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… und hinterher nach Sansibar

Stone-Town – Teil 3/3


Inzwischen kommt zu meiner üblen Laune auch noch, dass ich fast am Verdursten bin. Die Tasse Tee auf der Spicefarm und der Schluck Ginger-Cola, den mich Elisabeth hat kosten lassen, ist für einen Tag in Äquatornähe eindeutig zu wenig. Wenn es jetzt nicht zu einer „Meuterei“ kommen soll, müssen wir augenblicklich ein Restaurant ansteuern. Ich glaube, Gerhard, Elisbeth und Uli geht es ähnlich. Unseren zwei „Bummelbasen“ dagegen scheint Trinken nicht so wichtig zu sein, Hauptsache Shoppen.

Africa House


Unser Guide empfiehlt uns zum Sunset das Africa-House, zu dem er ohnehin wollte. Die Geschichte des Africa Houses führt 150 Jahre zurück in die Vergangenheit. Sein ursprüngliches Besitzer war ein wohlhabender Sklavenhändler aus dem Oman, der es kurz vor seinem Tod dem Sultan von Sansibar übereignete. 1888 entstand hier der erste „English Club of East Africa“. Dazu gehörte eine Bar, ein Restaurant, eine Bücherei, ein Billiard Room und Gästezimmer. Nach umfassender und sorgfältiger Restaurierung zählt das Africa-House heute zu den angesehendsten 4-Sterne-Hotels.


4 Sterne hin, 4 Sterne her, das ist uns in dem Fall schnuppe. Was zählt, ist die Sunset Bar, auf der Terrasse im ersten Stock. Dort lassen wir – Blick auf den Indischen Ozean – unser müden Glieder in die weichen Sessel fallen, und ordern uns, um überhaupt wieder auf die Beine zu kommen, erst mal ein leckeres Bier. Doch bei einem kann es an diesem Spätnachmittag nicht bleiben.

Das hat schon was, das kühle Bier in der Hand, dekadent in den Kissen lümmelnd, das atemberaubende Panorama des Indischen Ozeans vor uns. Wenn dann noch zwischen sechs und Viertel sieben abends Segel-Dhows über die Wellen gleiten, fehlt nur noch der Sonnenuntergang, der sich heute leider nicht ganz so glutrot zeigt.


Spaziergang durch Stone Town


In der Abendstimmung nähert sich die Führung in Stone Town ihrem Ende. Okay, man hätte mehr draus machen können, wäre die Führung straffer organisiert, die Reihenfolge Spice-Farm / Stone Town getauscht und die Zusammensetzung der Gruppe einheitlicher gewesen. Aber auch so bin ich wieder eine Erfahrung reicher. Zusammenfassend kann ich für mich allerdings sagen: Wenn man Stone Town nicht gesehen hat, ist man nicht wesentlich ärmer. Die Gassen Stone Towns sind eng und die Fassaden schmuddelig. Eines Weltkulturerbes ist das nicht gerade würdig. Die Häuser wirken recht runtergekommen und die Stadt wirkt irgendwie wie ausgestorben. Wer hier rumläuft, sind bestimmt keine Einheimischen. Als wir durch den Torbogen mit dem darüberliegenden Balkon durch sind, sehen wir direkt vor uns ein weißes Gebäudes mit einem hohen Turm, rechts neben uns ein altes Gemäuer und links einen kleinen Park mit einem Pavillon.

Forethani Park


Der Park ist der Forethani Park, der aber erst richtig interessant, wenn sich dort nach Sonnenuntergang Touristen und Einheimische an den Fressbuden treffen, wo es gar vorzügliche sansibarische Gerichte geben soll. Noch sieht man davon allerdings gar nichts und wir haben auch gar keine Zeit mehr. Zum Hotel in Jambiani ist es noch über eine Stunde Fahrt.


