Homepage / Suche / Gästebuch / Impressum

Die Hochbahn-Brücke am Landwehrkanal – Der 4. Versuch

Teil 1


Lange war’s ja nichts mit meiner Hochbahn-Brücke am Landwehrkanal. Immer wieder musste ich sie abreißen, immer wieder stimmte irgendwo etwas nicht. Mal fluchteten die Brücken-Enden nicht mit den Auflagern, mal waren einzelne Brückenelemente zu lang oder zu kurz, sodass die Stützpfeiler mal im Kanal, mal auf der Fernbahn oder mal auf einer Straße endeten. Es schien, auch nach 6 Jahren und 3 Fehlversuchen, keine Lösung zu geben.

Als mir dann aber bei einer Bastelei in der Garage ein Zollstock (Gliedermaßstab) abbrach, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die Lösung für das Problem „Brückenführung am Landwehrkanal“ kann meiner Ansicht nach nur ein Viel-Eck (Polygon) sein.

So ein Polygon erhält man, indem in einer Ebene mindestens drei, in meinem Fall 9, nicht auf einer geraden Linie liegende Punkte (oder sagen wir „Stellen, an denen die Brückenstützen stehen sollen“) mit Strecken (die auch unterschiedlich lang sein können) miteinander verbunden werden.

Da diesen Satz eigentlich niemand verstehen kann, habe ich eine Skizze gemacht. Die Skizze zeigt 9 verschiedenfarbig angelegte Brückensegmente, die gelenkig miteinander verbunden sind. Ähnlich wie bei einem Zollstock können die Segmente beliebige Winkel zueinander einnehmen. Je kleiner der Winkel zwischen zwei Elementen, desto kleine der Radius r, der auf diesen zwei Segmenten liegenden Schiene. Ich habe versucht, das am Beispiel des Winkels zwischen dem zweiten (blauen) und dem dritten (roten) Element zu verdeutlichen.

Wenn jetzt die verschiedenen (bei mir bunt dargestellten) Segmente auch noch unterschiedlich lang sein können, dann lässt sich damit (so meine Theorie) jeder beliebige Polygonzug realisieren. Ich muss nur darauf achten, dass der Radius r nirgendwo kleiner als Minitrix R1 = 194,4 mm wird.

Erst wenn alles passt, werde die Elemente miteinander verleimt und mit den Schrauben festgepratzt. Wenn der Leim trocken ist, kann man die Schrauben wieder herausnehmen.

Damit mir die „Mausefalle“ nicht auf die Fernbahngleise und die dortigen Lampen stürzt, werden diese mit einem u-förmigen Hilfskonstruktion gesichert.

Das Vor-Muster der Brücke liegt jetzt hervorragend! Die rechte Stütze der Hochbahn-Gitterbrücke (das ist die lange direkt über dem Landwehrkanal) zwischen den Segmenten 4 und 5 steht jetzt neben der Fernbahn und die linke an Übergang zwischen 5 und 6 nicht mehr im Wasser. Die Stützen bei 6/7  und 6/7 und auch die anderen kollidieren jetzt auch nicht mehr mit der Straße. Nach 3verfolglosen Jahren habe ich nun endlich einen Brücken-Entwurf, der mich zufriedenstellt.

Nachdem ich mich wochenlang satt gesehen habe, habe ich den Verlauf der verschraubten „Vorkonstruktion auf 2-mm-Flugzeugsperrholz übertragen. Die ganze Brücke besteht nun (auf einer Lange von 1,25 m) aus einem einzigen, 50 mm breiten Stück.

Das mit den 50-mm-Elementen haut richtig gut hin. Wenn man den Unterbau jetzt links und rechts mit 2 mm dicken Trägern ausstattet, wäre der Unterbau 50 mm + 2 x 2 mm = 54 mm breit.

Oben möchte ich die Brücke (entsprechend dem Außenmaß der Vollmer-Kasten-Brücke) zwischen 78 mm oder 80 mm breit machen. D.h. dass dann auf jeder Seite noch 78 mm – 54 mm : 2, also 12 mm Platz für die Betriebswege wäre. Vielleicht reduziere ich die Wege auch auf 10 mm, dann wäre die Hochbahn oben 54 mm + 2 x 10 mm = 74 mm breit. Das müsste eigentlich auch genügen.

Horizontale Ausrichtung der Brücke


Damit eine (zumindest denkbare) Brückenausdehnung kompensiert wird, werden die Brücken-Enden in den Auflagern in Längsrichtung in 150 mm langen und brücken-breiten Nuten geführt. So ist jeder eventuelle Knick am Übergang Brücke/Auflager ausgeschlossen.

Auf den Fotos erkennt man deutlich die 150-mm-Führungen an beiden Brücken-Enden.  Auf diese Weise gibt es in Fahrtrichtung keinen Knick!  Durch die Nut ist die Flucht und durch die höhenverstellbaren Widerlager die Höhengenauigkeit der Hochbahn-Brücke gewährleistet.

Ich muss mal die Wasserwage über die Stützhölzer legen und prüfen, ob deren Oberkanten auch waagrecht sind. So, wie sie jetzt da stehen, sieht das nicht gerade professionell aus.

Wenn man die Brücke jetzt so betrachtet, sieht das meiner Ansicht nach schon ganz manierlich aus. Endlich!

