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Kroatien-Urlaub 2015 – Freitag, 4.9.2015 – Teil 1/4

Die Nacht


Zeit aufzustehen?

Obwohl ich gestern Abend nicht unbedingt zu früh ins Bett bin, werde ich um 02:22 Uhr wieder wach. Ich bin voller Tatendrang und möchte eigentlich jetzt schon raus. Das ist natürlich Blödsinn um diese Zeit. Ich geh auf die Toilette und versuch´, mich danach nochmal für 2 Stunden aufs Ohr zu legen. Aber das wird nichts. Ich will zu den Krka-Wasserfällen, ich will Winnetou-Land sehen. Über eine Stunde liege ich jetzt schon wach. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Winnetou ist einfach zu präsent. Martin Böttchers Filmmusik geht mir nicht mehr aus dem Kopf und in Gedanken sehe ich Winnetou bereits über die Prärie reiten.

Eigentlich müsste ich jetzt schlafen, aber ich kann einfach nicht. Fernsehen verstehe ich nicht, Radio gibt‘s nicht. Auf dem Kameradisplay sehe ich mir meine Bilder von gestern an. Somit schlage ich zumindest etwas Zeit tot.

Inzwischen ist es 3:49 Uhr. In einer dreiviertel Stunde will ich eh aufstehen. Es hat keinen Sinn mehr, mich wegen 41 Minuten noch in den Schlaf zu zwingen.

Fahrt nach Skradin


Ich stehe auf, esse eine Banane, nuckel an meinem Tetrapack-Kakao und geh anschließend duschen. So kann man den frühesten Morgen auch verbringen.

4:57 Uhr. Ach komm, die 3 Minuten sind doch geschenkt, das juckt doch nicht. Ich gehe runter ins Foyer, wo ein Angestellter im Halbschlaf döst und auf solche Typen wie mich wartet. Schlaftrunken holt er mir mein Lunchpaket. Dann geht’s los.

Weil das Wetter laut Vorhersage im Süden deutlich besser ist als hier, habe ich mein ursprüngliches Programm ja umgeworfen. Ich werde heute also erst mal zu den Krka-Wasserfällen fahren. Der Kilometerzähler des Autos zeigt 19753 km. Ich programmiere mein Navi und dann geht’s los. Badehose habe ich übrigens auch eingepackt. An den Krka-Wasserfällen soll man sogar baden können.

Eingang 2 der Plitvicer Seen

Es ist noch Kuhnacht. Kein Mensch ist um diese Zeit (1 ½ Stunden vor Sonnenaufgang) unterwegs. Hochkonzentriert blicke ich in das Dunkel. Jetzt rennt mir auch noch von links nach rechts eine schwarze Katze über die Straße. Sieht verdammt nach schlechtem Omen aus, aber wir sind doch nicht abergläubisch. Im Fernlicht seh´ ich die Schilder des Eingangs 2 der Plitvicer Seen.

Der Weg führt mich auf der D1 weiter nach Jezerce, Prijeboj, Rudanovac, Vranovaca, Korenica und Bjelopolje Richtung Süden. Fast ständig ist die Geschwindigkeit auf 40, 50 oder 60 km/h begrenzt. Unaufhörlich piepst das Navi, weil ich immer mal wieder 3 oder 5 km/h zu schnell bin. Kurz hinter Pecane geht’s den Berg runter, wo der Wagen zwangsläufig schneller wird. Das scheint eine hier angebrachte Geschwindigkeitsmessung gar nicht zu mögen. Wie wild blinkt sie „80 km/h (!)“. O.k., das war kein Blitzer, ich war ja auch nicht schneller als 80 km/h, aber erschrecken tust du schon.

Um 6:11 Uhr komme ich bei Gornja Ploča an die Mautstelle zur Autobahn nach Split. Ich zieh am sogenannten Self-Ticketing-Automaten eine Karte und fahr´ weiter.

