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Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti

Flughafen Frankfurt – Fernbahnhof (18.8.2009)


Wir sind absolut planmäßig in Frankfurt Flughafen Fernbahnhof angekommen. Zum Terminal 1 geht’s erst mal mit dem Aufzug zwei Stockwerke hoch und dann kann man eigentlich gar nicht anders: An Imbissständen vorbei gibt’s nur einen Weg, in eine Art Tunnelröhre, Richtung Terminal 1. Dort ist nach nur 100 Metern rechts (durch die beleuchtete gelbe Säule unübersehbar) die Halle von Lufthansa, wo man am Schalter ganz links auch als CONDOR-Fluggast das Gepäck abgeben kann.

Gepäck


Hier kann ich aber nicht nur mein Gepäck abgeben, sondern ich erhalte auch gleich Boarding Card und alles, was ich heute Abend am Gate brauche. Echt klasse, so kann ich unbeschwert (im wahrsten Sinne des Wortes) durch den Flughafen bummeln. Dass das mit dem Gepäck so einfach geht, ist fast schon unglaublich. Die Tasche wog übrigens genau 18 kg. Mein Fotorucksack allerdings 8. „Das ist für Handgepäck zuviel“, meint die freundliche Bodenstewardess. „Und jetzt?“ „Hängen sie sich die schwere Kamera doch einfach um den Hals, dann haben sie kein Problem.“ Tja, warum auch kompliziert denken, wenn’s so einfach geht.

Treffpunkt


Im Vergleich zu München ist der Frankfurter Flughafen im Innenbereich total unübersichtlich. Zum Glück habe ich mein Fluggepäck aber bereits weg, insofern ist das Umherlaufen auch nicht unbedingt so schlimm. Ich stehe jetzt im Terminal 1 am Infocenter und frage nach Starbuck. Im Starbuck will ich kurz nach fünf Andrea und Micha aus Mannheim treffen, Internetfreunde vom Holidaycheck-Forum. Sie fliegen mit demselben Flieger, allerdings bis nach Mombasa. „Das Starbuck ist in der Shopping Avenue, dort drüben links.“

Sky-Train


Bis Andrea und Micha kommen, habe ich noch 1½ Stunden Zeit und so beschließe ich, in Frankfurt auf die Besucherterrasse zu gehen, vielleicht kann ich ja einen Jumbo oder etwas ähnliches fotografieren. Doch die Besucherterrasse zu finden, ist gar nicht so einfach. „Diese liegt jetzt im Terminal 2“, wird mir gesagt. Dorthin kommt man mit einer futuristisch anmutenden Bahn, dem sogenannten Sky-Train, allerdings nur, wenn man endlich deren Bahnsteig gefunden hat. Wie gesagt, der Frankfurter Flughafen ist alles andere als übersichtlich.

Besucherterrasse


Um zur Besucherterrasse zu kommen, zahlt man erst mal 5 €, dann geht’s zum Sicherheitscheck, der bei Einchecken später auch nicht intensiver sein kann. Jacke aus, alle Hosentaschen leeren, Armbanduhr ab und alles durch den Scanner, ebenso die Fototasche. Ich habe so viel Zeug am Mann, dass ich für alles 3 Plastikwannen brauche. Wegen der 8 Akkus, die ich dabei habe, sagt „kein Schwein“ was. Die Kontrolleure waren im Gegenteil sogar total freundlich und wir haben miteinander nur Quatsch gemacht.

Vor lauter Gequatsche habe ich in eine Wanne im Scanner tatsächlich vergessen wieder einzupacken. Darin waren Geldbörse und Hausschlüssel. Eine Kontrolleurin war aber so nett, mir hinterherzurufen, so dass ich auch da gut betreut und aufgehoben war.

Auf der Besucherterrasse ist es brütend heiß. Schlimmer kann es in Afrika auch nicht sein. So richtig was sehen kann man nicht, weil hier am Nachmittag brutal Gegenlicht herrscht. So bleibe ich auch gar nicht lange und fahre mit dem Skytrain wieder zurück zum Terminal 1. Als ich meine Kameras im Fotorucksack verstauen will, bekomme ich einen Riesenschreck. Der „Bendel“, mit dem mein Rucksack als „gechecktes Handgepäck“ markiert war, ist weg. Also nochmal rüber zum Fernbahnhof und dort, wo ich mein Gepäck abgegeben und die Fototasche hab prüfen lassen, von meinem Missgeschick erzählen. „Ist doch nicht schlimm!“, meinte die Angestellte und heftete mir einen neuen Zettel ans Handgepäck. Ich komm mir dabei vor wie ein Depp vom Lande.

