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Der neuerliche (und hoffentlich letzte) Versuch, eine Hochbahn-Brücke über den Landwehrkanal zu bauen


Ich weiß nicht, wie lange ich mit meiner Hochbahnbrücke schon schwanger gehe. Ich schaffe es einfach nicht, sie fehlerfrei zwischen Hallesches Ufer, Tempelhofer Ufer und Landwehrkanal einzupassen. Standen bei den ersten fünf, sechs oder acht Versuchen (ich weiß nicht mehr, wie oft ich eine Brücke gebaut und wieder abgerissen habe) die Brückenpfeiler noch auf den Straßen oder im Wasser, besteht das Hauptproblem heute darin, dass die Gleisverläufe im Bereich der Brücken-Widerlager entweder nach links und rechts oder nach oben und unten abknicken. Nicht viel, aber immerhin so viel, dass die darüber fahrenden Züge entweder entgleisen oder deren Wagen abkuppeln.

Über ein halbes Jahr habe ich (nach dem letzten Brücken-Abriss) nun gegrübelt. Doch jetzt bin ich (so glaube ich wenigstens) einer Lösung nahe. Warum bauen „Profi-Modellbahner“ anstatt mit kurzen, fixen Gleisstücken immer mit Flexgleisen? Die Antwort ist einfach, Weil sich Knicke an den Schienenstößen der kurzen Gleisstücke (sofern man sich nicht eines Anschlags oder einer Führung bedient) praktisch nicht vermeiden lassen. Und eben solche „Schienenstöße“ (meine Brücken endeten immer exakt oberhalb der Widerlager) habe ich auch dort.

Ich muss also, um Knicke zu vermeiden, die Enden der Hochbahnbrücke über die Widerlager hinausragen lassen und sie dort führen. Doch wie kann ich dann die Brücke dazwischen so machen, dass mir keiner der Stützpfeiler auf einer Straße oder im Wasser steht?

Die Idee mit dem Vieleck (Polygon)


Als ich auf einer Handwerkermesse als Werbegeschenk einen Zollstock geschenkt bekam, fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

Ich bastle mir aus zwei Dachlatten zwei 150 mm lange Widerlager. Auf die 150 mm-Stückchen klebe ich links und rechts zwei Holzleistchen auf, sodass ich den aufgeklappten Zollstock (geführt) in die entstandene Nut einlegen kann. Bewege ich jetzt die „Widerlager“ voneinander weg, bildet der Zollstock zwischen den Dachlatten-Stückchen quasi die Brücke.

Der Zollstock bildet auch dann eine Brücke, wenn ich die Dachlatten-Stückchen (Führungen an den Widerlagern) seitlich gegeneinander verschiede und selbst dann noch, wenn die Widerlager nicht fluchten, also nicht auf einer Linie liegen. Und genau das ist das Prinzip, das ich bei meiner Hochbahn-Brücke anwenden muss.

Leider sind die Glieder bei einem „normalen“ Zollstock mit 20 cm Länge für mein Projekt etwas zu lang. Deshalb habe ich mir heute zwei Zollstöcke mit 10cm-Gliedern besorgt.

Die Dachlatten-Stückchen lege ich jetzt auf die Widerlager meiner Anlage, pratze sie fest und versuche dann die zwei Zollstöcke (die ich am letzten Glied zusammengeklebt habe) in die Nuten der Dachlatten-Stückchen einzulegen. Auf diese Weise erhalte ich für die „Zollstock-Brücke“ automatisch schon eine Art „S-Form“. Die letzte Anpassung erreiche ich dann dadurch, dass ich die Zollstöcke an den Gelenken eben mehr oder weniger genau ausrichte. Außer, dass jetzt eben jedes „Brückensegment“ genau 10 cm lang ist, sieht der Versuch jetzt schon richtig klasse aus.

Anpassung der Längen der Brückenelemente


Auf 125 cm Brückenlänge habe ich jetzt also 12 oder 13 „Polygon-Ecken“. An manchen Stellen ist der Gleisradius so groß, dass der Innenwinkel zwischen zwei Zollstock-Gliedern fast an einen „gestreckten“ Winkel von 180° herankommt. Da kann ich die Brückensegmente locker auch länger machen als 10 cm (16 m).

Ähnlich gehe ich vor, wenn der Innenwinkel so klein ist. „Zu klein“ heißt für mich, dass ich ein Roco-15°-Gleis mit dem Radius R2 nicht mehr auf die Knickstelle des Gliedermaßstabs mit 10 cm-Gliedern legen kann. In dem Fall muss ich die Brücken-Segmente eben kürzer als 10 cm machen.

Durch diese Vorgehensweise erhalte ich schließlich eine polygon geführte „Zollstock-Brücke“, welche

  • absolut „fluchtend“ in den Widerlagern endet,
  • die Mitte der späteren Hochbahnbrücke darstellt,
  • exakt zwischen Halleschem Ufer und Landwehrkanal geführt ist und
  • die Fernbahn und den Landwehrkanal so überquert, dass kein einziger Stützpfeiler auf der Straße oder im Kanal steht.

Damit dürfte nichts mehr schiefgehen!

Ein real großer Dummy


Natürlich ist die „Zollstock-Brücke“ nur ein Modell. Die echte Brücke muss ich aus 68 mm breiten Sperrholz-Brettchen machen. Zunächst aber (dazu habe ich schon so viel gebaut und wieder eingerissen) nur aus billigem Pappel-Sperrholz. Ich säge mir also 68 mm breite und 150 mm lange Sperrholzbrettchen zurecht. Dann verbinde ich jeweils zwei davon mittels 4 mm Schrauben, Muttern und Karosserie-Scheiben.

Zieht man die Schraubverbindungen  mehr oder weniger fest an, kann man sie Brückensegmente (Reibung muss schon sein!) immer noch beliebig gegeneinander ausrichten. Wenn alles passt und auch die Längen der Brückensegmente angepasst sich, werden die Sperrholz-Brettchen dann mit Leim eingestrichen und bis zum Trocknen der Klebung mittels der Schrauben aneinandergepresst.

Der Leimverbindungen sind getrocknet und der „Brücken-Dummy“ kann vorsichtig auf die Anlage aufgelegt werden. Damit die „Mausefalle“ nicht auf die Fernbahngleise und die dortigen Laternen stürzt, werden diese mit einem u-förmigen Hilfskonstruktion gesichert.

Mittels Pergament- und Kohle-Durchschreibepapier kann ich die Konturen des „Brücken-Dummys“ schneller als gedacht auf die 1,2 mm Flugzeugsperrholz-Platten übertragen. Diese sollen später als Trassenbretter herhalten.

Generell unterscheidet man bei Vollwand-Trägerbrücken zwei Ausführungen: Die Vollwand-Trogbrücke und die Vollwand-Deckträgerbrücke. Da ich mir den Nachbau eines zierlichen Windverbands, den die Deckträgerbrücke erfordern würde, ersparen will (bei dieser liegen die Schwellen ohne weitere Hilfsmittel direkt auf den Obergurten der Hauptträger) und weil Vollwand-Trogbrücken bei Spannweiten von bis zu 20 Metern (in Spur N: 12,56 cm) die absolut gängige Brückenbauart war, entscheide ich mich für diese Ausführung. Bei solchen Brücken liegen die Gleise zwischen den Hauptträgern. Für mich kommt weiterer Vorteil hinzu: Bei Trogbrücken sind die Gleise eingeschottert. Das lässt sich auf der Modellbahn einfach in billig realisieren.


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