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Der erste Versuch, tatsächlich eine Anlage zu bauen


Nach 4 Jahren in einer  (für eine Familie viel zu kleinen) bayerischen „Start-Wohnung“ (ich war, als ich die Wohnung bezog, ja noch gar nicht verheiratet) sind wir dann in eine größere Wohnung umgezogen. Hier habe ich endlich einen großen Kellerraum, wo ich vorhabe, an meiner Eisenbahn bauen zu können.

Mein Gleisvorfeld ist inzwischen (zumindest zum Teil) eingeschottert und der Platz für „Den Anhalter Bahnhof in Spur N“, mit dem ich seit nunmehr 20 Jahren „schwanger gehe“  ist im neu aufgebauten Wohnzimmerschrank nun auch freigeschlagen.

Links im Schrank (entsprechend der beiden 90 cm-Einheiten des Schranksystems plus der 3,8 cm der Mittelwand) ist der Platz vorgesehen für das Bahnhofsgebäude und das Gleisvorfeld. Etwa am Übergang zum Eckschrank sollen dann mal die Brücken am Landwehrkanal gebaut werden.

Damit ich mit der Anlage optisch und auch technisch keine Probleme bekomme, habe ich unmittelbar nach dem Kauf der Schrankwand die Mittelwand des Schranksystems entfernt und durch zwei massive Holzsäulen ersetzt. Das macht den Aufbau etwas luftiger. Außerdem habe ich vor, das Anlagen-Grundbrett an dieser Stelle zu schlitzen, sodass der 183,8 cm breite Teil (2 mal 90 cm plus 3,8 cm) nach vorne aus der Schrankwand herausgezogen werden kann.

Die Tests finden allesamt im Keller statt, aber der Plan, die Dampfloks in das Bahnhofsgebäude einfahren zu lassen (der Anhalter Bahnhof ist ein Kopfbahnhof!), dort abzukuppeln und die abgekuppelten Wagen dann von einer anderen (aus dem fiktiven Betriebswerk kommenden) Lok wieder heraus und auf die Strecke ziehen zu lassen lässt sich einfach nicht umsetzen. Erstens kuppeln die Loks nicht sauber ab, zweitens habe ich im der Schrankecke überhaupt keinen Platz für ein (wenn auch nur angenommenes) Betriebswerk.

Obwohl ich grüble und grüble, komm ich zu keinem Ergebnis. Es klappt einfach nicht. Egal, was ich plane und entwerfe, letztlich ist alles doch nur für den Papierkorb. Ich drehe mich irgendwie im Kreis, dabei sollen doch die Loks ihre Kreise drehen. Kreise? Ja, genau das ist’s! Warum soll ich denn „Kopf“ machen, wenn das eh nicht funktioniert? Wer hindert mich denn daran, Kreisverkehr zu machen?

Durchgangsbahnhof statt immer nur hin und her


Wenn man durch das Dach des Bahnhofs-Gebäudes eh nicht ins Innere sehen kann, kann ich die aus Richtung Landwehrkanal ankommenden Züge doch einfach durch den Bahnhof hindurch und in den Untergrund fahren lassen. Und südlich des Landwehrkanals (also in Richtung Eckschrank) da fällt mir auch noch was ein.

Aber auch diese Idee stößt bald an ihre Grenzen. Wenn ich die Züge „in den Untergrund“ fahren lassen will, brauche ich zumindest so viel Platz, dass ich einen Kreis machen kann.

Im Bild unten rechts sieht man einen Plan, wie ich vorhabe, meine Idee zu verwirklichen. Die braunen Flächen stellen die Anlagen Grundplatten dar, die dicken blauen, senkrechten Streifen die Schrankwände. Man sieht deutlich, dass es die Gleisführung zulässt, den linken Teil (also den bis zum Landwehrkanal) nach vorne aus dem Schrank herauszuziehen.

Nun aber zum Plan, der einen Zugverkehr erst möglich macht. Theoretisch könnte ich alle 7 Gleise im Bahnhofsgebäude bedienen. Da ich den Ringverkehr aber „in den Untergrund“ ableiten muss, kann der ankommende Zug leider nur auf Gleis 5 einfahren und muss dann im Bahnhofsgebäude nach vorne auf Gleis 6 wechseln um überhaupt noch (auf einem für meine Loks befahrbaren Radius) Richtung „Untergrund“ zu kommen.