Starbucks


Gegen 17:30 treff ich Andrea und Micha im Starbucks. Obwohl wir uns noch nie zuvor gesehen haben, erkennen wir uns sofort. Wir genehmigen uns Himbeer-Muffins und ein kaffeehaltiges Kaltgetränk. Das kostet nicht nur 5,30 €, sondern vor allem Nerven. Die Staff des Starbucks ist nämlich nicht in der Lage, die Bestellungen ihrer Gäste auch nur annähernd auf die Reihe zu bekommen. Wenn ich dran denke, geschlagene 28 Minuten anzustehen für ein Himbeertörtchen und einen kalten Kaffee! Das kann’s ja wohl nicht sein. Für mich ist eines klar: Servicetechnisch hat Starbucks allerhöchstens die Note ungenügend verdient. Das war echt nichts!

Micha muss noch eine rauchen und lässt mich mit Andrea alleine. Obwohl wir uns nur vom Internet kennen, sind wir uns auf Anhieb sympathisch. Wir reden über Gott und die Welt. Da ich mich mit Starbuck absolut nicht anfreunden kann, schlage ich vor, nachdem Micha wieder zurück ist, bei Feinkost Käfer gleich nebenan noch ein Weißbier zu trinken. Wird wohl für einige Zeit das letzte sein.

Check-In


Um 19:00 Uhr beginnt das Einchecken und um 19:36 das Boarding. Ach ja, die 8 Li-Ionen-Akkus im Handgepäck, wegen denen ich mehrere schlaflose Nächte hatte, waren überhaupt kein Thema. Dabei war das bisher meine größte Sorge. Wie sollte ich in der Serengeti fotografieren, wenn ich eine Woche lang nicht nachladen kann? Die EOS 300D mit dem 100-400 L IS USM vorne dran ist nämlich schon ein rechter Stromfresser.

An Bord der 767-300


Doch das ist alles Schnee von gestern. Nachdem ich Kissen und Decke weggeräumt hab’ (die gibt’s bei Langstrecken-Nachtflügen bei CONDOR immer) mache ich es mir auf Platz 28 A bequem. Neben mich setzt sich eine freundliche ältere Dame.

„ … Im Namen von Kapitän Momsen (Name geändert) und der gesamten Crew begrüße ich sie an Bord unsere Boeing 767-300 auf dem Flug nach Kilimanjaro und weiter nach Mombasa. Die Flugzeit bis Kilimanjaro wurde mit exakt 8 Stunden berechnet. Zur Vorbereitung des Starts darf ich sie nun bitten, die Rückenlehnen ihrer Sitze senkrecht zu stellen, die Sitzgurte zu schließen und diese festzuziehen. Zu ihrer eigenen Sicherheit empfehlen wir ihnen, auch während des gesamten Reiseflugs angeschnallt zu bleiben. Mein Name ist Karin Feldmann (Name geändert), ich bin die verantwortliche Flugbegleiterin ihres Fluges. Ich wünsche ihnen zusammen mit meinen Kollegen einen angenehmen Aufenthalt hier an Bord.“

Während wir zur Startbahn rollen, läuft auf den Monitoren über uns ein Film, der genau zeigt, wo wir uns gerade befinden. 20:26 biegen wir nach links auf die Startbahn West ein. Gleich werden wir starten. Mist, ich hab vergessen, meine Beruhigungspillen zu nehmen, und das, wo ich seit Jahren unter Flugangst leide. Für die Pillen ist es nun zu spät. 20:28. Die Triebwerke heulen auf. Wir beschleunigen. Die Passagiere werden in die Sitze gedrückt. Während die Maschine über die Startpiste holpert, schreibt es sich echt schwer im Tagebuch, aber ich schreibe. Um 20:29 haben wir keinen Bodenkontakt mehr, wir fliegen – und ich schreibe. Zu meiner Verwunderung habe ich zum ersten Mal nicht die Spur von Angst. Ich bin einfach nur glücklich, auf dem Weg nach Afrika zu sein. Das Fahrwerk wird eingezogen und wir fliegen eine scharfe Linkskurve Richtung Süden. Unter uns, im schönsten Abendlicht Frankfurt. Um 20:33 sind wir schon 2100 Meter hoch und 526 km/h schnell. Außentemperatur 9,8°C. Drei Minuten später sind wir 3600 Meter hoch und 728 km/h schnell. Die Außentemperatur beträgt nur noch 3°C. Die Maschine arbeitet einwandfrei, das „Fasten-Seatbelts-Signal“ geht aus.