Das alte Fort


Gegenüber des Parks liegt das alte Fort, das um 1700 herum vom Großvater der späteren Sultans Seyyid Said gebaut wurde, an einer Stelle, an der ein Jahrhundert zuvor noch eine portugiesische Kirche stand. Im 19. Jahrhundert wurde das Fort umgewandelt in ein Gefängnis und Anfang des 20. Jahrhunderts war hier die Bahnstation der Bububu Eisenbahn. Heute dient das Fort als Kulturzentrum, wo man lernen kann, wie man trommelt oder mit Henna eine Art Tatoos malen kann. Im Sommer sollen hier auch Musik- und Theatervorstellungen stattfinden. Von all dem sehen wir aber auch nichts, weil uns die Zeit einfach weggelaufen ist.


House of Wonders


Da letzte, was wir von Stone Town zu sehen bekommen, ist das von Sultan Barghash errichtete weiße Gebäude mit dem hohen Turm, das Beit el Ajaib, das Haus der Wunder. Man nennt es so, nicht nur weil es das erste Gebäude in Sansibar war, das über elektrisches Licht und einen Aufzug verfügte, sondern auch, weil es pompös groß ist und mit allerlei Kunstwerken ausgestattet ist.

Während wir vor der angeblich ältsten Tür Sansibars stehen, senkt sich die Nacht über uns herein. Der Tag war so vollgestopft mit Eindrücken, dass man das eigentlich gar nicht verarbeiten kann.

Hätte ich aber noch mal die Wahl, würde ich Spice-Tour und Stone-Town an zwei verschiedenen Tagen machen und mir bei beiden Touren meine Reisebegleiter vorher genauestes ansehen. Am optimalsten wäre aber, Stone Town auf eigene Faust und ganz alleine anzugehen. Ich denke kaum, dass man als Mann tagsüber Probleme haben dürfte.

Auf der Fahrt zum Hotel muss ich mich dann ein letztes mal über die zwei alleinreisenden Frauen ärgern. Haben Sie in Stone Town noch getrödelt, dass man die Krise kriegen konnte, machen sie auf der Heimfahrt den Fahrer an, ob er nicht vernünftig (d.h. nach ihrem Verständnis schnell) fahren könne, schließlich wolle man noch zum Hotel. Ich bin so froh, dass mit Elisabeth, Gerhard und Uli auch noch „Normale“ dabei waren, sonst wäre ich heute wohl ausgerastet.

Zurück im Blue Oyster


Klar, dass ich den Abend mit meinen neuen Freunden Elisabeth und Gerhard verbringe. Beim leckeren Abendessen im Blue Oyster ist der Unmut des Tages auch sehr schnell wieder vergessen. Wir sitzen noch lange und ratschen, als plötzlich etwas Unglaubliches passiert. Da sitze ich nun Tausende von Kilometern weg von zu Hause in einem Hotel in Sansibar, hab Deutschland und meinen Job als Lehrer nahezu vergessen und plötzlich sitzen am Nebentisch zwei Burschen mit exakt demselben T-Shirt, das auch ich heute Abend trage. Das wäre an sich nichts besonderes, wäre da T-Shirt nicht das recht seltene T-Shirt unserer Schule! Ich weiß nicht, wer mehr geschockt ist, der Lehrer, der nicht mal hier Ruhe hat vor seinen Schülern oder die Schüler, denen es wahrscheinlich ebenso geht? Nach kurzen Hallo gehen wir deshalb schleunigst jeder wieder unsere eigenen Wege.


< Stonetown (Sansibars Altstadt) Jambiani >
MIT SCHLAFSACK UND ZELT IN DER SERENGETI … UND HINTERHER NACH SANSIBAR
REISEBERICHTE AUS AFRIKA


Eine Reaktion zu “… und hinterher nach Sansibar”

  1. Gerhard

    Hallo Rüdiger,

    Dein Ärger über die dauershoppenden Kulturbanausinnen ist verständlich und ich weiß, dass Du Dich bei Deinen Kommentaren noch sehr zurückgehalten hast. Auch Elisabeth und ich haben uns geärgert. Besucht man in Afrika ein Weltkulturerbe und sieht nicht einmal richtig die Altstadt !!

    Was die Trödelei des Fahrers auf der Heimfahrt betrifft, konnte ich die Damen allerdings verstehen. Die langsame Fahrweise auf dem nächtlichen Sansibar war doch auffallend und es konnte einem unheimlich werden.

    Viele Grüße

    Gerhard

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