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Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti

Sonntag, 25. August 2009 (1/3)

Sonnenaufgang in der Seronera Area


Werner W. hatte mir seinerzeit mitgeteilt, dass der Sonnenaufgang in der Seronera Area ein Muss sei. Das will ich auf keinen Fall versäumen. Schließlich hatte ich in Afrika schon mal ein Sonnenaufgangs-Problem, vor vier Tagen nämlich, als wir auf dem Kilimanjaro-Airport gelandet sind. Da hatte ich mich mit der Sommerzeit verrechnet. Damit mir das nicht noch mal passiert, habe ich, während alle anderen schlafen, auch schon geduscht. Das sah sicher doof aus, so ohne Klamotten in der Dusche, dafür aber mit Stirnlampe am Kopf. Zum Glück sind die Dinger ja wasserdicht. Jetzt steh ich vor der Tür des Duschhäuschens und hab meine Kamera mittels Bohnensackstativ auf der Sichtschutzmauer vorm Sanitärhaus verwacklungssicher gen Osten ausgerichtet und warte.

Gegen 6:20 Uhr beginnt sich der Himmel zu röten, gegen 6:47 Uhr dann ist die Sonnenscheibe voll zu sehen. Es ist so ein wundervoller Morgen, dass er schöner eigentlich nicht mehr sein kann, emotional, fast schon kitschig. Du hörst nur Geräusche, hier ein Knacken, dort ein Schnauben. Sehen kannst du kaum was, aber du kannst dich der Situation nicht entziehen, selbst dann nicht, wenn im Geiste bereits Musik einsetzt. Das Ganze ist so unrealistisch, dass du echt nicht mehr weißt, ob das Wirklichkeit ist oder ob du halluzinierst.

Schemenhaft bekommt das Schnauben Gestalt. Es sind Zebras, die zwischen vereinzelten Bäumen weiden. Dahinter grasen friedlich ein paar Antilopen. Tage, die so beginnen, habe ich selten erlebt – eigentlich noch nie. Näher kann man der Schöpfung nun wirklich nicht mehr sein. Das ist vollkommene Harmonie, auch wenn ich weiß, dass nicht alles „Eitel-Freude-Sonnenschein“ sein kann und die Raubkatzen hier auch überleben wollen (außer den Löwen im Tarangire NP und gestern habe ich aber leider noch keine anderen Raubkatzen gesehen), genieße ich doch die „heile Welt“.

Frühpirsch in der Seronera Area


Heute bin ich von den Aktivitäten Lazaros selbst überrascht. Haben wir bisher immer nur getrödelt, sind wir heute, kaum dass die Sonne aufgegangen ist, schon unterwegs. Ohne Frühstück! Doch darauf muss man auch mal verzichten können. Im schönsten Morgenlicht stellt uns eine Leierantilope ihr Kalb vor und säugt es vor unseren Augen. Sanftmütiger kann ein Tag doch nicht mehr beginnen. Ich bin total selig!

Ballonfahrt über die Seronera Area


Am Horizont steigen grün-weiße Ballons auf, geschoben nur vom Morgenwind. Niemand weiß, wohin sie treiben. Lediglich die Höhe können die Ballonfahrer selbst steuern. Manchmal fahren sie so tief, dass sie fast die Baumwipfel berühren, ein andermal so hoch, dass die Passagiere vermutlich bis zur Massai Mara sehen können (und die liegt drüben in Kenia!). Das muss fantastisch sein, so absolut still, nur hin und wieder unterbrochen vom Rauschen der Brenner, über die Serengeti zu gleiten.

Wir bleiben bodenständig


375 US-$ pro Nase sind allerdings auch ein bisschen heftig. So genießen wir das Serengeti-Feeling lieber am Boden. Auch hier hat man, bei deutlich geringeren Kosten, ebenfalls alles. Das Bild, das ich eben geschossen habe, ist für mich der Inbegriff der Serengeti schlechthin. Dieses Licht, diese Weite. Schon am Display bin ich überwältigt. Ich hoffe nur, es ist scharf genug, dann wird dieses Bild als Poster mein Arbeitszimmer schmücken. Ich bin total beseelt. Kann aber auch sein, dass ich ohne Frühstück völlig unterzuckert bin. (Diese Möglichkeit für Realitätsverlust will ich aber gar nicht zulassen).

Sekretär


Es ist kurz vor 8:00 Uhr. Selbst die „afrikanischen Beamten“ sind nun schon unterwegs. Ein Sekretär stolziert erhobenen Hauptes an unserem Toyota vorbei, die Feder hinters Ohr gesteckt. Derweil ich meinen Fotografierfinger in Erwartung einer möglichen Aufnahme fast ununterbrochen am Auslöser habe (und dadurch einen Akku nach dem andern entlade), muss Werner seine neue Nikon erst noch auspacken. Zu spät, wie mir scheint. Einen gewissen Spott kann ich mir dabei natürlich nicht verkneifen. Der Sekretär vergrößert mit weit ausgebreiteten Schwingen zunehmend die Distanz. Während ich genüsslich auf meinem viel zu kleinen Canon 300 D-Display das Resultat meiner Knipskunst betrachte, bleibt dem Nikon-User nur noch der Fluch. „Ja, so ein verdammtes A***loch, so ein arrogantes!“ Hat der jetzt den Fotografen mit der Konkurrenzkamera gemeint, hihi?

