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They call it Paradise

Flugtickets


Es ist 7:30 Uhr in der Früh. Etwas mehr als einen Tag bin ich jetzt da. Sechs Wochen hab‘ ich geplant und ich bin jetzt schon gefrustet. Das darf doch alles nicht wahr sein! Ich muss weg! In 2 Stunden soll das PAL Office aufmachen, wo ich meine Flugtickets besorgen will. Bis dahin schlender‘ ich noch etwas durch Manila. Danach geh‘ ich in die Coco-Bank, Geld eintauschen, damit ich nachher was hab‘, wenn ich die Tickets kaufen will.

Das mit den Tickets hat ja super geklappt! Doch die Zeit bis zum Abflug will und will nicht vergehen. Wenn mir in Deutschland langweilig ist und ich nicht weiß, wie ich die Zeit totschlagen soll, dann geh‘ ich immer was futtern. So geh‘ ich also nochmal zurück nach Malate und ess‘ im Kanumayan Tourist Inn für 43 Pesos Inihaw Na Bangas, das ist ein gegrillter, mit kleingehackter Papaya gefüllter Fisch. Dazu gibt’s Reis. Die ganze Sache ist recht trocken und so brauch‘ ich zwei Cola, damit ich das ganze überhaupt runter bekomme. Besonders niedlich an dem Gericht sind zwei kleine, circa pflaumengroße, grasgrüne „Zitronen“ mit orangenfarbenem Fruchtfleisch. Diese sind in Baumwoll-Netzchen gestopft, so dass dir beim Saft auspressen die Kerne nicht ins Essen fallen.

Der Check-In ist erledigt und ich sitz‘ nun da im Warteraum des Domestic Airports und warte auf die Maschine nach Puerto Princessa auf Palawan. Unter den Leuten hier ist auch ein deutsches Pärchen. Sie wollen in den Riffen vor der Insel tauchen, sagen sie. Was ich in Palawan machen will, werd‘ ich gefragt. Ich weiß es nicht. Hab‘ nach der gestrigen Manila-Enttäuschung keine konkreten Vorstellungen mehr vom Urlaub hier. Der Abflug ist um eine Stunde verspätet. Fängt ja gut an. Um nicht am Stuhl festzuwachsen schlendere ich noch etwas durch die Halle. Die Information der Fluggesellschaft haut mich um: „Wundern sie sich nicht, wenn im Flugzeug der eine oder andere Platz frei bleibt, obwohl man ihnen gesagt hat, die Maschine sei ausgebucht. Bei stürmischem Wetter müssen wir aus Gewichtsgründen diese Maßnahme vornehmen, da wir mit dem vorhandenen Treibstoff einen Ausweichflughafen nur dann erreichen können, wenn die Maschine nicht voll besetzt ist.“ Toll!, da kann ja noch einiges auf mich zukommen.

Flug nach Palawan


Nach acht Minuten Flugzeit liegt unter uns der Taal See und der Taal Vulkan. Ein toller Anblick. Danach die Inselwelt der Philippinen.  Das Wetter wird nun schlechter, die Wolken verdichten sich. Wir kommen in einen Sau-Nebel. Kann nur hoffen, dass der Pilot auch so den Weg findet. Ob’s Radar gibt in den Philippinen?

Eine Stunde später sind wir in Puerto Princessa gelandet. Draußen bietet sich ein Bild, genauso, wie man sich Tropen vorstellt. Palmen, Bambushütten und ein Flughafen, der gerade aus einer Landebahn und einer Baracke besteht. Als ich die Treppe vom Flugzeug hinuntersteige, schlägt mich die Hitze und die Luftfeuchtigkeit fast zusammen. Gegenüber Manila ist das hier die reinste Sauna.

Jetzt bin ich endlich da! So habe ich mir das vorgestellt! So sieht Abenteuer aus! Es würd‘ mich nicht wundern, drüben in der Cantina Leute wie Indiana Jones oder Quatermain zu treffen.

Jun


Kaum bin ich aus dem Flughafengebäude draußen, macht mich auch schon ein Kerl an. Da ich – jetzt, wo das Abenteuer begonnen hat – zu ’nem Spielchen aufgelegt bin, lass ich mich mit dem Typen – einem Einheimischen, knapp 30 Jahre alt – ein. Er nennt sich Jun. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Fremdenführer – sagt er – und als Tryciclefahrer. Dieser Jun meint nun, ich solle nicht in das von mir ausgesuchte Hotel gehen, sondern besser ins Badjao. Sei wesentlich billiger, schöner und und und … Er würde mich auch hinfahren. Nun ja, mir ist’s schließlich piepegal, wo ich heut‘ nächtige. So lad‘ ich also meinen Rucksack auf den Gepäckträger des Motorad-Gespanns und ab geht’s. Das Trycicle knattert und kracht, und die eingebaute 125er Kawa gibt alles. Wir fahren die Rizal Avenue runter, vorbei an Palmengärten, Bambushütten, Ziegen, Hühnern, Hunden und Katzen. Ab und an sieht man abgemagerte Kampfhähne. Nach ca. 1 km kommen wir am Hotel an. Inzwischen aber tropft mir auch schon aus allen Poren der Schweiß.

