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Donnerstag, 31.5.2012 – Bahnfahrt nach Genua


Um halb sieben schon bin ich aufgestanden, hab geduscht und jetzt bin ich dran, all meine Sachen zu packen. Die Kamera-Akkus kommen in die Seitentaschen der Fotojacke und das Flugticket in die Außentasche des Fotorucksacks. Das Handyladegerät brauche ich nicht mehr, das kommt in den Koffer. So, alles ist gepackt. Was ich nachher noch in Hosen- und Jackentaschen verstauen werde, liegt übersichtlich angeordnet auf dem Bett.

Ich hab vor, heut´noch ins Aquarium nach Genua zu gehen und heute Abend dann sitze ich schon wieder im Flieger nach München. Toll war´s, auch wenn Marineland Antibes gestern nicht so nach meinem Geschmack war. Mal sehen, was das Aquarium in Genua, immerhin das zweitgrößte in Europa, zu bieten hat.

Es ist dreiviertel acht, Zeit, meine sieben Sachen zu holen, das Zimmer nochmal zu kontrollieren und langsam zum Restaurant hoch zu watscheln. Aber dort lässt man mich heute nicht rein! „Apriamo alle 8:00!“, komplimentiert mich eine junge Frau höflich aber bestimmt hinaus. Frühstück gibt´s nämlich erst um 8:00. Ich bin wie geplättet, denn bei Entienne gestern gab´s vor 8:00 Uhr überhaupt keine Probleme. So muss ich eben warten. Wenn nur nicht der verdammte Zeitdruck wäre. Um 9:15 fährt nämlich mein Zug – im Bahnhof Sanremo. Den 9:15-Zug muss ich unbedingt kriegen, denn Schnellzüge fahren hier nicht allzu häufig. Ticket hab ich natürlich auch noch keines. Dazu kommt, dass die Sanremesi die Gleise ihres Bahnhofs über 1 km vom Fahrkartenschalter entfernt in den Berg hinein verlegt haben. Vorm Berghang haben sie dafür einfach keinen Platz . Die 10 bis 12 Minuten Fußweg durch den Berg muss man also noch zusätzlich einplanen.

Frühstück im Villagio dei Fiori


Wie auf glühenden Kohlen sitze ich vorm Eingang des Restaurants und warte, dass es endlich 8:00 Uhr wird. Silvia wollte sich auch noch von mir verabschieden, hat sie gesagt. Zum Glück sehe ich vorne am Eingang zum Villagio ihren roten Panda herumkurven. Das lässt hoffen. Während ich nur an den nicht zu verpassenden Zug denke, ist Silvia die Ruhe in Person und meint, bevor wir aufbrechen, müssten wir unbedingt noch zusammen frühstücken, Cappuccino und Croissants. Silvia, ansich immer fröhlich, macht einen sehr besorgten Eindruck. In Mailand bzw. in der Gegend im Mailand war gestern ein Erdbeben und etliche Gäste kommen von dort. Silvia fürchtet, dass wenn ein Tsunami käme, er das ganze Villagio dei Fiori niederwalzen könnte. Ich hab´ versucht, sie zu beruhigen, was mir wohl nicht gelang. Dennoch, das Villagio liegt geschätzte 10 m höher als das Meer. Von so hohen Wellen habe ich in Ligurien zumindest noch nie gehört.

Bahnhof Sanremo


Natürlich lässt es sich Silvia nicht nehmen, mich zum Bahnhof zu fahren. Als wir dort ankommen, ist es 8:40 Uhr, also noch über eine halbe Stunde Zeit. Warum nur habe ich vorhin bloß so nen Stress gemacht? Silvia hilft mir am Automaten beim Fahrkartekaufen und wir verabschieden uns. Es war toll bei ihr im Villagio dei Fiori. Nächstes mal darf es auf keinen Fall wieder 5 oder mehr Jahre dauern, bis wir uns wiedersehen. So´n Abschied macht mich immer ein bisschen schwermütig.

Ich bin jetzt im Stollen auf dem Weg zu den Bahngleisen. Ein Rollband habe ich bereits hinter mir gelassen, 3 stehen mir noch bevor. Die Rollen des Koffers klacken beim Gehen. Das dritte Rollband ist leider außer Betrieb, sodass man dran vorbei muss. was die Zeit bis zum Zug auch nicht verkürzt, Geschlagene 10 Minuten brauche ich schließlich vom Bahnhofseingang bis zu den Gleisen.

Fahrt nach Genua


Gleis 2. Der Zug Richtung Milano kommt pünktlich. Nach 5 Minuten Fahrt sind wir noch immer im Tunnel. In Taggia dann sieht man für ´ne ½ Minute das Tageslicht, danach verschwindet der Zug  schon wieder in einem Tunnel. Um 11:06 Uhr werden wir voraussichtlich in Genua Principe ankommen, steht auf der Fahrkarte. Hey, da gibt’s ja auch ne Platzzuweisung. Ich müsste eigentlich im Wagen 8 auf Platz 24 sein. Da habe ich bisher gar nicht drauf geachtet. Momentan bin ich noch in Wagen 4. Also heißt es, 4 Wagen vor zu gehen. Im Gang steh´n ´ne Menge Koffer rum, sodass man sich mühevoll herummanöverieren muss. Aber jetzt hab ich mei Plätzle g´funda. 24 im Wagen 8, in Fahrtrichtung in der Mitte.

