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Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti

Dienstag, 25.8.2009 (1/4)
Der letzte Morgen – Jambo Campsite in Mto wa Mbu


Die Safari war einfach nur herrlich. Ich kann’s immer noch nicht glauben, dass ich das alles tatsächlich erlebt hab. Mir geht so viel im Kopf herum und ich komme nicht zum Schlafen. Immer wieder hol ich mir meinen Epson hervor und schau die Bilder an. Wenn nur die Hälfte oder ein Drittel davon was geworden ist, dann hat sich die Reise mehr als gelohnt. Ja, ich weiß, eine Reise ist mehr als nur eine Ansammlung von Fotos, aber schließlich willst du das Erlebte ja auch mit irgendjemandem teilen und da sind Fotos eigentlich schon ein probates Mittel für. Ich bin total happy!

Gern hätte ich Susanne dabei gehabt auf dieser Safari, doch all die Impfungen sind nicht so ihr Ding. So gibt’s für sie Afrika nur aus zweiter Hand, mit meinen Bildern und meinen Tagebucheinträgen. Beim Schreiben denk ich schon sehr an sie. Schade, dass man die Eindrücke nicht online übermitteln kann. Ob sie meine Mail von gestern Abend schon hat? Mist, jetzt hat mich doch tatsächlich so ein Drecksvieh in den Spann gestochen. Zu Hause hätt’ ich daraus ein Drama gemacht, hier aber – mach ich ein Foto. Man wird einfach viel gelassener in Afrika. „Hakuna matata“ eben.

Es ist etwa halb sieben am Morgen. Im Camp schläft noch alles. Ich dagegen liege schon seit Stunden wach. So viel geht mir im Kopf herum. Ich hab das wirklich alles erlebt. Als ob ich’s nicht glauben kann, schaue ich immer wieder meine Bilder an. Ach was, ich steh‘ jetzt einfach auf. An der Warmwasseraufbereitungsanlage vorbei geh ich ins Dusch-Häuschen, mach mich fein und pack meine sieben Sachen zusammen. Heute Nachmittag geht’s ja weiter nach Sansibar, wo ich noch eine Woche Strandurlaub rangehängt hab. Eigentlich bräuchte ich das gar nicht mehr, es ist jetzt schon so viel Neues in mir. Mehr kann doch gar nicht mehr kommen.

Die Streuner


Inzwischen ist es hell geworden, aber im Camp ist immer noch alles „tote Hose“. Ich für meinen Teil will vorm Frühstück noch mal rüber ins Twiga Camp, gucken, ob ich noch ne zweite Mail absetzen kann. Ich hatte Susanne ja versprochen, dass ich ihr, falls ich dazu Gelegenheit habe, den Satz „Der Safari-Fotograf grüßt die Meeresakrobaten“ in Kisuaheli ins Gästebuch stempeln werde. Den Satz habe ich mir von einem Afrikaner, den ich lange vor dem Urlaub irgendwo an der Uni Augsburg traf, auf Kisuaheli übersetzen lassen und auf einem Zettelchen die ganze Zeit mit mir rumgetragen.

Das Tor zum Camp ist noch verschlossen. Ich schieb den Riegel beiseite und geh raus. Draußen ist gar nichts los. Lediglich ein paar Hunde streunen rum, das war’s dann aber auch schon. Die Einheimischen pennen wahrscheinlich alle noch, und das morgens um 7:30 Uhr! Leider ist auch das Internetcafé im Twiga Camp noch zu. Ist also nichts mit Mailen.

Ein bisschen enttäuscht gehe ich wieder zurück ins Camp. Dort ist genauso „tote Hose“.

Nur ein einzelner Arbeiter fischt mit einem Käscher Zweige und Blätter aus dem Pool. Da er kein Englisch spricht und mein Kisuaheli für eine richtige Konversation auch vorne und hinten nicht ausreicht, bleibt’s bei einem freundlichen Lächeln beiderseits und das war’s dann. Mann ist das jetzt ätzend, Du bist in Afrika, es ist hell, Du willst was tun und nichts geht. Drin ist’s nichts, draußen ist’s nichts. Nochmal pennen mag ich nicht, hab ja immerhin schon alles in meiner Tasche verstaut. So geh ich eben wieder raus auf die Straße und pendel zwischen Jambo- und Twiga-Camp hin und her. Irgendwann muss das verflixte Internet-Café doch aufmachen.