Auf der Autobahn

Tunel Krpani

In der Nähe des Tunnels Krpani, es ist 6:17 Uhr, zeigt das Thermometer 12 °C. Es folgen Tunnel auf Tunnel: Ledenic-Tunnel, Prstovac-Tunnel, Celinka-Tunnel, Sveti Rok-Tunnel und noch einige mehr, die ich mir aber nicht merken konnte. Bei Ausfahrt 21, Skradin, verlasse ich die Autobahn. Das ging ganz schön zügig. Für das 112 km lange Autobahnstück muss ich aber 49 Kn./7,40 € löhnen.

Von Skradin zum Skradiski Buk


Um 7:30 Uhr erreiche ich Skradin. Gleich am Ortseingang ist links ein Parkplatz, an dem „Free Parking“ steht. Da stelle ich mein Auto ab.

Parkplatz in Skradin

Friedhofskapelle in Skradin

Ein paar Schritte gehen schaden sicher nicht. Zu Fuß mache ich mich auf Richtung Krka-Wasserfälle. Ich hätte natürlich auch um 8:00 Uhr das Boot nehmen können. Da ich im Internet aber gelesen hab´, dass der Weg am rechten Krka-Ufer richtig gut sein soll, geh´ich zu Fuß. Außerdem ist das Wetter prima. Für Menschen, die nicht zu Fuß gehen wollen, fährt von Skradin aus zu jeder vollen Stunde ein Touristenboot zum Skradin Buk.

Leider ist der Fußweg von hier oben weg noch nicht ausgeschildert. Ich muss aber sowieso erstmal runter zum Fluss. Dazu läuft man einfach die Hauptstraße lang Richtung Süden bis man direkt vor einem großen Parkplatz steht. Dort zeigt ein kaum wahrnehmbares braunes Schild mit „Krka“ nach links. Ist man an der Kirche vorbei, fängt rechts hinter der Leitplanke der Straße ein kleiner Trampelpfad an, Pješačka zona, wörtlich Fußgängerzone.

Dort lauf ich erst mal lang. Nach etwa 5 oder 6 Minuten komme ich zu einer blauen Brücke, wo die „Pješačka zona“ nicht mehr weitergeht. Ich versuch´s zunächst rechts runter zum Fluss, aber Fehlanzeige. Also gehe ich hoch auf die Straße, die über die Brücke führt.

Fußweg zur blauen Brücke

Die blaue Brücke über die Krka

Links in der Kurve gibt’s am Weg, der am rechten Krka-Ufer flussaufwärts führt, ein Häuschen und eine Schranke. Das scheint der Wanderweg zu dem Krka-Wasserfällen zu sein. Aber gib einem Kroaten ein Häuschen und eine Schranke, dann ist er noch deutscher als ein Deutscher. „Um 8:00 Uhr können Sie weitergehen, keine Minute vorher.“

Naja, 8 Minuten noch. Gehe ich eben kurz rüber auf die Brücke und schaue, ob´s irgend etwas zu fotografieren gibt. Blöde Frage: Es gibt immer irgend etwas zu fotografieren. So, die Bilder von Krka, dem Ausflugsschiff Amiča sowie einem kleineren namenlosen Schiff sind im Kasten.

Krka

Ausflugsboote auf der Krka

Ich gehe zurück zur Schranke, wo auch noch ein österreichisches Paar auf die Schranken-Öffnung wartet. Der Österreicher hat übrigens auch eine Canon, allerdings mit einem Tamron-Objektiv. Und er hat ein Problem: Er fragt mich, ob ich ihm irgendeinen Tipp geben könnte, weil sich sein AF 18-270mm F/3.5 -6.3 Di II VC PZD seit Kurzem nur noch im Brennweitenbereich von 18 und 50 mm verstellen ließe.

Das ist echt sch***, aber so ist’s eben mit Fremdobjektiven. Irgendwann geben die den Geist auf. Mit meinem Sigma beispielsweise, war ich auch nicht so richtig zufrieden. Ich hatte damals das Problem, dass der Tubus gewackelt hat wie ein Lämmerschwanz. Leider kann ich dem Österreicher nicht helfen.

