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Mittwoch, 30.5.2012 – Nach Ventimiglia und zum Marineland Antibes

Morgens im Villagio dei Fiori


Ich bin früh aufgewacht und immer noch ganz selig. Vorgestern Nachmittag erst bin ich hergeflogen, gerade mal 700 km und doch ist man in einer ganz andere Welt. Das sieht man auch an meinen krebsroten Armen. Die hab ich, weil ich gestern dummerweise vergessen hatte, mich einzuschmieren, als ich zum Whalewatchen war. So früh ist am Campingplatz natürlich noch nichts los. Frühstück gibt´s erst um 8:00. So schlender ich noch runter zum Meer, genieße die Ruhe und die frische Morgenluft. Die Vögel zwitschern, es ist angenehm kühl.

Gegen halb acht geh ich zum Restaurant. Es hat wider Erwarten schon auf. Frühstück gibt´s offiziell aber erst ab 8:00. Macht nichts, ich will ohnehin vorm Frühstück noch kurz ins Internet. Doch leider habe ich aber meine Zugangsdaten vergessen und zum Häuschen zurück, wo die Daten auf einem Zettel stehen, mag ich jetzt auch nicht mehr. Vielleicht muss das ja auch so sein, so kann ich nämlich jetzt in Ruhe frühstücken. und dann recht bald nach Ventimiglia fahren, damit ich dann auch rechts bald dort bin. Ich hab nämlich vor, heute das Marineland in Antibes zu besuchen.

Ich bin der einzige Gast und Entienne, ein super netter Typ, macht mir auch schon vor 8:00 mein Frühstück und meinen Kaffee. Ganz herzlichen Dank, Entienne!

Im Bus nach Ventimiglia


Kurz vor 8:00 bin ich dann auch schon auf dem Weg hoch zum Corso Gugliemo Marconi. Dort links, hinter den Mülleimern seh ich ´ne Bushaltestelle. Der Bus soll alle 15 Minuten fahren, aber Fahrpläne o.ä. sucht man hier vergebens. So hoffe ich eben, dass der Bus in den nächsten 10, 15 Minuten auch tatsächlich kommt. Es ist jetzt kurz nach 8:00. Die Bus-Tageskarte, die man im Villagio dei Fiore bekommen kann aber, gilt leider erst ab 9:00 und so muss ich den Bus eben zahlen, was so viel auch nicht sein dürfte. Öffentliche Verkehrsmittel sind in Italien nämlich unheimlich billig! Die Fahrt ins 12 km entfernte Ventimigglia kostet gerade mal 2,50€.

Wir dürften bald in Ventimiglia sein. Die Haltestelle liegen jetzt wieder dichter. In den Straßen-Cafés sitzen Menschen beim Frühstück. Es ist schon ´ne Menge los. Die überaus hübschen Italienerinnen tragen anstelle einer Handtasche fast allesamt einen Motorradhelm – in der Hand. Hier wird nämlich unheimlich viel mit Motorrollern oder Vespas gefahren. Die fahren mit dem Bus bis zur Vespa und dann mit der Vespa dorthin, wo sie vielleicht arbeiten.

Nicht ablenken lassen. Ich weiß noch immer nicht, wo der Bahnhof von Ventimiglia sein soll. Rechts geht’s jetzt nach Vallebona hoch. Ne gute Orientierung könnte ein Rabbi sein, der im Bus mitfährt, mit ´nem riesigen Koffer dabei. Der geht sicher zum Bahnhof. An der Fassade einer Apotheke zeigt das Thermometer 20°C. Plötzlich kommt Bewegung in den Bus. Vier Personen orientieren sich Richtung Ausgang. Der Rabbi auch. Doch von Bahnhof weit und breit keine Spur. Da die meisten Passagiere sitzen bleiben, wird´s hier wohl nicht sein. Wahrscheinlich habe ich mich mit dem Rabbi und seinem Koffer vertan. Wir fahren weiter. Als es an der Endhaltestelle dann aber heißt „Terminus. Si prega di scendere“, weiß ich sicher, dass ich falsch bin

In Ventimiglia


Vom Gefühl her bin ich total falsch! Ich geh zurück über den Fluss, zum Kreisverkehr, dort finde ich ein Schild, dass es rechts, Richtung Sanremo und ins Zentrum geht. Drunter auch ein Schild „Stazione“. Na also!