Der Kiffer


Auf den mächtig hohen Bäumen, welche die Durchgangsstraße säumen, sitzen riesige Marabus. Ich bin grad dabei, sie mit meinem 28-135 mm so gut es eben geht her zu zoomen, als mich eine schwer verständliche Stimme anlallt:
„Have you made a picture of this Marabus?“ Die Stimme gehört zu einem dunkelhäutigen Dread-Head. Als er näher kommt, steigt unvermittelt Gänsehaut an meinem Rücken hoch. Das eingefallene Gesicht, die entzündeten Augen, der irre Blick, genauso stell ich mir einen Bekifften vor. Ich hab noch nie einen Bekifften gesehen und auch keinerlei Erfahrung mit ihnen, aber mein Körper mahnt instinktiv zur Vorsicht. Ferngesteuert antworte ich: „Yeah! Of course. Great birds.” „You took a picture of my marabus! You must pay. You must pay 10 $! It’s not allowed to take a photo of my marabus! Give me 10 $!” Mit diesen Worten versucht er auf mich zu zukommen. Da er sich kaum auf den Beinen halten kann, denk ich, dass er mir nicht unmittelbar gefährlich werden kann. Trotzdem – wohl ist mir nicht in meiner Haut. Ohne mein Zutun beschleunigt mein Schritt in Richtung Twiga-Camp. Doch das Internet-Café hat immer noch zu. Mit dem Bekifften allein auf der Straße möchte ich aber auch nicht sein. In großem Bogen, teils auf der anderen Straßenseite, geh ich ein zweites Mal an diesem Morgen zurück ins Jambo-Camp. Zweiter Versuch, den versprochenen Gästebucheintrag zu schreiben, also auch fehlgeschlagen.

Der Kingfisher


Im Camp ist immer noch alles beim Alten. Keine Menschenseele da, außer dem Pool-Putzer eben. Das ist vielleicht fad! Das Einzige, was man so allein am Morgen machen kann, ist Rumfotografieren. Und das lohnt sich, auch wenn ich heute morgen nur das kleine Objektiv drauf hab. Noch niemals im Leben habe ich einen Eisvogel gesehen. Hier in Tansania heißt er wohl Brown-hooded Kingfisher (Halcyon albiventris). Ich glaube, ich habe ein Männchen erwischt. So hat – wie immer – alles im Leben etwas Gutes. Vielleicht musste ich wirklich draußen zuerst den Rasta-Man treffen, um hier im Camp meinen allerersten Eisvogel überhaupt fotografieren zu können. Um was es sich allerdings bei der Frucht handelt, konnte ich in Afrika nicht herausbekommen. (Anmerkung: Erst ein Jahr später in Deutschland, habe ich den Namen der Frucht erfahren).

Alles Banane


8:30 Uhr. Langsam müsste doch Mto wa Mbu mal erwachen. Ich starte einen weiteren Versuch, ins Internet-Café zu kommen. Gegenüber des Jambo-Camps macht gerade ein Obststand auf. Der sieht super toll aus und ich denk mir, dass ich davon ein Foto machen muss. Weil ich das aber nicht einfach so machen will, kauf ich beim Händler eine Handvoll Bananen. Und auch dabei merkt man ganz deutlich, dass wir hier am Touristen-Hauptverkehrsweg sind. 3000 TSh knüpft mir der Typ ab, pale-face-tax included. Mto wa Mbu, Arusha, Karatu und all die anderen Touristik-Orte sind richtige Abzocker-Dörfer. Die „schnelle Mark“, das ist’s, was zählt. Vergleicht man dazu, was ein normaler Landarbeiter in Tansania verdient und was die hier, dann ist das alles schon mehr als bedenklich. Und ich als Tourist hänge genau dazwischen drin.

