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They call it Partadise

Bei den Park Rangers am Underground


Naß von Schweiß und Dreck erreichen wir völlig erschöpft und gerade noch mal mit dem Leben davongekommen, so fühl‘ zumindest ich mich, die Ranger-Station. Für alles Geld der Welt würde ich so was nicht noch mal mitmachen.

Ohne Dämmerung ist die Nacht hereingebrochen. Hier im Dschungel wird es noch dunkler als sonst. Überall jetzt deutlich die Geräusche des Dschungels. Bei Tag sind sie mir gar nicht aufgefallen. Mir ist’s, ehrlich gesagt, schon etwas unheimlich. Jetzt sieht man überhaupt nichts mehr. Nur der Lichtkegel meiner Taschenlampe funzelt uns den Weg. Viel hilft dies allerdings auch nicht. Immer wieder stolper‘ ich über Wurzeln, Lianen und Steine. Äste klatschen mir an den Körper und ins Gesicht. Möchte nicht wissen, was alles für Viehzeug um uns rumschleicht.

Wir hocken da und grübeln. Gibt es wirklich keine andere Möglichkeit hier wieder wegzukommen, als zu Fuß? Während wir da sitzen und überlegen, verköstigen uns Nathalie, die Kanadierin, und Emir, ihr israelischer Freund, mit Bohnenpampe und warmem Bier. Auch sie wollen hier weg, bloß um Himmels Willen nicht mehr auf die Weise, wie sie und ich hierhergekommen sind. Aragon meint, er könne versuchen, einen seiner Freunde zu überreden, daß er uns mit dem Auslegerboot hier abholt und nach Baheli bringt. Sei bestimmt nicht billig, meint er. Mit fünfhundert Pesos müßten wir schon rechnen. 40 Mark! Mir ist fast zum Lachen, 40 Mark, was ist das schon gegen das, was ich heut erleben mußte. Für Nathalie und Emir ist das Angebot zu teuer. Ich aber bin fest entschlossen, nie mehr so zu laufen und beauftrage Aragon, sein Glück zu versuchen. Auch auf die Gefahr hin, daß ich alles alleine berappen muß.

Nach dem Essen verschwindet Aragon im Dunkel des Dschungels. Ich dagegen reiß‘ mir die Klamotten vom Leib, schnapp‘ mir ’ne Petroleumfunzel und geh‘ hinter der Hütte an einem Ziehbrunnen duschen. Mein Gott, tut das gut. Und jetzt das Gefühl, alle viere weit von mir strecken zu können, ohne irgendwo anzustoßen, auf ebener Fläche zu liegen, ohne irgendwohin wegzurollen und das dazuhin auf weichem, sandigen Untergrund. Zu all dem noch das Rauschen des Meeres und das Dach der Sterne. Man kommt sich fast vor wie seinerzeit Robinson, und für wenige Augenblicke vergißt man, daß es noch eine Welt gibt.

Das Viehzeug, das rings um uns durch die Dunkelheit schleicht, tut meiner Seligkeit hier, bei Bier und Freunden, keinen Abbruch mehr. Noch lange liegen wir im warmen Sand und reden.

Godfrey, der Ranger, hat mir in der Hütte ein Moskitonetz aufgehängt. Das wird für heute nacht meine Schlafstatt. Matratze oder gar Kissen gibt’s hier nicht. Froh, das heute überlebt zu haben, hau‘ ich mich hin und penn‘ auch gleich ein. In der Nacht wach‘ ich ein paarmal auf, weil mir alles weh tut. Besonders meine Lymphknoten in der Leiste sind dick angeschwollen und tun weh. Irgendeine Angst kann sich aber gar nicht erst breitmachen, da ich schon wieder vor Erschöpfung eingeschlafen bin.

Underground River – Reise ins Innere der Erde


5.30 Uhr. Noch ist es dunkel. Doch der Dschungel wird allmählich unruhig. Wenn die Sonne aus dem Meer taucht, will mich Aragon treffen und zum Underground River führen. Ich stehe auf und warte. Zum Frühstück gibt’s schwarzes heißes Wasser, Godfrey nennt es Kaffee, und Panzerplattenkekse, solche wie wir damals bei der Bundeswehr essen mußten. Nach dem Frühstück geh‘ ich raus zum Meer. Der Strand ist menschenleer. Sand, soweit das Auge reicht. Rechts von mir der saftig grüne Dschungel, links ein Meer, das sich nicht entscheiden kann zwischen smaragdgrün, türkis und tiefblau. Und mittendrin ich, auf einem Sandteppich, weiß und eben, wie frisch gefallener Schnee. Ja, man kann schon ins Träumen kommen hier.

Gegen halb sieben kommt Aragon, mein Führer, und er hat eine gute Nachricht im Gepäck: Das mit dem Boot morgen klappt. Ich bin überglücklich.

