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Irland, 15. August 2012

Das sieht gar nicht gut aus


Mittwoch früh, 7:24 Uhr. Nachdem gestern der schönste Tag des ganzen Urlaubs war, sieht es heute ganz danach aus, als ob wir unser Feriendomizil überhaupt nicht verlassen können. Es hat sich so richtig eingeregnet, alles ist dermaßen trüb und traurig , dass man gar nicht weiß, was man heute überhaupt anfangen kann. So wie es momentan regnet und stürmt, kommen wir noch nicht mal die 10 Meter bis zum Auto. Aber wenigstens hat Susanne eine Unterwasserkamera (he, he!), sodass wir zumindest auf Bilder nicht verzichten müssen.

Spazierengehen vor dem Frühstück können wir heute knicken. Wir geh´n jetzt einfach mal duschen. Vielleicht ändert sich das Wetter ja in den nächsten paar Minuten, so wie wir das hier immer schon erlebt haben. Aber leider ist das heute nicht so. Uns bleibt nichts anderes übrig, als bis zum Frühstück um halb neun im Zimmer zu bleiben. Zum Glück haben wir aber unsere elektronischen Erinnerungen an die vergangenen Tage „im Kasten“ und können (im Digi-Zeitalter) hier schon alle Bilder „durchblättern“ und bestaunen. War schon ´ne Menge, was wir in den paar Tage erlebt haben!

Frühstück mit Unwetterwarnung


Um 8:30 Uhr gehen wir zum Frühstück. Julias Spiegeleier, Schinken und Speck sehen prächtig aus! Doch Julia selbst macht einen recht besorgten Eindruck. Sie sagt, dass im Radio ständig Unwetterwarnungen kommen und dreht lauter. Sie mahnt uns eindringlich, heute auf keinen Fall weiter weg- oder gar aufs Meer zu fahren. Vergangene Nacht seien vor der Küste etliche Fischerboote gekentert und in Seenot geraten. Da war anscheinend der Teufel los. Susanne ist der Ansicht, dass Irland selbst unter „Normalbedingungen“ nichts für Weicheier sei.

Die Great-Blasket-Island-Tour vorgestern ist ihrer Meinung nach überhaupt nichts für „Normal-Touristen“. Selbst für sie als Whale-Watching-Erprobte sei es ein „blödes Gefühl“ gewesen, einige Zeit oben auf den Wellenkämmen zu stehen und dann wieder abrupt wieder ins Wellental zu fallen. Auch sei es saukalt gewesen (auch am Sonntag schon bei Nic)„Kaaalt war´s“, sagt Susanne immer wieder, mit mindestens 3 „a“. Ich dagegen hab das alles als gar nicht so schlimm empfunden, die Kälte nicht und die Wellen auch nicht (bei der Delfin-Tour in Sansibar war´s deutlich heftiger).

Alles in allem sind wir aber beide der Meinung, dass das ein super toller Urlaub ist, und dass wir uns auch von einer Unwetterwarnung nicht ins Bockshorn jagen lassen sollten. Wir müssen eben vorsichtig sein. Außerdem soll, laut unserer 7-Tage-Vorschau von wetter.com, heute sogar der schönste Tag der Woche werden. Das glauben wir jetzt einfach mal. Vielleicht können wir nachher ja trotzdem zum Mizen Head fahren und hernach zum Ring of Beara. In Urlaubslaune schäkern wir schon wieder rum und wollen einfach alles nur positiv sehen. „Hey schau mal, dort hinten! Da ist ein blauer Fleck am Himmel.“ „Wo?“ „Ja dort! Siehst Du ihn nicht? 3 mal 3 cm groß.“ „ Das lässt doch hoffen! Ach ja, kannst Du mir noch meine Gummistiefel und den Regenschirm aus dem Auto holen?“

Überflutete Straßen


Nach dem Frühstück fahren wir trotz aller Warnungen los Richtung Mizen Head. Es regnet zwar, aber das hat´s an den Tagen zuvor auch getan, außer gestern. Aber was dann auf der R 591 auf uns zukommt, ist schon echt heftig! An mehreren Stellen ist die Straße bis zu 15 cm überflutet. Ich wart´ erst mal ab, was der Gegenverkehr macht. Der fährt durch. Okay, wenn die Einheimischen mit ihren Autos da durch kommen, dann kann ich´s auch wagen, immerhin hat der Octavia ja enorme Bodenfreiheit, oder?

