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Sonntag, 14.8.2016 – Teil 2

Sevilla


Das Erste, was ich nach meiner Ankunft in Sevilla sehe, ist das Kolumbianische Konsulat in der Paseo de las Delicias. Da die Ampel auf Rot steht, kann ich einen Schnappschuss wagen.

Am Torre del Oro müsste ich das Parkhaus Paseo de Critobal Colon (ich hab´s mir ausgesucht, weil es 24 h geöffnet hat) schon fast erreicht haben. Und da ist es auch schon. Das 1. Untergeschoß ist rappelvoll, also geht´s noch ne Runde runter. Im 2. Untergeschoß, Platz 18, lacht mich richtig an. Ich packe meine Siebensachen und geh’ hoch.

Scheiße, ist das heiß!!!


So eine Hitze habe ich noch nirgendwo erlebt! In Afrika nicht, in Asien nicht, nirgendwo! Jetzt weiß ich, warum die Gegend „Bratpfanne Spaniens“ heißt. Aber bevor ich irgendwas anderes unternehme, rufe ich jetzt erst mal bei Turmares in Tarifa an, ob die Orca-Tour morgen wie geplant stattfindet. Leider versteht mich der Typ am anderen Ende nicht und ich ihn nicht. Ende vom Lied: „tuut – tuut – tuut“. Ich wusste, dass das nicht klappt! Ich bin von Haus aus kein Telefonierer und im Ausland schon gleich gar nicht. Fahr ich eben morgen früh hin nach Tarifa und schau, was Sache ist.

Stadtrundfahrt


Die Stadtrundfahrt startet ½ km südlich des Parkhauses kurz vorm Torre del Oro. Ein Voucher dafür habe ich mir schon zu Hause ausgedruckt, doch das muss erst in ein reguläres Ticket umgetauscht werden, was aber problemlos geht. Um 14:10 geht die Stadtrundfahrt los. Ich habe einen Platz im freien Oberdeck. Für´s Fotografieren gut, denke ich, aber es ist unerträglich heiß. Mein kombiniertes Anzeigegerät mit Kompass und Thermometer zeigt mit Blick auf den Palacio de San Telmo, an dem wir gerade vorbeifahren: „Blickrichtung Süd-Ost / 14:13 Uhr / 47,9°C / 8 / 14 / SUN“.

47,9°C (!). „Tja, in der Sonne“, mag jetzt der eine oder andere sagen. Da kann ich dann nur noch staunend fragen: „Und wo sitz ich?“

Wenn man von der Av. Portugal nach rechts in die Calle Nicolás Alpériz einbiegt, sieht man rechts die Capitanía General, hört man im Kopfhörer. Dass das Gebäude auf der Ostseite des Plaza Españia steht und dass dahinter gleich das nationale geografische Institut liegt, das bekommst Du bei der Stadtrundfahrt mit dem Bus aber einfach nicht mit.

Die Alternative


In der Nähe des Aquariums, auf dem Gelände der ehemaligen Expo 92 steht heute das 40 m hohe Riesenrad „Noria de Sevilla“. Wahrscheinlich Bestandteil irgendeines Vergnügungsparks. Aber das interessiert mich nicht. Ein Viertel der Stadtrundfahrt ist rum, und was habe ich für Fotos? Alles nur Schrott! Nochmal 1 bis 1 ½ Stunden Schrott knipsen, das ist mir irgendwie zu blöd. Aus diesem Grund – nicht weil es auf dem Bus-Oberdeck extrem heiß ist –  steige ich an der 4 . Haltestelle Stadtrundfahrt, der „Plaza de America“, wieder aus und versuche mein Glück zu Fuß.

Der Parque de María Luisa mit seinen unzähligen Alleen und Promenaden ist ein Geschenk von María Luisa Fernanda de Borbón und Herzogin von Montpellier an die Stadt Sevilla. Und auch hier wieder die typischen Pferdekutschen, die in am Samstag in Jerez de la Frontera und heute früh in Ronda gesehen habe. Bei der Temperatur muss das nicht sein! Wenn mich da jemand rausjagen würde, der bekäme was zu hören. Dass ich selbst unterwegs bin, ist dagegen meine ganz alleinige Entscheidung!

Plaza de España


Vom Museo Arqueológico aus sind´s über die Av. Hermán Cortés rund 10 Minuten bis zur Plaza de España (spanischer Platz). Dieser Platz wurde im Jahr 1929 anlässlich einer ibero-amerikanischen Ausstellung von Aníbal González erstellt. Der Platz ist halbkreisförmig mit einem Radius von etwa 100 Metern.  Um den ganzen Platz (außer an der geraden Seite) geht ein Kanal, über den 4 Brücken gehen. Die 4 Brücken sollen die ehemaligen 4 Königreiche Spaniens symbolisieren. Auf der anderen Seite des Kanals wird der ganze Platz von einer Gebäudefront aus  roten Backsteinen begrenzt.  Im Hochparterre der Gebäude gibt es Arkaden, wo man flanieren und sitzen kann.  Alles ist  mit roten Backsteinen, Marmor und Keramik verziert. An den Geländern zum Platz hin sind etliche Wappen der 48 spanischen Provinzen. Heute sind in den Gebäuden die Ämter der der Andalusischen Regierung und des  Militärs untergebracht.

