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Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti

Die Zeit vor der Reise(1/3)

Was mich dazu bewog, als 54jähriger „Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti“ zu reisen, wie ich mich fast ein Jahr lang darauf freue, wie ich mich vorbereitet und was ich dann tatsächlich in Tansania und Sansibar erlebt habe, das könnt ihr hier auf diesen Seiten lesen. Ich hoffe, ich kann euch etwas an der Faszination Afrika teilhaben lassen und das Lesen und Bilder-Ansehen macht ein klein wenig Spaß.

Geweckte Träume


Wenn das Licht erlischt und Wolfgang Zellers schwülstige Streichermusik das „fliegende Zebra“ über die Steppe trägt, wenn ausgefranzte Lettern mit dem Schriftzug „Serengeti darf nicht sterben“ die Leinwand füllen und Bernhard Grzimek mit seiner leicht näselnden Lehrerstimme zu sprechen beginnt, dann kann man sich weder als kleiner Junge noch als Erwachsener der „Faszination Afrika“ entziehen. Wie oft habe ich davon geträumt, die Tiere im berühmtesten Wildreservat der Welt einmal live sehen zu können. Für ein Arbeiterkind ein unerfüllbarer Traum.

So habe ich mich seinerzeit in heimischen Wäldern und an heimischen Gewässern als „Naturforscher“ versucht. Neben Maikäfern und Teichmolchen, welche ich in einem Einmachglas hielt, hatte ich auch Kontakt zu selteneren Tieren wie Feuersalamander, Ringelnatter oder Flusskrebs. Ich kann mich noch sehr gut an den Tag erinnern, an dem ich nach einer verregneten Nacht morgens an der Bahnlinie im Tannwald bei Welzheim „in die Pilze“ ging. Mein Großvater hatte mir erzählt, dass man am ehesten Pilze finden kann, wenn Sonnenstrahlen den von der Nacht feuchten Boden erwärmen. So bin ich los. Doch bald entdeckte ich zwischen den Buchenblättern, die ich mit meinen Füßen wegschob, ein gelbschwarzes Tier, das meine Aufmerksamkeit viel, viel mehr fesselte als die ollen Pilze: „Lurchi“, wie der vom Schuhhaus. Den musste ich unbedingt haben und so griff ich ihn mir. Doch „Lurchi“ war von meinem Interesse nicht sonderlich angetan und hat meinen Zugriff mit einem furchtbar brennenden Sekret in meiner Hand belohnt.

Als 14jährige haben wir – in Ermangelung von echten Bibern – Biberratten gefangen (in dieser Zeit lief im Fernsehen der Weihnachtsvierteiler „Die Lederstrumpf-Erzählungen“ mit Hellmut Lange). Ich kann die Bissverletzungen nicht mehr zählen. Einmal hat mich in einem Zirkus gar ein Affe gebissen. Er hatte mit einem Becher Geld gesammelt und ich dachte, den kannste ein bisschen „foppen“. Ich habe ihm den Becher weggenommen, er lies es auch geschehen, doch kurz darauf hat er mit beiden Pfoten meinen Unterschenkel umklammert und genüsslich seine Zähne drin vergraben. Die Wunde ist ewig nicht geheilt. Ich glaube, es dauerte über ein halbes Jahr. Nichtsdestotrotz liebe ich Tiere, und Wildtiere ganz besonders.

Später, ich war schon in der Lehre, musste ich mich erstmals ernsthaft mit einem Fotoapparat auseinandersetzen. Belichtungsreihen, Blende, Gradationen. Und das alles dann in der Dunkelkammer selbst entwickeln. Ein neues Terrain tat sich auf. Ich musste die Tiere gar nicht mehr fangen und einsperren, wenn ich sie beobachten wollte, ich konnte sie ganz einfach auch nur ablichten. Ihnen passierte nichts und ich kann sie auch Jahre später noch, und in bester Vergrößerung betrachten, ohne dass sie mich mit Sekreten besprühen oder gar beißen. Für die ersten Aufnahmen musste seinerzeit unser Kater herhalten. Der wollte aber nicht so, wie ich das wollte. Mit unserem Hund, den wir später anschafften, gelang das schon viel besser.

