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Winter-Fährtle ins Allgäu

Unser neuer „Weggefährte“ – Falk NEO 550


„Fährtle“ zu machen, war schon immer mein Thema. Mann, was haben wir immer im Vorfeld geplant, Karten erstellt, ausgedruckt und in Ordnern zusammengestellt. Das war, verbunden mit ungemeiner Vorfreude, aber immer auch sehr papierintensiv und oftmals, vor allem wenn unterwegs Unpässlichkeiten passierten (was haben wir uns in Irland verfahren, als bei Bandon die Baustelle kam und wir nur noch schwer auf die andere Seite des Flusses kamen), manchmal recht schwierig, wieder auf den Plan zu kommen. Zu meinem 58. Geburtstag hat mir Susanne deshalb ein Navi geschenkt.

Bedienung und „Einbau“ ins Auto sind kinderleicht und das elektronische Hilfsmittel hat mich in einer 3-wöchigen Testphase auch tatsächlich jeden Morgen richtig zur Arbeit navigiert, auch dann, wenn ich (zu Testzwecken) Hinweise wie  „In 200 Metern rechts, dann gleich wieder links in die Unterberger-Straße“ einfach ignorierte. Sekunden später hat das Gerät eine neue Fahrtroute ermittelt und gibt (ohne genervten Ton, wie das manchmal von Beifahrerinnen zu hören wäre) neue Hinweise „Dem Straßenverlauf 4 Kilometer folgen“. Das befürchtete „Bitte wenden, bei der nächsten Möglichkeit bitte wenden“  blieb in der Regel aus.

Heute, es ist der 29.12.2012, wollen wir dann „unser Navi“ im „echten“ Einsatz testen. Es ist ein wunderschöner sonniger Tag und obwohl übermorgen Silvester ist, sollen’s heute bis zu 9 °C werden. Was gibt’s da Schöneres, als ins Voralpenland, ins bayerische und schwäbische Allgäu zu fahren? Erstes Ziel soll die Schlossbergalm in der Nähe von Eisenberg sein. Also „Burgweg 50, 87637 Eisenberg“ ins Navi eingetippt und dann harren wir der Dinge, die da kommen.

Anfahrt zur Schlossberg-Alm


Nachdem wir mit unserem Hund Chicco die Morgenrunde gemacht haben, geht’s dann um halb zehn endlich los. Zettlerstraße, Unterbergerstraße, Tunnelstraße, Friedenaustraße usw. alles kein Problem. Da sind wir zuhause, da kennen wir uns aus. Bis Landsberg waren wir bei früheren „Fährtles“ auch schon mal ohne Navi gekommen. Kurz danach aber, bei der A-96-Ausfahrt 22, Jengen-Kaufbeuren, empfiehlt uns das Gerät dann, auf die B 12 abzufahren und die Autobahn zu verlassen. Wir fahren genüsslich der Sonne entgegen, bis – ja bis – in der Nähe von Marktoberdorf, in größerer Entfernung dann plötzlich eine Rauchsäule vor uns zu sehen ist. Die Autos vor uns werden langsamer, Warnblinker leuchten auf und schon stehen wir im dicksten Stau. Am unteren Ende der Rauchsäule sind jetzt auch Blaulichter auszumachen. Da hat’s gekracht! Man kann nur hoffen, dass die Insassen noch rechtzeitig aus dem Auto gekommen sind. Die Rettungskräfte sind vor Ort, wir selbst  können nichts tun, nur warten.

Als wir sicher sind, dass absolut nichts mehr geht und viele Autofahrer bereits ausgestiegen sind, wenden wir und fahren zurück Richtung Kaufbeuren. Die nächste Ausfahrt wollen wir raus. Leider kommt aber 12 km lang keine Ausfahrt mehr. Das „Wenn möglich, bitte wenden“ müssen wir wohl oder übel ignorieren. Erst als wir bei Kaufbeuren die B 16 verlassen und Richtung Innenstadt fahren, ist auch das „Navi“ wieder auf Kurs: „Dem Straßenverlauf folgen.“ Die B 16 wird sicher noch Stunden blockiert sein, und dank des Geräts haben wir nun eine Alternativ-Route gefunden. Wir fahren durch die „tiefste Pampa“, aber es ist wunderschön hier. Einmal kommen wir sogar an Bethlehem vorbei. Von da aus sind’s nur noch 15 km bis zur Schloßberg-Alm. Hoffentlich haben die auf, denn inzwischen knurrt schön mächtig der Magen.