Also man kann die Hitze mögen oder nicht, aber wenn ich mich so umsehe, hat sie zumindest aus Fotografensicht einen Riesenvorteil: Es sind kaum Menschen da, die Dir durch´s Bild rennen!

Zwischen …


Geht man vom Plaza de España weiter Richtung Norden, kommt man am Ende des Parque de María Luisa schließlich zu einem Kreisverkehr und 50 Meter weiter zu zum Reiterdenkmal von El Cid, das auf dem Mittelstreifen der gleichnamigen Straße Av. El Cid steht. Auch dieses Denkmal wurde – ebenso wie die ganze Plaza España – extra für die 1929 stattfindende ibero-amerikanische Ausstellung erschaffen und zwar von der nordamerikanischen Bildhauerin Anna Hyatt Huntington. El Cid war im 11. Jhd. (in der Zeit der Reconquista, als die Christen die muslimischen Machthaber allmählich wieder zurückgedrängten) ein kastilischer Ritter, der heute als Nationalheld betrachtet wird. El Cid ist so bekannt, dass sein Leben – mit Charlton Heston in der Hauptrolle – sogar in Hollywood verfilmt wurde.

400 m weiter nördlich trifft man im Jardines de Murillo, dem Park um das Real Alcázar de Sevilla auf das Denkmal eines weiteren Helden, auf das von Cristobal Colón. Cristobal Colón (Christoph Kolumbus) dürfte allgemein bekannt sein, über ihn brauche ich daher nichts weiter mehr zu sagen. Geschaffen wurde das Denkmal vom Architekten Juan Talavera. Auf einem Podest, an dessen Front ein Portrait Colóns zu sehen ist, stehen die „Säulen des Herakles (Herkules)”. Oberhalb der Säulen steht auf einer Plattform der spanische Löwe. Auf halber Höhe sind Bronzen von Segelschiffen angebracht.

Aber warum steht Columbus auf den Säulen des Herakles? Nun, in der Antike war man der Auffassung, dass an der Meerenge zwischen Iberien und Nordafrika, also im Bereich der heutigen Straße von Gibraltar die Welt zu Ende sei. Angeblich waren es die Phönizier, die um 1100 v. Chr. Mit ihren Schiffen erstmals in diese Gegend kamen. Sie bezeichneten die Gebirge links und rechts der Meerenge als „Säulen des Melkart“. Die Griechen schrieben diese Gebirge dann später ihrem Halbgott Herakles zu und nannten sie entsprechend „Säulen der Herakles“. Er habe die Säulen am Ende der (damals bekannten) Welt gesetzt, um Atlas, der am westlichsten Punkt der damals bekannten Welt der das Himmelsgewölbe trug, kurzfristig zu entlasten.

Es gibt auch noch andere „Interpretationen“. So wird auch vermutet, Herakles (Herkules) habe während der 10. seiner Heldentaten, bei der er dem Riesen Geryon dessen Vieh abluchste auf dem Rückweg keinen Bock mehr gehabt, über das Gebirge zu klettern und habe deshalb eine Kerbe ins Gebirge geschlagen, wo er durchgehen konnte. Egal. Jedenfalls steht die Bezeichnung „Säulen des Herakles“ heute symbolisch für den nördlich der Wasserstraße gelegenen Felsen von Gibraltar und den im Süden liegenden Jebel Musa in Marokko.

Ich bräuchte jetzt aber nicht „Säulen des Herakles” sondern „Ohrstöpsel des Herakles”. Die Grillen oder sind´s Zikaden (?) zirpen hier laut wie ein Düsenjet. Derartigen, von Tieren verursachten Lärm, habe ich noch nie zuvor gehört.

Kathedrale Santa María de la Sede


Wenn ich zur Kathedrale von Sevilla will, muss ich mich irgendwie westlicher halten. Es geht kreuz und quer durch allerlei Gässchen, dann stehe ich endlich an der Plaza del Triunfo plötzlich vor der mächtigen Kathedrale Santa María de la Sede. Der Der 95 m hohe, freistehende Glockenturm dahinter (bekannt als Giraldawar ursprünglich auch mal ein maurisches Minarett. Wie in Jerez de la Frontera auch, habe ich den Eindruck, die Christen mussten bei der Reconquista im wörtlichen Sinn „eins draufsetzen”.

Die von 1401–1519 auf den auf den Überresten der im 12. Jahrhundert errichteten arabischen Mezquita Mayor erbaute Kathedrale soll die größte gotische Kirche Spaniens und nach dem Petersdom in Rom und der  St. Paul’s Cathedral in London die drittgrößte Kathedrale der Welt sein. Das größte Grabmal im Innern der Kirche ist interessanterweise nicht irgendeinem Bischof oder König gewidmet, sondern dem Seefahrer Christoph Kolumbus. Inzwischen will man sogar nachgewiesen haben, dass darin tatsächlich Überreste von Kolumbus schlummern sollen. Komischerweise beeindruckt mich das alles nicht. Auch „größte“, „schönste“, „älteste“ nicht, wobei ich zugeben muss, dass die Kirche mit 115 m x 76 m Grundfläche schon groß ist und dass im Innern sicher fantastische Kunstwerke zu sehen sind. Aber mich dafür bei dieser Hitze stundenlang anzustellen und dann auch noch 8 € Eintritt (für eine Kirche (!)) bezahlen zu müssen, da ist nichts für mich.

