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Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti

Samstag, 22.8.2009 (2/2)
Serengeti – Zwischen Lobo- und Seronera-Area


Gegen 13:00 Uhr erreichen wir wieder die Campsite an der Lobo-Area. Während wir uns durch die Savanne haben chauffieren lassen, war Alouis fleißig und hat nicht nur die Zelte abgebaut, sondern auch noch ein lecker Mittagessen zubereitet. Von den Magen-Darm-Problemen, die mich heute Nacht quälten, ist nichts, aber auch gar nichts mehr übrig und so hau ich mir mit Alouis‘ Leckereien gut den Wanst voll.

Pavian


Als zahlende Gäste von Elefant-Tours haben wir nichts weiter zu tun, als Afrika einfach nur zu genießen derweil Alouis und Lazaro unser Zeug im Toyota verstauen. Ich nutze die Zeit, schleiche ich mich noch etwas durchs Unterholz und entdecke keine zehn Schritte von dem Platz entfernt, wo heute Nacht mein Zelt stand, einen einzelnen Pavian. Da steh ich nun in der Serengeti und vor mir hockt ein Pavian. Zum Greifen nah! Doch die Sonne steht so ungünstig hoch, dass man unter den hervorstehenden Augenbrauenwülsten seine Augen kaum sehen kann. So kann man weder erahnen, was er vorhat, noch ein g’scheites Foto machen.

Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich ebenfalls hinzuhocken. Ob er sich nun von mir bedroht fühlt? Ob er angreift? Ach was! So ne Chance hat man nicht alle Tage. Allerdings, viel Schutz werden die drei Stängel des Busches, hinter dem ich hock, nicht hergeben. Er ist aber ein „ganz Lieber“ und ich kann in Ruhe „klick“ machen. Vielleicht ist das mit den angeblich menschen-angreifenden Pavianen auch nur ein Ammenmärchen – auch nur Jägerlatein aus vergangenen Tagen. Wir beide jedenfalls tun uns nichts und glotzen uns einfach nur an. Der Dicke mit dem „schwarz-silbernen Kasten“ vorm Gesicht ist für ihn sicher genauso interessant, wie der Affe für den Dicken. In Ruhe mache ich ein paar Bildchen. Schad’ nur, dass ich jetzt nicht das Tele draufhab. Aber wir wollen ja nicht größenwahnsinnig werden. Ich habe schon so viel gesehen und kann eigentlich nur dankbar sein. Als ich mit Fotografieren fertig bin, aufstehe und ihm den Rücken zudrehe, wendet auch er sich anderem zu. Auf allen Vieren rennt er den Kopje hoch.

Zebramanguste


„Was gibt’s da zu sehen?“, scheint die Zebramanguste zu fragen, die sich, wie bestellt, ebenfalls in Pose stellt. In niedrigster Gangart, wie vor Jahren bei der Bundeswehr gelernt, robbe ich auf sie zu. „Hast Du die Agame in den Schwanz gebissen?“ Keine Antwort. Dennoch bin ich total überwältigt. Das ist für mich echte Wildlife-Fotografie. Klasse, wenn ich die Tiere gar nicht erst suchen muss, sondern sie von selbst zu mir kommen. Das ist noch einen Tick interessanter, als sie während der Safari aus dem Auto heraus zu fotografieren. Kann es überhaupt noch etwas Größeres geben?

Aufbruch zur Seronera-Area


Lazaro und Alouis haben ihre Arbeit beendet und rufen zum Aufbruch. Was Werner und Helmut in der Zwischenzeit gemacht haben, weiß ich nicht. Ich war einfach nur mit Knipsen beschäftigt. Hätte ich vielleicht irgendwo irgendwas helfen sollen? Ich denk’, sie hätten’s mir sicher gesagt. Gegen 15:00 Uhr geht’s weiter. 68 km sind’s bis zur Seronera Area, dem Zentrum der Serengeti, wo wir heute übernachten wollen. Unterwegs treffen wir auf Zebras und Giraffen. Doch sind wir bereits am vierten Tag der Safari schon dermaßen gesättigt, dass uns Zebras und Giraffen nicht mehr unbedingt vom Hocker hauen.