Der Sitzabstand in der „Holzklasse“ ist bei CONDOR besonders eng. Würde ich eine Cordhose tragen oder eine andere aus dickerem Stoff, würde ich meine Knie dem Vordermann in den Rücken bohren. Mit Safarihose aber, reicht es auf den Zehntelmillimeter genau aus. Mal sehen, wie ich das überstehe. Diese „Unannehmlichkeit“ ist CONDOR natürlich bekannt. „Sehr geehrte Fluggäste. Gegen Zuzahlung von nur 100 € können Sie sich auch jetzt noch einen Platz in der Comfort-Class buchen, wo sie neben vergrößerten Sitzabständen auch noch die Annehmlichkeit kostenloser Getränke genießen können.“ Verlockend ist das schon, doch 100 € entsprechen dem Halbjahresbedarf an Weißbier. Das muss nicht sein. Außerdem habe ich mit der 78 jährigen Ingeborg L. neben mir einen echten Glücksgriff getan. Sie fahre jeden Winter nach Afrika, seit ihr Mann vor sechs Jahren verstorben sei. Ich bewundere diese Frau, während draußen langsam die Sonne untergeht.

Um 20:58 Uhr überfliegen wir Kolbenmoor, um 21:27 Rom und um 21:42 Sarajevo. Um 22:00 Uhr gibt’s Abendessen. Es besteht aus einer Art Ravioli mit Krautsalat. Laugenweckle, Käse, Himbeerkuchen, Butter und Apfelschorle.

Nachricht von vorne


„Guten Abend meine Damen und Herren, hier spricht ihr Kapitän. Ich hoffe, sie haben es sich inzwischen bequem gemacht und haben eine angenehme Reise durch die Nacht. Wir sind auf der Startbahn West in Frankfurt gestartet, haben Deutschland über Österreich verlassen und fliegen in 10000 Metern über das ehemalige Jugoslawien, dann über Albanien, Griechenland und Kreta in Richtung Afrika. Afrika erreichen wir in Höhe von El Alamein, fliegen dann über Ägypten, Äthiopien und erreichen Kenia östlich des Turkana-Sees …“

Während bis Mitternacht im Bordkino noch Filme laufen, ist anschließend für etwa 3 ½ Stunden Nachtruhe angesagt. Die Lichter sind aus, doch an Schlaf ist im Sitzen nicht denken.

Um 2:06 befinden wir uns über dem Sudan. Bis zur planmäßigen Landung sind es noch 3 Stunden 20 Minuten. Der Flug ist ruhig, wir sind 850 km/h schnell und 10 000 Meter hoch.

Formulare


Als um 3:35 das Licht wieder angeht, gibt’s zunächst verschiedene Formulare, die man ausfüllen muss, unter anderem das Einreiseformular. Da bist du erst mal eine Weile beschäftigt.

Kurz vor den kenianischen Grenze, es ist jetzt genau 4:00 Uhr tansanischer Zeit, gibt es endlich Frühstück. Wir sind noch knapp 950 km vom Kilimanjaro entfernt. Langsam steigt schon so was wie Nervosität auf. Um 4:46 Uhr überqueren wir den Äquator. Für mich ein faszinierender Moment. Auf der Südhalbkugel war ich bisher nämlich nur einmal, 2002, als ich ebenfalls auf Safari in Tansania war.

Landeanflug auf Kilimanjaro


Der Sinkflug hat begonnen 5:09 – 9100m / 5:10 – 7920m / 5 :12 – 7000 Meter / 5:14 – 5000 Meter. „Meine Damen und Herren, wir befinden uns im Anflug auf Kilimanjaro. Bitte kehren sie auf ihre Plätze zurück, schließen sie die Sicherheitsgurte und stellen sie zur Landung die Rückenlehnen ihrer Sitze senkrecht und klappen sie die Tischchen zurück…“

Nee, das geht nicht. Draußen ist’s doch noch dunkel! Mein Foto! Was ist mit meinem Foto?

