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Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti

Eine Oase in der „Wüste“ (20.8.2009)


Die letzten 120 km waren gekennzeichnet von Schotter, Steinen, Sand und Staub – und das alles bei knalle Sonne. Eine Fahrt, bei der wir (von den kurzen Pausen einmal abgesehen) 3½ Stunden lang bis an die „Gute-Laune-Belastungsgrenze“ durchgeschüttelt wurden. („Gute-Laune-Belastungsgrenze“ ist übrigens eine Wortschöpfung von Werner W., ja, der mit dem Film, die passender nicht sein könnte). Eine Spazierfahrt war das nämlich wahrlich nicht und zeitweise hatte ich echt Befürchtungen, ob meine (operierte) Bandscheibe das überhaupt mitmacht, diese Welt aus Steinen, Staub und Stößen.

Als wir die Lake Natron Campsite erreichen, ändert sich von „jetzt auf gleich“ die Situation. Inmitten einer unwirtlichen, kargen Steppenlandschaft umgibt uns plötzlich explodierendes Grün, eine ideale Heimat für Vögel und auch Säugetiere, die hier ein wahres Paradies vorfinden.

Das Zauberwort heißt „Wasser“. Wasser des Engare-Sero-Flusses, der 1000 Meter höher nur wenige Kilometer westlich des Oldonyo Lengai im Hochplateau entspringt. Von dort aus bahnt er sich seinen Weg in nord-nordwestlicher Richtung durch das Plateau bis er dann hier unten im Rift Valley (600 ü. N. N.) die letzten zwei, drei Kilometer bis zum Lake Natron unterirdisch verläuft.

Nachdem wir gestern in der Zion Campsite noch ein simples Hockklo mit einem kleinen Loch über einer Grube hatten und eine Dusche, bei der entweder kein oder nur wenig Wasser kam, gibt es hier ein Sanitär-Häuschen mit richtigen Porzellan-Flachspülbecken, so wie sie auch in vielen Teilen Deutschlands üblich sind. Auch gibt es richtige Duschen. Das ist Luxus pur! Beides wird natürlich sofort ausprobiert. Also Handtuch und Shampoo geholt und dann rüber ins leopardengemusterte Häuschen. Das tut so richtig gut und ich fühle mich wieder fit wie ein Turnschuh.

Während Helfer irgendwo unsere Zelte aufbauen, können wir nun, vom Staub befreit, so richtig dem Müßiggang frönen und abhängen. Auf unseren Klappstühlen unter Schirmakazien sitzend, fühlen wir uns fast wie Hemingway oder Quatermain in ihren besten Tagen, d.h. nicht ganz. Wir sind keine Kolonialherren und es kann einfach nicht sein, dass Lazaro am „Katzentischchen“, drei Meter von uns entfernt, sein Essen (auch heute gibt es das Essen wieder aus dem Pappkarton) zu sich nimmt. Wir bitten ihn zu uns heran und kommen ins Quatschen. In zwei Stunden etwa wollen wir aufbrechen und zu den Engare-Sero-Waterfalls wandern. Bis dahin heißt es voll relaxen. Wo Alouis die ganze Zeit ist, erschließt sich uns nicht, wohl aber, dass in Afrika – auch heute noch! – ein Koch weitaus weniger gilt als beispielsweise ein Guide oder gar ein Gast. Das gefällt uns nicht so ganz und wir werden versuchen, diese Hierarchie im Laufe der Zeit etwas aufzuweichen. Während wir abhängen, sehen wir weiter hinten immer wieder Angestellte des Camps, welche Ziegen und Esel der Massai vom grünen Camp vertreiben. Zweischneidige Sache: Die Massai draußen und ihre Tiere haben nichts und hier drin gibt’s Grün im Überfluss. Andererseits, mitarbeiten wollen die Massai eben auch nicht. Die wollen nur profitieren.

Ich bin fertig mit Essen und ich bin absolut nicht der Typ, der zwei Stunden stillsitzen kann. Schon gar nicht im Urlaub. Also hol’ ich meine Kameras und geh’ im Camp auf Pirsch. Als erstes sind die Ziegen dran, die ich vorher auf dem Weg zum „Häuschen mit dem Leopardenmuster“ schon sah. Das sind dankbare „Opfer“.

Doch Mist, die Akkus gehen hier wesentlich schneller zur Neige als ich es von zu Hause gewohnt bin. Warum? Ich habe keine blasse Ahnung, doch ändern kann ich’s auch nicht. Zum Glück gibt’s in der Campsite aber nicht nur Wasser, sondern an der Rezeption auch reichlich Strom und dazu ein sehr freundliches Personal, das es schon gewohnt ist, dass die Touristen mit ihren Ladegeräten antraben. Um diese Zeit sind noch sehr wenige Touristen da und so habe ich die volle Power ganz für mich alleine. Auf diese Weise habe ich morgen wenigstens wieder zwei geladene, volle Akkus. Das mit dem Akku-Laden am Zigarettenanzünder war nämlich nicht so der Hit. Dort hing der Akku den ganzen Morgen und voll ist er immer noch nicht.