Probleme hatte ich auch gestern an den Barać-Höhlen. Dort sollte ich ein Paar mit ihren Helmen fotografieren. Dazu bekam ich deren 1000er-Canon mit Kit-Objektiv. Und obwohl ich viel fotografiere, das Teil war einfach nicht imstande, bei den schlechten Lichtverhältnissen zu fokussieren. Was bin ich froh, dass ich die 600er und L-Objektive habe, auch wenn ich dafür ein paar Euro mehr hinlegen musste.

Fußweg zum Skradiski Bug

Fußweg zum Skradiski Bug

8:00 Uhr. Endlich lässt uns der Parkranger durch. Die Österreicher mit ihren Fahrrädern sind schon in der Ferne verschwunden. Ich selbst gehe am rechten Krka-Ufer flussaufwärts. Zu Hause hatte ich gelesen, dass die Krka ein typischer Karstfluss sei, d.h. dass der Fluss nur teilweise an der Oberfläche verlaufe, häufig sein Wasser in den unterirdischen Karst verliere und in trockenen Perioden vollends versickert. Das ist dann so ähnlich wie bei der Donauversickerung in der westlichen schwäbischen Alb.

Der Wanderweg gefällt mir richtig gut. Teilweise hat man freien Blick auf die sonnenbeschienene Krka, teilweise läuft man durch schattigen Wald.

Die blaue Brücke über die Krka

Fußweg zum Skradiski Bug

3,6 km und ´ne dreiviertel Stunde später, ist man an der Stelle, an der auch die aus Skradin ankommenden Ausflugs-Boote am Krka-Nationalpark anlegen.

Krka Wasserfälle


Um 8:40 Uhr bin ich am Kassenhäuschen und kaufe mir für 110 Kn. eine Tageskarte.

Kassenhäuschen am Eingang des Krka NP

Fußweg zum Skradiski Bug

Ich bin gerade mal so ´ne Viertelstunde gegangen, als ich unterhalb des Skradinski Buks zu einer Holzbrücke über die Krka komme. Genau auf dieser Brücke ritt Old Shatterhand im Winnetou-Film „Old Shatterhand“ zur Missionsstation von Paloma Nakama, der weißen Taube. Hier fanden übrigens auch die romantischen Szenen zwischen Old Shatterhand und Nscho-tschi statt.

Aber nicht nur das. Hier wurden aber auch noch eine ganze Reihe anderer Szenen gedreht, beispielsweise wie Sam Hawkens in „Winnetou I“ mit „Vollmond“ schäkert und dabei seine Perücke an einem Ast hängenbleibt oder wie Old Surehand in „Der Ölprinz“ Tobby rettet, bevor das Floß die Fälle herunterstürzt.

Mich wundert es nicht, dass der 400 m breite und über seine 17 Stufen 45 m hohe Skradinski buk in den Winnetou-Filmen gleich mehrfach herhalten musste. Für mich ist Skradinski buk der schönste Wasserfall überhaupt. Daneben soll Skradinski Buk die höchste Kalktuffbarriere überhaupt sein in Europa. Aber wen interessiert das? Mich interessiert nur, dass diese Fälle einfach traumhaft aussehen, besonders, wenn man eine Langzeitbelichtung mit Neutral- Graufilter macht.

Skradiski Buk

Skradiski Buk

Unterhalb des Wasserfalls gibt es eine riesige Wiese, auf der man einfach hinflacken und entspannen kann. Wer mag, kann in den „Fischgründen der Osagen“ (Winnetou und Shatterhand im Tal des Todes) auch ein Bad nehmen. Mir ist es dazu aber ein wenig zu frisch.

Im Bereich um den Skradiski Buk gibt es einen knapp 2 km langen Lehrpfad. Hier kann man sich, über Holzbohlen, kleine Brücken und Rauwacken-Barrieren gehend 1 Stunde lang mit Flora und Fauna am Krka-Fluss vertraut machen.