Schloßberg-Alm


Wir fahren durch Seeg, unter einer mächtigen Autobahnbrücke hindurch und dann in Zell rechts hoch. Irgendwie kommt mir das alles bekannt vor. Da waren wir schon mal! Allerdings hat’s damals dermaßen geregnet, dass ich seinerzeit keinen Bericht drüber geschrieben hab.

Heute aber ist strahlendes Wetter. Hier oben, wir sind etwa 1000 m hoch, liegt sogar ein bisschen Schnee, im Hintergrund fahren Ballons. So lässt sich’s leben. Ein Traumtag wieder für ein „Fährtle“! Wir stellen das Auto ab und setzen uns auf die Terrasse. Bevor wir uns an die Speisekarte machen, bestellen wir aber zuerst mal ein Bier (2,90 €, wenn wir mit dem Auto unterwegs sind, natürlich alkoholfrei!) und genießen die Aussicht.

„Das links“, so Wirt Josef Gast, „ist der Säuling, der Allgäuer Kilimanjaro‘“. Womit ich nach drei Jahren Abstinenz endlich mal wieder den Kilimanjaro sehe. Na ja, wenn auch nicht den echten.

Das Essensangebot in der Schloßberg-Alm ist hüttengemäß und günstig. Das teuerste Menü kostet 8,90 € und genau dafür entscheide ich mich. Nicht, weil ich im Lotto gewonnen habe, sondern einfach weil mich Schnitzel und Bratkartoffeln anmachen. Susanne entscheidet sich für einen mit Speck gefüllten Pfannkuchen (7,50 €), der heute als Tagesessen angeboten wird. Chicco soll auch nicht leer ausgehen und bekommt von zuhause mitgebrachtes Hähnchen und das wo doch an der Terrassenwand  groß und deutlich steht „Kein Verzehr von mitgebrachten Speisen und Getränken.“

Das Essen ist superlecker und der Platz auf der sonnenbeschienenen Terrasse einfach herrlich. Hier könnte man stundenlang sitzen, aber wir wollen ja nicht nur schlemmen (das auch!), aber zu einem „Fährtle“ gehört für uns mehr.

Die Burgruinen Eisenberg und Hohenfreyberg


Frisch gestärkt schicken wir uns an, zu den Burgruinen Eisenberg und Hohenfreyberg hoch zu gehen. Das ist nicht weit, so 15 bis 20 Minuten. Allerdings ist der Weg steil und jetzt bei Tauwetter auch ganz schön rutschig. Chicco mit seinem „Allradantrieb“ macht das nichts aus. Susanne und ich müssen uns aber schon gegenseitig oder an irgendwelchen Zäunen (wenn vorhanden) festhalten.

Als erstes erreichen wir links oberhalb der Schloßberg-Alm die 1330 erbaute Burg Eisenberg oder besser das, was davon übrig geblieben ist. Das Ausblick runter zum Hopfensee (ich hoff‘ doch, das das der Hopfensee ist), ist sensationell. Wenn man nur wüsste, was das all für Berge sind. Andererseits, was kümmern Namen, wenn man hier nur einfach die Aussicht genießen kann?

Und trotzdem gibt es Menschen, denen das nicht genügt. Sie wollen noch höher hinaus. Dafür haben die Ballonfahrer heute aber auch wirklich optimales Wetter! Sie haben sicher einen noch atemberaubenderen Blick – aber ich habe super Fotomotive. So ist doch jedem gedient. Beim Runtergehen Richtung Schloßberg-Alm sehen wir dann vor uns (beim Raufgehen glatt übersehen) Burg Hohenfreyberg. Da muss ich unbedingt noch rüber. Susanne meint zwar, eine Burg sei genug, doch als wir dann drüben sind, …

… ist sie von der (gegenüber Eisenberg) 100 Jahre jüngeren Burg Hohenfreyberg mehr als begeistert. Tja, manchmal muss man Susanne einfach zu ihrem Glück zwingen und wir beide sind froh, dass ich sie dazu überredet hab, noch kurz mit rüber zu gehen. Hohenfreyberg ist übrigens eine der größten Burgen Bayerns und eine der letzten Burg-Neubauten des deutschen Mittelalters.

Wir genießen den Blick über Burg Eisenberg hinweg rüber zum Hopfensee bis hin zu den Alpen. Es ist einfach nur traumhaft und für Ende Dezember außergewöhnlich warm, sodass man beim Wandern sogar ins Schwitzen kommt. Aber alles in allem hat sich’s gelohnt! Glücklich marschieren wir wieder runter zur Schloßberg-Alm, wo unser Auto steht.