Die Bananen hab ich dann Kindern geschenkt, die auf einem Mäuerchen sitzend ihrer Mutter zusehen, die gerade einen Marktstand aufbaut. Die Kinder strahlen wie Honigkuchenpferd. Langsam wacht die Stadt auf. Wird doch hoffentlich klappen jetzt mit meinem Gästebucheintrag.

Glory – Hallelujah


Endlich hat das Internet-Café auf. Ich komm auch gleich auf Susannes Seite: „Liebe Delfinfreunde, Delfine sind ein Teil meines Lebens – seit einigen Jahrzehnten schon …“, aber Volldepp wie ich bin, find´ ich mein Zettelchen nicht mehr, auf dem in Kisuaheli steht, dass „der Safari-Fotograf die Meeresakrobaten grüßt“. Außerdem habe ich meine Computerbrille vergessen, ohne die ich bei schlechter Beleuchtung so was von blind bin. Zurückgehen möchte ich jetzt aber auch nicht mehr. „sarakasi kwa bahari“ war drin, glaub ich. Den Rest hab ich leider vergessen.

„Hakuna matata“. Für Glory, die mir den Computer angemacht und sich für mich eingeloggt hat, ist das alles kein Problem. Sie spricht nämlich nicht nur Kisuaheli, sondern auch noch hervorragend Englisch. Sie übersetzt mir meinen Satz und ich tippe ihn in die Tastatur.

Ohne Brille und mit der ungewohnten afrikanischen Tastatur ist aber auch das nicht einfach! „No, no, no! Back!”, korrigiert mich Glory immer wieder. „Mpiga, not mpicha! Picha is the second word. Go back and type it again. M-p-i-g-a! Correct! Now the next word: picha p-i-c-h-a.” So hangeln wir uns durch, Wort für Wort. Glory lacht sich halb schief und ich kann auch nicht mehr an mich halten. Selten habe ich beim Mailschreiben so gelacht. Schließlich steht er tatsächlich da, der für mich so wichtige Eintrag # 308 in Susannes Gästebuch: „MPIGA PICHA NATUMA SALAMU KWA WANAFANYA SARAKASI KWA BAHARI“. Der Safari-Fotograf grüßt die Meeresakrobaten.

Ein paar Minuten hat das schon gedauert, man kann den Computer aber nur viertelstundenweise buchen, sodass wir noch etwas Zeit haben. Ich frage Glory, ob es sie interessiert, wo ich herkomme und wie es in Deutschland so aussieht. Sie ist sehr interessiert. So zeige ich ihr auf meiner HP Bilder von unserer Tour durch die Lüneburger Heide, von Ligurien und natürlich von Chicco. Den Chicco würde sie gleich haben wollen. Sie ist total begeistert und ich auch, hab’ ich doch, mit Glorys Hilfe, mein Versprechen mit dem Gästebucheintrag wahrmachen können.

Abschied von Lazaro und Alouis


Ich könnte noch ewig bleiben bei Glory, es macht unheimlich Spaß, sich mit ihr zu unterhalten, aber inzwischen ist es halb zehn Uhr und die werden drüben schon mit dem Frühstück warten. Nee, die warten noch nicht. In Afrika gehen die Uhren einfach anders als bei uns in Deutschland. Heute haben wir auch nicht mehr allzuviel vor. Nur noch knapp 100 Kilometer auf besten Straßen bis zum Flugplatz nach Arusha, wo wir uns von Lazaro und Alouis verabschieden werden und von wo aus Werner, Helmut und ich heute Nachmittag um halb vier für eine Anschlusswoche nach Sansibar fliegen.

Am Ende einer Safari wird von Fahrer und Koch generell ein Trinkgeld erwartet. Ein heikles Thema, vor dem sich jeder ziert und das kaum einer laut ausspricht. Ob man das nun gut findet oder nicht, es geht einfach nicht anders. In Afrika leben viele Angestellte ausschließlich oder überwiegend von Trinkgeldern. Die Festgehälter sind in der Regel sehr niedrig. Wie das bei Elefant-Tours geregelt ist, weiß ich nicht, darüber spricht man als Gast nicht. „Kein Trinkgeld geben“ jedenfalls, vor allem, wenn man zufrieden war, geht absolut nicht.