Ich gehe weiter durch die Hitze Sevillas. Meine zwei Dosen alkoholfreies Bier, die ich dabei hatte, sind schon längst alle, außerdem waren sie – obwohl heute Nacht im Kühlschrank – inzwischen brühwarm.

Metropol Parasol


Weiter nördlich, am Plaza de la Encarnación soll es die größte Holzkonstruktion der Welt geben. Die will ich als Sohn eines Schreiners natürlich sehen. Nach etwa 1 km komme ich an. Die hölzerne Wabenkonstruktion Metropol Parasol wurde zwischen 2005 und 2011n ach Plänen des Berliner Architekten Jürgen Hermann Mayer und des Ingenieurbüros Arup, Berlin an der Stelle der früheren Markthalle errichtet. Welchen Sinn und Zweck die Wabenkonstruktion haben soll, erschließt sich mir allerdings nicht. Auf jeden Fall sieht sie beeindruckend aus. Vielleicht soll das ja der Sinn sein? Zumindest ist die größte Holzkonstruktion der Welt das neue Wahrzeichen von Sevilla.

Unter dem Metropol Parasol gibt es einen Markt, Bars, Restaurants und ein archäologisches Museum. Auf dem Dach des Metropol Parasol (man kann für 3 € dort mit einen Aufzug rauf fahren) gibt es Fußwege, von wo aus eine tolle Sicht über Altstadt von Sevilla haben soll. Aber östlich vom Metropol Parasol – und das ist mir jetzt wichtiger als alles andere – gibt es eine Bar (ich glaube, sie hieß Mundial), wo man eiskaltes alkoholfreies Bier bekommen kann. Das muss jetzt einfach sein. Ich bin am Verdursten!

Alameda de Hércules


Nachdem ich im Schatten der Bar etwas getrunken und mich etwas ausgeruht hab,geht meine Tour weiter. War das Metropol Parasol jetzt eine der neuesten Sehenswürdigkeiten von Sevilla, will ich mir natürlich auch die älteste Sehenswürdigkeit Sevillas ansehen. Die steht 700 m nördlich am Südende der Alameda de Hércules, an der Ecke Alameda de Hércules / Calla Trajano. Dort hat ein gewisser Graf von Barajas in letzten Drittel des 16. Jahrhunderts zwei korinthische Säulen aufstellen lassen. Auf diesen stehen seit 1754 Statuen, auf der westlichen die des Herkules und auf der östlichen eine, die Julius Cäsar darstellt. Erst dachte ich ja wieder an die „Säulen von Herakles“, aber die hier haben damit weniger zu tun. Hier stehen Herkules und Cäsar, weil sie angeblich die Gründerväter Sevillas gewesen sein sollen.

Ich kann nicht mehr. Die Hitze macht mich fix und fertig. Deshalb steige direkt neben den Säulen bei der Haltestelle (12) in den nächstmöglichen Bus der Stadtrundfahrt (mein Ticket gilt ja noch) und fahre 2 Stationen bis zur Haltestelle „Plaza de Armas“. Von dort sind’s dann nur noch 500 m bis zum Parkhaus. Aber – die Sonne steht im Südwesten und du hast nicht den Hauch von Schatten. Allenfalls hast Du selbst nen „Schatten“, wenn du dir das antust. Da werden selbst die 500 m bis zum Parkhaus zur Tortur. Zwei Mal musste ich auf dieser Strecke noch mal in eine Bar, alkoholfreies Bier trinken.

Um 17:30 bin ich endlich im 2. Untergeschoss des Parkhauses Paseo de Critobal Colon. Schatten und „kühle“ 32°C.  Ich setz mich erst mal ins Auto und mache Notizen. 2½ Stunden war ich jetzt zu Fuß unterwegs, aber es hat sich wirklich gelohnt, die Busrundfahrt zu verlassen. Eine Stadtrundfahrt ist für jemanden, der Fotografieren will, absolut nichts. Zu Fuß habe ich so viel mehr gesehen, auch wenn die Hitze hier mörderisch ist. Mit „cerveza sin alcohol” und Chips kann man sich das Leben aber zumindest erträglicher machen. Allerdings: Menschen mit Kreislaufproblemen rate ich von einer derartigen Unternehmung dringend ab!

Zeit zu zahlen. 7,75 € haben die knapp 3 Stunden Parken gekostet. Ich gebe am Navi „Sanlúcar de Barrameda“ ein und verlasse das Parkhaus – das ist sehr angenehm, dass das angeschrieben ist – an der Ausfahrt „Jerez de la Frontera“.


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