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Wem nützt eine Delfinpatenschaft?


Wie viele andere „Tierschutzorganisationen“ bietet auch das WDSF sogenannte „Delfin-Patenschaften“ an. Damit übernimmt man symbolisch (was auch immer „symbolisch“ heißen soll) eine Jahres-Patenschaft für einen der vier im Atlantik schwimmenden Delfine „Schlapp“, „Tattoo“, „Triangulo“ oder „Zack“.

Was hat der Delfin davon, wenn ich dem WDSF 50 € abdrücke?


Wenn ich es richtig verstehe, kann man die Delfine, wenn man tatsächlich mal nach Madeira fahren sollte, im Rahmen einer Whalewatching-Tour, für die man wie jeder andere Tourist zu bezahlen hat, möglicherweise sehen. Eine Garantie, tatsächlich seinen Paten-Delfin zu sehen, gibt es aber nicht. Das ist erfahrungsgemäß immer so. Delfine sind Wildtiere, und ob man bei einer Whalewatching-Tour überhaupt welche sieht oder nicht (und schon gar nicht einen bestimmten), ist reine Glücksache.

Das mit dem WDSF kooperierende Whalewatching-Unternehmen Lobosonda benutzt dazu auch einen schnellen Zodiak, was ich total ablehne. Was bringt es also den Delfinen, wenn sie von Touristen verfolgt werden? Meiner Ansicht nach gar nichts. Vielleicht soll die Patenschaft ja dazu dienen, wegen des „Vergehens“ (schließlich jagt man als Delfinfreund ja keine Tiere) sein Gewissen zu beruhigen.

Große Tümmler

Großer Tümmler

Was habe ich davon, wenn ich eine Delfinpatenschaft übernehme?


Nun, ich erhalte (hört, hört!) eine Urkunde auf Hochglanzpapier! Dort ist mein Name aufgedruckt und ein Foto des Delfins, für den ich die Patenschaft übernommen habe. Zusätzlich erhalte ich einen WDSF-Schreibstift (weniger wert als 1 €), einen Anti-Delfinarien Flyer, einen WDSF-Aufkleber, einen WDSF-Button sowie die WDSF-Pressemitteilungen, die ich über einen Google-Alert sowieso bekomme. Ich glaube, mir geht es also genau so wie den Delfinen im Atlantik. Von einer Delfin-Patenschaft habe ich effektiv auch nichts.

Mit Spenden unterstützt man „WDSF-Aktionen“


Mit Spenden unterstützt man aber „WDSF-Aktionen“. Sapperlot! Eine solche „Aktion“ war, wie in einer WDSF-Pressemitteilung zu lesen ist (die bekommt man als Pate automatisch), eine auf den Färöern angeblich getätigte Rettung von 80 Grindwalen per Helikopter.

Anmerkung: Die ursprüngliche Pressemitteilung wurde – von wem auch immer – gelöscht, aber das Internet vergisst ja nichts. Hier eine Kopie.

Anmerkung Juni 2016: Die Kopie wurde offenbar auch noch verändert. Deshalb der Originaltext jetzt hier. 

Endlich mal ein sinnvoller Einsatz für meine Spende, könnte man meinen. Pustekuchen! Denn das, was in der Pressemitteilung stand, war nachweislich gar nicht wahr. Es gab gar nie einen extra gecharterten Helikopter, wie uns das WDSF weismachen will. Eine Rettung von 80 Grindwalen durch das WDSF hat nie stattgefunden, wie das WDSF in einem späteren Kommentar auch einräumen musste. Es gab nur einen ganz regulären von den lokalen Walen wohl völlig unbeachteten Linienflug.  Also wieder nichts!

Wofür werden die Spenden dann eingesetzt?


Ah, vielleicht hier! „Erfolgreich konnten wir mit Unterstützung von WDSF-Helfern die Delfinarien im Heidepark Soltau (2008), im Allwetterzoo Münster (Anfang 2013) und im Schweizer Connyland (Ende 2013) schließen bzw. deren Schließung vorbereiten.“  Echt? Erstens möchte ich nicht, dass deutsche Delfinarien geschlossen werden und schon gar nicht solche in wissenschaftlich geführten Zoos. Weiter kann ich mir nicht vorstellen, dass, ich nehme als Beispiel Münster, dieses aufgrund der Aktivitäten des WDSF geschlossen wurde.

Klarstellung


Blick über das Delfinarium in Hardwijk

Schließlich sagte Jörg Adler, der Direktor des Zoos Münster, in einer Anhörung: In diesem Zusammenhang muss ich auch für Nichtinsider klarstellen, dass es keinesfalls der angebliche Druck seitens des WDSF und anderer Gruppierungen war, der zur Abgabe der Delfine in Münster geführt hat. Vielleicht war es die (durchaus verständliche) Wahrnehmung durch diese Personengruppen, dass öffentlicher Druck auf das Delphinarium Münster und/oder den Allwetterzoo ausgeübt wurde. Tatsächlich hat zu keinem Zeitpunkt ein solcher Druck der Öffentlichkeit bestanden. Selbst bei einem (damals gern genehmigten) Auftritt des WDSF vor dem Zooeingang war die Reaktion der wenigen Besucher, die sich überhaupt angesprochen fühlten, eher ambivalent. Und die Medien zeigten ebenfalls ein gebremstes Interesse an der Berichterstattung. Der Grund für den Transfer der Delfine aus Münster war vielmehr die länger geplante Neuausrichtung (Meerespark Konzept 2000 Plus) des damaligen Delphinariums (heute Robbenhaven) im Allwetterzoo im Zusammenhang mit einem absehbaren Besitzerwechsel.“

Ich habe keinerlei Zweifel an Adlers Ausführungen, und …

… Spenden zu sammeln, um wissenschaftlich geführte Delfinarien schließen zu wollen, das geht für mich schon gleich gar nicht.