Trinkgelder sind für die meisten immer eine „diffizile Sache“, deshalb möchte ich nicht „um den heißen Brei herum“, sondern „Tachles reden“. Je nach Zufriedenheit, sollte das Trinkgeld für den Fahrer so bei 10 bis 20 $ pro Safari-Tag liegen, pro Gruppe, also nicht von jedem Einzelnen. Der Koch erwartet in etwa die Hälfte. Dass der Koch immer nur die Hälfte bekommen soll, ist unserer Meinung nach allerdings ungerecht. Alouis hat nämlich, ebenso wie Lazaro, eine Woche lang Hervorragendes geleistet. Deshalb bekommt Lazaro von uns 60 % und Alouis 40 %.

Wir hoffen, wir haben’s richtig gemacht. Jedenfalls freuen sich beide, nachdem sie ihre Umschläge geöffnet haben, sichtlich. Wir waren mit beiden auch sehr zufrieden und hoffen, dass wir sie auch nicht allzu sehr genervt haben mit unserem „Stopp, go back, animal!“ Allzuoft ist das ja nicht passiert, denn Lazaro hat die Tiere immer schon gesehen, bevor wir auch nur ansatzweise ne Ahnung hatten, dass es diese Tiere dort überhaupt gibt. Auch Alouis hat sich häufig selbst übertroffen. Ich sag nur: Täglich ein vollständiges Menü und als Krönung die Geburtstagstorte am Ngorongoro. Da hat Elefant-Tours wirklich zwei Spitzenleute an der Hand. Danke Elefant-Tours, Danke Alouis, Danke Lazaro!

Nach dem „offiziellen“ Teil, kommen wir endlich zum Frühstück. Bis heute Nachmittag haben wir noch alle Zeit der Welt. Am Nebentisch unterhalten sich zwei Deutsche:

„Die Schwarzen sind nur hinter deinem Geld her. Gestern sind hier auch wieder einige kräftig beschissen worden!“

„I au.“

Das muss man allerdings einkalkulieren, wenn man in einem Drittweltland Urlaub macht. Für die Schwarzen sind wir einfach „mega-reich“. Viele können sich überhaupt nicht vorstellen, dass wir auch jahrelang auf eine solche Reise sparen müssen. Ich finde, dass „der doppelte Preis“ für einen unbedarften Touristen wie mich schon mal drin sein darf. Da würde ich noch nicht von „Beschiss“ sprechen, eher von einem „Versuch“, dem ich meist toleriert hab. Bei extrem überhöhten Preisen (z.B. 10 $ für ein Kilo Bananen) schaff ich es aber auch nicht mehr, freundlich zu bleiben und zu feilschen, nein, da werd ich schon mal richtig pampig und hinterher ärgere ich mich dann über mich.

 

< Abends in der Jambo Campsite Fahrt zum Arusha Airport >
MIT SCHLAFSACK UND ZELT IN DER SERENGETI … UND HINTERHER NACH SANSIBAR
REISEBERICHTE AUS AFRIKA


2 Reaktionen zu “Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti”

  1. Susanne

    Auch wenn ich nicht dabei war – weil ich ja Impfungen hasse ;o)) -, wenn ich deinen Bericht lese und die tollen Bilder sehe, kann ich deine Begeisterung für deine außergewöhnliche Safari gut nachempfinden.

    Grüßlis!
    Susanne

  2. Daniel Kreher

    Hallo Rüdiger,
    echt cool was du da gemacht hast. Afrika hat seinen eigenen Reiz, werde bestimmt auch noch öfter nach Afrika fahren, vielleicht auch mal nach Tansania an den Victoriasee, haben da erst eine Reportage drüber angeschaut.
    Aber weisst ja, Schule geht vor ;-)

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