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They call it Paradiese

Tag 2 in Puerto Princessa


Ich hab‘ geschlafen bis halb zehn. War zu erschöpft vom ersten Tag auf Palawan. Und dann wacht man wieder auf in diesem Hotel, das mir dieser Jun angedreht hat. Duschen ist nach wie vor nicht. Im Klo steht man bis zu den Knöcheln in der Scheiße; und gestern Abend das Rumgetatsche an den Frauen – bin ich froh, wenn ich heute hier wegkomme und nachher dann drüben bin im Princess Hotel.

Das Princess ist ganz was anderes! Nachdem ich mein Zeug ins Zimmer hochgetragen hab, geh‘ ich erst mal anständig frühstücken. Das Frühstück kostet hier 33 Pesos und ist phantastisch. Zu trinken gibt’s Papaya-Saft und zu essen Tinapa mit Knoblauchreis und einer scharfen Sauce sowie eine Art Chevapchichi mit undefinierbaren Gewürzen, welche sie Longganisa nennen. Während ich schon lange spachtel, fällt mir auf, dass es hier sogar weiße Decken gibt und Blumen auf den Tischen. Der Kaffee ist köstlich und der Papaya-Saft kalt. Hier fühl‘ ich mich so richtig wohl.

Nach dem Frühstück bin ich etwas spazieren gegangen und bin jetzt draußen am Flughafen. In einer schmuddeligen Kantine essen vier Männer nach alter Väter Sitte mit den Fingern Reis und Fisch. Die Schüssel dazu steht für alle leicht erreichbar mitten auf dem Tisch. Dass das Essen nicht mehr warm ist, stört sie nicht. Im Gegenteil, der Filipino zieht es sogar vor, erst zu essen, wenn alles kalt ist. Sie sind so mit Essen beschäftigt, dass sie mein Reinkommen gar nicht bemerkt haben. Zehn Minuten sitz‘ ich nun schon da und schau‘ ihnen zu. Mit viel Mühe kann ich einen dazu bewegen, mir etwas zu trinken zu bringen, denn ich bin am Verdursten. Er bringt mir, wie ich’s schon von anderen Kneipen her kenne, in einer dreckig-rostigen Flasche brühwarme Cola, ein Genuss.

White Beach


Während ich trinke, lese ich im ‚Jens Peters‘, was man hier alles so anstellen kann, auf eigene Faust. Draußen, Richtung Süden soll es einen Strand geben, den White Beach, steht da. Hört sich ja verlockend an bei der Hitze. Also mach‘ ich mich dran, den White Beach zu suchen. Zum White Beach geht’s genau gegenüber dem Flughafen einen schmalen asphaltierten Weg rein. Nach ca. 1 km komm‘ ich beim Ice Plant an ein Tor, wo der Dschungel und der Weg zum Strand beginnt. Überall kreischt und knackt es im Unterholz. Dabei kann’s dir schon etwas mulmig werden. Gestern war ja noch Jun dabei. Heute aber lauf‘ ich mutterseelenallein.

Die Sonne sticht erbärmlich, mein Thermometer zeigt 38°C und die Luft ist zum Schneiden. Nach ein paar weiteren Schritten muß ich mein Hemd ausziehen. Obwohl es weit geschnitten ist, erdrückt es mich. Ich taumel weiter. Verdammt noch mal, irgendwo muß doch das geschissene Meer sein. Jetzt lauf‘ ich schon fast ’ne Stunde durchs Dickicht und vom Meer ist weder was zu hören, geschweige dann zu sehen. Das einzige, was ich höre, ist Musik, Weihnachtsmusik. ‚Peace to the world, the Lord has come‘. Weihnachtslieder im Dschungel, bei sengender Hitze. Hengl, jetzt hat’s dich erwischt. Ich bin dummerweise ohne Hut unterwegs und mir wird’s immer schummeriger. Ich glaub‘, gleich kipp‘ ich um. Wahrscheinlich hab‘ ich schon ’nen Sonnenstich.

In komm‘ jetzt aus den Mangroven-Sümpfen ‚raus direkt ans offene Meer. Links von mir ein großer, weißer Sandstrand. Ein paar Meter weiter sehe ich eine verfallene Hütte. Dorthin will ich gehen, mich ausruhen und ein bißchen schreiben. Was mich dort erwartet, haut mich total um: In der Hütte hockt ein Philo-Kind mit seinem Transistorradio und verkauft Cola. Trotz meines Zustands, oder gerade deshalb, fällt mir der Witz ein, wo einer in der Wüste eine Bar eröffnen will, ihm sein Freund aber abrät, weil ja doch keiner vorbeikommt, dieser dann aber antwortet, ‚Tja, aber wenn einer vorbeikommt‘. … und dann verkauft er mir eine Eintrittskarte!

