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Gedanken zu Whistleblowing, Denunziantentum, Stalking und Fehlinformationen

Piff, Papp, Pinguin


Pinguin (Symbolbild)

In ihrem Artikel „Piff Paff Pinguin“ schreibt die Süddeutsche Zeitung, dass im Nürnberger Tiergarten ein Vogel an einer weggeworfenen Zigarettenkippe gestorben (scheinbar vor sieben Jahren!) und dass Zoochef Dr. Dag Encke Kettenraucher sei. Aus dieser Sachlage würden sich Tierschützer (gemeint ist das WDSF von dessen Geschäftsführer Jürgen Ortmüller) dann etwas zusammenreimen. Weiter ist im Artikel zu lesen, dass Ortmüller und Encke wohl keine Freunde mehr würden im Leben. Das sehe ich genauso. Dr. Encke ist seit 1. Januar 2005 Direktor des Tiergartens Nürnberg, doch wer ist dieser Ortmüller?

Jürgen Ortmüller


Jürgen Ortmüller ist ein 62-jähriger Steuerberater, der in Iserlohn wohnt und in Hagen seine Steuerkanzlei betreibt. Ich erwähne „62-jährig“ und „Steuerberater“ extra, weil man sonst vielleicht nicht auf die Idee kommen könnte, dass es sich bei Ortmüller tatsächlich um einen seriösen älteren Herrn handelt bzw. handeln könnte. Aber der Reihe nach…

Satzung des WDSF (Anspruch)


Im Jahre 2008 hat Ortmüller eine Ein-Personen-Gesellschaft gegründet, das Wal- und Delfinschutz-Forums WDSF, dem Wortlaut nach eine gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt).

Diese Gesellschaft soll laut §2 Abs. 1 des Gesellschaftsvertrags ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne der §§ 51 ff. AO verfolgen.

In §2 Abs. 2 ist zu lesen, dass der Zweck der Gesellschaft die Förderung gemeinnütziger Zwecke, insbesondere die Förderung des Schutzes und der Erhaltung der Wale und Delfine und anderer Meeressäugetiere sowie der Meeresumwelt sein soll.

In §2 Abs. 3 wird ergänzt, dass der Satzungszweck insbesondere dadurch verwirklicht werden soll, dass die Gesellschaft Forschungsvorhaben und wissenschaftliche Projekte, die dem Zweck der Gesellschaft dienen, durchführt und veröffentlicht.

Veröffentlichungen des WDSF (Wirklichkeit)


Veröffentlichungen vom WDSF bzw. von Jürgen Ortmüller gibt es viele, allerdings kaum solche, die Forschungsvorhaben oder wissenschaftliche Projekte beschreiben. Vielmehr findet man fortwährend denunzierende Schriften wie

oder

In der erstgenannten Pressemitteilung schreibt Ortmüller unter anderem, dass im Tiergarten Nürnberg ein Pinguin qualvoll an einer weggeworfenen Zigarettenkippe gestorben sei. Im Folgesatz weist er darauf hin, dass seine Tierschutzorganisation WDSF jetzt auch Fotos auf der WDSF-Homepage  (Anmerkung: Etwas runter scrollen) veröffentlicht habe, die den Tiergartendirektor des Nürnberger Tiergartens Dr. Dag Encke im Rauchverbotsbereich der Delfin-Lagune zeige. Aus diesem Grund fordere er den umgehenden Rücktritt Enckes. Zusammen mit der Rücktrittsforderung sei bei der Regierung von Mittelfranken Fachaufsichtsbeschwerde eingelegt worden.

Die Delfinlagune in Nürnberg – in Deutschland einzigartig

Aus welchem Grund schreibt ein 62 -jähriger Steuerberater, der sich nach eigenem Bekunden angeblich dem Tierschutz verpflichtet sieht, eine solche Pressemitteilung? Was bezweckt er damit? Hat es irgend etwas mit Förderung des Schutzes und der Erhaltung von Walen und Delfinen oder andere Meeressäugetiere zu tun oder doch eher mit einer beabsichtigten Vernichtung eines Zoodirektors?

Genau gleich ausgerichtet, nämlich den Tiergarten Nürnberg zu diskreditieren, ist die am 26. Mai 2016 veröffentlichte Pressemitteilung, welche ich als zweite genannt habe.

Darin bezieht sich Ortmüller auf den Bericht einer Rückrufaktion eines Elektrounternehmens, in dem zu lesen ist, dass es bei unsachgemäßem Umgang mit deren Steckdosen unter Umständen zu lebensgefährlichen Verletzungen führen könnte.

Der Blaue Salon – Publikumsmagnet in Nürnberg

Kein Mensch weiß, wo die Steckdosen des besagten Elektrounternehmens eingebaut sind. Ortmüller aber schreibt gleich an die Stadt Nürnberg, dass mehrere Steckdosen im Bereich des „Blauen Salons“ des Delfinarium nachweislich unter Strom stünden (Anmerkung: Ist das nicht Zweck einer Steckdose?) und insbesondere für Kinder eine Lebensgefährdung darstellten.