Meine erste Safari


2002, mit 48 Jahren, konnte ich mir endlich meinen Traum erfüllen. Erst wollte ich ja mit Rotel-Tours mitfahren, einem LKW, in dem man in 60 x 70 x 190 cm³-Kabinen neben-, über- und untereinander schnarcht. Das Unterfangen wurde glücklicherweise abgesagt, weil nicht genügend „Verrückte“ zusammenkamen. So musste ich Ende 2001 – die Impfungen hatte ich alle schon – sehr, sehr kurzfristig umbuchen. Der ASC bot sich an. Doch da bin ich vom Regen in die Traufe gekommen. Okay, das Hotelzimmer war größer als der „Sargtransporter“, doch die Ghetto-Situation im Hotel war unerträglich. „Echte“ Afrikaner bekam man nicht zu Gesicht. Auch musste im Hotel für jeden „Dreck“ extra gelöhnt werden, sei es für einen Gourmet-Pass, um besseres Essen zu bekommen oder für die Klimaanlage oder … Fazit: ASC, nie wieder!

Die Safari dagegen (von einem tansanischen Anbieter durchgeführt) war bombastisch. Dennoch – das Drumherum war für meine Verhältnisse so schwülstig, dass ich echt Probleme damit hatte, in einem Land, in dem 57,8% der Bevölkerung von weniger als 1 US-$ pro Tag lebt und das durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Einkommen bei etwa 350 US-$ liegt, für eine einzige Übernachtung ein komplettes tansanisches Jahresgehalt zahlen zu müssen. Ein Lehrer etwa verdient in Tansania monatlich um die 100 US-$. Demgegenüber kostet eine einzige Übernachtung in einer der Luxusherbergen das Drei- und Noch-mehr-fache. Mit 2 € Trinkgeld, die ich in einer deutschen Pension geben würde, braucht man dort gleich gar nicht zu kommen. 2 €, davon muss der „gewöhnliche Tansanier“ 2 Tage leben. Der Tourismus, und Menschen, die bereit sind, alles zu zahlen, (eine einstündige Ballonfahrt über die Serengeti beispielsweise schlägt mit 385 € zu Buche) haben die Regeln auf den Kopf gestellt. Wer wird denn da noch eine Ausbildung anstreben oder gar studieren, wenn man als „Kofferträger“ ungleich mehr verdienen kann? Eigentlich möchte ich diese Entwicklung nicht unterstützen, andererseits möchte ich sehr gerne die Wildtiere der Serengeti sehen.

Sieben Jahre ist es nun her und meine Sehnsucht ist inzwischen schon wieder so stark, dass ich mich trotz mancher Bedenken doch noch mal entschlossen habe, in die Serengeti zu reisen. Der hundertste Geburtstag von Bernhard Grzimek und der fünfzigste Todestag seines Sohnes Michael zählen doch als Argument, oder nicht? Den dekadenten Luxus, der mir 2002 übergestülpt wurde (ich war damals zum ersten Mal in Afrika), den muss ich heuer aber nicht mehr haben. Übernachtungen in einer einfachen Pension, von mir aus in einem Zelt, wenn’s denn sein muss, das wäre genau das, was ich mir vorstelle.

Das Angebot


Lange habe ich im Internet nachgeforscht, bis ich schließlich bei Elefant Tours, Freiburg, fündig wurde. Eine Woche Safari mit Übernachtungen in einfachen Zelten (natürlich auf ausgewiesenen Campsites) und anschließend zum Relaxen eine Woche in ein kleines Hotel nach Sansibar. Das hört sich doch richtig gut an.

Der Countdown läuft – Noch 301 Tage


Am Dienstag, 21. Oktober 2008 habe ich dann gebucht. Noch 301 Tage oder, damit die Zahlen nicht gar so groß sind, noch 43 Wochen. Am 18. August 2009 wird kurz nach der Tagesschau um 20:15 die DE 2264 von Frankfurt aus Richtung Kilimanjaro-Airport starten und ich werde mit an Bord sein. 9 Stunden später schon, nach kurzem Briefing und Gepäck-Verstauen, geht’s dann mit maximal 5 Kollegen Richtung Tarangire Nationalpark. So jedenfalls steht’s im Angebot.