Das Hotel macht auf den ersten Blick einen ganz guten Eindruck, und der Garten hinterm Haus ist absolute Spitze. Tropen pur. Inmitten gelber Hibiskusblüten steht ein kleiner Pavillon. Dort genehmig“ ich mir zur Einstimmung erst mal ein kühles Bier.

Nachdem ich nun auch hirnmäßig in Palawan angekommen bin, bezieh‘ ich mein Zimmer. Sieht nett aus, doch beim Duschen erleb‘ ich die erste Pleite. Aus der Brause kommt außer heißer Luft nämlich nichts. Aber, was soll’s? Schließlich soll’s ja Abenteuer-Urlaub werden, und wesentlich billiger als gestern das Kanamuyan ist’s hier schließlich auch. So wasch‘ ich mich und meine Klamotten eben im Handwaschbecken und leg‘ mich anschließend auf die Matratze.

Abend in Puerto Pricessa


Den ganzen Tag schon, auch jetzt wieder, plärrt ein Lied aus allen Transistors, aus allen Radios immer wieder das gleiche Lied. Zehnmal reicht nicht, dass ich es heute schon gehört habe, auch gestern schon in Manila. Das Lied muss ich unbedingt haben. Im Hotel hat man mir erzählt, dass der Sänger dieses Liedes Freddie Aguilar sei, der Sänger schlechthin auf den Philippinen, und das Lied hieße „Estudyante Blues“ (Studenten-Lied). Irgendwie geht’s darin (so gut ist mein Tagaloc dann doch nicht) wohl um einen Studenten, der an allerlei gesellschaftlichen Einschränkungen aneckt und doch nur die Freiheit sucht.

Video Estudiante Blues / Freddie Aguilar, bei Youtube eingestellt

Gegen halb acht Uhr abends kommt, wie verabredet, Jun. Kein Wunder, schließlich erhofft er sich von seinem Touri ja ein paar Pesos. Wir besteigen sein Trycicle und fahren Richtung Stadt. Unterwegs frage ich ihn, ob er Freddie Aguilar kenne, und als er „Ja“ sagt, bitte ich ihn, an einem Sound-Store vorbeizufahren, weil ich die Musik unbedingt haben muss. Für umgerechnet vier Mark kauf‘ ich meine erste Freddie-Aguilar-Tonbandkassette. Die werd‘ ich mir heut‘ Abend reinzieh’n. Da freu ich mich schon drauf. Wie, werdet ihr fragen? Nun, ich hab für diese Reise für Tonaufnahmen das Sony WMDC 6 dabei.

Kaum zwanzig Minuten später bringt mich Jun in einen Schuppen am Hafen. Das soll anscheinend das Fischrestaurant in Puerto sein. Die Waitress schaut mich äußerst kritisch an. Will mich dieser Jun etwa bescheißen? Warten wir’s ab. Die Sorge war umsonst: Wir bekommen einen Samaral aufgetischt, etwas, das ich in dieser ausnehmenden Klasse noch nirgendwo gegessen hab‘. Jun hat den Samaral heute Nachmittag für uns vorbestellt. Im Wesentlichen ist das nichts weiter als ein ca. 30 cm langer gegrillter Fisch, gewürzt mit Salz, Pfeffer und Soy-Sauce. Von den Zutaten her eigentlich nichts Besonderes. Aber wie das alles harmoniert – einfach phantastisch. Da kann man sich so richtig wohl fühlen. Da ist mir der Preis egal.

Nach dem Mahl fahren wir ins Kamayan Folk House, wo man auf einer Terrasse Folk-Musik lauschen kann, pur, live und perfekt. Sie spielen all die alten Schnulzen u.a. auch „Puff, the magic dragon“ von Peter, Paul  Mary nd vieles andere, wo man gleich mitgröhlen kann. Es ist jetzt neun Uhr abends. Beim Slow Fox und den Christmas Songs (es ist Advent!) bin ich nahe am Heulen. So habe ich mir meinen Philippinen-Urlaub vorgestellt. Die Hitze zwingt mich zu trinken, und nach weitere 5 San Miguel – das ist das übliche Bier auf den Philippinen – bin ich so was von weit, weit weg – richtig drin in der Sentimental Journey.


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