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3 Tage in Hamburg – Nach dem Musical


„König der Löwen“. Das Stück ist aus, Standing Ovations. Doch während die Zuschauer stehend applaudieren, sind Sänger und Schauspieler (Rafiki–Zodumo M. Ndlovu, Mufasa–Cornelius Hlophe, Sarabi–Naima, Zazu–Joachim Benoit, Scar –Willi Welp, junger Simba–Mustafa Mbaye, junge Nala–Daniela Nuamah, Shenzi–Toni Ann Topia, Banzai–Taofique Folarin, Ed–Sibongiseni Ndlovu, Timon–Gavin Turnbull, Pumbaa–Mabatha, Simba-Danny Yanga, Nala–Chantel Riley) wohl schon auf dem Nachhauseweg. Stück gespielt, Pflicht erfüllt, das war´s dann auch. Da hätte ich mir schon gewünscht, dass die Darsteller etwas mehr auf die Zuschauer eingehen.

König der Löwen bietet leider weniger als erwartet (Kritik)


Weiter hatte ich während des ganzen Stücks auf große Gefühle gehofft, aber die kamen nicht, vor allem dann nicht, wenn ich die furchtbar platten deutschen Dialoge hören musste oder beobachtete (wir saßen in der zweiten Reihe), wie Dirigent Holger Kolodziej mitunter Mühe hatte, das Stück „in der Spur“ zu halten.

Beim ganzen Musical ist alles so durchschaubar rational auf Erfolg hin ausgelegt, dass Gefühle gar nicht erst entstehen können: Klar sind das Bühnenbild klasse und die beeindruckenden Schauspieler/Puppen-Kombination sowie die Kostüme genial. Aber technische „Glanzleistungen“ allein (und das sind sie wirklich!) sind nicht in der Lage Emotionen zu transportieren. Da sind neben der Technik auch Darsteller, Regie und Text gefragt; und da hapert´s gewaltig.

Ich weiß nicht, ob man das den Schauspielern anlasten kann. Die geben wirklich ihr bestes; allen voran Scar-Willi Welp, Timon-Gavin Turnbull oder Zazu–Joachim Benoit. Doch sie sind echt zu bedauern, wenn sie, (zumindest in der Hamburger Fassung von heute) „grottige“ Texte von sich geben müssen. Was denken sich Texter und Regie eigentlich dabei, wenn sie erwachsenen Zuschauern einen Timon zumuten, der nach seinem Sturz in den Fluss, bei dem er fast ums Leben kommt und mit einem Fisch im Maul wieder auftaucht, sagen lassen, dass er nur Fischstäbchen mag oder Zazu, wenn dieser zur Aufmunterung Scars „Heidi, Heidi, deine Welt sind die Berge“ trällern muss? Das ist billigster Klamauk, unterstes Niveau und eines Musicals, das zu den besten gehören will, nicht würdig. Wenn zwischendurch, aufgrund der teilweise schon guten Schauspieler und Sänger mal was ´rüberkam, dann wurde es kurz danach durch unsägliche Plattheiten wieder niedergemacht.

Alles ist so kühl, so rational angelegt, dass ich noch nicht mal bei Rafikis „Nan ts ´ngonya ma bakithi Baba“ zum Anfang des „ewigen Kreis´“ Gänsehaut bekam. Auch nicht bei Elton Johns genialem „Kann es wirklich Liebe sein?“ Dafür sorgt ein weiteres Mal der deutsche Text. Man höre sich doch nur mal diesen Dialog zwischen Timon und Pumbaa an: „Mir ist klar, was abläuft.“ „Was?“ „Sie finden nichts dabei.“ „Wer?“ „Sie lieben sich. Für uns bedeutet das: Wir drei sind nur noch zwei.“ „Oh!

Auch der über Hamburg hinwegfegende, mit prasselndem Regen kombinierte Sturm, welcher das Hallendach fast zum Einsturz brachte, trug seinen Teil dazu bei, dass man das Musical fast ganz „aus den Ohren verlor“. Das konnte der Ton-Ingenieur, so denn einer da war, gar nicht dagegen-mischen. Bei einer Musical-Hall und den gepfefferten Eintrittspreisen erwarte ich das aber, oder einfach eine andere Schallisolierung.