Wieder frage ich mich, warum schreibt ein 62 -jähriger Steuerberater, der vorgibt, dem Tierschutz verpflichtet zu sein, eine solche Pressemitteilung? Was bezweckt er damit? Hat eine solche Meldung irgend etwas mit Förderung des Schutzes und der Erhaltung von Walen und Delfinen oder andere Meeressäugetiere zu tun?

Ich könnte noch unzählige ähnliche Veröffentlichung anbringen, doch ich möchte meine Leser nicht langweilen. Aus meiner Sicht haben solche Veröffentlichungen nichts, aber auch gar nichts, mit Delfinschutz zu tun.

Ausgeprägtes Verlangen nach medialer Aufmerksamkeit


Zu seinen „Enthüllungen“ in der oben gezeigten Art gesellt sich bei Ortmüller aus meiner Sicht ein ausgeprägtes Verlangen nach medialer Aufmerksamkeit.

So verbreitete Ortmüller im August 2014 eine Pressemitteilung und einen YouTube Film. In beiden wird behauptet, Ortmüller habe 80 Grindwale gerettet.

Screenshot aus der Google-Suchmaschine

(Zitate: „Tierschützer retten 80 Grindwale und protestieren gegen Walmord auf den Färöer-Inseln“ bzw. „Die Tierschützer charterten einen Hubschrauber, um die Grindwalschule aus dem Fjord in Haraldssund zurück ins offene Meer zu geleiten, bevor eine Treibjagd und das Abschlachten der Grindwale durch Färinger Waljäger beginnen konnte.“ )

Die Aussagen sowohl in der Pressemitteilung als auch im YouTube-Film (Anmerkung: Bei etwa 1:20) sind nachweislich frei erfunden, was JueOrt (Anmerkung: Es ist davon auszugehen, dass JueOrt Ortmüller selbst ist) in einem bei WAZ-online eingestellten Kommentar selbst zugibt. Dort ist zu lesen: Fakt ist, dass wir die Absicht (!) hatten, mit dem tatsächlich gebuchten und dann durchgeführten Helikopterflug die gesichtete Grindwalschule zurück ins Meer zu geleiten…“

Der Unterschied zwischen Whistleblowing und Denunziantentum


Da ich selbst kein Psychologe bin, mich aber interessiert, was einen 62-jährigen Steuerberater wohl antreibt, sich in der Öffentlichkeit so zu gebaren, habe ich im Internet recherchiert und bin dabei auf einen interessanten Artikel von Dirk Maxeiner gestoßen:

Der Unterschied zwischen einem Denunzianten und einem Whistleblower

In diesem Beitrag wird u. a. auf einen Artikel von Susanne Baumstark verlinkt, in dem der wichtige Unterschied zwischen miesen Denunzianten und ehrbaren Whistleblowern erläutert wird. Leider führt der dort angegebene Link heute ins Leere, aber Baumstarks These wird bei Maxeiner ja zitiert (ich habe sie unten blau hervorgehoben) :

Die drei wesentlichen Elemente sind

  • Erstens: Der Whistleblower handelt nicht egoistisch motiviert, da er nicht nach persönlichem Vorteil oder medialer Aufmerksamkeit strebt.
  • Zweitens: Er enthüllt einen gravierenden Missstand auf Seiten von Machthabenden un
  • Drittens: Gibt es ein gewichtiges öffentliches Interesse an der Enthüllung?

In dem Maße, wie ein Enthüllungsakt von diesen drei Kriterien abweicht, verflüchtigt sich dessen Ehrbarkeit und verschiebt sich das Whistleblowing zum Denunziantentum. Und aus dem Helden wird eine selbstsüchtige Petze, ein querulatorischer Rechthaber oder eine sonstwie tragische Figur.

Interessant! Jetzt frage ich mich:

  • Ist Ortmüllers Handeln egoistisch motiviert? Ist in seinem Verhalten ein Streben nach persönlichem Vorteil und medialer Aufmerksamkeit erkennbar?
  • Enthüllen Ortmüllers Pressemitteilungen gravierende Missstände auf Seiten von Machthabenden?
  • Gibt es ein gewichtiges öffentliches Interesse an Ortmüllers Enthüllungen?

Ich will das alles gar nicht beurteilen. Baumstark aber spricht davon, dass, wenn ein Enthüllungsakt von diesen drei Kriterien abweiche, sich die Ehrbarkeit des Enthüllers, Skandalaufdeckers, Hinweisgebers ober oder wie auch immer man ihn nennen möchte, zum Denunziantentum hin verschiebe und sich seine Ehrbarkeit verflüchtige. Aus dem eigentlichen Helden würde durch dessen selbstsüchtige Petze ein querulatorischer Rechthaber oder eine irgendwie geartete tragische Figur.

Wie gesagt, ich bin kein Psychologe, und kann nach wie vor nicht beurteilen, was den 62-jährigen Steuerberater Jürgen Ortmüller antreibt. Mithilfe von Susanne Baumstarks Thesen haben sich mir heute aber – zumindest in Teilen – interessante, neue Denkansätze eröffnet.


WHALE WATCHING DELFINARIEN DELFINARIEN-HASSER
HAUPTGRUPPE BERICHTE

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