Geparde


8:06 Uhr. Nun sind sie endlich da, die großen Katzen! 4 Geparde auf der Jagd. So nahe habe ich Geparde noch nie gesehen! Langsam bewegen Sie sich auf eine kleine Gruppe Thomsongazellen zu. Kurze Zeit später ist die Jagd vorbei. Vier hungrige Geparde haben wieder genug zu fressen – solange sie nicht gestört werden.

Das Problem bei Geparden ist nämlich, dass sie sich den Wanst nur so lange vollschlagen können, so lange nicht jemand anders kommt, der ihnen die Beute streitig macht. Dieses Problem haben Leoparden beispielsweise nicht. Die schleppen ihren Riss zu einer Felsspalte, wo sie ihn verstecken, oder gar hoch auf einen Baum, wo sie ihn (sicher vor Anderen) in einer Astgabel fixieren.

Löwen


Als ob ich’s geahnt hätte. Irgendwas stimmt nicht mehr. Die Geparde haben aufgehört zu fressen und schauen gebannt in eine einzige Richtung. Sie blieben nicht lange unentdeckt. Außer von uns wurden sie nämlich auch von zwei Löwinnen ausgemacht, die etwa 200 Meter entfernt auf einem kleinen Erdhügel sitzen (wahrscheinlich haben die Löwinnen die Geparde schon lange vor uns gesehen, vielleicht hat Lazaro aber auch zuerst die Löwinnen gesehen, sodass er wusste, dass in deren Blickrichtung was anderes zu sehen ist. Die Geheimnisse der Tierbeobachtung in Afrika werden wir Touristen nie verstehen). Die Löwinnen haben ihr Ziel erreicht. Was sollen die sich noch anstrengen, wenn die Geparden „den Tisch für sie schon gedeckt haben“?

Das scheint auch die Gazelle zu wissen, die direkt vor den Löwen (und ohne ein Spur von Verunsicherung) ihr „Frühstück“ zu sich nimmt. Von den beiden Löwen geht im Augenblick keine Gefahr aus.

Mit gleichmäßigen Schritten (sie hat es nicht) marschiert eine von ihnen in eine ganz bestimmte Richtung. Pech für die Geparden, aber Glück für uns: Auf dem Weg zum Riss der Geparden muss sie direkt an unserem Toyota vorbei. Doch das Fahrzeug scheint sie überhaupt nicht zu stören. Sie hat nur ein Ziel. Auf diese Weise haben wir die Möglichkeit, die Löwin aus allernächster Nähe zu fotografieren. Ihr Blick fasziniert mich. Auch sehe ich zum ersten Mal ganz bewusst, dass Löwen an den Beinen „Pantherflecken“ haben, zumindest diese hier. Aber sie heißen lateinisch ja nicht umsonst Panthera leo.

Die schlanken Jäger trollen sich und können es offenbar kaum fassen, was sie da zurücklassen müssen. Notgedrungen müssen sie zusehen, wie die Löwin (als wolle Sie die Geparden foppen) den Riss in die Höhe schleudert.

Inzwischen hat sich ein ganzes Rudel Löwenweibchen um den Kadaver versammelt. Lang Freude haben sie an ihrem Fund aber auch nicht. Denn jetzt, wo alles „hergerichtet“ ist, trottet der Pascha daher. Die Weibchen mucken zwar noch kurz auf, distanzieren sich aber.

Weißrückengeier


Lange hat der Pascha allerdings keine Freude. Denn schon kommen wieder welche, die wohl noch mehr Interesse an der Sache haben. Im Tiefflug kommen Weißrückengeier angeflogen. Da heißt es auch für den „König der Tiere“: Kopf einziehen. So geht es wohl ewig weiter. Wer wird die Geier vertreiben? Hyänen vielleicht? Zum Schluss wird jedenfalls wird die Gazelle komplett verwertet sein. Es werden neue Gazellen geboren werden und der Kreislauf wird niemals enden.

Zwischenbilanz


Über eine Stunde stehen wir nun hier und sind nur am Beobachten. Ich kann die Fotos, die ich geschossen habe, schon gar nicht mehr zählen. Es ist einfach nur Wahnsinn. Als ich 2002 hier war (und das war im Januar, wo es hier eigentlich noch viel mehr Tiere gibt), haben wir noch nicht mal einen Bruchteil davon gesehen. Und jetzt in der Trockenzeit – ein Highlight nach dem andern: Thomson-Gazellen, Geparden, Löwen und zum Schluss noch Weißrückengeier. Ich weiß nicht, haben wir nur unwahrscheinlichen Dusel oder liegt es am begnadet guten Guide Lazaro? Wenn ich nur sehe, was er uns bisher gezeigt hat, dann würd’s mich nicht wundern, wenn wir bei der Frühpirsch heute auch noch einen Leoparden zu Gesicht bekämen. Ja, ich weiß, die Bitte ist unverschämt, aber man wird regelrecht süchtig. Manche bezeichnen diese Sucht auch mit „Safari-Fieber“.


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