Dort wird sich dann eine verschlungene Kehrschleife befinden, auf der der Zug lange unterwegs ist, bevor er dann auf Gleis 7 (grüne Strecke) wieder zum Vorschein kommt.

Der Fernzug fährt dann auf dem grünen Gleis über den Landwehrkanal hinweg in den Eckschrank, dreht dort in einer verschlungenen Kehrschleife um und fährt dann auf dem roten Gleis wieder Richtung Anhalter Bahnhof zurück.

Die gesamte Fahrstrecke ist etwa 8,3 m lang, was im Großen knapp 1,33 km entspricht. Wenn man nicht gar zu schnell fährt und zwischendurch auch noch Halts einplant, dauert eine „Umrundung“ etwa 1 Minute oder mehr. Damit das Ganze nicht gar zu langweilig wird habe ich vor, die Rundstrecke in mehrere Blöcke aufzuteilen, sodass ich nacheinander 3, 4 oder gar 5 Züge fahren lassen kann (leider habe ich im Untergrund keinen Platz für einen Schattenbahnhof oder Überholungen).

Das stört mich aber vergleichsweise wenig, weil auf den blauen Strecken später ohnehin im Pendelverkehr Schnelltriebwagen (z.B. der Fliegende Hamburger oder solche der „Bauart Köln“ o.Ä.) eingesetzt werden, Fahrzeuge also, die nicht gewendet werden müssen.

Schlussendlich wird das Ganze noch von einen Hochbahn überquert, die ich ebenfalls im Pendelverkehr einsetzen will. Für Abwechslung ist also durchaus gesorgt.

Leider kann mein Hentschel-Wegmann-Zug von Arnold, der einfach ein Muss ist am „Anhalter Bahnhof“ die Ringstrecke nicht befahren. Er wird dauerhaft auf Gleis 2 stehen bleiben.

Erste Bauversuche


Im Keller baue ich zunächst einen Prototyp des Teils auf, der später in den linken, 183,8 cm langen Teil des Wohnzimmerschranks kommen soll. Insbesondere experimentiere ich im Bahnhofsgebäude mit dem Gleiswechsel von Gleis 5 auf Gleis 6 sowie der Kehrschleife, die rechts auf keinen Fall mit dem Landwehrkanal (der ja tiefer liegt als das Gleisniveau) kollidiert. Der wenige zur Verfügung stehende Platz für die Kehrschleife führt (unter Berücksichtigung aller Möglichkeiten) schlussendlich dazu, dass ich die Steigung hoch zu Gleis 7 an keiner Stelle größer als 2% ist, während ich das Gefälle an Gleis 6 bis auf 3% steigern kann. Das ist okay, es wird ja schließlich nur in einer Richtung gefahren.

Im Test kann ich die Strecke vom Landwehrkanal bis wieder dorthin zurück sowohl mit einem 710 mm langen Zug aus preußischer P8 mit 5 vierachsigen preußischen Abteilwagen und sogar einem 840 mm langen Zug aus stromlinienverkleideter 01 mit 5 Schürzenwagen sicher befahren. Das reicht mir allemal aus. Auch der im Bahnhofsgebäude erforderliche Gleiswechsel von Gleis 5 auf Gleis 6 wird problemlos gemeistert.

Dadurch, dass die Bahnhofsgleise 150 mm über dem Grundbrett liegen, habe ich für den später noch festzulegenden Verlauf des Landwehrkanals, sowie des Halleschen und des Tempelhofer Ufers noch genügend Platz. Wie ich allerdings die Kehrschleife, die später rechts in den Eckschrank kommen soll, realisiere, davon habe ich im Moment keinen Plan.

Wie oft schon habe ich die „Anlage“ über die nur 1 m breite Kellertreppe von der „Montagestelle“ im Untergeschoss in den ersten Stock getragen, in die „Baustelle“  Wohnzimmer-Schrank eingepasst und für Grob-Arbeiten (Sägen, Schleifen, Fräsen) wieder in den Keller hinuntergetragen. Jedes Mal bricht beim Hochtragen durch den engen Kellerabgang mal hier was ab und mal dort. So macht das einfach keinen Spaß mehr.

