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… und hinterher nach Sansibar

Montag, 31.8.2009 (2/2)

Rückflug


Im Flugzeug geht alles total relaxed zu und nach zwei Wochen Abenteuer traue ich mich auch, die Stewardess zu fragen, ob ich irgendwann vor ins Cockpit darf, um zu fotografieren (mehr als „nein“ sagen kann sie ja nicht). Sie sagt aber nicht „ja“ und sie sagt auch nicht „nein“, sie sagt nur, dass sie das nicht selbst entscheiden dürfe und nach dem Boarding den Kapitän frage. Sie käme auf mich zu und ich soll derweil auf meinen Platz gehen. Schade – dann wird das wohl nichts. Solche Aussagen kennt man ja zur Genüge. Aber einen Versuch wert war´s allemal. Ich setz´mich auf meinem Platz und blättere in einem Bord-Magazin. Ob wir beim Rückflug den Kilimanjaro sehen?

Ich hab das Cockpit schon lange abgeschrieben, als die Stewardess doch tatsächlich zu mir kommt. Das Boarding und die Checks seien beendet und ich könne jetzt kurz vorkommen. So überrumpelt vergess ich dann fast noch meine Kamera. Ich lern’s nie! Wieder mal war ich zu vorschnell und hab dann falsch geurteilt! Da muss ich noch dringend an mir arbeiten.

Im Cockpit


Vorne werd´ ich freundlich begrüßt. Ich bin überrascht, wie jung der Co-Pilot ist, kaum älter als meine Schüler. Und weil er – ebenso wie diese – auffällig auf einen „Spickzettel“ auf´m „Lenkrad“ blickt, kann ich’s natürlich nicht lassen, ihn dumm anzumachen, wie’s eben so meine Art ist: „Meinen Sie, sie finden Frankfurt?“ „Glaub´ schon, wir haben Navi!“ Mit einer dermaßen Retourkutsche hätte ich nicht gerechnet. Hengl, da hätt’sch dei Gosch au halta kenna! Ich mach mein Bild, bedank mich artig, die zwei Piloten widmen sich wieder ihrem Job und ich schlender happy zurück zu meinem Sitz.

Take-Off


Draußen gleitet der Tower von Sansibar vorbei als im Lautsprecher die Stimme des Kapitäns ertönt: „Good morning Ladies and Gentlemen. Welcome onboard of CONDOR DE 7625 to Frankfurt. Our flighttime today will be 8 hours and 30 minutes.“ (Anmerkung: Ich schalt’ jetzt mal wieder auf Deutsch um, das lässt sich einfach viel leichter schreiben und für euch dann auch sicher viel leichter lesen.) „Bitte schließen Sie ihre Sicherheitsgurte und stellen sie die Rückenlehnen senkrecht. Wir bitten Sie, aus Sicherheitsgründen, auch während des gesamten Flugs angeschnallt zu bleiben. Ich heiße … und wünsche Ihnen, zusammen mit der gesamten Besatzung, einen angenehmen Aufenthalt an Bord …“. Ich hör gar nicht mehr hin. Solche Ansagen, auf die man eh nicht hört, kennt man ja zur Genüge.

Ich bin schon wieder am Rechnen. Wenn es jetzt jetzt 9 Uhr 30 ist und wir 8½ Stunden fliegen, müsste es, wenn wir in Frankfurt landen, in Afrika 18:00 Uhr sein. Eine Stunde Zeitverschiebung, d. h. 17:00 Uhr „touchdown“. Es sei denn, ich hab’ mich wieder verrechnet. Mit dem Sonnenaufgang beim Herflug war’s ja schließlich auch nichts.

9:33 Uhr, die Maschine beschleunigt, der Puls steigt und drei Minuten später sind wir bereits 5800 Meter hoch und 780 km/h schnell. Unter uns im Dunst die Küste des afrikanischen Festlandes. Ein Traum von einem Urlaub geht zu Ende. Das Highlight meines Lebens. Ich habe mehr erlebt als man sich je erträumen kann. Wie oft habe ich das in den letzten 14 Tagen jetzt schon gesagt? Es ist aber auch der Wahnsinn! Jeder einzelne Tag ein Highlight. Ich glaube, es gibt nichts mehr, was das toppen könnte. Zufrieden lehne ich mich zurück und lass mich durch die Wolken treiben.

