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Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti

Vom Rift Valley westwärts zum nördlichen Eingang der Serengeti
(Fr. 21. 8.2009)


Das Geröll gehört der Vergangenheit an. Hier oben in 2000 Metern Höhe ist die Erde rot. Es gibt auch wieder Pflanzen und die Massai haben die Möglichkeit, ihre Ziegen weiden zu lassen.

Selbst Rinder gibt es wieder. Hier oben ist viel mehr Leben als unten im Rift Valley. Wir passieren unzählige Ortsschilder, Sonjo, Digidigo, Saale Village und Orgosorok steht da drauf, doch von zugehörigen Orten ist weit und breit nichts zu sehen.

Die Menschen leben total verstreut – ohne Schulen und ohne Krankenversorgung. Einzig in Wasso gibt es ein Krankenhaus. Es wurde im Jahr 1964 vom Österreicher Dr. Herbert Watschinger gegründet. Es ist das einzige Krankenhaus in der Gegend. Das nächste liegt 213 km weiter südlich, in Endulen, an der Südgrenze des Ngorongoro Districts. Mit unserem Land Cruiser könnten wir (zumindest theoretisch) in 5 oder 6 Stunden auch dort sein. Was Einheimische allerdings machen, wenn sie erkranken, ist mir ein Rätsel.

Oloip Bar


10 Minuten hinter Wasso halten wir an einem einzeln stehenden Haus. Davor ist eine Art Picknick-Platz. Wir lassen uns nieder und versorgen uns abermals aus dem Pappkarton. Auch heute ist das Essen wieder ausreichend lecker. Wenn man hingegen hinterfragt, was die Menschen hier zu essen bekommen, dann wäre wahrscheinlich trockenes Brot noch ein Leckerbissen. Davon sind wir Touristen aber weit entfernt. Für uns gibt’s Hühnchenschenkel, Muffins, eine Art Sandwich und kleine Bananen. Das pappsüße Getränk mit ananas-ähnlichem Geschmack müssen wir mittels Strohhalm aus einer Aluminiumtüte zuzeln. Doch Letzteres ist nicht so mein Ding.

Am Haus das Schild „Oloip Bar“ macht uns neugierig, also gehen wir mal rein und gucken. Und – Wunder über Wunder – hier gibt’s Flaschenbier. Egal, was das kostet, das muss jetzt sein. Für 5000 TSh (2,75 €) insgesamt gibt’s für jeden von uns ein „Eagle-Bier“. Obwohl wir aussehen „wie Penner“ (habe ich erst hinterher auf den Bildern gesehen), werden wir freundlich behandelt, und Adeline, die uns die Biere kredenzt, hält auch kräftig mit uns mit. Prost und weg! All zu oft werden hier wohl kaum hellhäutige Konsumenten vorbeikommen.

Kurz nach zwei fahren wir weiter. Bis zum Klein’s Gate sind’s noch 52 km, sagt ein Schild. Ne starke Stunde noch, Schotterstraße hin oder her, Lazaro ist ein super Fahrer und der Land Cruiser ist wie geschaffen für diese Pisten.

Soitsambo


Nachtrag 2.11.2009: Als wir durch Soitsambo fahren, haben wir nicht die leiseste Ahnung, was draußen geschieht. Nachfolgende Meldung, die exakt den heutigen Tag in Soitsambo beschreibt, finde ich lange nachdem ich wieder zu Hause bin auf der Seite der Freunde der Naturvölker e.V. im Internet.

Friday, 21. August 2009
Im Zuge der “Operation Save Loliondo” sind in der Loliondo Region in Tansania von der Polizei acht Massai Dörfer niedergebrannt worden. Tausende Massai sind nun ohne Nahrung und Unterkunft und sind mit ihren Viehherden in extrem dürres Land vertrieben worden, ohne Gras und Wasser. Bereits Anfang Juli haben schwer bewaffnete Polizeieinheiten Hütten und Nahrungsspeicher der Massai niedergebrannt, auch wird in mehreren Fällen von exzessiver Gewalt und Vergewaltigungen berichtet. Inzwischen sind auch mehrere Massai verhaftet worden.

Die Vertreibung der Massai von ihrem Stammesland durch die tansanische Staatsgewalt dient der Durchsetzung von ausländischen Jagdkonzessionen der Otterlo Business Corporation (OBC), die wie auch die Tanzania UAE Safaris Ltd. der arabischen Königsfamilie (UAE) gehört. Seit 1992 ist die OBC in Tansania im Jagdgeschäft aktiv und erhielt u.a. die Jagdkonzession über die „Loliondo Game Controlled Area“…(weiter)

Wenn ich das so im Nachhinein betrachte, wird mir richtig elend. In Soitsambo bin ich in ’ner Bar rumgesessen und hab mein Bier geschlürft, während draußen, genau am selben Tag, nur wenige Meter weg, einheimische Massai um ihr Leben und ihre Existenz kämpften. Ob Lazaro davon was mitbekommen hat? Keine Ahnung! Trotz rudimentärer Kisuaheli-Kenntnisse haben wir Touristen eben doch nicht alles verstanden, was im Funk oder im Radio gesprochen wurde. Vielleicht kommt so was ja auch gar nicht im Radio. Ich bin tief betroffen. Ende des nachträglichen Eintrags

Klein’s Gate


Gegen 16:00 Uhr kommen wir am Klein’s Gate, dem nördlichen Tor zur Serengeti, an. Es ist nicht viel los. Nur ein einziges Auto vor uns. Lazaro bezahlt die Gebühren und wir fahren rein. Endlich sind wir in der Serengeti, dem zweifellos berühmtesten Wildreservat der Welt.

Allein schon, wenn man nur den Namen hört, Serengeti, da kommen einem unweigerlich Bilder in den Sinn: Offenes Flachland mit ein paar Schirmakazien drauf, Giraffen, Zebras, Gnus, aber auch Löwen, die auf Felsen herumlungern und die Landschaft auskundschaften, Hyänen, die sich um einen Kadaver streiten, und Geier, die am Himmel kreisen. Werden diese Bilder bestätigt werden? Werd‘ ich irgendeines der Tiere sehen? Spätestens in einer Woche werd‘ ich’s wissen. Ich freu‘ mich tierisch, als der Schlagbaum zum Reich meiner Jugendträume hochgeht und wir losfahren.


 

< Rift Valley Escarpment Vom Klein´s Gate zur Lobo Area >
MIT SCHLAFSACK UND ZELT IN DER SERENGETI … UND HINTERHER NACH SANSIBAR
REISEBERICHTE AUS AFRIKA


2 Reaktionen zu “Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti”

  1. Stephan

    So nah liegen dann doch Freud und Leid beieinander. Man ist zwar als einzelner Mensch nicht für alle Menschen der Welt verantwortlich, jedoch kann ich Dich verstehen, dass dann einem das Lachen im Halse stecken bleibt…denn eigentlich ist der typische Gesichtsausdruck „ENDLICH Bier!“ schon überaus ein Schenkelklopfer wert. Wie schmeckt eigentlich afrikanisches Bier?

    Klicken wir mal weiter…mal schauen, was Du sonst noch so erlebst ;-)

  2. Rüdiger

    Stephan,

    das Afrikanische Bier ist superlecker. Mein Favoriten: Tusker und Safari. Nur kalt sollte es sein.

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