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Delfine – verbrannt und gelöscht

Gedanken und Fotos von Rüdiger Hengl


Manche unterschätzen die Reichweite des Internets, manche setzen das Internet aber auch ganz gezielt für ihre Zwecke ein. Sind unbewiesene Behauptungen (egal ob schlecht recherchiert oder bewusst falsch gestreut) nämlich erst einmal in die Welt gesetzt, halten sie sich meist recht hartnäckig. Welche Wirkung derartige „Mitteilungen“ erzielen, möchte ich am Beispiel des Internet-Auftritts des (leider) immer noch gemeinnützig anerkannten Wal- und Delfinschutz-Forums (WDSF) / Hagen darstellen, dessen „Mitteilungen“ mir besonders auffallen.

Hinweis: Möglicherweise funktioniert der eine oder andere der nachfolgend angegebenen Links nicht mehr, denn oftmals werden veröffentlichte Informationen vom WDSF sofort gelöscht, sobald von außen auf Unstimmigkeiten hingewiesen wird. Das nützt der Einmann-Organisation in der Regel aber gar nichts, denn alle im Internet jemals veröffentlichten Behauptungen wurden irgendwann und irgendwo gesehen und unter Umständen sogar von irgendjemandem downgeloaded. In Bezug auf zivilrechtliche Prozesse ist so ein Screenshot oder ein Download dann mitunter schon recht hilfreich.

Pechschwarz verbrannte Delfine bei „Wetten dass ..?“


Nachdem ein Junge in der diesjährigen März-Ausgabe von „Wetten dass ..?“ seine Wette bravourös gewonnen hatte, erhielt er als Geschenk „Schwimmen mit Delfinen in der Türkei“. Eine Chance für das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) / Hagen mal wieder werbewirksam in die Schlagzeilen vorzupreschen.

Irgendwann zwischen dem 25. und 27. März 2013 berichtet es auf seiner Homepage über „katastrophale Bedingungen“ in den engen Betonbecken in Alanya, Antalya, Belek, Kemer, Kusadasi und Istanbul sowie den viel zu kleinen Käfigen in Marmaris, Bodrum-Mumcular und Kas. Fungierte das ZDF womöglich als Unterstützer der „Tierquäler“? Um seine Behauptungen zu untermauern, ergänzt das WDSF, dass die Delfine in der Türkei aufgrund des fehlenden Sonnenschutzes regelrecht verbrennen und „pechschwarz“ seien.

Das war die Schlagzeile schlechthin, sodass sogar die Süddeutsche davon berichtete.

Mensch-Delfin-Kontakt in einem Delfinarium

Weil das WDSF nach eigenen Angaben „wissenschaftlich“ ist und „Wissenschaft“ beim Publikum auch immer gut ankommt, liefert das WDSF die Ursache für die „pechschwarz verbrannten Delfine“ auch gleich nach: Delfine in Gefangenschaft schwämmen nämlich überwiegend an der Wasseroberfläche, weil sie dort gefüttert würden.

Klar werden Delfinariums-Delfine gefüttert. Klar kommen sie dazu an die Oberfläche, aber ich frage mich, wie oft so ein Delfin am Tag des Fressens wegen an der Wasseroberfläche ist und ob er zum Atmen nicht noch viel öfter oben sein muss. Falls die WDSF-Schlussfolgerung stimmt, müsste man meiner Meinung nach den Delfinen folgerichtig auch das Atmen an der Oberfläche verbieten.

Aber sei’s drum. Wenn es darum geht, Aufmerksamkeit zu erhaschen, spielt Seriosität häufig eine untergeordnete Rolle. Hauptsache, die Schlagzeile ist mal draußen. Irgendwas wird schon hängen bleiben, auch dann, wenn die abstruse Behauptung niemals bewiesen werden kann.

