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Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti

Die Zeit vor der Reise(2/3)
Noch mehr Vorbereitungen


Wer glaubt, Reisebuchung, ein paar Dinge kaufen und bei der Bank Geld abholen, das sei´s gewesen, der irrt sich gewaltig. Die Vorbereitungen zu meiner Traumreise sind noch lange nicht abgeschlossen. Im Gegenteil, sie gehen jetzt erst richtig los.

Impfungen – Noch 172 Tage


Ende Februar habe ich mich dann untersuchen lassen. Es scheint alles soweit in Ordnung zu sein. Beim Hausarzt werde ich dann gleich gegen Polio, Diphtherie und Tetanus geimpft. Das zahlt die Kasse. Wegen der anderen Impfungen muss ich noch zum Tropenarzt. Dort erhalte ich eine Impfung gegen Typhus. Die muss man selbst zahlen, kostet etwa 30 €. Gegen Gelbfieber und Hepatitis A bin ich geschützt. Der Impfschutz hält 10 Jahre und ich war ja 2002 schon dran. Was mit etwa 50 € noch mal so richtig ins Geld geht, ist die Malariaprophylaxe mit Lariam. Da in Tansania bei Trockenheit sporadisch auch Meningitis auftritt, empfiehlt mir der Tropenarzt weiterhin, einen Monat vor Abreise noch mal vorstellig zu werden und zu fragen, ob eventuell eine Impfung erforderlich ist. Das hört sich alles übertrieben, übervorsichtig und vor allem teuer an. Doch wer hier meint, sparen zu können, dem empfehle ich, gleich ganz zuhause zu bleiben. Ohne Beratung beim Tropenarzt und entsprechende Impfungen und Prophylaxen würde ich niemals nach Afrika reisen.

Großes Kino – Noch 150 Tage


Am 22. März zeigt der Bund Naturschutz in Bayern in einer Matinee im Programmkino Liliom in Augsburg den oskarprämierten Dokumentarfilm „Serengeti darf nicht sterben“. Wo ich meinen Sonntagvormittag verbringe, dürfte somit wohl jedem klar sein. Leider, wirklich leider, verlieren sich gerade mal 12 Personen in dem Kino. Schade eigentlich.

Ein Weg gegen Höhenangst – Noch 125 Tage


Inzwischen sind in Bayern Osterferien und es sind nur noch 125 Tage bis Tansania. Ein Problem aber habe ich immer noch – meine Höhenangst. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich 2002 in der Twin-Otter hing und unter Aufbietung aller meiner Kräfte mehr schlecht als recht ein Bild des Kilimanjaro geschossen habe. Gegen diese Höhenangst muss ich unbedingt was tun – und meine Frau hat eine Idee. Da wir zwischendurch immer mal ein „Fährtle“ machen, empfiehlt sie, wir könnten doch den Wald-Wipfel-Weg ausprobieren. Der Wald Wipfel Weg ist ein 370 Meter langer hölzerner Pfad (mit Geländer!), der sich von 36 hohen Masten gestützt in 25 bis 30 Metern Höhe durch die Baumwipfel windet. Da man den Weg ebenerdig betritt, ist man sich der Höhe zunächst gar nicht so richtig bewusst und man läuft schnurstracks drauflos los. Die Höhe empfindet man eigentlich nur, wenn man stehenbleibt. Dann schwankt die Konstruktion schon merklich. Da man aber schon die Mitte erreicht hat und immer noch nicht angestürzt ist, kann man nur noch stolz sein. Ich bin (trotz Höhenangst) nicht nur einmal sondern mehrfach drüber gelaufen. Eine ideale „Therapiebrücke“, die ich nur jedem empfehlen kann!

