskaja).


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