Pechschwarz verbrannte Delfine bei „Germany’s next Topmodel“


Ein anderes Beispiel: Am Donnerstag, 4.4.2013 saßen wir alle vor dem Fernseher und wollten „Germany’s next Topmodel“ von Heidi Klum sehen. Jürgen Ortmüller, Steuerberater und nebenbei Geschäftsführer der Einmann-Organisation WDSF, hat nämlich tags zuvor auf seiner Facebook-Seite dazu aufgerufen, an den Sender ProSieben zu mailen und Protest zum Ausdruck zu bringen, da nach Angaben des Südkuriers dort gezeigt würde, wie die Mädchen aus „Germany’s next Topmodel“ in Dubai mit Delfinen schwämmen. „Eine Skandal“ und „Die Delfine verbrennen „reglerecht“ in der sengenden arabischen Hitze und werden pechschwarz“, schreibt Ortmüller offenbar derart erregt, dass ihm sogar die deutsche Rechtschreibung entgleitet.

Was Ortmüller in seinem Übereifer wohl falsch eingeschätzt hat: Die Sendung, in der die Mädchen mit den Delfinen schwammen, wurde bereits einige Wochen früher ausgestrahlt, und nicht, wie Ortmüller verbreitete, am 4.4.2013. Man konnte an diesem Abend also gar keine Delfine sehen, weder rote, grüne, gelbe oder blaue und schon gar keine „pechschwarze“.

Orcas

Anstatt diesen Irrtum einzugestehen, schreibt Ortmüller einen Tag später auf der Facebook-Seite des WDSF: „Erfolg für Tierschützer – ProSieben streicht Sendebeitrag. Offenbar hat ProSieben den im „Südkurier“ angekündigten Beitrag über das Schwimmen mit Delfinen von Heidi Klum’s Topmodels in Dubai gestrichen.“ (Hinweis: Dieser Beitrag ist inzwischen natürlich gelöscht, in meinem Archiv aber immer noch nachweisbar gespeichert.) 

Delfinschule

Pechschwarz verbrannte Delfine überall


Moment mal, „pechschwarze Delfine“? Galt dieser Text nicht erst kürzlich für die Delfinarien in der Türkei? Ortmüller sieht offenbar nur noch „pechschwarze Delfine“. Auch die Delfine in Hurghada seien „pechschwarz“, schreibt er.  Türkei, Vereinigte Arabische Emirate, Ägypten, überall nur noch „pechschwarze Delfine“ – aber nicht ein einziges Beweisfoto!

Das mit den „pechschwarzen“ Delfinen in Dubai ist natürlich völliger Quatsch und entsprechend reagierten auch die Zuschauer auf die offensichtlich schlecht recherchierte Meldung. Nachdem also in Leserkommentaren in verschiedenen Zeitungen darauf hingewiesen wurde, dass es in Dubai doch gar keine „pechschwarz“ verbrannten Delfine gäbe, antwortete Ortmüller in der Form, dass er auf Links zu Großwalen verweist, die tatsächlich Hautveränderungen zeigen.

Finnwale im Mittelmeer
Zur Beruhigung für alle Verunsicherten:
Die weiße Färbung am rechten Unterkiefer ist bei Finnwalen echt.
Es liegt also keine strahlen-initiierte Hautschädigung vor.
Das Bild zeigt auch keinen Finnwal mit Genickbruch!
In Wirklichkeit sind zwei Finnwale zu sehen.

Aber ging es in Dubai nicht um Delfine? Was will Ortmüller also mit den Links zu den Großwalen, wo doch jeder weiß, dass diese Tiere niemals in zoologischen Anlagen gehalten werden? Ablenken vom Thema?

Zu seiner (fast) Ehrenrettung muss ich fairerweise sagen, dass er auf seiner Website auch noch Bilder von einem Delfin zeigt, der sich vor der kroatischen Küste in einem Netz verfangen hatte. Der hat auch Hautverletzungen – aber ob das Sonnenbrand ist, wird von mir stark angezweifelt. Es könnte genauso gut eine Folge von Austrocknung sein. Das Wichtigste aber ist, der gezeigte Delfin ist ein freilebender Adria-Delfin und stammt von dort, also weder aus Dubai noch ist er „pechschwarz“. Ortmüller bleibt uns also nach wie vor den Nachweis seiner obstrusen Behauptung, die ihm eingangs die Tür in die Medien öffnete und ihm Aufmerksamkeit bescherte, schuldig.