Die heiße Phase wird eingeläutet – Noch 100 Tage


Gerade rechtzeitig bevor die Wartezeit morgen zweistellig wird, habe ich bei Langnese Cremissimo ein spezielles Eis entdeckt, das geeignet scheint, damit meine ganz persönlichen „Afrika-Fitness-Tage “ zu starten, das Eis „Safari Afrika“. „Safari Afrika“ ist eine von drei Eissorten, die Langnese unter dem Slogan „Und wohin träumen Sie sich morgen?“ kürzlich auf den Markt gebracht hat. Also kaufe ich mir für 2,99 € einen Becher, um damit am Muttertag 2009 (aus gegebenem Anlass) „100 Tage bis zur Safari“ zu feiern. Voll Vorfreude stürze ich mich auf den Becher und – werde enttäuscht. Nicht dass das Eis nicht lecker schmeckt. In seiner cremigen Vanille-Schoko-Konsistenz mit den dazwischen gestreuten „Schoko-Löwenpfötchen“ erinnert es auch tatsächlich an Safari, aber eben an jenen Teil, wo wir uns 2002 mit unserem Allradfahrzeug nach einem kurzen Regen durch den gefürchteten, sogenannten „Black Cotton“ kämpfen mussten. „Black Cotton“ ist eine Lehmschicht, welche die Piste im Ngrongoro-Krater so extrem schmierig und glatt macht, dass es auch viele Safaris mit Allradautos nicht mehr schaffen. Wir mussten damals mehrfach aussteigen und schieben, entsprechend sah man aus. Wie eben auch nach dem gierigen Genuss des leckeren Langnese Cremissimo „Safari Afrika“.

Christi Himmelfahrt – In 89 Tagen geht’s los


Es vergeht kaum ein Tag, an dem meine Reise nach Afrika nicht im Mittelpunkt wäre. In Jambiani (das ist der Ort in Sansibar, wo ich die zweite Woche verbringen werde) habe ich vor, eine Schule zu besuchen. An die Schulbesuche 2002 beim WEMA-Center in Kenia und bei den Massai in Tansania habe ich noch immer bleibende Erinnerungen. Fasziniert hat mich damals, wie sich Schüler in Afrika engagieren, aus dem Elend derer, die weder schreiben noch lesen können, herauszukommen, um hernach auf eigenen Beinen stehen zu können. Wenn ich demgegenüber die Einstellung mancher deutschen Schüler sehe – grauslich. Ich fürchte fast, es geht uns in Deutschland einfach zu gut. In Jambiani ist also ein Schulbesuch geplant und da man als Gast nicht mit leeren Händen kommen sollte, habe ich auch ein paar deutsche Bücher für deren Bibliothek gekauft (natürlich in englischer Sprache!): „The Robber Hotzenplotz“, „Laura goes to School“ und „The Town Musicians of Bremen“. Beim Lesen merk ich erst, dass in zwei der drei Bände Räuber mitspielen. Hoffentlich bekommen die Kinder dadurch kein falsches Bild von Deutschland. Damit jedes Kind auch etwas eigenes von meinem Besuch hat, nehme ich noch 50 schmucke Kugelschreiber mit. Es ist Bedarf an so vielem, beispielsweise an T-Shirts, Fußbällen oder an Kuscheltieren, doch die 20 kg Freigepäck sind schneller erreicht als man glaubt. Die drei Bücher und die Kugelschreiber wiegen bereits 3 kg.

Spanische Appetithäppchen – Noch 67 Tage


Über das Gästebuch von Elefant Tours habe ich Werner W. kennengelernt. Werner hat vor vier Monaten neben der Gipfelbesteigung des Kilimanjaro, die ich mir dann doch nicht zutraue, auch noch dieselbe Tour gemacht, die ich jetzt plane. Über beide Touren hat er Filme erstellt. Diese kamen heute per Post – aus Spanien, Werners Wahlheimat. Natürlich habe ich sofort alles liegen lassen und die Silberscheiben in den Player eingelegt. Was dann passierte ist Wahnsinn! Bei den Bildern, bei der Musik konnte ich mich nicht mehr halten. Eindrucksvoller kann man auf diese Reise nicht eingestimmt werden. Wann immer ich Zeit habe, lege ich den Safari-Film in den Player und träume mich in eine Zukunft, welche von Tag zu Tag näher rückt und schon bald Realität sein wird. Daher von hier aus ein ganz herzliches „Muchas gracias“ nach Spanien!