Aber so viel noch mal zu all denen zu Hause, die mir sagten: „Nur eine Woche Safari? Das lohnt doch nicht!“ „Doch! Es lohnt sich! Und wie!“ Noch keine Sekunde habe ich bereut, bei Elefant-Tours gebucht zu haben, und wenn ich jemals wieder nach Afrika komme, kommt für mich nur ein einziger Anbieter infrage.

Hippo-Pool


Nach etwa einer halben Stunde legt Lazaro einen Stopp ein. Ein paar Meter rechts von uns liegt nämlich der Hippo-Pool am Orangi-River. Dieser Pool scheint nicht nur ein Sammelplatz für Hippos, sondern auch ein solcher für Touristen zu sein. Etliche Fahrzeuge stehen hier, selbst ein „Schneewittchensarg-Transporter“ ist hier vertreten, allerdings nicht der von Rotel Tours, sondern irgendeiner aus Spanien, wo’s offensichtlich auch Leute gibt, die auf diese Art reisen.

Vom Platz, wo wir das Auto haben stehen lassen müssen, sind’s nur wenige Meter bis runter zum Pool. Hier liegen Hunderte Hippos in einer stinkenden „Plörre“. Damit der Gestank auch ja nie aufhört, haben Sie keine Scheu, vor den Augen der anderen (und auch vor unseren Augen) ins Badewasser zu kacken und das Ganze dann auch noch mit dem kurzen Stummelschwänzchen zu verquirlen. Da fühlt sich der Hippo wohl! Dass die Krokos, die zwischen den Hippos vereinzelt auf Sandbanken liegen, das aushalten, werde ich nie verstehen, sagt man doch, Krokos hätten einen äußerst feinen Geruchssinn.

Fahrt zur Seronera Area


Inzwischen ist es schon nach 16:00 Uhr. Zeit also, dass wir uns aufmachen, unser nächstes Quartier anzusteuern. Heute werden wir in einem Camp in der Seronera Area übernachten. Das Camp soll größer sein und auch etwas „zivilisierter“, sodass heute die Möglichkeit besteht, mal wieder zu duschen. Lazaro hat uns an diese zwei Tagen Serengeti schon so viel gezeigt, dass wir mehr gar nicht mehr verarbeiten könnten. Man braucht gar nicht unbedingt nach Tieren zu suchen. Herdentiere wie Zebras sieht man hier, wann immer man nur die Augen öffnet. Es sind so viele, dass man sie gar nicht übersehen kann.

Weißrückengeier sind auch nicht gerade selten, vor allem wenn es gilt, den letzen „Müll“ des Tages wegzuräumen.

Wovon wir zuhause geträumt hatten, das läuft hier einfach so rum und ist für uns bereits nach zwei Tagen Safari zum Alltag geworden. Hatten wir im Tarangire noch „Aaah“ und „Oooh“ gerufen, nehmen wir jetzt schon kaum mehr die Kamera hoch. Was wir heute nicht alles gesehen haben, das haben manche Safariteilnehmer in einer ganzen Woche nicht gesehen. (2002 mit dem ASC war meine „Ausbeute“ deutlich geringer!) Wir sahen Afrikanische Büffel, Impalas, Grüne Meerkatzen, Strauße, Zebras, Warzenschweine, Paviane, Siedleragamen, Flusspferde und Krokodile. Dazu kamen aber auch Tiere, die auch eingefleischte Afrika-Touristen noch niemals gesehen haben: Feuerlibellen, Klippspringer oder Zebramangusten. Selbst Löwen haben wir gesehen!

Zum Schluss stoßen wir noch auf Tiere, ohne die man sich Afrika gar nicht vorstellen kann: Elefanten und Giraffen. Ein wirklich gelungener Tag neigt sich dem Ende zu und ich freu mich auf die Dusche, die es im Camp in der Seronera Area geben soll.

