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They call it Paradise

Die Heißen Quellen von St. Lourdes


Badjao Hotel, Puerto Princessa, 8 Uhr morgens. Wenn man dran denkt, dann ist es schon verrückt. Heute ist Nikolaustag, und hier hat es jetzt schon wieder über 35°C. Noch hab‘ ich nichts getan heute, und doch steht mit der Schweiß bereits wieder überall. Wie gesagt, die Dusche ist kaputt.

Nach dem Frühstück kommt gegen halb zehn Jun. Wir wollen zur Honda Bay hinauffahren. 20, 25 km nördlich von Puerto Princessa. Dort soll es Erzgruben geben und noch ein bisschen weiter nördlich, bei St. Lourdes, heiße Quellen. Wir nehmen, wie gestern Abend schon, wieder das Tricycle und fahren und fahren und fahren…

‚Nen halben Kilometer hinter St. Lourdes stellt Jun sein Trike ab, und wir beginnen zu Fuß zu suchen nach den heißen Quellen. Ich hab‘ von allem überhaupt keine Ahnung und von Quellen weit und breit keine Spur – weder von heißen noch von kalten. Auch Jun macht einen relativ hilflosen Eindruck. Er schiebt’s auf Ruby, den Taifun, der im November hier alles kaputt gemacht hat. Es gäbe überhaupt keine Orientierungs-Möglichkeit mehr, meint er. An Häuser kann er sich nicht halten, die gibt’s hier nicht, nur umgeknickte Bäume. Als wir dann nach Stunden nicht mehr weiter wissen, müssen wir einen zusätzlichen Führer, einen kleinen Jungen zu Rate ziehen. Nach einer kurzen Weile sind wir am Ziel, an den heißen Quellen von St. Lourdes. Was sich uns bietet, ist ein trauriger Anblick.

Dennoch ist’s hier irgendwie eindrucksvoll. Da läuft also so’n Rinnsal aus dem Boden und kocht vor sich hin. Das Wasser ist so heiß, dass man kaum die Pfoten rein halten kann. Aber Schwefelgeruch oder gar Geysire, so wie man es aus den Filmen über den Yellowstone-Park (USA) kennt, das gibt’s hier nicht. Aber möglicherweise hab‘ ich ja meine Erwartungen ein bisschen zu hoch geschraubt. – Aber so wie’s Jun erzählt hat, hatte ich schon geglaubt, das sei was …

Die Hebamme von Puerto Princessa


Am Nachmittag fahren wir zu Jun nach Hause. Die Naragas, so heißt Jun mit Nachnamen, wohnen im Norden von Puerto Princessa in einer einfachen, eingeschossigen Hütte mit einem kleinen Gemüsegärtchen drumrum. Als wir ankommen, werde ich doch etwas scheu beäugt. Hab‘ nicht den Eindruck, als ob ich sehr willkommen bin; aber wer weiß, was Macho Jun alles über mich erzählt hat. In der Hütte ist es sehr gemütlich. Was ich allerdings vermisse, sind Holzmöbel. Stattdessen sind die Möbel hier aus Rattan und eine ganze Menge Zeug ist auch aus Plastik. Dazuhin sieht man überall ’ne Riesenmenge Kitsch, g’rad‘ so wie wir’s hatten in den 60er Jahren von Rummelplätzen und Schießbuden: Puppen, Plastikblumen und, und, und… Aber auch eines fehlt nicht, mit das wichtigste auf den Philippinen – die Glotze!

Während des Kaffees legt sich die anfängliche Reserviertheit, und wir kommen allmählich ins Plaudern. Juns Frau erzählt mir – nachdem ich sie auf das im Wohnzimmer aufgehängte Diplom angesprochen habe – von ihrem Job im Krankenhaus. Serita, so heißt sie, ist eine der Hebammen in Puerto. Insgesamt seien sie zu viert, verteilt auf zwei Krankenhäuser. Die Informationen sind recht interessant für mich. So erfahr‘ ich auch, dass in Puerto täglich rund 5 bis 6 Babys geboren werden. Mir kommt das unheimlich viel vor. Das wären ja an die 2000 Kinder pro Jahr. Serita bestätigt das. Andererseits betont sie, dass auf den Philippinen eine unheimlich hohe Säuglingssterblichkeit herrsche, so dass von den 2000 fast hundert das erste Jahr gar nicht überleben. Für Serita ist das Routine, mich macht das schon etwas traurig …

Während ich interessiert zuhöre, spielt Junior Naraga (3) mit seinem Tret-Plastik-Trecker. Grad‘ so wie’s Kinder auch bei uns tun. Hab‘ nicht den Eindruck, dass die Kindheit hier wesentlich anders ist als in Deutschland oder dass es Junior hier an irgendwas fehlt. Das war jetzt also schon der zweite Privatbesuch auf den Philippinen. War höchst interessant und spannend – aber tauschen möcht‘ ich doch nicht.

Wieder zurück in die Stadt


Nach diesem kurzen Besuch bei einer philippinischen Familie möchte ich mich erst mal frisch machen und irgendwo was essen. Aber das mit „frisch machen“ wird wohl nichts, die Dusche im Badjao geht ja nicht, weswegen ich morgen auch dort ausziehe. Ich verabschiede mich von den Nagaras und gehe los – Richtung Stadt. Vielleicht find‘ ich bei der Gelegenheit ja auch ein passendes Hotel, das Princess soll nicht schlecht sein, und da wollt‘ ich ja ohnehin schon von Anfang an hin – wenn der Jun mir nicht dazwischen gekommen wär‘.

Ich lauf‘ die National Road runter nach Süden. Die Straße führt nur knapp 100 Meter westlich des Touch Down Punktes der Start und Landebahn des Flughafens vorbei. Es ist schon beeindruckend, wenn die doch riesigen Verkehrsflugzeuge in knapp 10 Meter Höhe über deinen Kopf hinwegfliegen. Aber mehr als einer scheint in der nächsten Zeit nicht zu kommen. So geh‘ ich weiter, bis die National Road die Hauptstraße kreuzt. Dort ist das Puerto Princessa Tourist Office. Das hat zwar nicht geöffnet, aber ein netter älterer Herr, der den Rasen mäht, kennt das Princess Hotel. Das sei früher das Emerald Place gewesen und sei ganz leicht zu finden. G’rad die National Road zurück und dann bei der Schule links.

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