„… alle Gäste, die während des Flugs ein elektronisches Gerät benutzt haben, werden gebeten, dies nun auszuschalten.“

Draußen ist es immer noch stockdunkel. So dunkel, dass der Himmel überquillt vor Sternen. Wegen des bei uns üblichen Streulichts kann man diese Vielzahl von Sternen in Deutschland nirgendwo sehen, wahrscheinlich noch nicht mal in der Uckermark. Aber das interessiert jetzt nicht. Ich hab’s ja schon erwähnt, dass ich bereits von zuhause aus einen Platz auf der linken Seite gebucht habe, weil ich den Sonnenaufgang am Kilimanjaro fotografieren wollte. Die „nautische Dämmerung“ hätte schon lange beginnen sollen. Man müsste schon längst den Horizont sehen können, sonst wird’s nichts mehr mit „Sonnenaufgang über dem Kilimanjaro“. Doch es bleibt dunkel, stocktiefdunkelnachtdunkel. Es ist auch noch dunkel, als die Räder der Boeing 767-300 um 5:29 Uhr den Asphalt der 3,6 km langen Landebahn berühren. Die Position war so was von richtig berechnet, aber mit der Zeit habe ich mich wohl irgendwie vertan.

„ … wir bitten sie, weiterhin ihre Mobiltelefone ausgeschaltet zu lassen, bis sie das Flugzeug verlassen haben. Im Namen von Condor, Kapitän Harmsen und der gesamten Crew darf ich mich jetzt recht herzlich von den Passagieren verabschieden, die hier in Kilimanjaro aussteigen werden. Wir hoffen, sie hatten einen angenehmen Aufenthalt an Bord und wünschen Ihnen erholsame und ereignisreiche Tage in Tansania. Die Gäste für den Weiterflug nach Mombasa werden gebeten, an Bord zu verbleiben…“

Die umgestellte Uhr zeigt 6:37 als uns die Durchsage „All doors in park and cross-check“ mitteilt, dass die Notrutschen an den Türen, die während des Flugs aktiv geschaltet waren, nun deaktiviert sind, und wir gefahrlos aussteigen können, ohne dabei „einen vor den Latz“ geknallt zu bekommen. Als ich die Treppe zum Vorfeld ’runter gehe, ist es immer noch dunkel. Aber bei mir dämmert langsam etwas! Bei meinen ganzen astronomischen Berechnungen habe ich vergessen, dass wir in Deutschland Sommerzeit haben, nicht MEZ! Da beträgt die Zeitverschiebung gegenüber Tansania nicht zwei, sondern nur eine Stunde! Ich könnte mich in Hintern beißen, wochenlang gerechnet, 15 Euro Sitzplatzreservierung und jetzt das! Nicht ärgern, Rüdiger. Wir sind doch in Afrika „Hakuna Matata!“


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MIT SCHLAFSACK UND ZELT IN DER SERENGETI … UND HINTERHER NACH SANSIBAR
REISEBERICHTE AUS AFRIKA


Eine Reaktion zu “Mit Schlafsack und Zelt in die Serengeti”

  1. Stephan

    Das liebe Starbucks…Behinderungen in der modernen Zeit. Bis man sich erstmal was über die ausführliche Bestelltafel ausgesucht hat, braucht man erstmal eine halbe Stunde, ferner man denn gute Augen hat um entziffern zu können, was „Tall, Grande, undwasweißich“ überhaut wie viel ml sind um dann anschließend entscheiden zu können, ob man nicht doch nur ein normalen Kaffee oder einen doppelt geschmacksentkoffenierten Sojamilchkaffee (Zitat Urban Priol) mit einer Sahnehaube haben mag.

    Zugegeben muss man „schlau“ sein und sich erst in die Schlange stellen, wenn man weiß, was man haben will um dann zu hoffen, es nicht vergessen zu haben, wenn man denn endlich an der Reihe ist…

    Jaja, das liebe Starbucks: Aber WENN es denn endlich mal da ist und seine Lebensversicherung für die Kaffeerechnung aufgelöst hat, DANN schmeckt der am Ende doch ganz gut.

    Übrigens bin ich seinerzeit – war das nicht sogar 2008? – bei Kyrill von einer Dienstreise aus Hamburg heimgeflogen. Ich gebe zu, dass ich es nicht so mit Flugangst habe…im Gegenteil. Irgendwie war das ein seltsam lustiger Ritt quer durch den Sturm. Und ganz so schlecht war Dein Flug am Ende dann ja doch nicht :-)

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