Nachdem die „Energieversorgung“ für morgen gesichert ist, gehe ich querfeldein wieder zurück ins Camp. (Querfeldein schon allein deswegen, weil da irgendwas durch die Bäume klettert, was ich vielleicht knipsen könnte). Urplötzlich stecke ich bis zu den Knöcheln voll im Matsch. Wohl sehr zur Gaudi der Grünen Meerkatzen, die nun überall um mich rumhüpfen.

Grüne Meerkatzen sind etwa 40 bis 60 cm groß, haben einen 30 bis 70 cm langen Schwanz und wiegen etwa 3 bis 7 Kilogramm.

Auffallend bei den Männchen sind der leuchtend blaue Hodensack und der knallrote Penis. Zeigen sie beides, wollen sie damit deutlich machen, wer in der Runde das Sagen hat. (Is’ ja gut, so im Matsch stehend sehe ich sicher nicht überaus dominant aus.) Grüne Meerkatzen sind nicht sehr wählerisch, was ihren Lebensraum anbetrifft. Allerdings hassen sie all zu dichte Wälder und gänzlich baumlose Gebiete auch. Die Affen sind zwingend auf Wasser angewiesen. Insofern kann man sicher sein, dass da, wo Grüne „Meer“-Katzen sind, 100%ig auch Wasser ist und sei’s auch nur 3 cm unter der Grasnabe.

Außer Affen, Ziegen, Eseln und uns gibt es im Camp unzählige Webervögel, unschwer zu erkennen an den zu Hunderten dicht an dicht in den Bäumen angebrachten kugelförmigen Hängenestern. Die Männchen bauen diese Nester in der Balz, um, damit Weibchen anzulocken. Manche bauen vorsorglich auch gleich mehrere Nester. Auf eins davon wird sie sicher reinfallen. Welche Art sich hier niedergelassen hat, ist mir zunächst unklar, da meine Bestimmungsbücher für Serengeti und Ngorongoro Crater Area absolut nichts hergeben. Erst zu Hause entdecke ich, dass es sich bei den braun-weißen, etwa 18 cm großen Vögeln um Mahali-Weber (Plocepasser mahali) handelt. Weil diese Art aber normalerweise in trockenen oder baumbestandenen Steppen vorkommt und ortstreu sein soll, hätte ich sie in der Oase weniger vermutet. Die Zeichnung ihres Gefieders ist aber eindeutig.

Weil wir um halb vier zum Engare Sero Wasserfall wandern wollen, beende ich langsam meine Fototour und gehe zum Zelt zurück. Auf dem Weg dorthin treff’ ich Lazaro, der offensichtlich die ganze Zeit geratzt hat. Von den andern beiden und auch von Alouis ist nirgendwo nichts zu sehen. Ich sichere meine Fotos, schau’ sie mir auf dem größeren Bildschirm meines Epson an und freu mich über die bisherige Ausbeute. Für die Tour zum Wasserfall zieh’ ich mir dann noch lieber die Badeshorts an, weil ich doch nachher unbedingt unter dem Wasserfall stehen und ein Foto aufnehmen will. Mal sehen, ob das überhaupt machbar ist. Vorsichtshalber nehme ich auf alle Fälle meine wasserdichte AS-1 mit.


 

< Im Massailand Engare Sero Wasserfall >
MIT SCHLAFSACK UND ZELT IN DER SERENGETI … UND HINTERHER NACH SANSIBAR
REISEBERICHTE AUS AFRIKA


Eine Reaktion zu “Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti”

  1. Stephan

    Das Ladegerät kommt mir doch sehr bekannt vor…waren nicht zufällig NP-400 Akkus oder?

    Sei es drum, Dein Kopfkino muss sicher beim Anblick der Sanitärhütte durchgedreht sein…“ZIVILISATION!“ :-) Ich kann Dich verstehen, eine schöne Dusche nach all den Strapazen ist eine tolle Sache. Ich frag mich nur, warum Eure Begleitung so dermaßen auf Abstand gehen musste? Dienstanweisung? Verstehe ich nicht, aber ganz offensichtlich ist es Ihnen nicht ganz untersagt auch mit den Gästen zusammen zu sitzen und zu reden (dafür macht man doch immerhin Urlaub).

    Ich bin zwar noch lang nicht durch, aber die Lektüre Deiner Geschichten finde ich überaus spannend! Schade nur, dass die Vollbild Ansichten Deiner tollen Fotos so klein ist.

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