Homepage / Suche / Gästebuch / Impressum

They call it Paradise

Zurück in Manila


Ich hab’ mich wieder mit den Schweizern zusammengetan. Ohne die Schlepper eines Blickes zu würdigen, nehmen wir ein Taxi. Der Fahrer scheint ein ganz ausgekochtes Schlitzohr zu sein, denn er weigert sich partout sein Taxameter einzuschalten. Sei kaputt, meint er. Doch da hat er nicht mit dem Schweizer gerechnet. ‘Dein Pech’, meint dieser, ‘die Uhr zeigt 0.00, also zahl’n wir 0.00. Billige Fahrt für uns. Danke, guter Freund!’ Der Philo platzt und verlangt 100. Der Schweizer aber bleibt hart. Die Uhr zeigt nach wie vor  0.00. Der Philo hat seine ausweglose Lage erkannt und Wunder über Wunder, plötzlich geht die Uhr doch. Zu spät für ihn. Als wir am Hotel ankommen, bleiben ihm g’rad’ noch 25.50 und dazu noch nicht mal ein Trinkgeld.

Nachdem ich mein Gepäck im Santos abgegeben und mein Zimmer belegt hab, geh’ ich zum Pistang Filipino und versuch’, für Bärbel einen Ring zu bekommen. Die Auswahl ist riesig und man weiß nicht, wo man anfangen soll. Nach längerem Suchen find’ ich einen kleinen silbernen Ring mit Türkisen. Den kann ich mir an Bärbels Hand ganz gut vorstellen. Hoffe nur, daß er auch ihr gefällt.

Inzwischen ist es fünf geworden, und da ich nicht weit weg bin von der Manila-Bay möcht’ ich doch mal sehen, ob der Sonnenuntergang dort tatsächlich so traumhaft ist, wie er in den Prospekten immer beschrieben wird.

Links vor mir liegt die Bucht. Ein grandioses Schauspiel. Kein, auch noch so kleines Hochhaus versperrt den Blick auf die offene See. Im Hintergrund ist vage Bataan zu sehen.

Die untergehende Sonne tuschiert den messerscharfen Horizont und taucht wie ein brennender Diskus in die Wogen. Man hört es förmlich zischen. Die leichte Brise spielt mit den Palmen. Der Himmel glüht. Zartrosa Quellwolken segeln. Kaum fünf Minuten hat das Schauspiel gedauert und schon ist es rappenzapppenduster – ohne Übergang. Über uns ein funkelndes Sternenmeer am pechschwarzen Himmel.

Ich geh’  zurück Richtung Santos. Wer den Verlockungen widerstehen kann, hat’ hier ´ne Menge zu gucken. Leichtgeschürzte Mädchen stehen massenweise auf der Straße und versuchen dich, zu einem Besuch ihres Lokals zu überreden. Aber meistens sind es doch Männer, die mich anquatschen, die Mädchen stehen nur da und treten vermutlich erst später in Aktion. Mit freundlichem Lächeln – aber bestimmt – geh’ ich weiter. Im großen Ganzen aber wird man eigentlich in Ruhe gelassen.

Christiane


Überall in den Kneipen – auch in denen, in denen man nur was zu Essen bekommt, sieht man fette Europäer mit ein, zwei philippinischen Mädchen im Arm. Und auffallend ist weiter, daß die Säcke eigentlich immer ihre Väter sein könnten. Junge Typen hab‘ ich nicht gesehen.

Nach einem kleinen Essen im Sea Palace, es gab Hühnchen, Reis und Bier (35 Pesos, ca. DM 2,80) geh‘ ich zur Nacht ins Santos.

