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Capri – Anacapri und der westliche Teil der Insel

Ankunft


Capri ist zweifellos das exklusivste Reiseziel im Golf von Neapel. Auch wenn ich mir eine Übernachtung dort nie und nimmer leisten kann, einmal rüber fahren vom preisgünstigeren Ischia aus, das muss schon sein.

Außer den VIPs, die selbstverständlich mit dem Hubschrauber einfliegen, kommen alle Touristen an der Marina Grande an. Wenn dort ein Touristenboot anlegt, dann gibt’s auf dem kleinen Platz im Hafen absolut kein Durchkommen mehr. Deshalb suche ich – unmittelbar nach dem wir angelegt haben – schnellstmöglich das Weite. Mein Blick fällt auf zwei Gestalten, die dort hinten rechts eine Gasse herunterschlendern. Wo kommen die denn her? Das interessiert mich.

Scala Fenicia, die Phönizische Treppe


Ein Schild gibt mir Auskunft: „Scala Fenicia“, die phönizische Treppe. Sie führt rauf nach Anacapri. Bis 1874 war sie die einzige Verbindung zwischen der Marina Grande und dem westlichen Hochplateau. Für die Fischer von Anacapri quasi der Arbeitsweg zwischen Wohnung und Meer. Eine Pendelstrecke mit 777 Stufen. Alle Waren mussten die Stufen nach Anacapri hochgetragen werden. Meist haben das die Frauen gemacht, auf ihren Köpfen. Insofern dürfte der Aufstieg für mich, der ich ja nur die Kamera dabei habe, doch zu bewältigen sein. Gehen wir’s also an.Mensch, das zieht sich. Der Schweiß fließt in Strömen, aber der Ausblick ist grandios und entschädigt für vieles. Allerdings, oben angekommen, brauch ich erst mal nen Schluck Wasser.

Axel Munthes Villa San Michele


Vielleicht bekomme ich ja in der Villa San Michele was. San Michele, das Haus des schwedischen Arztes Axel Munthe, soll der Touristenanziehungspunkt schlechthin sein in Anacapri. Und wo Touristen sind, gibt’s sicher auch was zu trinken. Fehlanzeige! Eine Küche gibt’s zwar dort – zu besichtigen – aber nichts zu futtern und nichts zu trinken. Auch nicht sonst wo im Haus.

So geb’ ich mich mit ausgetrockneter Kehle der Kultur hin, die mir so gar nicht mun(th)en will. Was angeboten wird, ist ein Sammelsurium unterschiedlichster Stilrichtungen, die der Arzt so zusammengetragen hat. Sogar eine Kapelle und die Reste einer römischen Villa sind in das Haus des Arztes integriert. Nun ja, das „Haus San Michele“ ist gewöhnungsbedürftig.

Nicht so der Garten! Hier bin ich gleich zuhause. Hier fühl‘ ich mich wohl. Sogar einen kleinen Bach ließ Munthe im Garten anlegen und das, wo’s auf der ganzen Insel keine einzige Quelle gibt. Eine Pergola spendet Schatten – für Katzen. Als menschlicher Besucher kommt man zur Pergola aber leider nicht hin. Draußen an der Piazza Vittorio dann endlich ein Platz zum Hinsetzen und eine Getränkekarte. Die Lebensgeister kehren zurück.

San Michele Arcangelo


Hernach besuche ich San Michele Arcangelo, einen der bedeutendsten Sakralbauten Anacapris. Berühmt ist die Kirche vor allem durch den Mojalika-Fußboden, auf dem Leonardo Chiaiese das Gemälde „Die Vertreibung aus dem Paradies“ von Francesco Solimena nachempfunden hat. Auf diesem Fußboden darf man natürlich nicht herumlaufen. Deshalb müssen die Besucher auf aufgeständerten Holzbohlen darüber hinweg balancieren. Einen optimalen Blick auf das Kunstwerk hat man aber erst von der Orgelempore aus. Dort hinauf führt eine kleine Wendeltreppe.

Gaumenfreuden?


Nach der himmlischen Pracht wende ich mich draußen der irdischen Pracht zu. Irdische Pracht, nicht nur fürs Auge, sondern auch für den Gaumen. Zitronen sind der Hauptbestandteil des berühmten „Limoncello di Capri“. Der Zitronenlikör wird auch heute noch nach dem Originalrezept von Vincenca Canala in einer kleinen Werkstatt in der Capo di Monte produziert.

Wer’s nicht so hochprozentig mag, der hat vielleicht Interesse an einem Gläschen Marmelade? Ganz außergewöhnliche Marmelade. Nicht nur Inselfrucht und so’n „Kram“, sondern auch Marmelade mit Pinienkernen, Marmelade mit Kapern und – was ich noch nie gesehen habe – allerschärfste Pepperoni-Marmelade.

Das blaue Wunder oder „Die blaue Grotte“


Wer von Capri spricht, muss auch die Grotten erwähnen. Im Nordwesten Capris, unweit Anacapris, gibt’s eine, wo Sie Ihr blaues Wunder erleben können. Kommen Sie, wie ich, zu Fuß dort an, kann’s Ihnen passieren, dass Sie einfach zurückgeschickt werden. Die so genannten Capri-Fischer haben’s nämlich nicht nötig. Sie verdienen genug an den Touristen, die sie übers Meer direkt von der Marina Grande hierher gekarrt haben. So habe ich die berühmte blaue Grotte nur von außen gesehen. Etwas verärgert steige ich in den Bus, der mich zurückbringt zum Hauptplatz Anacapris, zur Piazza Vittorio.

Monte Solaro


Von der Piazza Vittorio aus kann man in nur 12 Minuten mit einem Sessellift zum 589 Meter hohen Monte Solaro schweben. Wenn da nur nicht meine Höhenangst wär’. Man soll von dort einen traumhaften Ausblick haben, sagt man mir, aufs Meer und bis rüber zum Festland. Das lockt mich schon. Ich kauf‘ ein Ticket. Einmal im Sessel kann ich dann aber nicht mehr aus. der Nachteil: Meine Kamera bekommt während der Fahrt anatomisch geformte Griffmulden, so sehr klammer’ ich mich an ihr fest. Ich hab‘ panische Angst.

Oben ausgestiegen, muss ich erst mal meinen Blutdruck wieder auf Normalniveau bringen.Mit gesenktem Kopf wander’ ich durch die Botanik und entdecke diesen Schwalbenschwanz und eine Reihe anderer interessanter Fotomotive. Hat es sich also doch gelohnt. Zurück nach Anacapri geh ich dann aber doch lieber zu Fuß, obwohl ich die Talfahrt schon bezahlt habe. Nein, noch mal Sessellift, das tu ich mir nicht mehr an.

Zum Abschluss der Tagestour gönne ich mir auf der Piazza Vittorio noch einen kleinen Cappuccino, bevor um 18:00 Uhr der Ausflugsdampfer wieder zurückfährt nach Ischia.

Abschied – aber nur für heute


Ich muss unbedingt noch mal her, hab’ ja noch gar nichts gesehen vom östlichen Teil der Insel. Davon dann aber mehr im nächsten Bericht.

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