Kaufrausch


Obwohl noch jede Menge Zeit ist bis dahin, kaufe ich mir bereits zwei Tage später, also am Donnerstag, beim Harms IC-Verlag für rund 20 € die Karten „Ngorongoro – Touristikkarte mit Erläuterungen in 3 Sprachen“ und „Zanzibar – The Spice Island“. Man muss ja wissen, wo’s hingeht. Die Woche ist noch nicht zuende, als ich mir am Sonntag bei ebay 10 Vorhängeschlösser für meine Reisetasche und einen extrem leichten Mumienschlafsack bis Minus 5°C bestelle. Am Kraterrand des Ngorongoro, der 2400 Meter hoch liegt und an dem wir auch übernachten werden, soll’s nachts nämlich recht windig und kühl werden, habe ich gelesen. Das Virus hat mich jetzt voll erwischt und ich frage mich, wie meine Familie und meine Kollegen das mit mir aushalten. Weitere zwei Tage später (immerhin ist es schon eine Woche her, seit ich gebucht habe) kaufe ich mir bei einem Sportgeschäft in Augsburg-Haunstetten eine Fleece-Weste. Die soll mich wärmen, wenn wir dann am Ngorongoro vor uns hinbibbern. Eigentlich hätt’s die Weste so früh ja noch gar nicht gebraucht, aber die war im Angebot. So günstig komm ich nie mehr zu einer. Am Donnerstag schließlich haben mir dann die „Mädels von der Post“ dann die Päckchen mit den Vorhängeschlössern und dem Mumienschafsack in die Garage gelegt.

Nach einer Woche Adrenalinschub wurde ich dann ein kleines bisschen ruhiger. Doch schon beginnt der nächste Stress. Ich will doch auch fotografieren. Wie soll ich das bloß mit den Li-Ionen-Akkus machen? Nach 9-11 sind die IATA-Vorschriften dermaßen verschärft, dass Li-Ionen-Akkus im Gepäck grundsätzlich verboten sind. Maximal zwei dürfen im Handgepäck mitgeführt werden, schrieb mir CONDOR, wobei streng darauf zu achten sei, dass die Akkus, um Kurzschlüsse zu vermeiden, individuell isoliert sein müssen. Das wird wohl nichts. Ich habe zwei digitale Spiegelreflexkameras und eine Pocketkamera, wie soll das bloß gehen? Voll Panik schreibe ich Elefant Tours an, was ich denn machen solle. Doch von dort gibt’s professionell Entwarnung. „Es gibt immer irgendwo die Möglichkeit die Akkus zu laden. Am besten besorgen Sie sich ein Ladegerät, das man auch am Zigarettenanzünder nutzen kann, falls auf den Campsites mal kein Strom ist.“ Genau das mach‘ ich. Über Internet bestelle ich mir ein Ladegerät, das man sowohl am Zigarettenanzünder als auch am Netz betreiben kann. Im Web erfahre ich dann noch, dass es auf den Campsites „ladungstechnisch“ manchmal sehr chaotisch zugehen soll. In den wenigen Abendstunden, an denen es Strom gibt, sollen manchmal „hundert“ Ladegeräte verzweigt über etliche Verteilersteckdosen an einer einzigen Steckdose im Haupthaus hängen. Da seine Akkus wieder zu finden ist sicher nicht einfach, also Akkus und Ladegeräte unbedingt beschriften!

Nachdem ich mir im Verlauf des Novembers noch Adapterstecker, Badeshorts, Schwimmschuhe, Trekkingklamotten und Taschenlampe gekauft habe, gab’s zu Weihnachten noch einen digitalen Kompass mit Temperatur- und Zeitanzeige sowie integrierter Weckfunktion. Auch meine Familie hat sich inzwischen mit meinem Reisefieber angesteckt. Zu Weihnachten erstellte mir mein Sohn mithilfe meiner früheren Afrikaaufnahmen einen Teaser und meine Frau schenkte mir das Buch „Ein Platz für wilde Tiere“ sowie ein Federmäppchen in Form eines grinsenden Löwen.