Da vorne huscht was über den Boden. Ich weiß nicht, ob ich gucken soll oder doch lieber abhauen. Letztendlich siegt aber die Neugier. Als ich näher hingehe, sehe ich, daß es Fische sind, die über Land gehen. Sogenannte Schlammspringer. Jetzt, wo ich den Boden etwas intensiver angucke, seh‘ ich, daß es überall nur so wuselt. Krebse, Spinnen und feuerrote Käfer, die sich, kommt man ihnen zu nahe, sofort im Sand eingraben.

Sheena´s


Nach langem Marsch bin ich wieder zurück am Flughafen Puerto Princessa, sitz‘ im Schatten eines riesigen Baumes und schau‘ den Kindern beim Basketball zu. Dabei denke zurück an mein Abenteuer am White Beach. Obwohl das Thermometer immer noch über 30°C anzeigt, bläst hier ein angenehm frischer Wind. Ich laß‘ meine Blicke schweifen. Vorne an der Straße seh‘ ich eine Oma, die versucht, ein Trycicle anzuhalten. Doch niemand hält. Würde ich mich hinstellen, hielten sie sofort. Gerade als ich mich aufmache, ein Trike anzuhalten, hält ein etwa 10 jähriger Junge mit seinem Moped. Die Oma setzt sich hinten auf die Sitzbank und schon verschwinden die zwei in der Sonne.

Nach einer halben Stunde erreiche ich eine kleine Hütte, an der die Deutschlandflagge weht. Mal gucken, was hier abgeht. Ich betrete das kleine Restaurant ‚Sheena’s‘. Drin ist’s erträglich kühl. Welch eine Erholung. Ich bestell‘ mir ein Bier und laß‘ es die Gurgel runterlaufen. Die Flasche ist leer, doch der Hals bleibt trocken. Also ein weiteres Bier. Der Erfolg bleibt aus. Nach zehn Minuten sind die zwei Bier angekommen. Ich hab‘ einen total besoffenen Kopf und werd‘ wie immer in diesen Fällen sentimental. Ein Blick auf meine Uhr sagt mir, daß es jetzt halb acht ist in Deutschland. Meien Freundin in Deutschland steht gerade auf. Vielleicht pennt sie aber auch noch. Ich schau‘ mir hier die Mädchen an und denk‘ an sie. Zwar sind die hier auch klein, aber alle sind wesentlich dicker und lange nicht so interessant wie sie. Irgendwie sehen sie hier auch alle verbraucht aus. Um wieder einigermaßen nüchtern zu werden, hab‘ ich mir eine Cola bestellt. Die Flasche total dreckig, deshalb kannst du’s nicht anders machen als mit Strohhalm. Die aber sind so dünnwandig auf den Philippinen, daß du nur Vakuum erzeugst, wenn du dran ziehst, aber nix abkriegst vom Cola.

Inzwischen hat sich ein fetter Sack zu mir gesetzt. Er sagt, er heißt Rudi und ihm gehöre das ‚Sheena’s‘. Er erzählt mir dies und das und daß heute im ‚Dutchess‘ eine 33jährige Deutsche abgenippelt sei. Die Philos hätten sich dann gleich über ihr Geld hergemacht und gefragt, ob ihre Uhr noch liefe oder ob sie nicht auch Schmuck bei sich gehabt hätte. Rudi erzählt mir auch vom Ärger mit Jens Peters und daß ihn Peters deswegen aus seinem Reiseführer genommen hätte. Rudi labert und labert. Langsam geht mir der Typ damit auf die Nerven, und ich zieh’s vor, wieder in die Stadt zu gehen.

Puerto Princessa


Auf dem Markt liegen Fisch, Reis, Schuhe, alles bunt durcheinander im Straßenstaub. Unterschiedlichste Gerüche steigen mir in die Nase. Manchmal aromatisch, manchmal entsetzlich stinkend. Was soll’s, meine Klamotten stinken auch. Mein weißes Hemd ist braun vor Schweiß und Dreck. Mein Sweatshirt, meine Trekking Jacke und meine Bergstiefel sind hier wohl auch nicht zu gebrauchen. Für umgerechnet 8 Pfennig kauf‘ ich mir bei einem Mädchen zwei kleine, fast rote Bananen. Sie schmecken unheimlich gut. Zufrieden, auch darüber, daß mich Jun nicht mehr findet, mach‘ ich mich auf den Weg Richtung Princess Hotel.

Wie gut es tut, endlich wieder duschen zu können. Doch genießen kann‘ ich’s auch heut wieder nicht. Mein Genick brennt wie Feuer. Hab‘ ich tatsächlich ..? Wirklich, auch meine Nase. Ein Sonnenbrand wie im Bilderbuch. Und unten? Ein schneeweißes Henglchen. So kann das nicht bleiben. Morgen geht’s also wieder zum White Beach, und dann wird der Rest gebräunt.
Frisch geduscht geht’s erst mal zum Abendessen. Es gibt Spargelcremesuppe und kleingeschnipseltes Huhn. Der Geschmack zergeht dir auf der Zunge, aber die zersplitterten Knochen knarfeln ganz schön im Gebiß.


 

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