Irgendwann später hat er dann sein Missgeschick offensichtlich bemerkt. Den Aufruf, an den Sender ProSieben zu mailen und seinen Protest zum Ausdruck zu bringen, kann ich heute auch nicht mehr auf seiner Facebook-Seite finden. Aber wie gesagt, alles was Ortmüller im Zusammenhang mit Delfinen verbreitet, wird von mir beobachtet und gegebenenfalls archiviert – auch dieser damalige Aufruf.

Pechschwarz verbrannte Delfine nirgendwo?


Mit seiner „Schwarz-Meldung“ konfrontiert, zeigt Ortmüller dann seine andere Seite. Da wird den unbequemen Kommentatoren dann schon mal ein bisschen gedroht, teils in anwaltlichen Schreiben, teils aber auch öffentlich in einem Leserforum (3. Beitrag von oben). 

Delfin-Mosaik

Ortmüllers Hyperbeln


Interessant ist bei Ortmüllers Aktivitäten und Internetauftritten vor allem dessen Wortwahl, wenn er auf sogenannte Hyperbeln zurückgreift, einem rhetorischen Stilmittel, bei dem weit über das Glaubwürdige hinaus übertrieben wird.

Die Liste der Ortmüllerschen Hyperbeln lässt sich nahezu beliebig erweitern.

Abändern, löschen und vertuschen


Nachdem also die Allgemeinheit mit übertriebenen und nicht beweisbaren „Fakten“ auf die „richtige Spur“ gebracht wurde, die Kritiker aber dennoch nicht nachgeben, geht’s zwangsläufig ans Abändern und Löschen der ehemals reißerischen Behauptungen. Man will ja schließlich keine Spuren hinterlassen und möglichst immer „gut dastehen“.

Klickt man nämlich heute auf den Link, welcher ursprünglich zu der am 4.4.2013 veröffentlichten Meldung führte, dann sieht die Seite plötzlich ganz anders aus. Jetzt sind die Delfine nicht mehr „pechschwarz verbrannt“, sondern jetzt besteht nur noch ein hohes Risiko dafür, dass für die Tiere unter der sengenden arabischen Sonne Hautkrebs vorprogrammiert sei. Wie „dumm“ sind dann doch alle, die vormals irgendwas von „pechschwarz verbrannt“ gelesen haben.

Selbst abgetaucht sieht man noch was

Ausblick


Lieber Geschäftsführer des WDSF, Sie können vielleicht unkritische und fanatische „Tierschützer“ blenden, aufmerksame Leser jedoch niemals. Diese werden daher nicht müde, Ihre „Veröffentlichungen“ zu hinterfragen, kritisch zu beleuchten und gegebenenfalls richtigzustellen. Für den „Fall der Fälle“ werden diese „Veröffentlichungen“ dann auch noch  archiviert.

Übrigens: Es soll Tierschützer geben, die sich wirklich fürsorglich um Enten kümmern, Tierschützer sollten aber ihre Aktivitäten niemals auf „Enten“ aufbauen.


WHALE WATCHING DELFINARIEN DELFINARIEN-HASSER
HAUPTGRUPPE BERICHTE

Eine Reaktion zu “Delfine – verbrannt und gelöscht”

  1. Norbert

    Gerade heute habe ich eine „schwarz verbranntes“ Delfinkuh zu Gesicht bekommen. Im Delfinarium des National Aquarium in Baltimore. Allerdings hat das zoogeborene Tier wenigstens die letzten Jahre nie Sonne abbekommen, da es sich um ein Indoor-Delfinarium handelt.
    Die Faerbung von Grossen Tuemmlern kann auch ohne Sonneneinwirkung zwischen Hellgrau und fast schwarz variieren.
    Bekommen sie dann noch Sonne ab, werden sie eben noch ein wenig dunkler.

    Ist bei Menschen nicht anders – nur dass es bei den karibischen Grossen Tuemmlern eben keine „weissen“ Delfine gibt, die so ohne Weiteres einen Sonnenbrand bekaemen.

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