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Irland, 12. August 2012

Fischer und Zodiacs


Im Nordhafen von Clear Island machen wir eine kleine Pause. Hier bitten wir Nic um ein Erinnerungsfoto. Auch dafür ist er sich nicht zu schade. Nic freut sich, wenn auch seine Gäste sich freuen.

Die Atmosphäre auf der „Voyager” ist die ganze Fahrt über schon äußerst familiär. Alle sind glücklich. Für jeden einzelnen Gast hat Nic ein freundliches Wort. Bereitwillig beantwortet der erfahrene Skipper jede Frage. So erfahren wir zum Beispiel, dass leider immer wieder Delfine in Fischernetzen landen. Das größte Problem, sagt Nic, seien die Trawler, die etwa ½ Meile parallel nebeneinander fahren und zwischen sich ein Netzt aufgespannt haben, in dem sich dann alles verfängt, was sich zwischen den Booten befindet. Vor allem im November und Dezember sei es schlimm, wenn die Wale in der Hafengegend sind.

Auch vom Whale-Watching mit Zodiacs hält Nic nicht viel. Die Zodiacs seien viel zu schnell. Mit ihren Propellern schlitzten sie Wal- und Delfinleiber auf. Das Haupt-Problem seien aber jene Touristen, die meinten „jetzt komm ich, setz mich auf das Boot und dann wird ein Schalter umgelegt“ („It’s like to switch a light“, lautet Nic´s Kommentar) und dann guckten sie ein paar Minuten die Tiere an, machten einige Fotos und stiegen wieder aus und das war´s dann. Alles schnell, schnell.

Kurze Pause in Kockanacohig


In Kockanacohig auf Clear Island gehen wir für eine kurze Pause an Land. Mehr, als wir auf dem Meer gesehen haben, kann man eigentlich nicht sehen. Die Ausfahrt war ein voller Erfolg und Nic selbst ist ein Ereignis. An Bord sind alle glücklich und zufrieden. Nic hat es geschafft, auch die Kinder, für die langes Warten auf Delfine mitunter langweilig und nervig sein kann, zu begeistern. Allein schon die Tatsache, dass sie leuchtend rote Schwimmwesten anhaben dürfen, macht die Kleinen wichtig. Ich bin auch total happy. Wenn’s jetzt auf der Insel auch noch ein Guinness für heute Abend gibt, dann ist die Situation perfekt. Wir gehen an Land, Susanne bekommt ´ne Schokolade und ich geh in einen Pub und frag mal. Ergebnis: Zwei Guinness für heute Abend. Was will man mehr?

Unter Kegelrobben und Krähenscharben


Um im Hafen nicht den Anlegeplatz der Fähre „Baltimore – Cap Clear Island“ zu blockieren, heißt es jetzt aber „husch, husch“. Im Funk kommt schon die Ankündigung. Nic zählt durch, 12 Passagiere an Bord und dann geht´s auch schon los. Eine Minute länger hätt´s nicht dauern dürfen, denn gerade, als wir den Hafen verlassen, kommt auch schon die Fähre. Die Strecke zurück nach Baltimore beträgt etwa 12 bis 13 km. Das wird so lang, weil wir um Clear Island nördlich rum müssen und um Sherkin Island südlich . 20 Minuten später, zwischen Clear- und Sherkin Island, sehen wir auf der 2 km breiten Meerenge dann Inselchen, die so klein sind, dass sie gar keinen Namen haben, und deren Bewohner. Nic nennt sie Grey Seal, wir in Deutschland kennen sie als Kegelrobben.

Inzwischen schüttet´s auch wie ab, sodass es keinen Spaß macht, draußen im Freien zu stehen. Ich geh nur ab und an raus aus dem „Wheelhouse“ (der Kabine, in der sich das Steuer befindet), um in strömendstem Regen zu fotografieren. Wann sieht man schon mal freilebende Kegelrobben oder Krähenscharben. Ansonsten hocken wir jetzt alle drin bei Nic.