Gut dagegen fand ich immer den Chor, beispielsweise bei „Grasslands Chant“, bei der „Jagd der Löwinnen (The Lioness Hunt)“ oder Rafikis „Halala humba heh heh heya heeyahee“ bei der „Rafikis Totenklage (Rafiki Mourns)“. Gut war auch „Ingonyama nengw‘ enamabala“ bei „They live in you“ oder „Fatshe leso lea halalela“ bei „Shadowland“. Da war jedes mal ´ne ordentliche Portion Gefühl mit dabei. Da war man wirklich in Afrika. Ansonsten kommt „African Feeling“ oder was auch immer als positives Argument zu hören ist, nicht so oft auf, zumindest nicht so ein „African Feeling“, wie ich es 2009 erleben durfte, als ich eine Woche mit Schlafsack und Zelt in der Serengeti verbrachte.

Weitere Kritikpunkte am Rande des Musicals


Eine weitere Sache, die oft als Höhepunkt beschrieben wird, und die ich kritisch anmerken möchte, ist die Lage der Musical Hall. Die Trennung zwischen realer und Musical-Welt durch die Elbe mag ja bei schönem Wetter und lauen Sommernächten ganz nett sein, nicht aber wenn sich nach dem Stück sämtliche 2030 Besucher der ausverkauften Vorstellung in strömendem Regen Richtung rutschiger, nur wenige Meter breiten Brücke zu den Shuttle-Booten drängen. Dass da noch nichts passiert ist (Panik o.ä.), grenzt fast schon an ein Wunder. Ich jedenfalls fühle mich stark an Duisburg erinnert und setze alles daran, möglichst schnell an den Rand zu kommen. Was die Besucherbetreuung nach der Veranstaltung betrifft, ist der Veranstalter (aus meiner Sicht) dringend gefordert.

Abseits des Gedränges bestaunen wir die links vor dem Eingang stehende Delfin-Skulptur von Niki De Saint Phalle. Niki De Saint Phalle hat Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts damit begonnen, quietschbunte Skulpturen mit auffallend runden Frauen zu gestalten. Die Figuren nannte sie Nanas, und hier an der Elbe steht eben auch so eine Figur. Nicht so mein Ding, aber da meine Frau Susanne die Delfinfrau schlechthin ist und wir momentan kaum was anderes machen können, schick ich mich an, ihre umfangreiche Sammlung von Delfin-Fotografien um eine weitere Aufnahme zu ergänzen.

Hamburger Taxis


Gegen 23:15 Uhr sind wir endlich über die Elbe drüber, und gegen Mitternacht kommen wir mit der S1 am Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel an. Es regnet noch immer in Strömen. Deshalb wollen wir bis zum Hotel ein Taxi nehmen. Aber genau das wird in Hamburg zum Problem. Da weigern sich Taxifahrer einfach, einen Fahrgast mitzunehmen, wenn eine Kurzstrecke offensichtlich nicht genügend abwirft. So etwas wie hier am Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt, und ich bin viel rumgekommen. Noch nicht mal in Manila, Mombasa, Bangkok oder sonst wo auf der Welt. „Die paar Meter können Sie doch zu Fuß gehen“, werden wir angeblafft. 2 km in strömendem Regen! Am liebsten möchte ich dem Typen eine „reinwürgen“, aber ich halt mich im Zaum. Während ich noch überlege, wie man dem Typen beikommen könnte, hat Susanne einen anderen Fahrer „am Wickel“ und in einer Weise „überredet“, die ich so bei meiner Frau bisher gar nicht kannte.

Tagesausklang


Um 0:45 Uhr schließlich sind wir nach einem langen und ereignisreichen Tag endlich wieder im Hotel. Gut, dass die Bar im IBIS rund um die Uhr geöffnet hat, so können wir bei einem leckeren Nach-Mitternachts-Weißbier den Tag in aller Ruhe ausklingen lassen. Über dem ereignisreichen Tag (Schöne Fahrt, Café Berlin in Fulda, Gasthaus Brauels in Thieshope, Parkfriedhof in Ohlsdorf, angenehmes Hotel, gutes – wenn auch nicht begeisterndes – Musical) ist jetzt wegen der wirklich unangenehmen Hamburger Taxifahrer einen kleine Wolke aufgezogen, die sich angesichts des leckeren, frisch gezapften Weißbiers im IBIS aber recht schnell wieder aufgelöst hat. Morgen (Morgen? ist doch schon in ein paar Stunden!) wollen wir dann ins Miniatur-Wunderland und nachmittags vielleicht ´ne Stadtrundfahrt machen. Am Sonntag früh dann zum Hamburger Fischmarkt, die ganze Strecke wieder nach Hause fahren und dann sind die 3 Tage ja auch schon wieder rum.


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3 TAGE IN HAMBURG
REISEBERICHTE AUS DEUTSCHLAND

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