Silvester 2008/2009


Inzwischen ist es Silvester und es sind nur noch 229 Tage bis zur Abreise. Ich habe nichts mehr weiter erstanden, d.h. das stimmt nicht ganz. Weil es doch in ganz Deutschland keine blauen Safari-Hemden gibt, und ich in khaki-farbenen Hemden aussehe (sorry) wie „gekotzt“, habe ich mir via Internet in Wisconsin/USA ein blaugraues Safari-Hemd gekauft und auch gleich die Patches aufgenäht, die ich vom letzten Urlaub noch rumliegen hatte. Es ist wirklich schlimm: Wenn dich der Virus mal gepackt hat, sind Nebenwirkungen einfach nicht auszuschließen.

Dollars, Euro oder doch lieber Mastercard?


209 Tage sind’s noch bis Afrika, aber ich habe keinen Plan, wie ich das mit dem Geld machen soll. Wenn ich mich recht informiert habe, sind Banken bzw. Hotels, in denen man mit Kreditkarte an Bares kommt, so gut wie nicht vorhanden, und wenn, dann langen diese mit 10 bis 20 % Zuschlag ordentlich hin. Also heißt es, Bares direkt von zuhause mitzunehmen. Am ehesten US-$, aber keine von vor 2002. Die werden nämlich nicht akzeptiert. In Deutschland bekommt man US-$ in jeder Bank. Nur wie viel davon soll man mitnehmen? In anderen Urlauben war das immer recht einfach, da konnte man bei Bedarf unterwegs „nachladen“. Was aber macht man in Tansania? Auf der Safari-Tour (Frühstück, Mittag- und Abendessen ist inklusive) werde ich wohl kaum viel brauchen, außer den paar Euro für Trinkgelder, zusätzliche Eintritte (z.B. in ein Massai-Dorf) und vielleicht mal ein Bier (wobei ich mir im Moment nicht vorstellen kann, wo ich das unterwegs – zumal in der Serengeti oder im Ngorongoro-Krater auftreiben soll. Einzige Möglichkeit: Wir steuern eine Lodge an).

In Jambinani, dem Ort auf Sansibar, wo ich in der zweiten Woche im Hotel Blue Oyster wohne, soll es auch keine Bank geben (ich frag mich nur, wie kommen die Einheimischen an Bares?) Kreditkarten werden nicht oder nur mit gehörigen Zuschlag akzeptiert. Weiter weiß ich auch nicht, ob (wenn schon Kreditkarte) American Express, Visa oder Mastercard der Vorzug gegeben wird. Ich stell mir g’rad‘ vor, wie es ist, Mitte der zweiten Woche plötzlich „ohne eine müde Mark“ dazustehen. Was dann? Da hast du dann nicht mal mehr Geld, um zur Deutschen Botschaft zu kommen. Dem muss vorgebeugt werden. Ich denke, es ist das Beste, genügend US-$ mitzunehmen. Nur was ist genügend, und was ist zuviel?

Wenn ich’s mal überschlage, kann ich mir kaum vorstellen, pro Tag mehr als 100 € auszugeben (zumal Safari mit drei Mahlzeiten täglich und Hotel mit Halbpension bereits im Reisepreis inbegriffen sind). Was noch anstehen könnte, sind allenfalls Kosten für Ausflüge vor Ort (Delfin-Safari, Gewürz-Tour, Stone-Town-Tour usw.) oder Ausgaben für Souvenirs. Aber 100 Euro pro Tag, das muss auch dann reichen. Deshalb habe ich heute beschlossen, rund 1000 € in US-$ umzutauschen. Warum so früh? Nun, wenn Obama erst mal richtig drin ist im Geschäft, wird der Dollar gegenüber dem Euro sicher an Wert gewinnen, schätz ich zumindest mal. So kann ich leicht „ein paar Mark“ sparen. Für 1047,16 € erhalte ich am 9. Januar 2009 1410 US-$, d.h. dass 1 US-$ etwa dem Gegenwert von 74 Euro-Cent entspricht. Bin gespannt, ob sich der Kurs bis August noch ändert.


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