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Donnerstag, 18.8.2016 – Teil 4

Die Gärten der Alhambra


Jardínes de Partal

Nach genau 45 Minuten in den Nasriden-Palästen bin ich plötzlich draußen und am Anfang der Partal Gärten. In diesem Bereich lebten damals die betuchteren Familien der Alhambra. Überall da, wo heute Gärten sind, standen früher Villen und Paläste, von denen leider nur noch wenig erhalten ist. Das noch am besten erhaltene Gebäude ist der Palacio de los Damas bzw. der Torre de las Damas (Palast/Turm der Damen).

Ich muss mich erst mal orientieren. Ein Schild sagt mir zwar „Usted está aqui“ – sie sind hier, aber wenn der Plan jetzt nicht genau auf dem Kopf stünde (mit Norden unten) täte ich mir leichter. Jedenfalls ist die Kirche rechts drüben ganz klar die Iglesia Santa María, an der ich ganz zu Anfang meines Alhambra-Besuchs vorbeigegangen bin. Allzu weit (streckenmäßig) bin ich also noch nicht gekommen.

Auch wenn das Gelände riesig ist, die Frage „Wohin jetzt?“ stellt sich überhaupt nicht. Man kann gar nicht anders als in südlicher Richtung weiterzugehen, das sagt einem auch schon das Schild „Paseo de las Torres / Generalife / Salida / Exit“. Zunächst geht’s also die Treppe hoch, Treppenstufen, in deren Mitte interessanterweise ein Rinnsal läuft. Zu welchem Zweck hat mir mein Audio-Guide aber leider nicht verraten.

Oben angekommen geht’s links weg quer durch die Gartenanlagen bis zum Torre de las Infantes (Turm der Prinzessinnen). Auf dem weiteren Weg hat man, wenn man sich nach links orientiert, einen noch viel besseren Blick auf den Palacio de los Damas.

Unterwegs kommt man auch an den interessantesten Früchten vorbei.  Einen Granatapfel-Baum beispielsweise habe ich noch nie gesehen und einen Feigenbaum – denke ich – auch noch nie.

Ich weiß nicht, wie´s kam, jedenfalls hat mir eine – aufgrund ihrer Kleidung – wohl muslimische Frau eine Feige abgepflückt und gereicht. Man könne die Feigen komplett essen, meinte Sie. Als ich etwas ungläubig dreinschaute, hat sie mir´s vorgemacht. Ich hab meine dann auch „mit Haut und Haaren“ gegessen. Meine allererste frische Feige – lecker war´s.

Und obwohl der Weg vom den Nasridenpalästen bis zum Turm der Prinzessinnen nur rund 400 m lang ist, macht dich die Hitze fertig. Eine Halbliterflasche Wasser, die ich mir vorsorglich für den Rundgang durch die Alhambra gekauft hatte, reicht vorne und hinten nicht. Ich bin am Verdursten. Zum Glück gibt´s aber an vielen Stellen Trinkwasserbrunnen, an denen man direkt trinken oder aber seine Flasche auffüllen kann. Meine habe ich inzwischen schon 3-mal aufgefüllt.

Dennoch – man schwitzt sich tot. Da tut die schattenspendende Zedern-Allee so richtig gut.

Turm der Prinzessinnen

Der Turm der Prinzessinnen (oder Qalahurra) wurde in der Zeit von Muhammad VII. gebaut. Der Name des Turmes ist eng verknüpft mit den drei Prinzessinnen Zaida, Zoraida und Zorahaida aus Washington Irwings Buch „Erzählungen von der Alhambra“. Äußerlich sieht der Turm kaum anders aus als die Mittelalter-Türme, die wir auch in Bayern oder Baden-Württemberg haben.

Aber innen – das ist geradezu unglaublich. Größer könnte der Unterschied zwischen dem schlichten Äußeren und der Ausschmückung innen nicht sein. Irre, welche Kreativität die Nasriden bei der Gestaltung von Innenräumen an den Tag legten. Ich hatte übrigens schon wieder Glück: Der Torre de las Infantes ist nur im August geöffnet.

