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Star-Treff in der Western-City, Dasing


Tja, auch wir waren mal jung! Zwar hatten wir nie Geld, aber wir hatten Träume und die Köpfe waren voll von verrückten Ideen. Ein Lied zieht hinaus in die Welt und wir zogen hinterher, es gab ja auch so viel zu erleben draußen, abseits der Enge unseres spießigen Dorfes. Welches Mädchen hat nicht davon geträumt, Graham Bonney kennenzulernen, den Typen, der ihr, nein, nicht die Handy- (das gab’s damals noch nicht) sondern ganz einfach die Festnetz-Nummer gab und sagte: „Wähle 3-3-3 auf dem Telefon„. Und ich selbst hätte sicher auch die Zeit vergessen, wenn Nicky von mir schwärmte „Wenn I mit dir tanz„.

Drangvolle Enge im Saloon der Western City in Dasing

Am Fronleichnams-Tag 2013 haben wir die Zeit – zumindest gedanklich – für ein paar Stunden zurückgedreht. Freunde aus dem Schwarzwald, genauso Grufties wie wir, waren zu Besuch in Augsburg und weil es draußen regnete, wie fast jeden Tag in diesem Jahr, war’s nichts mit Biergarten oder Stadtbummel und auch sonst war’s mit nichts! Was sollte man seinem Besuch da noch bieten? Immer nur in der Stube hocken bringt’s ja auch nicht.

Grübel, grübel, grübel… Das Internet bescherte uns schließlich Hilfe: Die Western-City in Dasing bot nämlich den Star-Treff, das ist etwas sicher Einmaliges, etwas, das wir so nicht ablehnen konnten, zumal der Saloon dort auch noch überdacht ist. Besser als im Regen zu sitzen, ist es allemal. Der Eintrittspreis für die Fernseh-Aufzeichnung des Star-Treffs ist moderat und außer 70er-Jahre und Country gíbt’s dort auch noch Spare-Ribs, Folienkartoffeln und Weißbier. Herr, was willst Du mehr? Ohne große Erwartung, einfach nur mit guter Laune im Gepäck und einer Menge Spaß im Herzen, packen wir unseren Besuch ins Auto und fahren nach Dasing.

Anstehen


Kurz nach 16:00 Uhr stehen wir vorm Saloon, um 17:00 Uhr ist dort Einlass und um 18:00 Uhr soll’s mit der Fernseh-Aufzeichnung losgehen. Normalerweise mag ich Anstehen ja gar nicht, aber hier ist’s irgendwie lustig. Die schrägsten Typen stehen rings um uns rum und man fragt sich unweigerlich: „Sag mal, sehen wir tatsächlich auch so aus?“ Tja, das Alter hat auch um uns keinen Bogen gemacht. Also nimm’s hin und lebe!

Links drüben treffen sich Graham Bonney und Mitglieder der Franz-Lippert-Band zu einer Spontan-Session. Am Sonntag wird Bonney übrigens 70, dafür ist er noch fit wie ein Turnschuh.

Graham Bonney und Mitglieder der Franz Lippert Band Die Kameraleute sind bereit

Langsam fängt’s an zu tröpfeln. Hoffentlich kommen wir noch rein, bevor’s schüttet. Es schüttet ja, wie oben schon erwähnt, schon den ganzen Mai über, weshalb man von Seiten des Veranstalters die Show auch gleich in den Saloon verlegt hat. Geschafft! Wir haben einen guten Platz! Eigentlich ist jeder Platz ein guter Platz, denn mehr als 200 bis 250 Leute passen in den Saloon eh nicht rein. So kommt man sich näher, ob man will oder nicht. Platz- oder Berührungsangst jedenfalls darf man nicht haben, vor allem dann nicht, wenn sich die Speckröllchen der Dame vom Nebentisch mit den deinen vereinigen. Da muss man jetzt einfach durch, ein Weizen bestellen und der Dinge harren, die da kommen.