Zum vierten Mal vergeigt!


Ach Manno! Jetzt hab‘ ich’s zum vierten Mal vergeigt. Wenn man die Hochbahn-Brücke nämlich – wie ich – als sogenannte Trogbrücke ausführt, dann liegen die Hauptträger (häufig IPE-Träger) seitlich neben der Fahrbahn, d.h. dass zumindest ein Teil auch oberhalb der Fahrbahn liegt und dort gilt es, das „berühmte“, in NEM 102 beschriebene Lichtraumprofil zu beachten, was ich natürlich gemacht habe.

Was mir entging, ist die Tatsache, dass NEM 102 die „Umgrenzung des lichten Raumes bei gerader Gleisführung“ beschreibt. Da reicht ein lichter Abstand zwischen den IPE-Trägern von a = 2 x 12,5 mm + 31 mm = 56 mm (mit 12,5 mm Abstand zur Bahnsteigkante und 31 mm mittigem Gleisabstand).

Bei einer s-förmig gewundenen Brücke gilt aber NEM 103 „Umgrenzung des lichten Raumes bei Gleisführung im Bogen“. Da kommt, je nach Kurvenradius noch ein Wert E dazu, um den sich die lichte Weite zwischen den Trägern auf beiden Seiten verbreitert. Und dieser Wert E ist bei Wagen der Gruppe A (20 m Kastenlänge, 14 m Drehzapfenabstand – längere Wagen lasse ich auf der Hochbahn nicht fahren) bei einem Gleisradius von 200 mm eben E = 4 mm, sodass der Abstand zwischen den Trägern a = 2 x (12,5+4) mm + 31  mm = 64 mm sein muss. Dazu kommen beidseitig Fußgängersteige für das Bahnpersonal von jeweils 8mm, sodass die Brücke insgesamt 80 mm breit sein muss.

Die Folge ist, dass die Brücke (wegen der kleinen Radien und den nicht vorbildgerechten Gleisabständen im Modellbahnbau) doch recht breit wird. Es nützt aber alles nicht: die Gleistrassen müssen (wenn ich sie links und rechts in 1-mm-Nuten der seitlichen Träger einpasse) 66 mm sein.

Jetzt aber endgültig


Nachdem ich die Trassenbretter geschnitten sind, werden diese links und rechts in die Nuten der Hauptträger eingeklebt. Dabei muss sorgfältig drauf geachtet werden, dass die Hauptträger beim Trocknen des Holzleims auch senkrecht bleiben. Einmal abgeklebt stabilisieren die Hauptträger die Trassenbretter in Längsrichtung ungemein.

Der Winkel zwischen dem ersten und zweiten Segment beträgt 158° (180°-22°), sodass die Schrägen 158°/2, also 79° haben müssen. Ich habe versucht, das an der Winkeleinstellung der Proxxon-Säge einzustellen, das haut aber nicht hin. Am besten ist es daher, den Winkel mit einem Geodreieck auf das Trassenbrett aufzuzeichnen und dann an einem Abfallstück probieren, ob der Winkel auch stimmt. Erst dann kann das Trassenbrett sicher gesägt werden.

Zunächst werden die Trassenbrettchen 1 und 2 stumpf aneinandergelegt und dann wird mit Roco-Gleisstücken probiert, ob der Freiraum zwischen den Hauptträgern auch passt.

Ist alles okay, werden in dem freien Platz zwischen den Hauptträgern oben und unten (bis zur jeweiligen Segment-Mitte) jeweils überlappend 1 mm dicke Sperrholz-Stücke eingeklebt, die den Zwischenraum zwischen den Hauptträgern komplett ausfüllen. Diese 3 1-mm-Schichten werden dann mit „tausend“ Schraubzwingen zu einem Schichtverbund verleimt. Auf diese Weise ist die Hochbahn-Brücke, auch wenn sie nur 3 mm dick ist, enorm steif.

Der Anfang ist also gemacht. So mache ich nach und nach die ganze Brücke, die nun – bis der Holzleim abgebunden hat – zum Trocknen an der Schranktür lehnt.

Inzwischen mache ich auf der Anlage die Widerlager. Diese müssen genau so breit oder breiter sein als die Brücke. Auf vielen Modellbauanlagen werden die Trassenbretter auf die Widerlager aufgelegt. Das ist aber falsch! Die Brücke kann (in echt) nur halten, wenn die Hauptträger auf den Widerlagern aufliegen. (Die Hauptträger heißen nicht umsonst „Hauptträger“ .)

Die Widerlager müssen ein Innenmaß von etwa 67 oder 68 mm aufweisen. Dazu kommen außen die 30 x 3 mm-Verblendungen, welche das höhenverstellbare Widerlager führen. Vorne im Widerlager kommt eine versenkte Schraube rein, hinten in das Brett, das zwischen den Führungen eingeklebt ist, ein Langloch (oder eins mit größerem Durchmesser). Darüber kommt eine Karosserie-Unterlegscheibe und dann wird das Ganze angepratzt.

Die Widerlager sitzen perfekt und die Schienen welche durch das Haus führen, auch.


< zurück weiter >
MODELL- UND ANDERE BAHNEN
HAUPTGRUPPE BERICHTE

Einen Kommentar schreiben