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Kenia Nordküste – Teil 3



Zur Untätigkeit verdammt


Der heutige Tag bringt für mich nichts neues. Ich sitz im „Dolphin“ und bin hier einfach nur fehl am Platze. Ich möchte den ASC und das Hotel aber nicht generell verdammen. Was für mich der Horror ist, kann für andere natürlich das Paradies sein. Das sind in meinen Augen dann aber Leute, denen es nur darum geht, zu sagen: „Ich fahr jedes Jahr zweimal nach Afrika, da ist es schön warm und man bekommt alles all-inklusive.“ Aber so einen Urlaub brauche ich nicht, so einen Urlaub möchte ich nicht und so einen Urlaub werde ich auch nie wieder machen. Die wenigen Tage ASC-Erfahrung reichen mir für mein ganzes Leben.

Bevor ich jetzt völlig dem Trübsinn verfalle, freue ich mich lieber an den vergangenen zwei Tagen an der Südküste. Das war echt das, was ich erhofft hatte, in Afrika zu erleben. Wenn ich ehrlich bin, war’s noch viel mehr. Das war einfach super und das muss ich auch gleich meiner Frau und meinen Kumpels zuhause erzählen. Deshalb gehe ich raus aus dem Ghetto und rüber zur Straße, wo ich bei Rita ein paar Mails verschicken will. Doch Rita hat leider zu. Schade.

So bummle ich eben die Straße hinunter, durchforste die beiden Einkaufsläden, trinke hier mal einen Kaffee und dort mal ein Bier (das ist hier draußen mit 95 Shillingen für ein Tusker wesentlich preiswerter als im Hotel). Auf einen direkten Kontakt (Moses und Francis haben mich so gelinkt) lass‘ ich’s nicht mehr ankommen. Immer wenn jemand aufdringlich wird und einen Dollar, ein Getränk oder auch mehr einfordern will, gehe ich einfach weiter. Am Südende der Straße find‘ ich dann noch mal ein Haus, wo man ebenfalls Mails verschicken kann. Betrieben wird der Shop von einer jungen Inderin namens Shamsiya. Hier kann ich Susanne und meinen Kumpels dann endlich von meinen Delfin-Begegnungen und auch von meinem Missgeschick mit dem kalten Bier berichten. Die fantastischen Tage gestern und vorgestern, wo ich so viel erlebt hab‘, geben mir Kraft, den Trübsinn hier oben zu ertragen und meine Zeit abzusitzen. Völlig unmotiviert lass‘ ich den Tag dahinplätschern.

Den Rückweg nehme ich, trotz der nervigen Beachboys, am Strand entlang. Hier kann man hoch gehen bis zum Malaika (ebenfalls einem ASC-Hotel), wo man Leopardenschildkröten ansehen und fotografieren kann. Damit vertreibe ich mir die Zeit, bis es allmählich dunkel wird. Die Dämmerung ist genau die richtige Zeit, die kleine Höhle unterhalb des Malaika zu besuchen. Dort gibt es eine Unmenge Fledermäuse. Jetzt ist deren Zeit. Lautlos fliegen sie umher. Und obwohl man keine direkt sieht, entwickelt man ein neues Bewusstsein für seine Umgebung, beginnt, auf die verschiedenen Geräusche zu hören und nimmt die Gerüche der Pflanzen wahr. Bei Dunkelheit ist alles viel intensiver: Das Zirpen der Grillen, das Rascheln im Gebüsch, das Rauschen der Palmblätter im Wind und das Rufen der Nachtvögel.So entgeht mir auch nicht die Musik, die vom „Dolphin“ herüberklingt.

Safari Sound Band


Jedes gute Hotel, und das „Dolphin“ hält sich für ein solches, bietet an manchen Tagen der Woche abends Musik und Tanz. Heute Abend spielt die Safari-Sound-Band dort. Die Safari-Sound-Band ist die wohl bekannteste Band Kenias. Sie spielt Lieder, die uns Europäern direkt ins Ohr gehen und von denen der geneigte Pauschaltourist meint, das seien typische afrikanische Klänge. Das sind sie aber nicht! Bei „Jambo Bwana“, „Love Peace and Happiness“ oder „Malaika“ kann man auch gleich sofort mitsingen. Man fühlt sich wie bei Moik im Musikantenstadl. Alles schunkelt, alles klatscht. Als dann aber „My way“ von Frank Sinatra intoniert wird und in tropischer Vollmondnacht das zweite Bier durch meine Kehle gelaufen ist, da werd’ selbst ich noch richtig sentimental. Schade, dass Susanne jetzt nicht hier sein kann.

Der Abend plätschert dahin und Peter, ebenfalls ein alleinreisender Urlauber aus Bayern, ist ein angenehmer Gesprächs- und Trinkkumpan. Wenn ich dran denke, dass ich morgen auf Safari gehe und zum ersten Mal in meinem Leben in ein winziges Propeller-Flugzeug steigen muss, dann krieg ich jetzt schon richtig Angstzustände. Peter meint, bei Angstzuständen sei ein „Planters Punch“ für mich genau das Richtige und schleppt mich zur Bar. Der „Planters Punch“ hier ist ein Mix aus weißem und braunem Rum mit einem winzigen Alibi-Schuss Orangen-Saft. Das Ganze wird in einem großen Glas gereicht und schmeckt gar nicht schlecht. Aber das ist vielleicht ein „Absacker“ – ich hab noch nicht ausgetrunken, da trifft dich der „Faustschlag des Pflanzers“ aber auch schon mit voller Wucht. Mit der nötigen Bettschwere, aber flugangstbefreit, mach‘ ich mich auf, mein Zimmer zu suchen, das heute Nacht besonders weit entfernt zu sein scheint. „Hoffentlich sieht mich keiner.“

Pech gehabt – oder doch Glück? Jedenfalls versperrt mir direkt vor meiner Eingangstür ein tropenbehelmter Schwarzer in weißer Uniform den Weg und reicht mir ein Kuvert. Erst blick‘ ich gar nichts, doch dann seh ich’s. Susanne hat meine Mail erhalten und prompt per Fax geantwortet. Sie schreibt, dass sie mich beglückwünscht für meine Delfin-Sichtungen und mir für die Safari „Alles Gute“ wünscht. Da kommen mehr Emotionen auf, als man sie hier beschreiben kann: Vollmond, Safari Sound Band, „Planters Punch“ und das Fax – ich bin total gerührt.

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LÖWENZAHN UND ZEBRASTREIFEN
REISEBERICHTE AUS AFRIKA


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