Es geht los


Pünktlich um 18:00 Uhr betritt Armin Stöckel die kleine Bühne. Sein Bild, draußen auf dem Plakat verhieß ja nichts Gutes. „Schnösel“ war mein erster Gedanke, aber ich hab mich gewaltig geirrt! Vom ersten Moment an hat Stöckel sein Publikum im Griff – ein absoluter Vollprofi, dazu unwahrscheinlich herzlich, umgänglich und charmant. Mit ein paar wenigen Liedern, Playback zwar, aber toll abgemischt, hat er uns in Stimmung gesungen. Nichts mit Claqueuren und dem üblichen „Warm up“, wie man es sonst von Fernseh-Shows kennt. Alles kommt direkt, herzlich und familiär.

Moderator Armin Stöckel Mitten unter den Fans: Fred Rai (mit Hut)

Fred Rai und Nicki


„Wenn wir dann nachher mit den Aufzeichnungen beginnen, möchten wir sie bitten, beim Fotografieren auf Blitzlicht-Einsatz zu verzichten.“ Oh, Oh, das wird dunkel. Aber zumindest darf man noch fotografieren.

Den Reigen eröffnet Hausherr Fred Rai auf seinem Fernseh-Pferd Spitzbub. Das haut dich schon gleich mal vom Sattel. Das Pferd, ohne Trense im Maul, nur mit Fred Rais bekanntem „Bändel“ um die Schnauze, verblüfft. In dieser drangvollen Enge, wo wir selbst schon Platzangst haben, ist Spitzbub die Ruhe selbst. Im Anschluss an seinen Gesangsvortrag erklärt Rai, dass das nur geht, wenn das Pferd 100% sicher ist, mein Betreuer sorgt für mich und ist jederzeit für mich da. Das hat ja schon mal toll angefangen!

Fred Rai auf Spitzbub Das bayerische Cowgirl – Nicki

Plötzlich sind alle Kameras auf uns gerichtet bzw. auf die Frau, die neben uns im schmalen Gang steht und auf ihren Auftritt wartet. Wer ist das denn? Susanne meint ja, das sei Nicki, aber ich kann von meinem einstigen Jugendschwarm nichts mehr erkennen. Tja die Jahre – und wie Nicki selbstironisch meint: Kilos. Aber sie ist’s tatsächlich. „I bin a bayrisches Cowgirl“, vermeldet das Playback. Das Publikum ist mitgerissen, klatscht und wir sind ebenfalls mitgerissen und klatschen, auch wenn es für Frau Hrda, so heißt Nicki bürgerlich, wohl eher ein Pflicht-Auftritt denn Leidenschaft ist.

Armin Stöckel – ein Charmeur erster Güte


Dann kommt er wieder, der Charmeur. Armin Stöckel weiß, wie man die Damen im Publikum um den Finger wickelt. Eine aufgehübschte, in die Jahre gekommene Blondine neben uns und Rosi, vorne am Hauptgang, haben es ihm besondern angetan. Und die Damen schmelzen wie Wachs in seinen Händen. Welche Dame hört nicht gern, wenn sie von einem 30-Jährigen (Stöckel wird am Dienstag nächster Woche 30) dermaßen angeschmachtet wird. Die Zuschauer jedenfalls sind begeistert.

Armin Stöckel Begeistertes Publikum

Red Roses und Andreas Oscar


Draußen regnet’s wieder, da kommen „We rise the sun“ der aus Aichach stammenden Band Red Roses um Sänger Cornelius van der Heyden und die Balladen von Andreas Oscar gerade recht.

Red Roses Andreas Oscar

Matthew Daniels und Conny Singer


Schlag auf Schlag geht es weiter. So viele Sänger und Sängerinnen an einem einzigen Abend – und für jeden ist was dabei. Matthew Daniels, den ich eigentlich nur als Winnetou von den Süddeutschen Karl-May-Festpielen kenne, überzeugt mit einer gefühlvollen Ballade und die quirrlige Conny Singer mit volkstümlichem Schlager.

Matthew Daniels Conny Singer

Franz Lippert Band


Dann geht die Post ab! Franz Lippert Band und seine Band bringen nicht nur Country-Musik vom Feinsten, nein, die vier flotten Tänzerinnen bieten auch noch was fürs Auge.