„Tiger“


„Kinder” und „kein Platz”, wenn das kein Genöle gibt. Nicht bei Nic! Nic beantwortet nicht nur jede Frage, Nic kann auch mit allen! Nacheinander holt er ein Mädchen oder einen Jungen ans Steuer. Die Kleinen sind mächtig stolz, wenn sie „ganz alleine das Boot durch den Sturm manövrieren“ dürfen. Nic lobt dann auch gleich: „Tiger, you make a good job!” Er nennt übrigens alle Kinder „Tiger”. Wenn sie zu klein sind, um durch die Frontscheibe sehen zu können, holt er seine Werkzeugkiste hervor und schiebt sie unters Steuerrad. Überhaupt, die ganze Fahrt ist sowas von familiär, wie ich es auf einem Whale-Waching-Boot noch nie erlebt hab. Nic ist wirklich sehr zu empfehlen.

Man bekommt unheimlich viel mit auf der Ausfahrt und man hat das Gefühlt, als ob man mit Nic einen wichtigen Teil seines Lebens verbracht hat. Man ist so eingebunden auf dem Schiff, wie in einer Familie. Das ist einfach super!

La Jolie Brise


Gegen halb sieben kommen wir wieder in Baltimore an. Es gießt an einem Stück. Obwohl es noch nicht mal 100 Meter sind bis zum La Jolie Brise, einer Pizzeria im Mc Donald´s Stil, sind wir patschenass, als wir dort ankommen. Es ist knackevoll, die Pizzen sind teuer und das Ambiente – na ja. Aber wir müssen unbedingt noch was essen und was trinken. Am besten hier! Auf dem Weg von Brahalish hierher haben wir nämlich nichts gesehen, außer in Skibbereen vielleicht, deshalb nehmen wir jetzt einfach mal die Pizzeria hier. Aber, ich hab schon bessere Pizzen gegessen, schlechtere allerdings auch.

Heimfahrt nach Brahalish


Als wir uns um 20:30 Uhr anschicken, nach Hause zu fahren, regnet´s noch immer. 250 m sind´s von der Pizzeria bis zu unserem Parkplatz vor der Fuchsia Lodge. Was das heißt, versteht sich von selbst. Wir sind nass bis auf die Haut. Unterwegs lässt der Regen keinen Deut nach. Die Fahrt wird für mich sehr, sehr anstrengend.

Zu Hause


Trotzdem kommen wir gegen 21:30 Uhr wohlbehalten in der Carbery Lodge an. „Ein Scheißwetter ist das!“ In strömendem Regen laden wir den Octavia aus. „Krieg ich deinen Schirm?“

Triefnass kommen wir an unserem Zimmer an. Die Vermieter sind ausgeflogen, doch was wir dann an unsere Tür sehen, macht einem warm ums Herz, zumindest mir. Ganz anders sieht es bei Susanne aus. „I frier! Guck mal raus! Keine Pferde, keine Schafe, nichts mehr. Meine Hosen sind patschenass, deine auch?“ Die Lunchpakete für morgen (wir starten ja um 5:30 Uhr schon wieder) sind also im Kühlschrank und Guinness noch dazu. Zum Glück in Dosen, denn ohne Öffner hätt´ ich die Flaschen, die ich heute Nachmittag in Kockanacohig gekauft hab, kaum aufbekommen.

Mit Mühe ziehe ich Susanne die Gummistiefel von den Füßen. „Ich glaub, ich geh in die Badewanne.“ „Bisch nass g´word´n?“ „Ich frier! Mensch frier ich! Ich bin so durchgefroren, ich erhol mich nimmer. Zum Glück sind wir auf dem Boot nicht klitschenass geworden, sonst hätten wir ja schon dort gefroren.“ „Dann geh halt unter d´ Dusche!“ „Ich hoff ja, dass das morgen wieder aufhört. Das hat sich so eingeregnet jetzt. Das isch jetzt echt d´s Schlimmste, was man sich vorstellen kann.“

Während Susanne unter der Dusche steht, lad ich für morgen die Akkus, guck meine Bilder an, stell den Wecker im Handy auf 5:00 Uhr und gieß für Susanne und mich ein erstes Glas Guinness ein. Alles in Allem war das ein super Tag, auf den wir dringend anstoßen müssen – trotz des Regens jetzt am Abend .


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WEIDEN, WALE UND DELFINE – 6 TAGE IN IRLAND
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