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They call it Paradise

Per Bus zurück zur Zivilisation


Ein Blick unsererseits auf den Fahrer, ein Blick seinerseits auf uns und es heißt ‚Aussteigen‘ – für alle, die schon eingestiegen waren. Die Abfahrt wird um eine halbe Stunde verschoben. Nathalie, Emir und ich bekommen Gelegenheit für eine Schale Reis und eine Cola. Fünfzig Pfennig kostet das. So wenig – oder so viel? – kostet hier das Überleben.

Nachdem wir gestärkt sind, heißt es aufbrechen. Wir haben das eine Abenteuer grad‘ glücklich überlebt und schon begeben uns in ein neues. Das neue heißt ‚Überlandfahrt auf dem Dach des Jeepneys‘. Vierzig Kilometer weit soll’s gehen. Bei regulärer Fahrt rund zweieinhalb Stunden. Obwohl die Straße alles andere ist als eine Straße, die Brücken zum Fürchten sind und der Jeepney oft am Umfallen ist, sind wir jetzt doch einigermaßen froh hier oben. Es geht nach hause, wieder zurück in die Zivilisation.

Puerto Princessa


Gegen vier Uhr Nachmittags erreichen wir Puerto Princessa. Ein Trycicle bringt uns zum Duchess Inn. Zwei mal zwei Meter, eine Matratze und ein Ventilator an der Decke. Das ist für die nächsten Tage mein Zuhause. Mensch freu‘ ich mich auf heut nacht. In einem richtigen Bett, alle viere von mir strecken. Ich will noch duschen und dann nichts wie ab in die Falle.

Nach dem Duschen bin ich wieder so fit (oder so aufgekratzt?), daß ich noch hinaus muß in die Stadt. Will noch einen Uhrmacher suchen, der mir mein kaputtes Armband reparieren kann. Bald find‘ ich auch einen. Seine Werkstatt ist ein kleines Tischchen – vielleicht fünfzig mal fünfzig Zentimeter, sein Handwerkszeug: eine Flachzange. Nach wenigen Minuten ist die Uhr repariert und wieder heile. Das ganze für rund 40 Pfennig. An einem Marktstand guck‘ ich einem älteren Mann zu, wie er mit geschickten Händen etwas handarbeitet. Es wird ein Armreif. Nicht schlecht als Geschenk für meine Freundin. Mir persönlich gefällt eine Art Windspiel aus Muscheln.

Das Spazierengehen hat müde gemacht, und die Strapazen des ganzen Tages waren ja auch nicht von Pappe. Noch bevor die Sonne untergeht, bin ich wieder im Duchess und begeb‘ mich zur Ruhe.

Zum Einschlafen les‘ ich noch in einem philippinischen Buch:

An old man was walking along the beach. Suddenly he spots a young teenager picking up starfish which have been stranded in the sand and throwing them back into the ocean.

‚Why are you doing that?‘, he asks the young man. ‚Because the stranded starfish will soon die if they are left here in the sun‘, is the reply.

‚But the beach is miles long and these must be thousands of starfish‘ the man says, ‚what a difference can your efforts make?‘

The young man looks at the starfish in his hand as he throws it into the waves.

‚It makes a big difference to this one‘, he says.

Abschied von Palawan


Nachdem ich gestern am Flughafen in Puerto hoffnungslos abgeblitzt bin, hab‘ ich’s heute morgen um acht noch mal probiert. Kein Problem, auf der Warteliste, die jeden Tag neu erstellt wird, bin ich nun der zweite. Die Chance, doch früher wegzukommen, ist also verdammt hoch.

10 Uhr vormittags. Fertig zum Einchecken. Nachdem das Gepäck aufgegeben ist, hab‘ ich noch eine Stunde Zeit. Die will ich nutzen, kurz ‚rüberzugehen zu Sheena’s, mich verabschieden. Zu Fuß und ohne Gepäck sind’s knapp 10 Minuten.

Ich hab‘ mich dort immer sauwohl gefühlt und ich werd‘ sie vermissen: Joy, Rosi und Rudi.

Wahrscheinlich werd‘ ich sie im Leben nie mehr wiedersehen. Bei dem Gedanken überkommen mich dann schon etwas melancholische Gefühle.

Das Sheena’s ist zwar offen aber leer. Nur Rudi steht hinterm Tresen und liest in der Zeitung. Die Mädchen sind nicht da. Noch kein Betrieb. Rudi und ich kommen ins Plaudern. Ich bedank‘ mich noch mal für den tollen Tip Richtung Norden zu gehen. Das war ja was. das war Abenteuer pur. So wie ich’s mir immer gewünscht hab‘. Jetzt wo’s vorbei ist und ich überlebt hab‘, kann ich das leicht sagen. Hätt‘ auch anders kommen können.

Rudi gibt zum Abschied noch ein Bier aus, doch das macht’s mir das Leben auch nicht einfacher. Hätt‘ zu gern noch mal Joy getroffen. Sie war einfach süß! Völlig niedergeschlagen und traurig mach‘ ich mich auf den Weg.

Unterwegs treff‘ ich Manfred. Er kam ursprünglich aus Fellbach und hat jetzt mit seiner philippinischen Frau eine kleine Pension in Puerto. Auch er will zum Flughafen, ein Schweizer Pärchen rausfahren, das bei ihm gewohnt hat. Er bietet mir an, mich mitzunehmen.

12 Uhr. Der Flieger hat Verspätung. So sitzen wir da und warten und labern. Mit Manfred und dem Schweizer Pärchen kann man sich prächtig unterhalten, und der Abschiedsschmerz wegen Joy ist schon fast verflogen. Nach ein paar Colas werden wir dann zur Maschine gerufen. Jetzt heißt es endgültig: ‚Tschau Puerto!‘

Doch was ist das? Wie wir am ‚rübergehen sind, seh‘ ich am Zaun, der das Rollfeld von den Besuchern trennt, Joy. Ich stell‘ meinen Rucksack ab – den mußt man von einem Claim aus selbst zum Flugzeug tragen ab – und renn rüber. Sie sagt, sie hätte Schule geschwänzt um ‚Tschüß‘ zu sagen. Uns bleibt nicht viel Zeit. Wir drücken uns und dann heißt es gehen. Eine Träne im Auge kann ich mir nicht verkneifen. Hätte nicht geglaubt, daß mich das so reißt.

Im Flugzeug hab‘ ich dann Zeit mich zu sammeln. Weiß‘ auch nicht, was mich da geritten hat. Schließlich ist Joy ein Schulmädchen und wahrscheinlich wird sie jede Langnase freundlich bedienen. Oder war’s vielleicht, weil Joy ebenso klein und zierlich ist wie Bärbel? Ich weiß es nicht.

Dann geht es endlich ab. Ich hab‘ – und das mit Standby – einen Fensterplatz: 19E. Das Wetter ist phantastisch und wir haben einen wunderbaren Flug und einen phantastischen Blick.

An den Küsten und Riffen brechen sich die Wellen und zeichnen weiße Schaumkronen ins tiefblaue Meer. Kaum haben wir den Taal Vulkan überflogen, sind wir auch schon da, in Manila. Der Flug verging wirklich wie im Flug und schon steh’n wir wieder den Schleppern am Manila Domestic Airport gegenüber.


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