Seronera Area


Kurz nach fünf erreichen wir Seronera Area, wo wir heute unsere Zelte aufschlagen. Im Gegensatz zur Lobo Area, wo wir wirklich völlig allein und auf uns selbst gestellt waren, ist die Seronera Area, die im Zentrum der Serengeti liegt, fast schon mega. Ich schätze, dass über hundert Menschen hier ihre Nacht verbringen. Der Zeltplatz ist auch einigermaßen befestigt, so mit einer kleinen Mauer drum herum, sodass größere Tiere hier wohl nicht hereinkommen werden.

Der Zeltplatz ist deutlich komfortabler als der gestrige, dafür aber auch deutlich mehr überlaufen. Dennoch finden wir für unsere zwei Zelte ein nettes Plätzchen in der Nähe der Duschen. Die werden dann auch gleich aufgesucht. Hätte nie geglaubt, dass ich so ne Dusche mal vermissen würde. Da sind wir schon verwöhnt in Deutschland.

Zurück im Zelt spiele ich meine Bilder auf den Epson, anschließend schlendere ich, bis Alouis das Abendessen gemacht hat, noch etwas übers Gelände. Wenn man den ganzen Tag nur Highlights fotografiert, bietet ein Zeltplatz eigentlich nicht mehr viel, was man noch ablichten könnte. Außer vielleicht den Dreifarbenglanzstar, der neugierig einen Wasserhahn untersucht. Ob er weiß, dass da manchmal ein Wassertropfen unten hängen bleibt oder warum inspiziert er das Messingteil so intensiv? Ich würde ihm ja gerne den Hahn öffnen, doch als ich näher komme, fliegt mir der Bursche davon.

Ein anderer interessanter Geselle ist der Starweber, den ich bereits aus dem Tarangire Nationalpark kenne. Nur mit dem Unterschied, dass der hier noch deutlich größer ist als jener am Mittwoch. Was mich wundert ist die Tatsache, dass der Bursche alleine ist, sind sie doch üblicherweise in Kolonien zusammen. Nun, vielleicht sind die Camp-Besucher jetzt seine Kolonie? Die Zeit im Camp geht schneller vorbei, als einem lieb ist. Gegen 18:30 Uhr ist es bereits so dunkel, dass an Fotografieren gar nicht mehr zu denken ist. Ich zieh mich in mein Zelt zurück und schreibe Tagebuch.

Eigentlich habe ich ja – um ja nichts zu vergessen – meinen Digital Voice Recorder dabei. Da kann man unterwegs schnell mal ein paar Gedanken diktieren. So dachte ich zumindest. Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, dass ich heute – ständig war ein anderes Tier vor der Kamera – fast überhaupt nicht dazu gekommen bin. Entsprechend schwer fällt es mir jetzt, im Nachhinein den ganzen Tag auf die Reihe zu bringen. Für meinen Internet-Bericht kann ich nur auf die Bilder hoffen und darauf, dass die dann für sich sprechen.

Es ist 19:30 Uhr, als wir zum Essen gerufen werden. Wieder mal hat Alouis – ich weiß nicht, wie der das macht – ein fabelhaftes Drei-Gänge-Menü gezaubert. Jedes Mal, wenn er kochen kann, gibt es zuerst eine Suppe, dann ein Hauptgericht mit Fleisch, Gemüse und Kartoffeln und zum Nachtisch ein lecker Dessert. Und ganz zum Schluss dann eine Dose Bier, die wir, Werner, Helmut und ich, wohlweislich in Arusha gebunkert hatten. Nur – langsam geht das Bier zur Neige, denn – Lazaro ist inzwischen auch auf den Geschmack gekommen.

Heute gehe ich relativ früh ins Bett. Zwei Dinge sind ursächlich dafür. Erstens habe ich vergangene Nacht in der Lobo Area sehr schlecht geschlafen, zweitens ist für morgen eine Pirschfahrt angesagt, die schon vor Sonnenaufgang starten soll. Da will ich unbedingt fit sein.


 

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MIT SCHLAFSACK UND ZELT IN DER SERENGETI … UND HINTERHER NACH SANSIBAR
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