Ninajifunzi Kiswahili – Ich lerne Kisuaheli. In 56 Tagen?


Nur noch 8 Wochen und ich bin in Ostafrika. Als Tourist. Da werde ich mit deutsch oder englisch nicht weit kommen. Die meisten Menschen in Ostafrika sprechen nämlich ausschließlich Kisuaheli. Diese Sprache entstand entlang der ganzen ostafrikanischen Küste als eine Mischung aus arabischen und afrikanischen Dialekten. Im Landesinnern verbreitete sich die Sprache erst mit der Kolonialzeit. Heute sprechen etwa 50 Millionen Menschen im ostafrikanischen Raum Kisuaheli. Es wird also langsam Zeit, dass ich mir auch ein paar Brocken Kisuaheli aneigne. Erst hatte ich ja Schiss davor, Kisuaheli zu lernen, aber wenn man bedenkt, was man (generell in einem fremden Land) mit ein paar Brocken Landessprache alles bewirken kann, dann ist es allemal einen Versuch wert. Selbst wer noch nie in Ostafrika war und glaubt, die Sprache niemals lernen zu können, kennt schon Kisuaheli-Worte. Nur die meisten ahnen es gar nicht. Schon mal was von daktari gehört? Richtig, daktari ist der Arzt. Und simba? simba ist der Löwe. Und safari? Nun, safari ist die Reise.

Das erste, das man dann im Land selbst hören wird, ist neben pole pole (langsam, langsam) die Redewendung hakuna matata (kein Problem oder wörtlich es-gibt-nicht Problem). Und schon sind wir mitten drin in der Sprache Ostafrikas. hakuna heißt nämlich es-gibt-nicht und weil die Vorsilbe ha- die Verneinung in der dritten Person (also für er, sie es) ist, ist kuna das Gegenteil davon. kuna heißt demzufolge es-gibt. Dieses kuna kann man gut in Fragen verwenden. So geht es bei der wichtigsten Frage Kuna bia? darum, ob es Bier gibt (wörtlich: es-gibt Bier?). Man kann die Frage auch noch präzisieren und fragen: Kuna bia hapa?, was heißt, ob es hier Bier gibt (wörtlich: es-gibt Bier hier?). Und wenn man seinen Kumpels mitteilen will, dass dem tatsächlich so ist, dann ist es genau der gleiche Satz, nur eben mit einem Ausrufezeichen dahinter. Kuna bia hapa!

Dann habe ich heute auch noch zählen gelernt von 1 bis 10 (und das ohne spicken): moja, mbili, tatu, nne, tano, (Mist, 6 habe ich vergessen), saba, nane, tisa und kumi. Diese Zahlen sind wichtig, falls ich mal mehr als nur ein Bier bestellen will. Nur Sixpack kann ich noch nicht bestellen, weil ich 6 vergessen hab‘. Verdammt, wie heißt sechs jetzt noch mal? Ach ja! sita.

Ein weiteres Highlight kommt hinzu. Endlich kann ich auch sagen, dass ich 54 und Lehrer bin. Mimi ni hamsini na nne und Mimi ni mwalimu (wörtlich: ich bin Lehrer). Dabei war das Wort Lehrer für mich besonders schwer zu merken. Bis meine Frau mir einen super Lern- Tipp gab. „Es gibt doch Lehrer, deren Unterricht wirkt wie Valium“, meinte sie. „Vali-um“ und zwei kleine Dreher und schon hat man „Vali-mu“, und weil ein Lehrer eine Person ist und Personen in Kisuaheli immer zur „m-Klasse“ gehören, wird einfach ein „m“ vorangesetzt. „m-vali-mu“. Ob „v“ oder „w“ hört man beim gesprochenen Wort kaum. Also heißt Lehrer mwalimu. Ist doch easy! Noch leichter geht ich bin Tourist über die Lippen. Mimi ni msafari.