Es ist eine komische Situation im Abteil. Alle schweigen sich an und beobachten einander. Neben mir am Fenster sitzt ein elegant gekleideter Herr im gestreiften Hemd und liest Zeitung. Gegenüber, ebenfalls am Fenster, ein Studententyp, der so was wie ´ne Zulassungs- oder Diplomarbeit in den Händen hält. Ich schätz´ mal, dass er Musiker ist, denn im Gepäcknetz über ihm liegt ein Gitarrenkoffer. Gegenüber am Gang sitzt eine junge Frau, die in Sophie Kinsellas „La Regina della Casa“ schmökert. Es ist 9:42 Uhr und wir haben eben gerade Diano Marina verlassen. Im Abteil ist´s stickigst heiß. Die Fenster kann man leider nicht öffnen – schließlich ist der Wagen klimatisiert. Die Fenster sind beschlagen wie in einem Tropenhaus. In 72 Tagen geht´s nach Irland, da wird es hoffentlich etwas kühler sein.

Noch 15 Minuten bis Genua, hastig ´ne SMS an Susanne geschrieben. Gleich sind wir da. Die Wagen ächzen sich durch die Weichenstraßen eines Bahnhofs. Wir kommen an einer Kirche vorbei, die wie alle Kirchen in Italien gerade renoviert wird. Doch dann wird´s hell. Links drüben erkenne ich die Brücke wieder, die ich am Montag vom Flugzeug aus gesehen hab. Noch mal ein Tunnel, 212 m lang, und dann kommen wir pünktlichst auf Gleis 14 in Genua Principe an. Während der letzte Wagen noch halb im letzten Tunnel steht, steht die Lok bereits unmittelbar vorm nächsten. In 9 Minuten fährt der Zug nach Milano weiter. Zeit genug für die Süchtigen, sich auf die Raucherecke am Bahnsteig zu drängen.

Großer Bahnhof, große Begrüßungen, Umarmungen, Küsse … Am Bahnsteig und im Quertunnel herscht mordsmäßiges Gedränge. Alles strebt zu Gleis 11 und zum Hauptgebäude. Wegen des schweren Rollkoffers bin ich gezwungen, die Rolltreppe zu nehmen, auch wenn diese total verstopft ist. Zum Aquarium mit nehm ich den auf keinen Fall mit. Vielleicht gibt´s ja ne Möglichkeit, ihn irgendwo einzuschließen oder abzugeben. Ja tasächlich! Am Gleis 11, Abschnitt C gibt´s oben ein Schild mit einem blauen Koffer auf einem weißen runden Schild „Deposito bagagli“. Hier kann man seinen Koffer abgeben, aber das ist gar nicht so einfach. Ohne Pass, der dann fotokopiert und die Kopie zum Gepäckstück gelegt wird, nehmen die deinen Koffer erst gar nicht an.

Richtung Aquario


Wie oft schon war ich in Genua, sodass ich den Weg zum Aquario kenne. Erst mal über den Bahnhofsvorplatz Richtung Via Balbi, und dann am Zeitungskiosk rechts rein in das Gässchen an der Kirche vorbei. Gleich danach geht´s links ab in die Via di Prè, ein extrem schales, etwa 500 m langes Gässchen zwischen hohen Häusern. Das Gässchen ist so schmal, dass sich sicher noch nie ein Sonnenstrahl hierher verirrt hat. Nachts würde ich dieses Gässchen niemals alleine gehen. An der Via Antonio Gramsci sieht man endlich wieder Tageslicht. Wenn man auf die Hauptstraße kommt, sieht man linker Hand schon die Masten der „Neptune“, dem Piratenschiff, auf dem Walter Matthau in Roman Polanskis Film „Pirates“ Captain Red gespielt hat.

Dort ist man dann auch tatsächlich von Piraten umgeben, echten „Piraten“. Dunkelhäutige Menschen wollen dir in einer Weise, wie ich sie noch nicht mal von den aufdringlichen Beachboys in Kenia her kenne, irgendwelchen Schnickschnack verkaufen: Sonnenbrillen, Taschen, Turnschuhe, Gürtel, Uhren, und was weiß ich noch alles. Das ist alles noch mehr oder weniger okay. Als mir aber einer der Burschen „Hey friend“ sülzend ein Freundschaftsbändchen umbindet, ist bei mir der Ofen aus. Eigentlich bin ich ja die Gutmütigkeit in Person, aber wenn mich einer ungefragt anfasst, dann werde ich zum Tier. Keine Sorge, umgenietet hab´ ich ihn nicht, aber angeschaut – mit einem Blick, der für sich spricht!


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