Kilimanjaro


40 Minuten später, es ist jetzt 10:13 meldet sich der Kapitän (oder ist’s doch der Co-Pilot?) erneut: „Meine Damen und Herren, eine kurze Information zu unserem Flug-Ablauf: Wir haben Sansibar Richtung Norden verlassen und sind zum Reiseflug auf 32.000 Fuß gestiegen, das entspricht etwa 10.800 m. Momentan haben wir Kurs auf Nairobi genommen. Links neben uns können Sie in wenigen Minuten wunderschön den Gipfel des Kilimanjaro sehen…“ Neben mir sitzt jetzt ein Typ aus der Nähe von Kirchheim/Teck. Er ist mit seiner ganzen Familie hier im Flugzeug. Letzte Woche, so sagt er, sei er mit seinem Kumpel auf dem Kilimanjaro gewesen und habe dort, einem Versprechen gemäß, die Fahne des Sportvereins Hochdorf gehisst (und natürlich auch wieder mitgenommen). Er ist (nach der Ansage aus dem Cockpit) schon ganz fickrig. Und ich nicht minder.

Jetzt machen sich auch die 15 € bezahlt, die ich hab extra für ´nen Fensterplatz hab hinlegen müssen. Der Blick auf den Kili ist grandios! Viel besser als letzte Woche beim Flug von Arusha nach Sansibar. Nur ansatzweise kann ich erahnen, welches Gefühl mein Nebensitzer haben muss und meine Freunde Elisabeth und Gerhard, die vor 10 Tagen auf dem Gipfel standen.

„Nachdem wir Kenia überflogen haben, geht es über den Sudan und Äthiopien hinweg in Richtung Libyen. Haben wir Libyen durchquert, fliegen wir zwischen Malta und Kreta hindurch über das Mittelmeer und anschließend an der Ostküste Italiens entlang in Richtung Alpen. Nachdem wir Innsbruck und München überquert haben, geht es weiter über Würzburg nach Frankfurt. Die genaue Ankunftszeit werde ich Ihnen dann noch mitteilen. Genießen sie den Flug …“ Was glaubt der, was ich momentan tue? Ich hab nie geglaubt, dass ich jemals meine Flugangst bewältigen könnte. Und jetzt ist sie weg. Ein Zeichen von vielen, die belegen, wie diese Reise mein Leben radikal verändert hat.

Mount Longonot


Zwanzig Minuten nach dem Kilimanjaro (das entspricht etwa 250 km) sieht man linkerhand einen Vulkan. Ich schätze, dass es der Mount Longonot ist, denn etwas weiter nördlich gibt’s einen kreisrunden See, der für mich der Lake Naivasha sein muss. Tatsächlich hab ich natürlich keine Ahnung, aber solange mir keiner das Gegenteil beweist, ist es so, wie ich mir das vorstelle. Die Stadt, die sich in nördlicher Richtung anschließt, ist nämlich Nakuru und das ist hunderprozentig! Schließlich gilt auch in Afrika der eherne Grundsatz: „Ein Lehrer hat immer recht!“ (*grins*)

Bordkino


Nachdem der Vulkan echt ein Hingucker war, wird das Gelände zunehmend uninteressanter. Unter uns nur noch ein einziger riesengroßer Sandkasten. Stell dir mal vor, wir müssten hier notlanden. Ich glaube, es würde Tage dauern, bis Rettungstrupps hierher kämen. Wahrscheinlich würden wir, wenn wir die „Landung“ überlebten, in der Sandwüste schlicht und einfach verdursten. Damit die Fluggäste gar nicht erst auf solche Gedanken kommen, läuft zur Ablenkung Marley und ich im Bordkino – da stirbt am Schluss wenigstens bloß der Hund. Na super!