Ich geh jetzt die Via Abrosio runter. Im Kino läuft „Le Nevi del Kilimagiaro“ (Schnee am Kilimanjaro). Die Hauptstraße, oder besser die Straße, die nach Sanremo führt, biegt jetzt links von der Via Abrosio ab. Es ist die Via Goffredo Mameli. Und ihr glaubt nicht, wo die endet: In der Via Cavour. Bei der Pharmazia Internationale mit ihrem auffällig grün blinkenden Kreuz. Dort, wo vorhin der Rabbi ausstieg. In einer schmalen Seitenstraße gegenüber sehe ich dann auch etwas, das wie ein Bahnhofsgebäude aussieht.

Im Bahnhof in Ventimiglia


Im Bahnhof steht man, ich bin´s ja von Genua gewohnt, wieder hinter einer gelben Linie und wartet. Warum sind bei dem Andrang nur zwei der fünf Schalter geöffnet, frag ich mich. Während ich da stehe und warte, die Uhr zeigt 8:52 Uhr, rattert die Anzeigetafel für die Zugverbindungen und die Anzeige „Grasse 8:47“ verschwindet. Das wär ihr Zug gewesen! Der nächste Richtung Antibes fährt erst wieder in einer Stunde.

Endlich bin ich dran und erfahre, dass ich falsch bin. An den Schaltern der Trenitalia werden nur Fahrkarten für Italien verkauft. Antibes, besser gesagt Biot kurz vor Antibes aber liegt in Frankreich. Und Fahrkarten der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF muss man links drüben in einem Reisebüro kaufen. Das ist bei Franzosen aber ganz schön schwierig.

Franzosen weigern sich nämlich beharrlich, Deutsch oder Englisch zu reden (oder es wenigstens zu versuchen), und Französisch kann ich leider nicht. In Italien ist das ganz anders. Wenn man sich da etwas bemüht, hilft dir jeder. Und wenn Du sagst „Antibes“, weil das „Marineland Antibes“ eben so heißt, dann hast Du eh verspielt. Das „Marineland Antibes“ liegt nämlich in Biot. „Antibes-Biot“ darfst Du aber auch nicht sagen, da gucken dich die Fahrkartenverkäufer nur dumm an. Egal wie´s sei, ich hab jetzt jedenfalls meine Karte und die Karte für die Rückfahrt auch. 8,30 € hat das gekostet, einfach!

Im Bahnhofsladen kauf ich mir für 1,20 € eine Halbliterflasche Wasser. Dann geht ich ins Internet-Cafe gegenüber dem Bahnhof und kann Susanne endlich von meiner grandiosen Delfinsichtung gestern berichten. Ne knappe halbe Stunde noch!

Im Zug nach Biot


Es ist jetzt 9:35 Uhr. Der Zug nach Grasse steht schon da, auf Gleis 1. Ich steig ein und treffe auf eine Gruppe recht gesprächiger Deutscher aus Feuchtwangen. Wir erzählen so dies und das, ich davon dass ich Montagabends im Zug festsaß, und Bernd, dass die Anfahrt zum San Bernadino am Samstag wegen eine Unfalls zu war und er und seien Truppe glücklicherweise auf der Via Mala unterwegs waren – am Stau vorbei. Tja, wenn einer eine Reise tut.