Skradiski Buk

Skradiski Buk

Zunächst geht es also, wie gesagt, unterhalb des Skradiski Buks über eine lange Holzbohlenbrücke und dann in Flussrichtung gesehen links der Wasserfälle kräftig die Treppen hoch zur Ruine des ehemaligen Wasserkraftwerks Krka. (Dieses ging 1895 in Betrieb und man rühmt sich damit, dass dies nur zwei Tage nach Inbetriebnahme des Wasserkraftwerks an den Niagarafällen durch Tesla gewesen sein soll.) An dieser Stelle etwa stand in „Old Shatterhand“ die Missionsstation der „Weißen Taube“.

Auf dem Weg hoch bieten Einheimische Früchte an sowie Weine und Spirituosen, die sie angeblich selbst anbauen bzw. herstellen.

Skradiski Buk

Skradiski Buk

Links hinter der Ruine des ehemaligen Wasserkraftwerks hat man einen fantastischen Ausblick auf die Stufen des Skradiski Buks. Geht man weiter, kommt rechter Hand die Kirche des heiligen Nikolaus. Über einen kleinen Bach drüber und schon hat man linker Hand die alte Schmiede und kurz danach den Souvenirladen und die Wassermühle vor sich.

Ich gehe rechts hoch zur Hauptstraße und dann links. Bereits nach ein paar Metern kommt man dann links wieder auf den Lehrpfad zurück. Von jetzt an geht es über etliche Holzbohlen-Wege und kleine Brücken kreuz und quer über die Krka. Das bringt mir persönlich nicht all zu viel, obwohl die vielen Fische (Forellen?) im glasklaren Wasser auch ihren Reiz haben.

Kreuz und quer über die Krka

Krieg ich was ab?

Blick von oben

Regen

Schön ist dann wieder ein Aussichtspunkt, von dem aus man die Stufen des Skradinski Buks nun von anderen Seite aus sehen kann. Auf einem kleinen Picknickplatz fotografiere ich eine Katze, die gerne etwas vom Essen der dort sitzenden Besucher abhaben wollte.

Weil es jetzt anfängt zu regnen, beschleunige ich meinen Rundgang und geh runter zum Kassenhäuschen und zur gleich dahinter liegenden Schiffsanlegestelle, nicht ohne mir vorher an einem Kiosk für 16 Kn. (das ist ganz schön teuer (!)), eine Flasche Wasser gekauft zu haben. Ich war total ausgetrocknet.

Langzeit- und Wasserfall-Fotografie


Heute habe ich übrigens zum allerersten Mal in meinem Fotografen-Dasein Langzeitbelichtungen mit Neutral-Graufilter gemacht. Am besten kommen die, wenn man Verschlusszeiten zwischen einer viertel und einer halben Sekunde wählt. Bei „normalen“ Lichtverhältnissen oder bei Sonnenlicht bin ich dazu mit dem 8er-Graufilter am besten zurecht gekommen. Den 1000er- Graufilter, den ich auch dabei hatte, konnte man bei den Wasserfällen nicht benutzen. Der ist eher was, wenn man einen Platz „menschenleer“ bekommen möchte. Ich habe einmal ein Experiment gemacht und bin bei 15 Sek. Belichtungszeit 2 mal vor der Linse hin und hergewandert. Da sieht man von mir überhaupt nichts.

Ich bin total happy, dass ich das alles schon vorher geplant habe. Die Graufilter sind das eine, was sich bereits jetzt bewährt hat, der Kauf schlechthin aber ist mein Togopod-Stativ. Ich war nie ein Freund des Stativ-Schleppens, aber mit 1,3 kg Gewicht, über 10 kg Tragkraft und einer Arbeitshöhe von bis zu 1,60 m ist das Stativ für mich einfach nur der Bringer. Wenn man es nicht braucht, lässt es sich bis auf 35 cm Packmaß zusammenschieben und in die Tragetasche stecken.

Einziger Nachteil: Der Riemen an der Tragetasche war mir (1,86 m groß) etwas zu kurz. Ich hab deshalb noch vorm Urlaub von einer Änderungsschneiderin den Riemen abschneiden und mit zwei Metallösen versehen lassen, sodass ich dort den mit Karabinerhaken versehenen rutschfesten Gurt meiner Kameratasche anbringen kann. So ist das für mich optimal!


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