Im Santos ist nicht allzuviel los. So trink noch ’ne Cola und träume vor mich hin. Dabei blättere ich in meinem ‚Jens Peters‘. Urplötzlich, ich hab den Abend schon abgeschrieben, fällt mir eine äußerst attraktive, ca. 40jährige rothaarige Frau auf. Wahnsinn! Ich trau‘ mich nicht sie anzusprechen. Selten, daß mich die Anwesenheit einer Frau so verlegen gemacht hat. Nur hin und wieder ein flüchtiger Blick aus den Augenwinkel. Ich bin platt. Die Frau hat eine Ausstrahlung und sieht aus: einfach super!

Wie ich so vor mich hinschwärme, spricht sie mich plötzlich an. In Deutsch. Ich glaub‘, mich streift ein Bus. Sie erzählt, daß sie an meinem Reiseführer gesehen hat, daß ich offensichtlich deutsch spreche und daß sie so gerne ins Hobbit House gehen würde. Das sei gar nicht weit weg von hier, in der Mabini Street 1801und dort soll heute abend Freddie Aguilar auftreten, der – so ihre Worte – wohl populärste Sänger der ganzen Philippinen. Der Star schlechthin. – War das nicht der, der mir schon in Puerto Princessa aufgefallen ist, damals, als ich mit Jun durch die Gegend knatterte und immer das gleiche Lied im Radio lief? Der mit dem ‚Estudiante Blues‘?

Sie würd‘ schon gern hingehen, sagt sie, aber andererseits habe sie auch gelesen, es sei recht ungünstig, als Frau allein durch Ermita zu gehen. Dazu muß man wissen, Ermita ist das absolute Rotlichtviertel Manilas. Sie fragt, ob ich nicht Lust hätte, sie zu begleiten.

Das laß ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Ich freu‘ mich wie Doofie.

Wir machen uns frisch und dann auf den Weg. Nach Süden und immer weiter nach Süden. Der Weg zieht sich ganz schön hin. Schätze, etwas über einen Kilometer. Irgendwie komisch, ich freu‘ mich zwar, bin andererseits aber auch recht unsicher, was ich sagen soll.

Nach etwa 20 Minuten kommen wir am Hobbit House an. Dort werden uns an der Tür je 40 Pesos Cover Charge abgenommen, Eintritt sozusagen.

Wir sind viel zu früh dran. Aber das hat auch sein gutes: So bekommen wir einen Platz direkt an der Bühne.

Das Hobbit House hat seinen Namen daher, daß die Gäste hier von Zwergen bedient werden, die kaum über die Tischkanten hinwegsehen. Man sieht eigentlich nur in Hüfthöhe schwebende Tabletts.

Und da sitzen wir nun und warten und trinken: Zum ersten Mal Red Horse Beer. Das ist das einzige, das es auf den Philippinen in Halbliterflaschen gibt. Das Bier hat es auch ganz schön in sich.

Wir kommen sehr angenehm ins Plaudern. Jetzt erst erfahr‘ ich, daß die Frau Christiane heißt und aus der Gegend von Wetzlar kommt. Wir reden und reden und reden… So merken wir gar nicht, wie schon über eine Stunde vergangen ist und bereits eine Vorgruppe spielt.

Und dann kommt er, der Star: Freddie Aguilar. Sein Jackett ist viel zu groß für meine Verhältnisse. Und sein Humphrey-Bogart-Hut. Na ja, ich weiß nicht. Doch noch vor dem ersten Lied frenetischer Beifall. Aguilar wird vom Publikum stürmisch gefeiert. Und dann sein erstes Lied: Nein, noch nicht ‚Estudyante Blues‘. Aber auch das, was wir jetzt hören, geht vielleicht ins Ohr. Bei jedem Akkord glaubt man, das Lied schon immer gekannt zu haben, und möchte am liebsten mitsingen, obwohl man keines der Worte versteht. Aber man spürt, es geht eine unwahrscheinliche Kraft aus von diesem Mann. Ich fühl‘ mich sehr, sehr wohl.


zurück
BERICHTE AUS SÜDOST-ASIEN
HAUPTGRUPPE BERICHTE

Einen Kommentar schreiben