Apropos verdursten: Vorhin haben uns die Stewardessen Campari-Orange ausgeteilt. Weiß nicht, was bitterer war, das Getränk oder die Damen. Die waren vielleicht zickig. Wahrscheinlich sind sie heute früh erst in Afrika angekommen und dann ohne zu pennen wieder auf den Rückweg geschickt worden. Anders kann ich mir deren Verhalten nicht erklären. Ob das normal ist bei CONDOR?

Nochmals 1½ Stunden weiter, wir sind inzwischen fast 4 Stunden geflogen, und haben den zweiten Film, Das Lächeln der Sterne, über uns ergehen lassen, sind wir noch immer über der Wüste. Dass Afrika so groß ist, hätte ich nie vermutet. Zwei Kinofilme groß! Unglaublich! Bei 8½ Stunden Gesamt-Flugzeit hätte ich jetzt allmählich das Mittelmeer erwartet. Doch bis dorthin zieht sich´s offensichtlich noch ein bisschen.

Kufra Oasen


Wenigstens bietet der Sandkasten jetzt mal wieder was Interessantes. Sieht aus, als ob es der Landeplatz von Außerirdischen sei. Keine Ahnung, was es wirklich ist, jedenfalls wird es fotografiert und zuhause wird dann nachgesehen.

Nachtrag: Ich bin tatsächlich fündig geworden. Die Sechsecke links unten im Bild sind Bewässerungssysteme aus der Anfangszeit der sogenannten Kufra Oasen (Libyen, 24°10′ 53″ Nord, 23°16′ 50″ Ost) und die runden Teile sind Sprinkleranlagen neueren Datums. Ob das Projekts allerdings fortgesetzt wird, ist mehr als fraglich. Das Wasser, das teilweise auch zur Ölförderung benutzt wird, soll nämlich viel zu schnell versalzen.

Mittelmeer


Die Kufra-Oasen liegen jetzt auch schon wieder fast ne Stunde hinter uns. Als wir das Mittelmeer erreichen ist es 15:06 Uhr deutscher Zeit. Wie um alles in der Welt sollen wir in zwei Stunden in Frankfurt sein? Ich kann´s mir echt nicht vorstellen. Vielleicht habe ich mich aber auch wieder mal verrechnet. Das mit der Zeitumrechnung und der Sommerzeit will und will nicht in meinen Kopf. Hab ich jetzt meine Uhr schon umgestellt oder ist das noch die Afrika-Zeit? Egal, die Heimat naht. Im Bordkino läuft derweil der dritte Film, Deine, meine und unsere. Die Filme interessieren mich allesamt überhaupt nicht. Mich interessiert nur, wann wir in Frankfurt ankommen. Ich kann´s kaum noch erwarten.

Während sich der Flug in Afrika hinzog wie Kaugummi, geht’s jetzt ratz-fatz. Es ist noch keine 15 Minuten her, dass wir an der libyschen Küste das Mittelmeer erreichten, schon kommen die ersten Inseln. Die lange könnte Kreta sein, aber so weit im Osten sind wir doch gar nicht. Keine Ahnung also, wo wir sind. Eine grobe Orientierung erhalte ich erst wieder, als der Pilot meldet, dass wir über Bari seien und jetzt die Ostküste Italiens entlang Richtung Venedig fliegen. Die Wolken (vermutlich gestaut durch die Alpen) werden nun immer dichter. Ein kleines Häppchen noch und schon sind wir nicht nur vor, sondern direkt in den Alpen.

Zurück in Deutschland


Halb fünf. Unter uns die Zugspitze mit dem Eibsee. Hinten rechts sieht man den Plansee. Natürlich muss das fotografiert werden, auch wenn du dich verkünsteln kannst, wie du willst, wenn die Sonne ungünstig steht, bekommst du einfach die Schattierungen im Flugzeugfenster nicht raus. Und dunstig ist es auch noch.

