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Kroatien-Urlaub 2015 – Montag, 7.9.2015 – Teil 4/4

Als Ersthelfer am Unfallort


18:35 Uhr. Das war nicht nur ein herrlicher Tag, das war insgesamt auch ein herrlicher Urlaub. Volles Programm in nur fünf Tagen! Nachher werde ich noch Koffer packen, gepflegt Essen gehen, ein schönes Feierabend-Bierchen schlürfen und dann geht‘s morgen wieder nach Hause. – So dachte ich. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Manchmal sogar richtig unerwartet. Aber im Einzelnen: 3 km vor meinem Hotel, genau an der Stelle, an der es von der D 1 aus links zum Guesthouse Franjkovic reingeht, passiert´s.

Ein vor mir fahrender grauer Renault Twingo will nach links abbiegen und genau in dem Moment werden wir von einem schweren BMW-Motorrad mit britischem Kennzeichen überholt. Etwa 30 oder 40 m vor mir touchiert das Bike den linken Kotflügel des Twingo. Der Zweiradfahrer versucht noch verzweifelt, die Maschine zu halten, doch etwa 50 m weiter kommt es zum Sturz. Biker und Sozia liegen auf der Gegenfahrbahn direkt vorm Haus Marija. Zum Glück habe ich genügend Abstand, sodass ich nicht in den Unfall verwickelt werde. Ich schalte sofort die Warnblinker an und renne hin. Im gleichen Moment sind auch schon Fahrerin und Beifahrerin des Twingo bei den Verunfallten.

Das am Unfall beteiligte Motorrad

Der am Unfall beteiligte Twingo

Ein erster Check ergibt, dass beide Biker, wohl dank ihrer professionellen Schutzkleidung, äußerlich unverletzt, ansprechbar und in der Lage sind, sich selbst auf den Bürgersteig zu schleppen. Das zweite Paar der vierköpfigen britischen Biker-Gruppe kommt hinzu. Als erstes bitten wir einen der Umstehenden, Polizei und Rettung zu rufen, derweil wir uns um die 2 Unfallopfer kümmern. Es sieht so aus, als ob der Fahrer Probleme hat mit mit dem rechten Fuß und den Rippen auf der rechten Seite. Seine Beifahrerin klagt über Schmerzen an der rechten Schulter. Da aber keiner der beiden kollabiert, ohnmächtig wird oder (dem Anschein nach) gar lebensbedrohlich verletzt ist, haben wir nichts anderes zu tun, als sie zu beruhigen und ihnen klar zu machen, dass die Rettung unterwegs ist.

Und die verunfallten Briten sind vorbildlich! Trotz der Tatsache, dass sie sich kaum bewegen können, machen beide einen sehr gefassten Eindruck. Als der  Biker sich hinlegen will, legen wir ihm eine Rettungsfolie unter und einen Rucksack als Kissen zurecht. Sehr, sehr hilfreich für mich ist, dass noch weitere englische Biker dabei sind, die die Sprache der Verunfallten sprechen und so noch beruhigender auf sie einwirken können als ich. Ich kümmere mich derweil um die deutsche Fahrerin des Twingo, die entsprechend den Umständen auch einen sehr gefassten Eindruck macht.

Da die D 1 eine Hauptverbindungsstraße ist, hat sich in den 5 bis 10 Minuten seit dem Unfall der Verkehr natürlich mächtig angestaut. Zusammen mit einem weiteren Helfer versuchen wir, die Staus aufzulösen und den Verkehr um die Unfallstelle herumzuleiten.

Gefühlt ist der Unfall nun schon über ne halbe Stunde her. Hat der Typ vorhin die Rettung überhaupt gerufen? Hat er eigentlich verstanden, was ich wollte? Er sprach doch Deutsch! Hat die Rettung den Deutschen überhaupt verstanden? Ich frag nochmal nach, aber er schwört Stein und Bein, dass alles läuft.

Die professionelle Versorgung der Verletzten


Doch es sind Ewigkeiten, die da vergehen. Endlich (es sind tatsächlich nur 20 Minuten seit dem Crash) dann das ersehnte Signal-Horn. Nach der Erst-Versorgung der Verletzten durch die Sanitäter und Alkoholkontrollen bei Kleinwagenfahrerin und Biker fährt der Krankenwagen mit den Unfallopfern davon. Wie wir erfahren haben, ins 75 (!) km entfernte Karlovac.

Polizei-Arbeit


Dann beginnt der ganze Polizei-Kram, der sich dann noch über 1½ Stunden hinzieht. Das glaubst Du nicht! Hier ein Foto, dort ein Foto, hier ein Maßband, dort ein Zollstock. Zeugenbefragungen, so mein Eindruck, finden nur untergeordnet statt. Die Sonne ist inzwischen untergegangen und es ist scheiße kalt. Um 20:30 Uhr ist die Aktion vor Ort dann endlich zu Ende. Was ich gar nicht verstehe, die beiden Frauen aus dem Kleinwagen müssen anschließend auch noch mit zur Polizeiwache ins 28 km entfernte Donji Cerovac.

Polizei am Unfallort

Meine Anwesenheit ist nicht mehr erforderlich. So langsam wird mir bewusst, was da eben passiert war. Das hätte auch schlimmer ausgehen können. Ich drücke allen 4 Unfallbeteiligten, insbesondere aber den zwei Bikern aus Sussex, ganz fest die Daumen, dass sie die ganze Sache – den Umständen entsprechend – einigermaßen wegstecken und bewältigen können.

Abends zurück im Hotel


Auf Abendessen habe ich nun keinen Bock mehr. Im Hotel angekommen packe ich meine Koffer und trinke im Restaurant (auf der Terrasse ist es heute viel zu kalt) noch mein Feierabend-Bier. In Gedanken bin ich bei den Bikern und der Twingo-Fahrerin. Alles Gute euch und den Bikern vor allem: „Gute Besserung und vollständige Genesung!“


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