Doch erst mal ist heute, und heute geht es zum Underground River. Wieder geht es los durch den schwülheißen Dschungel. Wie soll’s auch anders sein, der Weg geht wieder steil bergan. Eine Strapaze. Das Vorankommen ist mühsam und beschwerlich. Die Eingeborenen nennen diesen Pfad hier den Monkey-Trail. Tatsächlich sehen wir auch eine Menge dieser kleinen possierlichen Tierchen, die sich uns oft auf weniger als ein paar Schritte nähern. Doch es gelingt mir nicht, sie anzulocken. Wie auch, schließlich sind diese Tiere hier ja noch nie von einem Menschen gefüttert worden. Wir sehen auch Taboon Vögel, jene krähengroßen Tiere mit ihren riesigen Schnäbeln. Wenn man stehenbleibt und lauscht, dann merkt man’s erst: Man kann den Dschungel nicht nur sehen, sondern auch hören. Diesen eigenartigen Klang des Dschungels, die kreischenden Affen, die schreienden Papageien…

Wir gehen weiter. An manchen Stellen ist der Weg so steil, daß man nur noch mit Leitern weiterkommt. Eingeborene haben hier in umgefallene Bäume mit der Axt oder mit der Machete Trittstufen eingeschlagen. Über solche Leitern also führt der Weg hinauf und hinunter. Manchmal über fünfzig Stufen. An anderen Stellen wiederum helfen uns extra gefällte Bäume über Schluchten hinweg. So ist der Weg zum Underground. Beschwerlich und nicht ohne eine Spur Abenteuer.

Nach einer Stunde erreichen wir einen ca. zwanzig Meter breiten Fluß, der uns den Weg versperrt. Aber auch dafür ist vorgesorgt. Aus einem Versteck in einem Gebüsch zerrt Aragon ein kleines Boot, ein sogenanntes Paddel-Banca, und zwei Kerosinlampen hervor. Die Lampen macht er am Bug des Bancas fest. Wir fahren raus auf den Fluß. Und jetzt, ein bißchen weg vom Dickicht des Dschungels, seh‘ ich auch, daß der Fluß in der einen Richtung nach rund hundert, zweihundert Metern direkt ins Meer mündet und in der anderen Richtung im ‚Mouth of the Cavern‘ verschwindet.

Der Wechsel vom grellen Tageslicht ins Dunkel der Höhle macht mich blind. Erst allmählich gewöhnen sich die Augen an die veränderten Verhältnisse, und man kann erste Konturen erkennen. Tiefer und tiefer gleitet das Boot in den Schlund. Im Schein der Lampen erkenne ich erste Tropfsteine. Wir erreichen eine große Halle, die die Eingeborenen ‚Cathedral‘ nennen.Wir sind am Underground River. Eigentlich heißt der Höhlenkomplex hier St. Pauls Cave, aber alle hier kennen ihn nur unter dem Namen Underground. Dort hinein, in diese Höhle, soll also unsere Fahrt gehen. Aragon entzündet die Kerosin-Lampen am Bug, und mit ruhigen, gleichmäßigen Ruderschlägen gleiten wir hinein in das Ungewisse.

Es wimmelt vor Fledermäusen, deren Geschrei das Dunkel durchdringt. Rhythmisch taucht das Paddel ins Wasser. Nach einigen weiteren hundert Metern taucht im Lampenschein ein riesiger Elefantenschädel auf. Ein Elefant aus Tropfstein. Wir gleiten weiter in die Unterwelt.

Nach zwei Stunden kehren wir um und paddeln den ganzen Weg wieder zurück. Der Ausflug in die Unterwelt war traumhaft. Neben der Schönheit der Höhle hab‘ ich auch sehr deren Kühle genossen. Jetzt geht es wieder hinaus in den Dschungel.

Drei Kilometer Marsch stehen vor uns. ‚Drei Kilometer‘ werdet ihr sagen und lachen, aber ihr seid bestimmt noch nie gelaufen bei 40°C und rund 100% Feuchte. Jeder Schritt tut weh. Ich hab‘ Muskelkater in Schultern und Waden. Außerdem bin ich noch völlig ausgepumpt von gestern.

Ranger Station. Wieder zurück gibt’s Abendessen. Hundert Gramm weiße Bohnen aus der Büchse, kalt, versteht sich, eine Delikatesse. Gegen neun geh‘ ich ins Bett, oder besser zu Boden – weil – man schläft hier auf dem blanken Bretterboden. So kuschel‘ ich mich unter mein Moskitonetz, höre dem tobenden Meer zu und dem Regen, der unaufhörlich auf das Palmendach trommelt. Irgendwie hat das alles einen beruhigenden monotonen Klang, so daß ich sehr bald einschlafe.


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