Das macht richtig Spaß, so mit Schmackes durch die Pfützen zu fahren. Susanne findet das nicht so gut. Sie ist in Sorge, dass möglicherweise Wasser in den Motor kommt und wir liegen bleiben. Solche Bedenken will ich aber überhaupt nicht zulassen.

Warnung


Als ob´s so sein müsste, bekomm ich eine übergebraten. Warnmeldung! Aauaahhh! Zum Glück ist´s aber nur die Tankanzeige, die sagt, dass wir ab jetzt noch für etwa 50 km Sprit im Tank haben. Nicht so schlimm. Da wird schon irgendwo ´ne Tanke kommen, denk´ ich, aber da habe ich nicht mit der Tankstellendichte in Irland gerechnet. Wir fahren und fahren und fahren – und es kommt nichts. Langsam macht mich die Warnleuchte nervös, immerhin sind wir hier irgendwo in der Pampa!

Gibt´s in Goleen Entwarnung?


In Goleen nach der Kreuzung linker Hand gibt´s dann endlich ´ne Zapfsäule. Nicht so eine mit kunststoffverkleidetem Dach, elektronischen Preistafeln und Leuchtreklame, aber immerhin ´ne Zapfsäule. Eine einzelne Zapfsäule! Um ein Haar wären wir dran vorbeigefahren, aber gerade noch gesehen. Ich halt an, steck den Zapfhahn in die Tanköffnung, drück den Hebel durch und – nichts! Ich geh zur Tür – verschlossen! Langsam wird´s eng. „Die können doch nicht zu haben heut! Christi Himmelfahrt? Nee, Christi Himmelfahrt gibt´s in Irland nicht. Oder doch? So ein Mist aber auch! Irgendwie muss ich an Sprit kommen.“

Gegenüber hat ein Lädchen auf. „Camers Antiques, Gift, Fruit und Vegetable“ steht da. Die Verkäuferin ist furchtbar nett, wie übrigens alle Iren, die wir dieser Tage kennengelernt haben (Das muss hier wirklich mal gesagt werden.) Ich kenn kaum ein Land, wo man uns so freundlich begegnet ist, aber das hilft mir momentan nicht weiter. „You have to knock at the door!“ Das ist jetzt mal ein super Tipp! Was glaubt die Frau, was ich eben getan habe? Lächeln Rüdiger, lächeln. Die Frau versucht dir wirklich nur zu helfen! Ich geh nochmal rüber zur Tanke und klopfe erneut – aber nichts. Die Tanke scheint wirklich echt zu zu haben.

In Crookhaven vielleicht?


Na ja, vielleicht in Crookhaven? Crookhaven war in Durrus schon angeschildert und auf der ganzen Strecke auch. Das scheint was Größeres zu sein. Also versuchen wir unser Glück in Crookhaven. 8 km sind´s bis dorthin. Bis dort wird der Sprit hoffentlich noch reichen.

Da habe ich mich aber gewaltig geirrt. Crookhaven ist zwar schön, aber noch totaler am Arsch der Welt als Goleen. Mit im Winter 40 und im Sommer (einschließlich Feriengästen) vielleicht mal 400 Einwohnern ist es auch erheblich kleiner als Goleen. Hier ist die Welt wirklich zu Ende. Links, rechts und vor mir gibt es nichts als Atlantik. Einen entfernteren Ort Irlands kenne ich nicht. Vorm Crookhaven Harbour Sailing Club treffen wir zwei Iren. Hey, merkt ihr was, wir lernen gerade 5% der Winterbevölkerung kennen, auf einen Schlag! Bei so ´nem Auflauf ist sicher jemand dabei, der sich auskennt.

Die kennen sich tatsächlich aus: „Petrol station? No, das haben wir nicht. Die nächste Tankstelle ist in Goleen, 8 km die Straße zurück.“ Die Antwort kommt dermaßen trocken, dass du fast nen Lachkrampf kriegst. 8 km back? What do you think, where we’ve just come from?

Trotzdem, uns bleibt nichts anderes übrig, als wieder nach Goleen zurückzufahren.


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