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Thailand

Aufbruch


Dem Winter Deutschlands entfliehen. Wer träumt nicht davon? Heiligabend 1993 haben wir diesen Traum wahr gemacht …

Unten in Deutschland packen sie gerade ihre Geschenke aus. Doch unser Geschenk kann man nicht so einfach unter einen Tannenbaum legen. Da müsste der Tannenbaum schon mächtig groß sein. Wir – meine Frau Susanne und ich – sind nämlich abgehoben, stundenlang schon. Gegen 21:50 Uhr haben wir Istanbul überflogen, um 3:15 Abu Dhabi, und um 4:45 Uhr waren wir über Bombay. Jetzt ist es 7:45 Uhr und wir sind über über Burma (die Angaben beziehen sich alle auf MEZ, also Münchner Zeit). Lange kann es also nicht mehr dauern, bis wir in unserem Traumziel landen.

Inzwischen ist es 17:50 thailändischer Zeit. Die Uhren sind umgestellt und wir sind gelandet. Nach zwei Stunden Stau in Bangkok, ja, auch das gehört zum Traumurlaub, erreichen wir total erschöpft und abgeschlafft unser Hotel. Es liegt direkt an einem großen Fluss, ich glaube, er heißt Menam, aber das interessiert mich im Augenblick weniger. Ich möchte nur noch etwas trinken, etwas runter kommen und dann ab ins Bett.

1. Tag


Heute ist der erste Weihnachtsfeiertag. Nach einem opulenten Frühstück im Hotel steht eine Stadtrundfahrt auf dem Programm. Das sei das absolute „Muss“, hat man uns gesagt. Und das absoluteste „Muss“ der Stadtrundfahrt sei wiederum die Tempel-Tour mit Wat Trimitr, Wat Po und Wat Phra Kheo. Wat Trimitr wäre eigentlich bedeutungslos, gäbe es da nicht die drei Meter hohe Buddha Figur, die – so die Reiseleiterin – aus purem Gold sein soll, fünfeinhalb Tonnen schwer und 700 Jahre alt. Wat Po ist Bangkoks ältester und flächenmäßig größter Tempel.

In der Nordwestecke des Tempels dann das Heiligste: Ein 46 Meter langes und 15 Meter hohes Monument: Der liegende Buddha. Es stellt den Erleuchteten im Augenblick des Übergangs ins Nirwana dar. Bekannt ist Wat Po aber auch als Zentrum der traditionellen thailändischen Massage. Doch so weit, dass wir uns durchwalken lassen, sind wir, gestern erst angekommen, noch lange nicht. Als letzte Station unseres „Tempel-Pflicht-Programms“ besuchen wir den riesigen Palast- und Tempelkomplex Wat Phra Kheo, den Ende des 18. Jhdts. Rama I in einer seiner ersten Amtshandlungen bauen ließ.

Dass dafür die kleine Siedlung Bang Kok (zu deutsch: Dorf der Pflaumen-Olivenbäume) weichen und auch einige chinesischen Bewohner evakuiert werden mussten, davon spricht heute kaum einer und zu Zeiten des Ramas hat sich sowieso niemand getraut, aufzumucken. Kommen wir also zurück zur heutigen Zeit und zum Tempelkomplex.

Dieses Heiligtum der Nation darf natürlich nur in angemessener Kleidung betreten werden. Wer angemessen bekleidet ist, das bestimmen Ordnungshüter am Eingang zum inneren Tempelbezirk. Wer (offiziell) dem Moral-Empfinden der Thais, dem Empfinden der Wächter entgegensteht, hat keine Chance rein zu kommen. Die mit glasierten Ziegeln überzogenen, zähnefletschenden Fabelfiguren, sogenannte Yaks, tun das ihrige.

2. und 3. Tag


Nachdem wir gestern ganz auf Bangkok und ganz auf dessen „Kultur“ eingeschworen wurden, geht’s heute schon weiter, raus aus Bangkok Richtung Süden. Vorbei an Reisfeldern und den Salzfeldern von Samut Song Khram, erreichen wir am Spätnachmittag unser Hotel in Hua Hin. Hier haben wir zum ersten mal Kontakt mit dem Meer. Ich hatte ähnliches ja schon mal auf den Philippinen gesehen. Für Susanne sind Kokospalmen, Sandstrand, Liegestühle und Getränkestände allerdings neu. Das alles versetzt uns – wir sind jetzt verheiratet! – in Erstaunen. Das Leben kann schon herrlich sein! Zumindest für Touristen.

Während Susanne am Strand relaxt, wäre ich fast zum Zechpreller geworden. Hab ich mir doch bei einem Boy eine Cola gekauft und auch gleich bezahlen wollen. So ohne Thai-Kenntnisse habe ich ihm eben Geld hingehalten, doch der wollte nichts. Gut, dann geh ich halt, der wird schon wissen was er tut und es vielleicht auf die Rechnung schreiben. Aber – nichts mit dachte! Wie ich g’rad weggehen will, rennt mit ein höher gestellter Kellner nach, mit Rechnung! In Thailand ist das nämlich so: Der Boy bringt die Sache, ruft seinen Chef, der schreibt die Rechnung und auch nur der darf Geld annehmen! Ich merk’s schon: Andere Länder, andere Sitten.

Den dritten Tag verbringen wir mit einem kleinen Stadtbummel und mit Relaxen am Meer.