Aber wann siehst Du die Zugspitze mal so nahe von oben? Etwas mehr als eine halbe Stunde noch, dann landen wir. Alles ist so wohlvertraut. Selbst am Atomkraftwerk Gundremmingen kann man seine Freude haben, wenn es dazu dient, „Zuhause“ anzuzeigen. Noch schnell die A3 überflogen und schon sind wir da.

Gelandet


In der Gepäckausgabe treff ich Elisabeth, Gerhard, Jacqueline, Dogan, Uschi und ihren Mann wieder, dessen Namen ich leider vergessen habe. Der übliche Urlauber-Abschied „Wir melden uns!“ und dann geht jeder seines Wegs. Mein Ziel ist der Fernbahnhof und der ICE nach Augsburg. Die Gepäckausgabe ging so flott, dass ich vielleicht noch einen Zug eher nehmen kann als den ursprünglich gebuchten. Mann, dann seh ich ja vielleicht Susanne und Simon noch, bevor sie ins Bett gehen. Ich hab zwar nur noch 42 Minuten Zeit, doch der Rindswurst und dem Warsteiner, welche an einem Kiosk angeboten werden, kann ich einfach nicht widersteh´n. Das muss jetzt einfach sein!

An einer Fernsprechsäule nutze ich die Gelegenheit, meine Frau Susanne anzurufen. Toll, ihre Stimme zu hören. Ehrensache, dass Susanne und Simon mich vom Bahnhof Augsburg abholen wollen, dann brauch ich dort nicht eine Stunde auf den Anschlusszug nach Mering warten. Ich freu mich wie Schneekönig! Vier Stunden noch, dann bin ich zuhause. Ich hab die fantastischste Reise hinter mir, die ich jemals unternommen habe. Wie lange wird dieses Glücksgefühl wohl anhalten?

Während ich so vor mich hin siniere, starten neue Flugzeuge mit neuen Passagieren zu neuen Zielen, zu neuen Erlebnissen, irgendwo in der Welt. Viele werden ähnliche Abenteuer erleben, viele werden aber auch ganz andere Urlaube machen. Für mich jedoch war dieser Urlaub das Allergrößte! Danke Susanne, danke Simon, danke Elefant-Tours.

Zwei Jahre später


Die Reise liegt nun exakt zwei Jahre zurück. Ich träume noch immer davon. Mit Elisabeth, Gerhard und Jacqueline habe ich noch sporadisch Kontakt. Das Wichtigste aber: Wann immer das Leben sich anschickt, mir Stress bereiten zu wollen, dann gibt mir diese Reise Kraft, denn „Wer jemals in der Serengeti in einem Zelt übernachtet hat und wer jemals ‚Serengeti darf nicht sterben‘ vor Ort gelesen hat, den kann nichts und niemand mehr aus der Ruhe bringen“.

Fast drei Jahre später


Heute, am 27.5.2012, ist es genau 1000 Tage her, dass ich von Afrika zurückgekommen bin. Das Erlebte ist immer noch genau so in mir, wie in jenen Tagen vor Ort. Die Reise hat mich wirklich nachhaltig verändert. Ich bin so froh, dass ich sie gemacht habe.


< Fahrt zum Kisauni Airport
MIT SCHLAFSACK UND ZELT IN DER SERENGETI … UND HINTERHER NACH SANSIBAR
REISEBERICHTE AUS AFRIKA


Eine Reaktion zu “… und hinterher nach Sansibar”

  1. Gerhard

    Hallo Rüdiger,

    leider ist Dein Serengeti/Safari-Bericht nun zu Ende. Elisabeth und haben immer gespannt auf die Fortsetzung gewartet – nicht nur weil wir Dich auf Sansibar kennenlernten. Die Fotos sind toll, Deine Pflanzen-und Tierberichte großartig. Du schreibst ehrlich und hast Dich nie verbiegen lassen. Wenn Dich etwas geärgert hat, wie z. B. die für uns andere Mentalität der Menschen dort oder die Touristen, hast Du es genauso beschrieben, wie das Liebenswerte der Menschen dort. Wir denken gerne an die schöne Zeit im Hotel „Blue Oyster“
    zurück.
    Elisabeth und Gerhard

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