Alles in allem bin ich mit der Ausbeute der allerersten Unterrichtseinheit mehr als zufrieden. Man muss nur ein Ziel haben und vor allem, man muss auch „Eselsbrücken“ finden, dann ist Kisuaheli gar nicht schwer. Wenn ich dann noch daran denke, wie die Einheimischen wohl reagieren werden, wenn ich sie in ihrer Landessprache anspreche, dann motiviert mich das noch viel mehr. Nachdem ich heute nahezu unbemerkt das Wort ni gelernt habe und dieses in Kusuaheli nicht konjugiert wird (bei ich bin, du bist, er/sie/es ist, wir sind, ihr seid, sie sind wird immer das gleiche Wort ni verwendet), werde ich mich morgen an das Wort haben wagen.

Ein T-Shirt, ein Umschlag und ein paar Blatt Papier – Noch 25 Tage


Heute kam endlich der Brief an von Elefant Tours an mit den ganzen Reiseunterlagen: Einem Voucher für Safari, Transfer & Accommondation und dazu ein paar sogenannte elektronische Tickets. Das sind nichts weiter als gewöhnliche DIN-A4-Ausdrucke wie sie jeder, der einen Drucker hat, auch selbst drucken könnte. Das Geheimnis dabei soll ein sogenannter Reservierungscode sein, der angeblich mich als mich ausweist. Ich sag also „Reservierungscode XYZ-bla-bla-bla“ und dann darf ich in den Flieger einsteigen. Ob das alles so klappt? Als ich zuletzt geflogen bin, gab’s nämlich noch richtige Tickets. Nun ja – dass ich der „Verrückte“ bin, der „Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti“ geht, sieht man aber auch an meinem T-Shirt, das mir meine Schüler am Schuljahresschluss gegeben haben und das auf der Rückseite (sollte ich mal bäuchlings am Boden liegen) mit den 10 wichtigsten „Überlebenssätzen“ in Kisuaheli bedruckt ist (u.a. mit Kuna mtu hapa anayefahamu Klingereza? / Spricht irgendjemand English? oder Tafadhali unilete bia / Bitte bringen Sie mir ein Bier. So ausgerüstet kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Ich freue mich schon mächtig.

Sansibar-Feeling – Noch 19 Tage


Während der ganzen Vorfreude auf die Safari, die Serengeti und den Ngorngoro-Krater habe ich fast vergessen, dass ich in der zweiten Woche ja noch auf Strandurlaub nach Sansibar gehe. Bis jetzt habe ich hiefür noch nichts vorbereitet, nichts trainiert. Das nehmen mir glücklicherweise meine Schüler ab. Nach dem alljährlichen Schuljahres-Abschlusskino, gehen Lehrer und Schüler üblicherweise noch irgendwo in einen Biergarten, einen Park, an einen See u.ä. Hier soll dann außerhalb des Unterrichts etwas abgehängt, gechillt und relaxt werden. Bevor hier jetzt das Geschrei losgeht, ich bin in der Erwachsenenbildung. Nach dem Kino führen einige Schüler mich und ein paar andere Lehrer ins Zentrum Augsburgs und dort in ein Parkhaus. Mit dem Aufzug geht’s nach oben in den fünften Stock und von dort aus zu Fuß noch höher. Was dort zu sehen ist, ist dann auch das Höchste. Auf dem Sonnendeck Augsburg, direkt über den Dächern der Fuggerstadt, im Angesicht des Doms, fühlt man sich an die Strände Sansibars (oder auch der Karibik) versetzt. Hier gibt es alles: Sonne, Sand, Partyfeeling, und einfach eine Menge gute Laune. Es ist alles da. Und das Meer kann man sich erträumen. Ein wirklich gelungener Schuljahres-Abschied und eine wirklich gelungene Sansibar-Vorbereitung.


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