Der Doppelstock der SNCF gefällt mir richtig gut. Er ist vorbildlich mit Fahrtrichtungsanzeigern ausgestattet, auf denen das Ziel und die nächste Station abwechselnd angezeigt werden. Dazu kommen rechtzeitige Ansagen, auf Französisch zwar, aber so deutlich, dass man kann sich eigentlich nicht verfahren kann. Im Zug gibt es sogar Steckdosen, sodass man ein Laptop benutzen oder seine Akkus aufladen könnte.Insgesamt gesehen wirkt der französische Zug ohnehin wesentlich luxuriöser als am Montag sein Pedant in Italien. Die Strecke dagegen hält sich mit der in Italien die Waage. Tunnels und wunderschöne Ausblicke aufs Meer wechseln sich ab.

Der Bahnhof Monaco-Montecarlo ist ähnlich wie der in Sanremo in einen Tunnel gebaut. Anscheinend hat man hier, zwischen Bergen und Meer, wohl alle keinen Platz für einen Bahnhof. Von fern hört man einen Akkordeonspieler, dessen Musik mich stark an Paris-Montmatre erinnert. Mach mich schon drauf gefasst, dass er bettelt, aber es scheint ihm offensichtlich nur darum zu gehen, gehört zu werden.

Gegen 10:39 sind wir in Nizza. Welch grandioser Name und ich fahr einfach nur durch, d.h. nein, wir haben ja ein paar Minuten Aufenthalt. Der Bahnhof ist mit einer Glaskuppel überdacht und sieht richtig klasse aus. Ein perfektes Fotomotiv. Doch leider spiegeln die gewölbten Scheiben in der oberen Etage des Doppelstockwagens so sehr, dass ich die Spiegelungen auch mit Polfilter nicht wegbekomme. Schade eigentlich. Und zum Aussteigen fehlt mir leider die Zeit.

Auf dem Weg zum Marineland


In Sant Laurent du Var seh ich an einer mit Eisbären, Orcas und Delfinen bemalten Hauswand erstmals einen Hinweis auf das Marineland Antibes und 10 Minuten später sind wir auch schon da, in Biot. Außer mir steigen aus dem gesamten Zug nur noch zwei Leute aus. Ich geh links den Bahnsteig entlang zum „Sortie“. Der ganz in violett gekleidete Bahnbeamte trillert und der Zug fährt weiter. Jetzt sieht man gegenüber schon die Gebäude des Marinelands. Noch nicht mal 500 m weg. Ich geh zum Ende des Bahnsteigs, wo dann rechts ´ne Treppe runter geht zur Straße.

Dann geht´s durch nen Tunnel durch, über ´ne Straße und dann nach rechts zu einem Kreisverkehr, wo’s dann links in der Route Départementale weitergeht. In Höhe der Ave. Mozart ist inker Hand ist ein Rummelplatz, Antibes-Land und rechter Hand ein Kiosk. Ich glaub, da ess ich noch ein Sandwich. Ist bestimmt billiger als nachher das Marineland. Aber ich hab mich geirrt! Verlangen für ein Sandwich an der Straße auch schon 6 €, das ist mir dann doch ein Bisschen zu viel des Guten.

Rechter Hand sieht man jetzt den riesigen fast 3 ha großen, von einem hohen Zaun umgebenen Parkplatz. Ich hoffe nur, dass ich da nicht komplett drum herum laufen muss. Das wär echt doof, denn am Eingang bin ich schon vorbeigegangen, der war eben rechts. Doch ich hab Glück, hier kommt rechter Hand ein Fußgänger-Eingang. Ich kann quer über den Platz laufen, denn der Parkplatz ist vergleichsweise leer momentan. Ich bin gleich bei den Kassen. Man braucht also vom Bahnhof Biot bis hierher zu Fuß gerade mal 8 bis 10 Minuten. Die kugelförmigen Kassenhäuschen sind alle nicht besetzt, ich komm also sehr, sehr zügig an den Eingang. Ich kauf die Karte für 38 € und wird gefragt, woher ich komme. „Monaco di Bavaria, Germany“.


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