Franz Lippert Band

Kristine Knittel und Graham Bonney


Der Abend nähert sich einem ersten Höhepunkt. Nach Kristina Knittel, die „O sole mio“ zum Besten gibt, kommt Graham Bonney, der die Bude rockt. Dass dieser Typ am Sonntag 70 wird, merkt man ihm kaum an. Der Typ ist Musiker und Entertainer durch und durch.

Kristine Knittel Graham Bonney

Ricardo Ross und Nicki


Beim nächsten Beitrag wird es wieder etwas ruhiger, etwas nachdenklicher, melancholischer. Ricardo Ross bezaubert uns mit „Green, Green Grass of Home“ und Nicki führt uns mit einer Polonaise in die Pause.

Ricardo Ross Nicki führt eine Polonaise an

Fred Rai


Die Pause ist zu Ende, Teil 2 der Fernseh-Aufzeichnung beginnt. Hausherr Fred Rai betritt zusammen mit seinem Pferd „Spitzbub“ erneut die Bühne. Aber Fred Rai wäre nicht Fred Rai, würde er die  Fernsehsendung nicht dazu nutzen, der Welt seinen Umgang mit Pferden und seinen berühmten Reitstil zu zeigen sowie dafür Werbung machen. Wie er das macht, kommt gleich:

Man kennt ja die „Strip-Tease-Nummer“ aus 9½ Wochen, wenn sich Kim Basinger zu Joe Cockers „You can leave your hat on“ vor Mickey Rourkes Augen entblättert, aber dass ein Pferd, in der drangvollen Enge eines Clubs, bei „Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand“ seines kompletten Zaumzeugs entledigt, immer noch voll seinem Reiter gehorcht, das habe ich so noch irgendwo gesehen. Kaum jemand im Saloon, der dadurch nicht ergriffen ist.  Wie sehr „Spitzbub“ und „Leittier“ Fred Rai harmonieren zeigt auch der Fernsehbeitrag, der vor 14 Tagen im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Fast jeder ist ob Fred Rais Botschaft und seiner Art mit Pferden umzugehen gerührt. „Zugabe“-, „Zugabe“-Rufe zeigen dies überdeutlich. Ich selbst bin auch total geplättet. Ein derart inniges Zusammenspiel zwischen Reiter und Pferd (oder umgekehrt?) habe ich, außer hier, noch nirgendwo gesehen, auch nicht im Internet.

Linda Feller und Red Roses


Fred Rai hat die Tränendrüsen der Zuschauer also voll erwischt. Doch das „Gewässer im Knopfloch“ trocknet schnell, als Linda Feller mit ihrer Darbietung wieder sehr viel Schwung in die Bude bringt. Wer von uns „Grufties“ würde schon „Nein!“ sagen, wenn er von einer so reizenden Frau gebeten wird, „nimm mich mit ans Ende dieser Welt“ ?

Nach Linda Feller kommt dann noch einmal die Gruppe Red Roses.

Linda Feller Red Roses

Alles war bisher geboten, fetzige Country-Songs, Schlager, Evergreens, Schnulzen, Melancholie. Ein Wechselbad der Gefühle. Drei Stunden dauert die Show nun schon. Das setzt nicht nur mir zu. Auch meine Kamera ist mitgenommen. Langsam geht nämlich deren Batterie alle und ich hab dummerweise vergessen, eine Ersatz-Batterie mitzunehmen, was mir als ambitioniertem Fotografen so noch nie passiert ist. Aber ich muss mich mit den Gegebenheiten abfinden und so gibt es von Janis Nikos, Mark Sander und Lukas Bach, der uns im Zug „Von München bis nach Köln“ mitnimmt leider keine Bilder. Das soll nicht heißen, dass diese Künstler den anderen in irgendeiner Weise nachstehen, doch ich will meine Rest-Batterie, deren „Ableben“ massiv rot blinkend angezeigt wird, unbedingt noch für den Star aufheben, der auf dem Plakat draußen am größten angekündigt wurde – für Jürgen Marcus.