Als nächste Station haben wir den Landschaftspark Engelhalde in Kempten vorgesehen. Da wir aber keinen Bock haben, über die Autobahn zu brettern, sondern unser neues Navi testen wollen, wählen wir natürlich eine Alternativroute: Über Zell, Kreuzeck, Kappel, Nesselwang, Oy, Petersthal, am Rottachspeicher vorbei über Rieder, Moosbach, Sulzberg nach Kempten. Und obwohl die Tour „idiotisch“ ist, lotst uns das Navi souverän. Und das Schönste: Wir haben wunderbare Schneelandschaften um uns herum.

Kempten – Landschaftspark Engelhalde


Um kurz nach drei erreichen wir den Landschaftspark Engelhalde am Lohmühltobel in Kempten. „Hunde an die Leine“, ist überall zu lesen. Das gefällt uns richtig gut, so können wir mit Chicco einen ungestörten Spaziergang durch den Park machen – dachten wir. Natürlich hält sich keiner dran. Fast alle Hunde hier sind unangeleint und das, obwohl hier auch Wasservögel ihr Zuhause haben. Da ist die Stadtverwaltung Kempten dringend gefordert, ansonsten kann sie das Geld für die Schilder auch gleich sparen!

Wir machen eine kleine Runde um den Teich und an der Kletterwand vorbei und beschließen dann, zu unserem nächsten Ziel, der „Bärenfalle“ weiter zu fahren. Also „Ratholz 24, Immenstadt“ ins Navi getippt und los geht’s.

Fahrt über die B19 Richtung Bärenfalle


Problemloser bin ich noch nie aus einer größeren Stadt herausgefahren und auch als die B 19 wegen Bauarbeiten bei Oberdorf gesperrt ist, haben wir keinerlei Probleme. 7 km noch bis zur Bärenfalle. Rechter Hand nun der Alpsee, an dem ich noch nie war, dessen Name mir aber sehr wohl im Ohr ist.

„Ihr Ziel befindet sich in 200 Metern auf der linken Seite. Sie haben ihr Ziel erreicht. Es befindet sich auf der linken Seite.“

„Hä? Müsste die Bärenfalle nicht auf einem Berg sein?“ Ich schau nochmal nach und die Adresse stimmt: Berghütte Bärenfalle / Gebr. Traubel GmbH / Ratholz 24 / 87509 Immenstadt im Allgäu ist da zu lesen. Und genau da bin ich jetzt, doch von Berghütte weit und breit keine Spur. Stattdessen die Talstation eines Sessellifts, eine Art Rodelbahn und ein Riesenparkplatz davor. Die Bärenfalle ist irgendwo da oben. Chicco im Sessellift? Das wird nichts. Mit dem Auto hoch fahren oder gar zu Fuß gehen? Das ist auch nichts. Denn überall warnen Schilder vor Glatteis! Also werden wir unseren Kaffee wohl woanders trinken müssen.

Landgasthof Jägerhaus – Ratholz-Immenstadt


Als wir aus dem Parkplatz raus, links in die B 308 einbiegen wollen, sehen wir direkt auf der anderen Straßenseite den Gasthof Jägerhaus. Ein typischer bayrischer Landgasthof, in dem man vielleicht Schweinsbraten und Knödel serviert bekommt, aber Kaffee? Fragen kost‘ nichts, also gehen wir rein.

Drinnen staunen wir nicht schlecht. Da gibt’s Kaffee in einer Auswahl, wie man das höchstens noch in einem Wiener Café-Haus erwarten würde. Wir entscheiden uns für Cappuccino (2,50 €) und erfahren dabei, dass das Getränk offensichtlich auf Kapuziner-Mönche zurückzuführen sei. Dazu gibt’s herrlich frischen Apfelstrudel mit Vanille-Soße (3,20 €). Mann, morgen werde ich bestimmt 3 kg schwerer sein. Aber das schmeckt ja so was von lecker!

Um 16:00 Uhr machen wir noch einen kurzen Spaziergang mit Chicco bis zur Konstanzer Ach, bevor wir dann die Weiterfahrt antreten.

Fahrt in den Abend – von Ratholz nach Isny


20 Minuten später steht die Sonne so tief, dass die ohnehin schon schöne Landschaft noch prächtiger wird. Alles ist jetzt rot-orange gefärbt. Bei Schönau entstanden dann diese Fotos.

Das Allgäu ist herrlich! Zu jeder Jahres- und zu jeder Tageszeit. Da hat der Herrgott wohl einen besonders guten Tag gehabt, als er dieses Stückchen Erde schuf.

Der Tag neigt sich langsam dem Ende. Jetzt, wo die Sonne fast weg ist, wird es über den Schneefeldern empfindlich kühl. Nebel zieht auf und es verlangt mir schon einige Aufmerksamkeit ab, mich auf die schmalen Sträßchen zu konzentrieren.