4. Tag


Der 4. Tag steht ganz im Zeichen der thailändischen Eisenbahn. Schon früh sind wir am Bahnhof von Hua Hin, einem Gebäude, das mich irgendwie mehr an ein Taubenhäuschen als an einen Bahnhof erinnert. Von Bahnbetrieb ist an sich nichts zu erkennen, doch es sind Gleise vor dem Haus und um 11:00 Uhr soll ein Zug Richtung Süden fahren. So hat man uns wenigstens gesagt. Und genau da wollen wir ausprobieren, uns einfach unter die Einheimischen mischen und den ganz normalen Alltag beobachten. Zu diesem Zweck haben wir uns eine stinknormale Bahnfahrt ausgesucht.

Bis der Zug kommt, müssen wir uns aber noch etwas gedulden. Leider gibt der Bahnhof aber eisenbahntechnisch nichts her, was man noch fotografieren könnte. So versuchen Susanne und ich zunächst mal Konversation mit einem kleinen Jungen, was ohne Sanskrit-Kenntnisse aber gar nicht so einfach ist. Ich versuche, den Jungen für meine Kamera zu interessieren (alle Jungs lieben Technik) und biete ihm als „Köder“ zusätzlich Bonbons an. Zunächst scheu, nach dem zustimmenden Nicken seiner stolzen Eltern dann aber zunehmend mutiger, fängt der „Zwerg“ richtig an mit uns zu schäkern.

Pünktlich um 11:00 Uhr ist der Zug da, gezogen von einer mächtigen gelben Diesellok. Unser Ziel ist das 75 km südlich gelegene Prachuap Khiri Khan. Dabei ist das Ziel aber gar nicht das Wichtigste. Uns geht es in erster Linie um die Fahrt selbst. Wir wollen sehen, wie sich der öffentliche Verkehr in diesem asiatischen Land abspielt. Aus diesem Grund haben wir auch nur ganz normale Fahrkarten gelöst. Da unser Gepäck vom Reiseveranstalter separat mit einem Auto weitertransportiert wird, müssen wir im Zug auf nichts weiter aufpassen, und können, nur mit Kamera bewaffnet, uns den ständig neuen Motiven widmen.

Die Einheimischen dösen, aber für uns Falangs gibt’s an jeder „Ecke“ ein neues Panorama, das es gilt, in uns aufzusaugen. Die Bilder, die am Abteilfenster vorbeiziehen, sind, jedes für sich, eine neuerliche Augenweide. Wegen der enormen Hitze sind alle Fenster geöffnet. Ohne Spiegelungen in den Scheiben kann man herrlich fotografieren. Jede Umgebung bringt immer neue Gerüche und der Fahrtwind bläst das „Ratatat“ der Räder fort. 90 Minuten braucht der Zug für die 75 km lange Strecke. Ich könnte noch stundenlang weiterfahren, riechen, schmecken und fotografieren.

Dann sind wir da, in Prachuap Khiri Khan, wo wir in einem neuen Hotel die Ruhe finden werden, um morgen erneut durch Süd-Thailand weiter zu reisen.

5. Tag


Heute besichtigen wir eine Kokos-Plantage. Hier lernen wir alles über die Kokosnuss. Nicht nur, dass die Pflanze die Kokosnuss liefert, die ja bekanntlich laut Sing „geklaut“ wurde, sondern dass Kokos neben Bambus als die thailändische Universal-Pflanze überhaupt angesehen wird. Kokospalmen (cocos nucifera) – so erfahren wir – können bis zu 100 Jahre alt werden und je nach Standort jährlich 50 bis 100 Nüsse produzieren.

Die Thai sagen nicht ohne Stolz: „Wir können aus der Kokospalme und ihrer Frucht mehr Produkte machen als das Jahr Tage hat.“ Aus den Kokosblättern werden Körbe geflochten oder Besen gebunden. Den Stamm verwenden die Thai als Holz für Häuser, Stühle und Tische. Aus den Kokosfasern stellen sie Matten her, Teppiche und Bürsten. Dazu kommen noch Schüsseln, Becher und Schöpfkellen, die sie aus der Frucht herstellen. Aus dem Frucht-Innern gewinnt man die süße Kokosmilch und das Kokosfett und aus den Schalen der Frucht werden Musikinstrumente gemacht …

Doch wir müssen weiter. Wir sollten noch vorm Abend in unserem vorbestellten Hotel in Chumporn sein, und bis dorthin sind es sicher noch 100 km. Am Isthmus von Kra passieren wir Thailands engste Stelle und dann ist es bis Chumporn auch nicht mehr weit…








6. Tag


Am nächsten Tag, ich glaube, es ist der sechste Tag unserer Reise, besuchen wir 30 km südlich von Chumporn den „Gemüsegarten“ eines einheimischen Bauern.

Statt Erbsen, Gurken und Tomaten gibt’s hier Kaffee, Kakao, Betelnuss, Chili, Pfeffer, Zuckerrohr und Bananen. Letztere sind kaum größer als ein Finger, aber zuckersüß und beachtlich lecker. Wir dürfen von allem kosten.

Bei den heißen Quellen von Ranang treffen wir eine Gruppe junger Mönche. Jeder Thai – so sagt man uns – wird mindestens einmal im Leben das weltliche Dasein gegen das enthaltsame Leben eines Mönchs eintauschen. Für eine Zeit. Wie lange, das bestimmt jeder für sich selbst.









Eine Reaktion zu “Thailand”

  1. Tina Siemon

    wow Ihr kommt ja viel rum!!! Ich glaube das Reisen liegt in der Familie.

    Haben mit unserem Sohn ( 5Jahre) auch schon viele Reisen unternommen und ihn auf den Geschmack gebracht.

    Thailand steht auch noch ganz oben auf unserer Traum Ziele Liste. Mich interessiert der Buddhismus sehr.

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