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Alles wird anders – Träume werden wahr


In den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts habe ich (zusammen mit meinen Geschwistern) nicht nur eine Modellbahn  bekommen, sondern irgendwann zu Weihnachten auch das Buch „Serengeti darf nicht sterben“. Dieses Buch hat in mir ähnlich Emotionen verursacht wie später dann die Ruine des Anhalter Bahnhofs. Weltwunder – der Zerstörung durch den Menschen preisgegeben…

1992 sind wir nach Bayern gezogen und 1992 haben wir auch geheiratet. 17 Jahre später haben wir – die beste aller Frauen und ich – einen soliden Grundstock angespart, sodass man sich auch mal etwas Außergewöhnliches leisten kann. Mein Lebenstraum war uns ist, so lange ich dazu in der Lage bin, einmal in die Serengeti zu reisen. Ich stell mir das Bild vor. „Rüdiger sitzt in der Serengeti, das 50 Jahre alte Buch in der Hand“.

Fasziniert von diesem Gedanken hatte ich fortan nur noch die Serengeti im Kopf. Eisenbahn kann ich auch noch machen, wenn ich nicht mehr so gut zu Fuß bin. So habe ich über ein Jahr lang gar nichts mehr an der Eisenbahn gemacht und mich nur noch auf Afrika vorbereitet. Natürlich musste ich auch ein par Brocken Kisuaheli lernen.

Zug der Erinnerungen


Aber ganz von der Eisenbahnweg, komme ich aber auch in der Afrika-Vorbereitungs-Zeit nicht. Wann immer irgendwo etwas passiert, was mit dem „Anhalter Bahnhof“ zu tun hat, bin ich natürlich zur Stelle.

Ich weiß nicht, ob ich es schon gesagt habe: Auf meiner Anlage „Anhalter Bahnhof“ sollen natürlich Züge der  Königlich Preußischen Eisenbahn-Verwaltung K.P.E.V. fahren, jene grün/schwarz/roten Gefährte. Ich liebe die Länderbahn-Lackierung. Etliche Loks der Fleischmann-Reihe „Die alten Preussen“ habe ich schon, u.a. auch die Preußische P8. Und genau die – in Länderbahn-Lackierung! –  kommt am 24. April 2009 nach Augsburg. Da muss ich natürlich hin, schließlich sind (neben anderen Fahrzeugen wie dem ETA 177) seit Anbeginn meiner Bautätigkeit an meinem Anhalter Bahnhof auch zwei grün/schwarz/rote P8 (Fleischmann 7800 Dampflok P8 KPEV) auf der Anlage beheimatet. Eine Original-Lok dieser Reihe sehen zu können, ist für mich wir ein Traum.

Ohnehin schon emotional aufgewühlt, erfahre ich dann, dass die Lok „Posen 2455“ zur Ausstellung „Zug der Erinnerungen“ gehört, welcher zwischen 2007 und 2013 in Deutschland und Polen unterwegs ist, um an die Deportation von mehreren hunderttausend Kindern in die nationalsozialistischen Konzentrationslager erinnern soll.

Ich bin total fertig, weil ich wirklich dachte, dass die „Posen 2455“ tatsächlich die Deportationszüge gezogen hat. Dem ist aber nicht so. Die Lok wurde bereits im August 1926 an die Rumänische Staatseisenbahn (Căile Ferate Române, abgekürzt C.F.R.) verkauft. Mit den Anfang der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts erfolgten Deportationen hat sie also genau so wenig zu tun , wie ich selbst. Man hat sie für den „Zug der Erinnerungen“ wahrscheinlich nur deshalb ausgewählt, weil sie historische ist.

Den Anhalter Bahnhof und die K.P.E.V. gab es nämlich schon lange vor dem „Dritten Reich“. Trotzdem komme ich sehr ins Grübeln.

Alles wird anders


Ich hab’s getan! Ich hab’s wirklich getan und mir meinen Lebenstraum erfüllt.  Ja, ich war „Mit Schlafsack und Zelt in der Serengeti“ und „hinterher sogar noch eine Woche in Sansibar“ und ich hab das Buch „Serengeti darf nicht sterben“ am Originalschauplatz gelesen.

Als ich am Donnerstag 20.8.2009 um 16:20 Uhr Ortszeit nach einer anstrengend Wanderung am Nordende des Großen Grabenbruchs unterm Egare Sero Waterfall stand und mir das weiche, total erfrischendem Wasser über den Körper lief, erlebte ich ein Gefühl, wie niemals im Leben zuvor. Ähnliches werde ich wahrscheinlich auch nie mehr erleben. Zumindest kam selbst die Situation einen Tag später, als ich tatsächlich „Serengeti darf nicht sterben“ in der Lobo Area der Serengeti las, an die Situation unterm Wasserfall nicht heran. In diesem Moment wusste ich, dass im Leben ALLES erreichbar ist, man darf sein Ziel nur nicht aus den Augen verlieren.

Und so kam’s dann auch. Natürlich dauerte es wieder mehr als neun Monate, bis ich wieder an der Eisenbahn bastelte (zwei-einhalb-tausend Afrika-Bilder wollen schließlich sortiert und die Berichte dazu geschrieben werden) – aber der Reihe nach.

Wie schon erwähnt, habe mich im Keller unserer Wohnung – vor allem im Herbst und Winter – nie so richtig wohlgefühlt. Da war es wohl vorherbestimmt (oder war es doch der „Geist von Afrika“, den ich glaubte, in der Serengeti und unter dem Egare Sero Wasserfall zu spüren?), dass wir im November eine massive Mieterhöhung bekamen, die das Fass zum Überlaufen brachte. Wir haben die Wohnung einfach gekündigt. Aber das Glück bleibt bei uns. Warum wird genau jetzt in Mering ein Wohnpark erstellt, wo wir – obwohl wir einen Hund haben – unter den 100 Wohnungen unsere Traumwohnung und sogar die Bodenfliesen und den Teppich aussuchen konnten?

Es scheint, als ginge ein Ruck durch unser Leben…

  • am 1. Mai ziehen wir um
  • vier Wochen später (am 29. Mai) gewinnt Lena Meyer-Landrut mit ihrem Hit „Satellite“ das Finale des Eurovision Song Contest (ESC) in Oslo
  • am 26. Juni erreicht die Deutsche Fußballnationalmannschaft nach einem Sieg gegen Uruquay den dritten Platz bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika – ein Sommermärchen
  • und ich habe in der neuen Wohnung endlich einen (beheizten) Raum, in dem ich die Modellbahn nicht nur dauerhaft stehen lassen kann, sondern an der ich auch (ohne frieren zu müssen) wann immer ich will bauen kann.

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