Wildtierpark Bad Mergentheim – Eintritt bezahlt, Futter gekauft – jetzt sollten nur noch die Tiere mitspielen
Zwei Besucher, ein Futterpäckchen und die große Acht
Neun Uhr. Endlich. Eine Mitarbeiterin schließt auf, und wir sind tatsächlich die Ersten. Kein Gedränge, kein Kinderwagen-Stau, keine Menschenschlangen – fast schon ein VIP-Empfang für zwei Personen.
Der Eintritt kostet 15 Euro. Susanne lädt mich ein und spendiert zusätzlich noch ein Päckchen Tierfutter für einen Euro. Damit sind wir also bestens ausgerüstet: Eintrittskarte, Kamera und ein kleines Bestechungspaket für die tierischen Bewohner. Jetzt kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.
Dann stapfen wir los. Der Rundweg durch den Wildpark ist etwa 4,2 Kilometer lang. Mit den kleinen Abstechern und den unvermeidlichen „Da-müssen-wir-noch-mal-schauen-Schlenkern“ kommen so also locker fünf Kilometer zusammen.
- Parkplan Wildpark Bad Mergentheim
Auf dem Plan sieht der Rundweg aus wie eine große liegende Acht: links eine größere Schleife, rechts eine kleinere. In der Mitte – ungefähr zwischen Fischotter- und Bärengehege – kreuzen sich die beiden Wege scheinbar. Tatsächlich führt dort aber eine Brücke über den anderen Weg hinweg. Ein spontaner Wechsel von der einen Schleife auf die andere ist also nicht vorgesehen. Der Wildpark hat offenbar nicht nur Tiere, sondern auch eine gewisse Wegeordnung. Damit ich später unsere Positionen besser erklären kann, lege ich gedanklich über jede der beiden Schleifen das Zifferblatt einer Uhr. Wir beginnen unseren Rundgang am rechten „Zifferblatt“ bei 6 Uhr.
Die erste Runde gehört den Gemütlichen
- Mufflon-Weibchen
Zunächst führt der Weg zwischen dem Gehege der Waliser Schwarznasenschafe und dem Wildparkrestaurant „Jägerstüble“ – das natürlich noch geschlossen hat – am Seerosenteich vorbei hinauf zu den Mufflons. Das Mufflon-Mädchen schaut mich völlig verdattert an. Fast so, als würde es denken: „Was ist denn jetzt los? Schon wieder geöffnet? Und das so früh am Morgen? Wir waren doch gerade erst beim Frühstück.“ Wir gehen weiter um das Steinbock-Gehege herum Richtung Freiflug-Gelände. Vorbei am Fischteich, an dem früher einmal Kormorane zu sehen waren, und weiter durch die Volieren.
- Alpen-Steinbock
- Alpen-Steinbock
Mehr Schilder als Tiere
Dort wo früher Uhu, Bartkauz und Schneeeule ihre Runden drehten, herrscht heute erstaunlich viel Leere. Die Gehege sind da. Die Schilder sind da. Die Wege sind da. Nur die Hauptdarsteller scheinen teilweise Urlaub zu haben. Wo sind die Tiere geblieben? Natürlich weiß ich, dass Tiere nicht auf Kommando vor der Kamera posieren. Ein leerer Gehegebereich bedeutet nicht automatisch, dass es den Tieren schlecht geht. Aber der Unterschied zu unserem letzten Besuch vor fünf Jahren fällt uns deutlich auf. Damals war deutlich mehr Leben im Park.
Haben wir nur einen schlechten Zeitpunkt erwischt oder ist der Wildpark tatsächlich deutlich leerer geworden? Wir sind zumindest irritiert. Am Schwarzstorch vorbei geht es dann zum Nordwestende des Rotwildgeheges. Hier ist Susanne wieder ganz in ihrem Element: Tiere füttern. Mit sichtlicher Freude lässt sie die Maiskörner in die Futterrinne rieseln und wartet gespannt, wer sich davon wohl angesprochen fühlt. Am liebsten würde sie natürlich ganz nah ran – das weiche Fell der Tiere spüren, vielleicht sogar den einen oder anderen feuchten Nasenstupser abbekommen. Aber so viel Nähe gönnen uns die Tiere dann doch nicht. Die Rotwild-Damen bleiben lieber auf sicherem Abstand und beschränken sich auf das Fressen.
- Der Rotwild-Kuh schmecken die Maiskörner.
- Gibt’s noch mehr?
Langsam kommt die Sonne durch – gerade hier auf dem freien Platz. Jetzt ist es auch Susanne zu warm und sie zieht das vorhin noch dringend notwendige zweit T-Shirt wieder aus. In zehn Minuten beginnt am gegenüberliegenden Ende des Rotwildgeheges die Tierparkführung. Also machen wir uns langsam auf den Weg dorthin.
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