Dazu kommt, dass es im (unbeheizten) Keller momentan derart kalt und staubig ist, dass bald keine Lust mehr habe, dort unten auch nur 1 Minute weiterzubauen. Auch die Augen werden mit dem Alter immer schlechter und die Beleuchtung im Keller ist derartig funzelig, dass ich die Schnauze jetzt richtig voll habe.

Ich muss mir (zumindest im kalten Winterhalbjahr) was anderes suchen. Also staubdichte Plane über das Ganze und Hobbyverlegung hoch in die warme Wohnung.

Modellbahn-Elektronik


Da lag er nun, der „Traum“ in einem kalten Keller und staubte (trotz Abdeckung) mehr und mehr ein. Landschaftlich lief ja eh nichts und vom fahrtechnischen her konnte ich auch nur von Landwehrkanal weg durch den Bahnhof bis wieder hin zum Landwehrkanal fahren. Das geht mit den normalen Fleischmann-Trafos (6735, 6755) ohnehin auch nur sehr holprig. Dabei sollen die Züge im und am Anhalter Bahnhof – das bin ich meinem Traum schuldig – eine realistische Anfahr- und Bremsverzögerung zeigen und auch nicht nur so dahinrasen. „Impulsbreitensteuerung“ scheint das Stichwort zu sein. So was wie der Roco ASC 2000-Regler wär was, aber das eingestaubte Wrack im Keller, der Preis und die Unsicherheit, ob er gegenüber den Fleischmann-Trafos doch was bringt, lässt mich zögern. Meine Elektronik-Kenntnisse sind zu gering. U = R*I reicht dafür einfach nicht aus.

Also habe ich mir Fachmagazine für Modellbahn, Modellbau und Elektronik gekauft. Da gibt es so tolle Beispiele mit impulsbreitengesteuerten Fahrpulten und ich fahr, wie ein Anfänger einfach nur Hin und Her, indem ich den Regler am Trafo mal nach links und mal nach rechts drehe. Das kann es doch nicht sein!

Also kauf ich mir Eisen-III-Chlorid. Mit dem soll man angeblich Platinen ätzen können. In Wasser aufgelöst gibt das eine gelb-braune Brühe, in der man den Ätzvorgang aber nicht sehen und somit auch nicht kontrollieren kann. Das ist doch Krampf!

„Damit es nicht gar zu sehr schäumt und damit sich auch kein Schlamm bildet“, steht in der Anleitung, soll man „der Lösung ein paar Tropfen Salzsäure (HCl) zugeben“. Das gast aber dermaßen aus, dass alles im Raum, selbst das Essbesteck in der Küchenschublade Gefahr läuft, von den von den Gasen angegriffen zu werden.

Eine Alternative ist Natriumpersulfat. Da wird die Brühe blau, bleibt im Wesentlichen aber durchsichtig. Nachteil: Bei Raumtemperatur passiert fast nichts, bei über 50°C läuft die Reaktion unkontrolliert schnell. Dazu kommt, dass man sich gleich eine neue Jeans kaufen kann. Ein Spritzer der Brühe auf die Jeans und man hat ein Loch drin, selbst wenn man den Spritzer sofort mit Wasser auswäscht. Lange Rede, kurzer Sinn: Da klappt noch weniger als gar nicht!

Ich weiß schon, warum ich in der Schule Chemie schon immer gehasst habe.

Als mir dann in der Wohnung auch noch ein bananen-großer Motorkondensator (ich weiß nicht mehr, wofür der in der Bauanleitung vorgesehen war) explodierte und der Batz an der Esszimmertapete herunter lief, habe ich meinen Exkurs in die Selbstbau-Elektronik beendet.

Da steh ich nun vor meinen Trümmern: Keine vernünftige Anlage, keine funktionierende Elektronik, keine Perspektive. Einfach nichts! Nur noch Frust! Vielleicht geht’s ja im Sommer irgendwie weiter.


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