Noch 25 km bis Haselburg. Dort, so habe ich im Internet gelesen, soll eine urige Gaststätte sein, die ich zum Abschluss unseres Fährtles noch unbedingt besuchen möchte.

Rössle Haselburg


Als wir in Haselburg ankommen, ist es bereits dunkel. Aber das Rössle ist so schön weihnachtlich beleuchtet und strahlt eine dermaßen Ruhe aus, dass wir uns dem Charme nicht entziehen können. Irgendwie erinnert es mich mit seinem großen Stern an der Fassade fast schon an den Stall von Bethlehem. Gleich rechts neben dem Eingang ist eine Art Bio-Laden, in dem lokale Spezialitäten angeboten werden. Susanne ist in ihrem Element. Lange hält sie sie vor den Regalen auf, guckt und sucht und guckt, bis sie sich schließlich entscheidet, für unseren Sohn Ananas in Form von Biotrockenfrüchten mitzubringen. „Des isch jetzt aber nix typisch Allgäuerisches.“  „Aber, ’s fangt au mit am ‚A‘ an“, so Susannes entwaffnende Antwort.

Wir linsen durch die Fenster in die Wirtsstube. Mann, ist das schnuckelig. Da können wir, obwohl wir heute schon genug gevöllert und geschlemmt haben,  gar nicht anders, als rein zu gehen. Durch die niedrige Tür (mit 1,86 wird’s schon eng), kommen wir in die ebenso niedrige Gaststube, welche von einem großen Kachelofen angenehm erwärmt ist. Da setzen wir uns gerne hin, an einen der massiv-derben Eichentische in der urgemütlichen Bauernwirtschaft. Die Speisekarte bietet regionale Genüsse vom Feinsten. Bierbraten oder Tellersülze, Sauren Käs oder ofenfrische Bretzeln. Da läuft mir jetzt schon das Wasser im Mund zusammen. Liebend gerne würde ich Tellersülze essen, doch auf die Idee sind heute wohl schon viele andere gekommen, sodass ich leider umdisponieren muss.

Aber auch das, was wir dann wählen, ist super lecker. Susanne entscheidet sich für sauren Käs (6,00 €) und ich mich für den Allgäuer Wurstsalat (5,80 €). Selten hat mir etwas dermaßen gut geschmeckt und als der Kellner fragt, ob’s recht war, kann ich nur noch lachen. Das war nicht „recht“, das war oberspitzensuperlecker! Im Rössle war ich heute sicher nicht zum letzten Mal.

Nach Hause


Alles in allem war’s ein tolles „Fährtle“, so ein’s, das man wohl lange Zeit nicht vergessen wird. Wir haben ein wunderschönes Fleckchen Erde gesehen und unser Reisehund Chicco war, wie immer, traumhaft. Unser neuer „Reisebegleiter“ hat uns sehr geholfen und für uns gibt es jetzt nur noch eins: Nach Hause! Dafür gibt’s am Falk NEO 550 eine extra große „Taste“. „Die Route ist berechnet, 123 km“, sagt unser Navi. Wir werden also (wie immer bei unseren „Fährtle“) noch vor der Tagesschau wieder zu Hause sein. Und als ob es nicht schon reicht, was wir erlebt haben, geht über der A 7 romantisch-riesengroß der Vollmond auf.


TAGESAUSFLÜGE – FÄHRTLE
REISEBERICHTE AUS DEUTSCHLAND

2 Reaktionen zu “Winter-Fährtle ins Allgäu”

  1. Susanne

    Deine Reiseberichte zu lesen ist immer wieder ein Genuss, Rüdiger. Sie erinnern einen daran, dass es noch etwas anderes gibt, als ständig die neusten Neuigkeiten im Handy abzurufen oder in einem fort Party zu machen. Dass du mich überredet hast, auch noch die zweite Burgruine anzuschauen, war wirklich ein Glück. Sonst hätten wir die Höhenflieger (im Ballon nennt man sie wohl eher Höhenfahrer) nicht gesehen und auch nicht die herrliche Aussicht genießen können. Auch hat Chicco uns mal wieder bewiesen, dass er mit seinen beinahe 12 1/2 Jahren immer noch super gut trippeln kann, selbst wenn es steil bergauf und dann wieder bergab geht.
    Toll war es!

  2. Marga Gadermann

    Hallo Rüdiger,

    da habt ihr aber ein tolles Winter-Fährtle ins Allgäu unternommen. Ich selber war auch schon einige Male im Allgäu, und es gefällt mir immer wieder.
    Das Schreiben eines Erlebnisses liegt dir anscheinend im Blut, Super.

    Lieben Gruß
    Marga

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