Linda Feller und Jürgen Marcus


Aber so weit ist es noch nicht. Abermals kommt Linda Feller. Für Nostalgiefreunde und Zuschauer der MDR-Sendung „Damals war’s“ ist es vielleicht interessant zu sagen, dass Linda Feller  1981, als die „neuen Bundesländer“ noch nicht „neue Bundesländer“ hießen, in der Show Sprungbrett von Hartmut Schulze Gerlach entdeckt wurde. Wie bei allen Sängern von dort erkennt man auch bei ihr den absoluten Perfektionismus und die absolute Professionalität. Wahnsinn, welche Stimmung dieses kleine Persönchen  in den Saloon bringt. Der Saal ist am Überkochen! Genau richtig, um DEN Star des Abends begrüßen zu können, Jürgen Marcus.

Marcus war schon ein Star, als ich Samstagabends, frisch gebadet, geschniegelt und gekämmt, das billige Mikrofon in der Hand unmittelbar vor dem Fernseher saß, punktgenau zur Eröffnungsmusik die Pause-Taste des Cassettenrecorders losließ und Dieter Thomas Heck zum x. Mal seinen Eröffnungstext „Samstag, 4. September, 19 Uhr 45 Minuten und 46 Sekunden! Hier ist Berlin, hier ist Ihre und unsere deutsche Hitparadeee…“ (oder ähnlich!) zelebrierte. Ein jeder kannte das Studio 1 der Berliner Union-Film und ein jeder wusste, dass diese Sendung nur im Zett – Dee – Efff möglich war. Da hat im Wohnzimmer keiner mehr gewagt zu atmen. Das war einfach Kult -und ein Star dieses kultigen Zeit ist heute  hier zu Gast und erinnert mit seinen Evergreens an die damalige Zeit: „Ein Lied zieht hinaus in die Welt“, „Ein Festival der Liebe“, „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ u.v.a.m.

Übrigens: Cassettenrecorder gibt es schon lange nicht mehr, aber der Kult und die 70er-Jahre-Situation sind schlagartig wieder da. Das ist’s, was die Besucher hier in Dasing wollen! Die Stimmung ist fantastisch!

Linda Feller Jürgen Marcus

Finale


Langsam neigt sich der Abend dem Ende zu. Ich hab nichts erwartet und bin doch sehr, sehr positiv überrascht worden. Sicher, die Stars sind älter geworden und die Songs kamen playback, was immer dann spaßig wurde, wenn der mp3-Player (oder wo kam der Ton sonst her?) mal wieder hängen blieb. Alles in allem aber war’s ein gelungener Abend, zu dem ich jederzeit wieder gehen würde.

Ale Künstler des Abends zum Abschiedslied noch mal auf der Bühne

Voller Saft und neuer Energie stapfen wir bei strömendem Regen „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ singend zu unserem Auto, wohl wissend, dass die „alte Liebe“, mit der man nun schon sein halbes Leben teilt, zwar kein „neues“ (dazu kennen wir uns inzwischen zu gut), tagtäglich aber ein super spannendes, tolles, abwechslungsreiches und interessantes Leben beschert.

Wir schieben eine CD mit alten Schlagern ins Autoradio, freuen uns auf die Sendung am 4. Juli 2013 und hoffen, dass wir bis dahin irgendeinen der vielen, für uns bisher völlig unbekannten Sender installieren können.


2 Reaktionen zu “Star-Treff in der Western-City, Dasing”

  1. Susanne

    War eine ganz tolle Veranstaltung. Wie Fred Rai angekündigt hat, soll es mal wieder einen Star-Treff in der Westerncity geben. Ich freu mich schon drauf!
    Dass die Bilder – obwohl ohne Blitz gemacht – so gut geworden sind, hätte ich nicht gedacht. Aber da sieht man den Profi ;o))

  2. Rüdiger

    @ Susanne,
    Danke für die Blumen, aber dass man auf den Bildern (obwohl grisselig) dennoch was erkennen kann, hat nichts mit dem Können des Autors zu tun. Der war ja sogar so schusselig, dass er Ersatzbatterien vergessen hat und manche Interpreten gar nicht mehr fotografieren konnte. Aber zurück zu den Bildern: Manche Kameras „packen“ das einfach, auch bei schwierigeren Lichtverhältnissen.

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