Generalife

100 m nach dem Turm der Prinzessinnen komm man auf einen kleinen Platz, von dem aus es links durch ein Tor in die Gartenanlage „Generalife“ geht. Das Wort „Generalife“ hat mich zunächst stutzig gemacht, aber der Name hat so gar nichts mit einem „General“ oder dergleichen zu tun, sondern leitet sich ab aus dem Wort Ǧanna(t) al-ʿĀrif , was „Garten des Architekten“ (oder vielleicht sogar „Garten des Herrn“) bedeutet. Im Spanischen wurde daraus dann „Generalife“.

Ein paar Meter nach dem Tor hat man links noch mal einen tollen Blick auf den Turm der Prinzessinnen und man glaubt es immer noch nicht, was man eben dort drinnen gesehen hat.

Auch der Blick auf Albaicín mit der Iglesia San Salvador ist von hier aus einfach nur fantastisch.

Geht man im Generalife am Theater vorbei und dann hinterm Theater rechts hoch und gleich wieder links, kommt man in eine Parkanlage mit einem längs ausgerichteten Wasserbecken, wo man an einem Seitenweg dann nochmal einen tollen Blick auf die Iglesia Santa María hat.

Harem und Innenhof des Bewässerungssystems

Ein Park reiht sich an anderen. Geht man von der Parkanlage mit dem langen Wasserbecken weiter rechts, gelangt man  in den Innenhof des Bewässerungssystems, von wo aus man auf der Südseite das Gebäude des Harems und auf der Nordseite den westlichen Teil des Pabellón Norte sehen kann.

Pabellón Norte

Im Erdgeschoss des Pabellón Norte (des Nördlichen Pavillons), den man durch einen Gang mit 5 Bögen betritt, liegen die königlichen Wohnräume. Von hier aus hat man erneut (wie schon in vielen anderen Gebäuden vorher) einen fantastischen Blick auf die Granadaer Stadtteile El Albaicín und Sacromonte hat.  Das Obergeschoß des Pabellón Norte wurde erst später von den Christen hinzugefügt.

Nachdem man an den königlichen Wohnräumen vorbei ist, liegt vor dem östlichen Teil des Pabellón Norte der Patio de la Sultana (Innenhof des Sultans) in dessen Mitte ein kleiner Brunnen steht. Am Ende des Innenhofes geht es dann eine Treppe hoch. Das Interessante daran ist, dass deren Geländer gleichzeitig Wasserkanäle sind. Früher waren diese Kanäle allerdings noch mit Kacheln bedeckt.

Nach kurzer Zeit kommt man zum Mirador Romántico. Das Gebäude dort ist nicht unbedingt von historischem Interesse, da es erst im 19. Jahrhundert Jaime Traverso, dem damaligen Grundstücksbesitzer des Generalife, hinzugefügt wurde. Ich genieße nochmal den tollen Ausblick, den man von hier oben hat und geh dann auf der anderen Seite die Stufen wieder runter.

Mein Besuch im Generalife und der Alhambra nähert sich langsam dem Ende. Der Weg führt durch eine Zypressen-Allee, die vor über 100 Jahren (in der Zeit Isabellas II.) hier angepflanzt worden sein soll.

Am Ausgang der Alhambra gibt es dann noch einen Souvenirladen, aber nicht so einen mit Postkarten und Kühlschrankmagneten, sondern etwas richtig Edles – der Alhambra angemessen.

Auch wenn ich von Kultur keinerlei Ahnung habe, die Alhambra zu besuchen, hat sich – allein aus Sicht eines Hobby-Fotografen – wirklich gelohnt. Und eine Sache hat sich auch bewährt. Braucht man nur 2 Objektive, in meinem Fall das Sigma 10-20mm 1:4-5.6 EX DC HSM und das Canon EF 24-105mm f/4L IS USM, dann lohnt es sich nicht, den Fotorucksack mitzuschleppen. Da ist ein leichter Objektiv-Köcher, in dem das gerade nicht benutzte Objektiv aufbewahrt wird, die deutlich bessere Wahl. Vor allem wenn man bei dieser Hitze das Gepäck möglichst reduzieren sollte.

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