Patenschaft „light“? Das Gesamtpaket für nur noch 40 €!


Delfine in der Blauen Lagune des Nürnberger Tiergartens

Viele Tierfreunde sehen das wohl ähnlich – oder warum bietet das WDSF plötzlich Delfinpatenschaften im Sonderangebot an? Spendet niemand mehr?

Ich kann die Zurückhaltung verstehen. Solange das WDSF als Einpersonen-Unternehmensgesellschaft die Verwendung seiner Spendengelder nicht offenlegen muss, würde ich mir wirklich sehr überlegen, dafür auch nur einen einzigen Euro zu geben.

Zur Frage, wem man spenden kann und wem eher nicht, findet man beispielsweise bei Stiftung Warentest einen interessanten Artikel. Die Stiftung hat in ihrer Ausgabe 12/2013 46 Organisationen im Bereich „Tierschutz“ und „Umwelt“ untersucht. Bei 6 davon (BUND, Greenpeace, Provieh, WWF, Atmosfair und Deutscher Tierschutzbund) flossen zumindest 2/3 der Einnahmen tatsächlich in die angegebenen Projekte. 21 Organisationen stufte man als „wenig transparent“ oder „unwirtschaftlich arbeitend“ ein, 19 „Tierschutzorganisationen“ gaben trotz Nachfragen keine Auskunft über ihre Strukturen und den Umgang mit Spendengeldern.

Intransparentes WDSF


Beim WDSF erfährt man, was die Verwendung der Spenden anbelangt, ebenfalls nichts. In seiner Selbstdarstellung schreibt das WDSF aber von sich „Das WDSF ist eine weltweit aktive gemeinnützige Organisation zum Schutz von Meeressäugetieren mit Vor-Ort-Protestaktionen und juristischen Interventionen gegen Delfinarien und Tierquälerei.“

Aha, „Vor-Ort-Protestaktionen“ und „juristische Interventionen“ also sind die „Markenzeichen“ des WDSF. Da passt gut dazu, was man beispielsweise über das WDSF bei Google findet. Sehr häufig liest man im Zusammenhang mit WDSF die Worte „Klage“, „Gericht“, „Anzeige“ (z. B.: Tierschützer verklagen Zoo DuisburgTierschützer klagen gegen Delfinarium Münster). Dabei würde ich bei einer Tierschutzorganisation, so sie denn eine ist, eher die Worte „Schutz“ oder „Hilfe“ finden wollen.

Man bekommt auch den Eindruck, das WDSF scheint sich vor Gericht richtig wohl zu fühlen. Wie anders sollte man sonst die Aussagen Die bisher erfolgreiche Klagewelle des WDSF rollt jetzt weiter“ oder Wir werden auch weiterhin sämtliche Rechtsgrundlagen ausschöpfen, um Rechtsvergehen (dazu gehören auch ehrverletzende Äußerungen) ahnden zu lassen. verstehen?

Meine abschließende Bitte


Bitte unterstützen Sie nur echte Tierschutzorganisationen und keine Einzelpersonen, die ihr Heil offensichtlich im Gerichtssaal sehen, zumal wie Herr Ortmüller vom WDSF selbst sagt, niemals Rechtsanwaltskosten entstanden sind. Zitat: „Sämtliche Rechts- und Gerichtsverfahren bezüglich Delfindompteuren …, Delfinarien … und verantwortlichen Personen mit offensichtlichen Falschaussagen…, wurden bisher in fast allen Punkten im Sinne des WDSF entschieden, ohne dass dem WDSF Rechtsanwaltskosten entstanden sind.“ Der Anwalt kostet also nichts! Wofür dann die Spenden?

Für 40 € (derzeitiges Sonderangebot des WDSF) kann man sehr viel Sinnvolles tun, ich sage nur SOS-KinderdörferÄrzte ohne Grenzen oder Brot für die Welt. (Lesen Sie dazu auch meinen Bericht Gemeinnützigkeit, die keinem nützt„.) Die 40 € dem WDSF zu überlassen, beispielsweise für eine Delfin-Patenschaft, halte ich persönlich für die denkbar schlechteste aller Ideen.


Nachtrag 18. Februar 2015: Auf die Frage einer Facebook-Userin, warum es heuer auf den Färöern von seiten des WDSF keine Vergrämeraktion geben soll, antwortet das WDSF: „… weil derzeit die Spendengelder für den Kauf neuer Vergrämergeräte fehlen und weil Taiji derzeit im Fokus der Vergrämeraktionen steht.“ Daher weht also der Wind. Es fehlt generell an Geld. Aber, wenn man (generell?) kein Geld für Vergrämergeräte hat, wie kann man dann Taiji in den Fokus einer Vergrämeraktionen stellen?

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